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Erschienen in EasyLinux 08/2003

Der PC als Musikstation, Teil 2

Grip it!

von Martin Loschwitz


Mit dem passenden Tool lässt sich die Musik der Lieblings-CDs spielend einfach auf die Festplatte kopieren und gleichzeitig komprimieren. Wir zeigen, wie's geht.

Nach der Theorie der Musikformate aus Teil 1 geht es jetzt ans Eingemachte. Die schönste Hardware-Jukebox nützt nichts, wenn man keine Musikdateien hat. Ständig mit den CDs zu jonglieren, ist im PC-Zeitalter keine befriedigende Lösung.

Die Musik muss also von der CD auf die Festplatte -- dann lassen sich die Lieder in Playlisten ordnen, die man nur noch von einem Player abspielen lassen muss. Auf Wunsch geht das auch automatisch oder endlos. Wie kommen nun die Songs auf die Platte?

grip

Die Lösung des Problems heißt Rip-Programm oder kurz Ripper. Rip bedeutet auf englisch "reißen". Für Windows gibt es viele Programme -- sucht man aber einen guten Ripper für Linux, muss man etwas tiefer graben. Früher oder später stößt man dabei auf grip, das zu den besten Linux-Rippern gehört.

Einerseits ist die Oberfläche von grip sehr kompakt. Die wichtigsten Funktionen sind mit wenigen Klicks zu erreichen. Andererseits ist das Tool weitgehend konfigurierbar, so dass Sie leicht eigene Einstellungen vornehmen können.

Hier geht es aber nur um die Grundfunktionen von grip. Bevor Sie es benutzen können, müssen Sie grip installieren. Bei Red Hat Linux 8.0 und 9.0 ist Grip vorinstalliert. Unter SuSE Linux 8.1 installieren Sie das Programm nachträglich über die Menüfolge SuSE-Work-Menü / Administration / Software nachinstallieren / Multimedia / CD / Grip (CD Player/Ripper). Unter SuSE Linux 8.2 müssen Sie Grip über das YaST-Kontrollzentrum installieren: SuSE-Work-Menü / Administration / YaST2 (YaST2 Kontrollzentrum) / Software / Software installieren oder löschen, dann wie in Abbildung 1 nach grip suchen, das Paket auswählen und installieren.

Abb. 1: Unter SuSE Linux 8.2 lässt muss Grip über das Yast2-Kontrollzentrum installiert werden.

Ist die Installation abgeschlossen, starten Sie grip unter Red Hat Linux 9 mit KDE-Menü / Sound&Video / Weitere Sound- und Video-Applikationen / Grip, unter Red Hat Linux 8.0 mit: KDE-Menü / Extras / Sound&Video / grip und unter SuSE Linux mit K-Menü / Multimedia / CD / Grip.

Abbildung 2 zeigt die Programmoberfläche, wenn keine CD eingelegt ist. Sobald man eine Musik-CD einlegt, versucht grip -- sofern der Rechner an das Internet angeschlossen ist --, Informationen über die CD aus der Musikdatenbank CDDB herunterzuladen. Das Ergebnis zeigt Abbildung 3.

Abb. 2: grip in der Ausgangsposition, bevor ...

Abb. 3: ... und nachdem eine CD ins Laufwerk eingelegt wurde.

Durchzählen!

Bereits in der Standardkonfiguration ist grip voll funktionsfähig.

Ändern Sie dennoch folgende Optionen gegenüber der Voreinstellung:

1.
Klicken Sie auf den Registerreiter Konfiguration. Es erscheinen einige neue Registerreiter wie "CD", "Rip" oder "Kodiere".
2.
Klicken Sie auf den Registerreiter "Kodiere"; es erscheinen zwei neue Registerreiter namens "Kodierer" und "Einstellungen".
3.
Klicken Sie mit dem Mauszeiger in das Feld "Kodier-Dateiformat". Machen Sie aus der Zeichenkette "%n.ogg" die Zeichenkette "%t_%n.ogg".
4.
Klicken Sie anschließend auf "Einstellungen". Dort gibt es eine Reihe mit dem Eintrag "Bitrate des Kodierers (kbits/s)".
5.
Klicken Sie mit dem Mauszeiger in das Eingabefeld daneben und ändern Sie den Wert "128" in "160".

Damit haben Sie zwei Dinge geändert: Zum einen werden die fertigen Musikstücke jetzt mit der Track-Nummer im Namen abgespeichert, die sie auch auf der CD haben. Das ist notwendig, um die Reihenfolge zu bestimmen, mit der die Lieder im Verzeichnis oder in Playlisten sortiert werden. Zum anderen ist die Wiedergabequalität höher, weil die Bitrate höher ist.

Falls Ihnen aufgefallen ist, dass in diesem Artikel ausschließlich von "ogg" die Rede ist:

Tatsächlich liegt in diesem Artikel das Hauptaugenmerk auf dem freien OGG/Vorbis-Format. Das hat neben vielen anderen vor allem den Vorteil, dass Sie die Musik von der CD ohne größere Klimmzüge auf ihre Festplatte bekommen. Wenn Sie lieber das MP3-Format benutzen wollen, können Sie grip schnell und leicht umstellen:

Dazu müssen Sie zuerst ein Programm aus dem Internet laden, das die gerippten Lieder in das MP3-Format umwandeln kann, einen so genannten Encoder. Man benutzt dazu meistens lame. Aus lizenzrechtlichen Gründen ist das Programm weder bei SuSE noch bei Red Hat Linux enthalten. Das macht aber nichts, denn Sie können ein fertiges rpm-Paket aus dem Internet von http://ftp.freshrpms.net/pub/freshrpms/redhat/9/lame/lame-3.93.1-fr2.i386.rpm herunterladen. Geben Sie dazu einfach diese URL in die Adresszeile Ihres Browsers ein und speichern Sie die Datei in Ihrem Heimatverzeichnis. Öffnen Sie anschließend eine Konsole und führen Sie als Administrator root (also nach Eingabe von su und des Root-Passworts) den Befehl

rpm -i lame-3.93.1-fr2.i386.rpm

aus.

Starten Sie dann grip und gehen Sie wie folgt vor:

1.
Öffnen Sie, wie weiter oben beschrieben, den Registerreiter "Kodierer". Dort sehen Sie ein so genanntes "Drop-Down"-Menü, das auf "oggenc" gestellt ist.
2.
Klicken Sie auf oggenc und wählen Sie im aufklappenden Menü den Eintrag lame aus.
3.
Klicken Sie mit dem Mauszeiger in das Eingabefeld rechts von "Kodier-Dateiformat" und ändern Sie "%n.ogg" in "%t_%n.mp3".
4.
Klicken Sie anschließend auf "Einstellungen". Ändern Sie den Wert rechts neben "Bitrate des Kodierers (kbits/s)" von "128" in "192".

Los geht's

Jetzt kann das Rip-Vergnügen losgehen: Legen Sie eine CD ins Laufwerk, klicken Sie dann auf den Registerreiter "Rip" und dort auf "Rippe und Kodiere". grip kopiert die Lieder von der CD und komprimiert sie anschließend mit dem ausgewählten Codecs nach ogg oder mp3. Wenn der Vorgang abgeschlossen ist, liegen die fertigen Lieder entweder im Ordner /home/Benutzername/mp3/Artistenname/Albumname/ oder im Ordner /home/Benutzername/ogg/Artistenname/Albumname/, abhängig vom von Ihnen gewählten Codec. Die Lieder heißen Liednummer_Liedtitel.ogg oder -.mp3. Handelte es sich bei der CD um einen Sampler, also um Songs von verschiedenen Interpreten, liegen sie meistens unter /home/Benutzername/mp3/various_artists oder ogg/various_artists.

Wenn Sie nicht die gesamte CD, sondern nur einzelne Lieder auf Ihre Festplatte kopieren möchten, ist das auch kein Problem: Wählen Sie die Lieder einfach in der Titelliste, die unter dem Registerreiter "Tracks" zu finden ist, durch einen einfachen Rechtsklick auf den Titel aus. Starten Sie den Rip-Vorgang dann wie beschrieben.

Abbildung 4: Grip rippt eine CD.

Ton ab!

Nun haben Sie die Musikdateien in komprimierter Form auf Ihrer Festplatte -- das einzige, was Ihnen zu einer Linux-Jukebox noch fehlt, ist der passende Player. (fan/hge)

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