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Erschienen in EasyLinux 02/2004   »   Ausgabe bestellen

Internet Relay Chat

Per Mausklick um die Welt

von Heike Jurzik


Im Internet Relay Chat (kurz IRC) besuchen Sie Chat-Räume, in denen es um Linux und andere Themen geht, chatten privat mit alten und neuen Bekannten und übertragen Daten mit dem DCC-Protokoll. Wir haben einige IRC-Clients unter die Lupe genommen, mit denen Chatten richtig Spaß macht.

Mit Linux-Anwendern Neuigkeiten austauschen oder Computer-Probleme lösen, Freunde am anderen Ende der Welt treffen oder einfach neue Bekanntschaften machen -- im IRC (Internet Relay Chat) ist rund um die Uhr etwas los. Bevor Sie sich mit anderen Nutzern in einem Chat-Raum (Channel) oder privat unterhalten können, müssen Sie sich an einem IRC-Server anmelden. Weltweit gibt es zahlreiche private und öffentliche Server. Für Nutzer aus Deutschland ist beispielsweise das IRCnet interessant -- zahlreiche IRC-Server sind weltweit zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Bekannte Server sind beispielsweise irc.belwue.de und irc.fu-berlin.de. Ebenfalls weltweit erreichbar und mit zahlreichen Channels zu Linux-Themen ausgestattet ist das Freenode Network (irc.freenode.net).

Eine ausführliche Anleitung zu IRC allgemein, zu verschiedenen Netzwerken und DCC finden Sie in EasyLinux 10/2003 [1]. Die wichtigsten Begriffe und Erklärungen haben wir außerdem nochmal im Kasten "IRC schnell erklärt" für Sie zusammengefasst.

Kasten 1: IRC schnell erklärt

IRC ist -- einfach ausgedrückt -- ein Chat-Protokoll. Benutzer nehmen zunächst Verbindung zu einem oder mehreren IRC-Servern auf, um dort in einem Channel mit anderen Teilnehmern zu chatten. Außerdem ist es möglich, private Unterhaltungen (Query) zu führen und direkte Client-zu-Client-Verbindungen (DCC) herzustellen.

  • Ban: Operator können Teilnehmer von einem Channel verbannen und somit den Zutritt zum Chat-Raum verweigern. Dabei können einzelne Nicks oder ganze Domains ausgeschlossen werden.
  • Bot: Kurzform für Roboter, kleine Skripte, die einen Channel vor feindlichen Übergriffen schützen können, automatisch Operator-Status an bestimmte Benutzer verleihen oder eine Ban-Liste verwalten.
  • Channel: (dt. Kanal) ein Chat-Raum, in dem sich mehrere Benutzer treffen und unterhalten können; Channels lassen sich mit bestimmten Modi versehen, die meistens von einem Operator gesetzt werden.
  • DCC: (Direct Client to Client) Eine Erweiterung des IRC-Protokolls, die Direktverbindung zwischen IRC-Clients erlaubt, ohne über einen Server zu gehen.
  • kicken: Steht für englisch "treten" und meint im IRC-Slang, jemand aus einem Chat-Raum rauszuwerfen. Dies kann nur von einem Operator vollzogen werden.
  • Modus: Einstellung für einen Channel oder Nick. Die meisten Modes werden mit einem +-Zeichen gesetzt und entsprechend mit einem --Zeichen wieder entfernt. Als Operator setzt man für einen Channel beispielsweise /mode #channel +t, so dass nur noch OPs das Topic setzen können.
  • Netsplit: Miteinander verbundene IRC-Server erfahren mitunter Verbindungsstörungen; Channels werden dadurch "auseinandergerissen", beim Wiederaufbau der Verbindung aber wieder zusammengefügt.
  • Nick(name): Der Name, unter dem die IRC-Teilnehmer bekannt sind und angesprochen werden, der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt -- dennoch sollte man im Auge behalten, dass man über diesen Nick einen ersten Eindruck auf andere Teilnehmer macht.
  • OP / Operator: Als Operator eines Channels haben Sie Sonderrechte, die Sie nicht zum Spaß benutzen sollten. Sie dürfen andere Teilnehmer ebenfalls zum OP ernennen, Benutzer aus dem Channel werfen oder die Modi des Kanals definieren.
  • Query: Eine private Kommunikation zwischen zwei IRC-Teilnehmern.
  • Topic: Channel-Thema, das Teilnehmer bei der Begrüßung oder in einer Auflistung der Kanäle sehen; sehr häufig darf das Topic nur von OPs gesetzt werden, um Missbrauch zu vermeiden.

KSirc

Der Klassiker und KDE-Standard-Client wird von SuSE Linux 9.0 und 8.2 sowie Red Hat Linux 9 automatisch mitinstalliert. Lediglich unter Mandrake Linux 9.2 war das Programm auf dem Testrechner nicht installiert. Sie finden es im Paket kdenetwork2-ksirc und können es über rpmdrake problemlos einspielen.

KSirc wird über das K-Menü,

gestartet.

Wer den beliebten Windows-Client mIRC kennt, wird Vertrautes wiederentdecken, aber auch für IRC-Neulinge ist dieses Programm leicht zu handhaben. Über das Menü Verbindungen / Neuer Server... oder die Funktionstaste [F2] melden Sie sich an einem IRC-Server an. Im Pulldown-Menü unter Gruppe finden Sie eine Auswahl von Servern. Gehen Sie beispielsweise zum Eintrag Freenode, um das beliebte Netzwerk mit vielen Channels zu Linux-Themen zu nutzen. Tipp: Wenn Sie mit der linken Maustaste das Menü aufgeklappt haben, tippen Sie einfach [f] auf der Tastatur, um zum ersten Eintrag mit "f" zu springen. Diese Abkürzung funktioniert übrigens in den meisten Pulldown-Menüs.

Im Feld daneben erscheint automatisch der Server-Name -- natürlich können Sie den Namen auch direkt eintragen. Die Port-Nummer ist in der Regel 6667. Klicken Sie auf Verbinden, um sich am Server anzumelden.

Eine Liste aller sichtbaren Channels erhalten Sie mit dem Befehl /list -- Vorsicht beim Gebrauch dieses Befehls, die Liste ist häufig recht lang, und es dauert eine Weile, bis alle Räume aufgelistet sind. Über /join #channelname (alternativ [F3] oder Verbindungen / In Kanal hineingehen...) betreten Sie einen Channel. Um den Raum zu verlassen, tippen Sie /part oder wählen im Menü Kanal / Schließen ([Strg-W]).

KSirc kann sich an mehreren Servern anmelden, Protokolle (so genannte Log-Dateien anlegen) und beherrscht Tab-Completion. Dieses Feature, heutzutage bei fast allen IRC-Clients dabei, vervollständigt Nicknamen. Dazu tippen Sie den ersten Buchstaben des Nicks und die Taste [Tab] -- der eingetippte Text wird zu einem Spitznamen vervollständigt. Falls mehrere Teilnehmer einen ähnlichen Namen verwenden, drücken Sie einfach solange [Tab], bis der Name passt.

KSirc lässt sich aufwändig konfigurieren -- eigene Farbeinstellungen, Signaltöne bei bestimmten Ereignissen, Hintergrundbilder, Benachrichtigungslisten (melden, wenn bestimmte Benutzer sich am Server anmelden) und vieles mehr können Sie über das Menü Einstellungen / KSirc einrichten... komfortabel anpassen.

Abb. 1: KDEs Klassiker heißt KSirc.

ChatZilla

Mozillas eingebauter IRC-Client muss bei allen vier Distributionen als Extra-Paket nachinstalliert werden. Unter SuSE Linux 9.0 und 8.2 finden Sie das Programm über YaSTs Software-Modul unter dem Namen mozilla-irc, bei Red Hat Linux 9 heißt das RPM-Paket mozilla-chat und ist in der Abteilung Graphisches Internet zu finden. Mandrake Linux 9.2 hat das Paket ebenfalls unter dem Namen mozilla-irc im Programm.

Sie starten den IRC-Client anschließend aus Mozilla heraus. Dazu öffnen Sie zunächst den Browser:

und starten ChatZilla dann über Window (Fenster)/ IRC Chat oder mit der Tastenkombination [Strg-6].

Um sich an einem IRC-Server anzumelden, tippen Sie in die Chat-Zeile entweder /server name gefolgt von [Return] oder klicken einfach auf einen der im Begrüßungstext genannten Server-Links. Einen Channel betreten Sie mit dem Kommando /join. Standardmäßig erscheint in der linken Hälfte des Programmfensters eine Liste der Channel-Teilnehmer, die auf Wunsch aber über Ansicht / Anzeigen/Verstecken / Benutzerliste (Shortcut: [Strg-L]) aus- und wieder eingeblendet werden kann.

Für jeden Channel, Server oder privaten Chat erscheint am unteren Rand des Fensters ein neuer Tabulator -- passiert etwas in einem gerade nicht angezeigten Fenster, verfärbt sich sein Reiter, um Aktivität anzuzeigen.

Über Edit / Preferences passen Sie ChatZilla an eigene Bedürfnisse an. Sie können Ihren Nick- und Benutzernamen (das, was hinter dem Nick erscheint) ändern und eine Beschreibung hinzufügen, diese erscheint dann in Klammern hinter Ihrem Nickname. Bei den globalen Einstellungen lässt sich konfigurieren, wo und wie auffällig Nachrichten im Client erscheinen und ob sich der IRC-Client nach einem Verbindungsabbruch direkt wieder anmelden soll.

Auch an der Optik von ChatZilla können Sie einiges anpassen: Als Mozilla-Komponente versteht der IRC-Client Cascading Style Sheets (CSS), mit denen der Text (inklusive Farbe und Größe) sich verändern lässt. Wählen Sie unter Edit / Preferences / Erscheinungsbild / Text-Stil ein neues Schema aus und klicken Sie auf Vorschau, um sich ein Bild von den Auswirkungen zu machen. Abbildung 2 zeigt den Stil Standard (mit Gesichtern), in dem Emoticons unter anderem als kleine gelbe Smileys erscheinen.

Abb. 2: Fröhliche Gesichter: ChatZilla mit dem Stil "Standard mit Gesichtern".

ChatZilla bietet nicht so viele Extras wie andere Clients unter Linux, ist dafür aber als Mozilla-Komponente für viele Plattformen erhältlich. Im Zweifelsfall können Sie sogar von einem Internet-Café aus mit ChatZilla chatten.

IRC mit Gaim

Der Instant Messenger Gaim versteht viele Messaging- und Chat-Protokolle, darunter auch IRC. Nach dem Programmstart lässt sich über den Button Konten ein IRC-Account einrichten. Dazu klicken Sie auf Hinzufügen und wählen als Protokoll IRC. Nun können Sie einen Benutzernamen und IRC-Server definieren. Sind alle Angaben korrekt, klicken Sie auf Speichern.

Um sich an einem Server anzumelden, aktivieren Sie im Fenster Konten die Checkbox Online -- ein weiteres Fenster geht auf, und die Anmeldung beginnt. Etwas verwirrend ist, dass anschließend lediglich das Fenster Buddy-Liste zu sehen ist. Von hier aus betreten Sie Kanäle oder starten Queries.

Gehen Sie in der Buddy-Liste auf Werkzeuge / Einstellungen, um den Client zu konfigurieren. Neben Schriftarten und Smiley-Themes wählen Sie hier auch Klänge für bestimmte Ereignisse aus. Wer es bunt und laut mag und Gaim ohnehin für andere Chat-Protokolle verwendet, findet hier einen flexiblen IRC-Client.

Abb. 3: Viele Fenster bei Gaim.

Noch viel mehr

Es gibt noch zahlreiche weitere IRC-Clients; X-Chat haben wir zum Beispiel in einer früheren Ausgabe [1] vorgestellt. Freunde der Kommandozeile finden im Kasten "Chat auf der Kommandozeile" noch eine textbasierte Alternative zu den IRC-GUIs. (hge)

Chat auf der Kommandozeile

Es muss nicht immer grafisch zugehen -- wer Spaß an der Kommandozeile hat, wird sich über Irssi [2] und seine zahlreichen Extras freuen. Da die Fan-Gemeinde dieses Konsolen-Clients stetig wächst, entstehen auch immer mehr nützliche kleine Perl-Skripte, die sich mit wenigen Schritten einbinden lassen.

Irssi ist für alle Distributionen verfügbar und kann über das jeweilige Software-Modul nachträglich installiert werden. Bei SuSE Linux 9.0 sind das die Pakete irssi-0.8.6-116.i586.rpm und optional irssi-extra, Version 8.2 hat ebenfalls Release 0.8.6 mit dabei. Bei Red Hat Linux 9 ist Irssi nicht auf den Installations-CDs zu finden. Sie finden das RPM-Paket aber auf mehreren FTP-Servern zum Download. Gehen Sie beispielsweise mit dem Konqueror auf ftp://ftp.uni-kl.de//pub/linux/redhat/contrib/libc6/i386/irssi-0.8.6-1.i386.rpm und installieren Sie das Paket auf Nachfrage mit redhat-install-packages. Unter Mandrake 9.2 heißt das RPM-Paket irssi-0.8.6-5mdk.i586.rpm und kann über rpmdrake eingespielt werden.

Das Programm wird auf der Kommandozeile gestartet. Dazu öffnen Sie eine Konsole ([Alt-F2] und konsole eingeben) und tippen am Prompt irssi. Das Fenster präsentiert am oberen Rand eine Topic-Leiste, in der Sie das jeweilige Channel-Topic oder im Falle eines Querys den Nick des Gesprächspartners sehen. Die Statusleiste am unteren Rand zeigt neben der Uhrzeit auch Angaben zu Fensteraktivitäten an.

Abb. 4: Schnell auf der Konsole ircen -- Irssi.

Irssi öffnet automatisch für Channels und private Unterhaltungen neue virtuelle Fenster (zu erkennen an der Statusleiste, die Aktivität anzeigt) -- hin- und hergeschaltet wird mit /window 2, /window 3 usw. oder einfach [Alt-2], [Alt-3] usw.

Unter [3] finden Sie zahlreiche Extra-Skripte für Irssi, die ins Verzeichnis ~/.irssi/scripts/ gehören und mit /load skriptname.pl geladen werden. Die Web-Seite bietet unter anderem Skripte zur Google-Abfrage und zum Einbinden von Kommandozeilen-MP3-Playern. Besonders praktisch, wenn man häufig in englischen Channels unterwegs ist, ist das Skript leodict.pl -- mit nur einem Befehl befragen Sie das deutsch-englische Wörterbuch dict.leo.org nach Vokabeln und sehen das Ergebnis im IRC-Fenster.

Infos

[1] Hans-Georg Eßer: Chatten wie die Profis, EasyLinux 10/2003, S. 46 f., http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2003/10/046-xchat/
[2] Irssi-Homepage: http://www.irssi.org/
[3] Irssi-Skripte: http://scripts.irssi.de/

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