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Erschienen in EasyLinux 03/2004   »   Ausgabe bestellen

TextMaker -- professionelle Textverarbeitung für Linux

Der Macher

von Kalle Gerwien


Kommerzielle Programme für das freie Betriebssystem sind manchmal keine schlechte Wahl -- wie eine Textverarbeitung zeigt.

Textverarbeitungen begleiten Linux von Beginn an; es gibt eher zu viele als zu wenig. Natürlich gibt es nicht die eine, die richtige. Auf die wartet jeder noch. Abiword [1] und KWord [2] genügen für die gelegentliche Korrespondenz und wer mit Microsoft-Word-Dokumenten umgehen muss, der startet Openoffice [3]. Der Haken dabei: Die beiden ersten verabschieden sich schon mal ohne Vorwarnung oder patzen bei komplexen Aufgabenin Tabellen und Berechnungen. Openoffice gilt als schwerfällig wie ein Tieflader und hat nicht Wörterbuch noch Rechtschreibprüfung.

Wo es bei beiden hapert, dort platziert die Deutsche Firma SoftMaker Software GmbH [4] das kommerzielle TextMaker, das es für Windows schon eine ganze Zeit gibt. Die Linux-Version kostet knapp 50 Euro und kann auf der Homepage des Herstellers bestellt werden. Dort liegt auch eine 30-Tage Demo zum Download [5], die Sie sich besorgen können, um die Beispiele nachzuvollziehen.

Die Firma liefert eine CD nebst gedrucktem Handbuch -- in dieser Preisklasse schon lange nicht mehr selbstverständlich. Das Handbuch ist für Linux- und Windows-Versionen das gleiche und behandelt auch die Programme Planmaker und Datamaker, die es leider nicht für Linux gibt. Neben der PDF-Version des Handbuchs enthält die Programm-CD auch mehrere hundert True-Type-Fonts.

Die Installation und der erste Start

Eine grafische Installationsroutine fehlt, statt dessen müssen Sie -- als Root -- das TextMaker- und das Wörterbuch-Archiv von der CD nach /usr/local entpacken. Öffnen Sie die CD im Konqueror, starten Sie eine Konsole mit [Strg+T] und geben die Befehlsfolge ein:

su
tar xzvf tml02.tgz -C /usr/local
tar xzvf tmldict.tgz -C /usr/local
exit

Softmaker will schon bald eine RPM-Version von TextMaker anbieten, die die Paket-Manager der meisten Distributionen installieren können.

Starten Sie das Programm über den Schnellstarter [ALT-F2] und das Kommando /usr/local/textmaker/tml. Beim ersten Start fragt Sie das Programm nach den Pfaden für Dokumente und Vorlagen aus und schließlich nach der Seriennummer. In beeindruckender Geschwindigkeit startet TextMaker mit einem leeren Dokument und dem obligatorischen Tipp des Tages.

Abb. 1: Eingabe der Pfade bei dem ersten Start.

Nach Eingabe der persönlichen Daten können Sie diese später, wenn Sie ein Dokument bearbeiten, mit zwei Mausklicks einfügen. Das Programm wirkt aufgeräumt und durchdacht. Die wichtigsten Funktion finden Sie schon intuitiv. Bleiben Sie mit der Maus über einem Icon, erscheint eine Erklärung.

Abb. 2: Die Benutzerangaben.

Die Rechtschreibprüfung.

Die Rechtschreibprüfung ist in der Voreinstellung aktiviert, die Schalter und Optionen liegen unter Weiteres / Einstellungen / Sprache. Dort legen Sie unter anderem fest, ob die Rechtschreibprüfung aufdringlich oder im Hintergrund arbeitet. Erkannte Fehler unterstreicht TextMaker dann rot gewellt. Ein Rechtsklick auf das Wort zeigt die Korrekturvorschläge zur Auswahl an. Ein Klick auf Wort lernen bringt dem Programm neue Vokabeln bei. Eine Übersicht über das Wörterbuch gibt Weiteres / Wörterbücher bearbeiten, dort lässt sich Gelerntes auch wieder löschen.

Abb. 3: Die Optionen der Rechtschreibprüfung.

Synonyme Finden

Wechsel im Ausdruck: Welches Verb könnte noch für "laufen" stehen? Ist der Dumme nun töricht oder einfältig? Hier hilft die Funktion Alternative Wortvorschläge anzeigen, in der Funktionsleiste symbolisiert durch ein Icon mit den Buchstaben "ABXY" und einem roten Fragezeichen. Klicken Sie auf das zu ersetzende Wort und dann auf das Icon: sofern in der Datenbank, spuckt das Programm eine Alternative aus.

Abb. 4: Das Thesaurus-Fenster.

Textbausteine: definierte Abkürzungen

Textbausteine sind praktisch; aus MFG wird Mit freundlichen Grüßen. Über Einfügen / Textbaustein schaffen Sie sich eigene. Dabei sind Umfang und die Formatierung nahezu unbegrenzt. Aus einem MGDF kann also, nahe liegend, Machts gut und danke für den Fisch werden. Aktivieren Sie die Funktion Formatierung verwenden, wählen Sie zusätzlich aus Schriftart, -größe und -farbe sowie die Auszeichnungen Fett, Kursiv oder Unterstrichen. Das freut Einfallslose und Vielschrieber, die ständig die gleichen Floskeln verwenden.

Abb. 5: Textbausteine definieren.

Wörter übersetzen

Mit Weiteres / Übersetzung... übersetzen Sie Wörter in fremde Sprachen. Platzieren Sie dazu den Cursor auf dem zu übersetzenden Wort und rufen dann die Übersetzungsfunktion auf.

Textrahmen

Mit der Funktion Objekt / Neuer Textrahmen erstellen Sie Textrahmen, die nicht mit dem normalen Fließtext wandert. Die Empfängeradresse für einen Fensterumschlag lässt sich damit fest und sicher positionieren. Wählen Sie dazu die Funktion Objekt / Neuer Textrahmen an. Der Cursor verändert sich und zeigt ein Kreuz mit einem stilisiertem Textrahmen an. Ziehen Sie nun auf dem Blatt einen Textrahmen von der ungefähren Größe eines Umschlag-Fensters auf. Der erstellte Rahmen wird durch eine graue Umrandung angezeigt, in die der Cursor positioniert wurde. Öffnen Sie über Objekt / Eigenschaften das Eigenschaften-Menü des Textrahmens. Im Register Format geben Sie die genaue Position und Größe des Rahmens angeben. Tragen Sie in der Horizontalen Position 2,2 cm ein und in der Vertikalen Position 4,5 cm. Die Größe soll genau 8x4 cm betragen. Klicken Sie anschließend auf OK um die Einstellungen zu übernehmen. Bei richtiger Faltung erscheint die Empfängeranschrift genau im Fenster des Briefumschlags.

Auch die passenden Faltmarken sind möglich. Dazu müssen Sie TextMaker in den Editier-Modus umschalten. Wählen Sie Ansicht / Objektmodus. Die Formatleiste blendet nun in die Objektleiste um und der Schreib-Cursor verschwindet. Wählen Sie Objekt / Neue Zeichnung / Linie. Wie schon beim Textrahmen verändert sich der Cursor. Ziehen Sie jetzt auf dem Blatt eine Linie, egal an welcher Stelle: die genaue Position legen Sie später fest. Ein DIN-A4-Blatt braucht zwei Faltmarken, daher wiederholen Sie den Vorgang und ziehen eine zweite Linie. Klappen Sie nun das Pulldown-Menü in der Objektleiste auf und wählen den Eintrag Linie1. Anschließend klicken Sie auf das danebenliegende linke Icon mit dem blauen i, das öffnet das Eigenschaften-Menü für Linie1. Tragen Sie in dem Feld Von bei Horizontal 0,1 cm ein. Vertikal bekommt den Wert 10 cm. Im Feld Nach tragen Sie bei Horizontal 0,6 cm und bei Vertikal 10 cm ein. Für die Linienstärke wählen Sie 0,5 Punkte und bestätigen zum Schluss Ihre Eingaben mit OK. Die gleichen Einstellungen nehmen Sie für Linie2 vor, nur tragen Sie bei den vertikalen Werten 20 cm eintragen. Schalten Sie nun mit Ansicht / Objektmodus den Objektmodus wieder aus, hat das Blatt zwei dezente Faltmarken.

Das Menü "Textrahmen formatieren".

Grafiken Einfügen.

Auf die gleiche Weise wie Textrahmen können Sie auch Grafikrahmen einfügen. Die notwendige Funktion finden Sie unter Objekt / Neue Grafik und Objekt / Neuer Grafikrahmen. Neue Grafik bindet die im folgenden Dialog geladene Grafik in den Fließtext ein. Verändern Sie den Text, verändert sich auch die Position der Grafik. Wählen Sie dagegen Neuer Grafikrahmen, bleibt die Grafik unabhängig vom Text immer dort, wo Sie sie platziert haben.

Erstellen Sie einen neuen Grafikrahmen und laden ein Bild in diesen. Klicken Sie den Grafikrahmen mit der Maus an und ziehen Sie ihn bei gedrückter Maustaste über den Bildschirm. Die Grafik lässt sich auf diese Weise im Dokument verschieben. Am gewünschten Platz lassen sie die Maustaste los und klicken auf den Grafikrahmen. Wählen Sie aus dem Kontextmenü den Punkt Grafikrahmen: Eigenschaften und im Menü noch einmal Eigenschaften. Hier lässt sich die Grafik drehen oder einstellen, wie der Text um die Grafik fließt. Wählen Sie die Option Rahmen umgeben, fließt der Text um die Grafik, bei Unterbrechen geht der Textfluss erst unter der Grafik weiter. Bei Durchgehend überlagert er sie: Ideal für Hintergrundbilder oder Wasserzeichen.

Die Option Im Dokument ablegen speichert eingebundene Dateien zusammen mit dem TextMaker-Dokument. Alle Grafikdaten sind damit unmittelbar in der Dokumentdatei einthalten.

Tabellen und Berechnungen

Das Feld für einen Empfänger haben sie schon: schreiben Sie ihm doch gleich eine Rechnung! Fügen Sie unter dem Empfänger mit Tabelle / Neue Tabelle eine Tabelle mit vier Spalten und vier Zeilen ein. Schreiben Sie in die Spalten der ersten Zeile Anzahl, Artikel, Einzelpreis (EUR) und Gesamt (EUR). In der nächsten Zeile tragen Sie als Anzahl 400 ein. Die TAB-Taste bringt Sie eine Spalte weiter: Der Artikel heißt AROSA Schlitzverstärkt. Wechseln Sie zum Einzelpreis und geben 20,50 an. In der letzten Spalte soll die Berechnung erfolgen. Rufen Sie dort Einfügen / Berechnung auf. Alternativ drücken Sie [F2]. Im Berechnungs-Menü geben Sie die Formel ein, In diesem Fall den Inhalt der Tabellenzelle A2 (Spalte A und Zeile 2) multipliziert mit der Tabellenzelle C2. Die Bezeichnung für eine Zelle ist das Raute-Zeichen #, die Formel lautet damit #A2*#C2. Nach der Bestätigung mit OK berechnet TextMaker die Zelle und präsentiert das Ergebnis. Ändern Sie spätereinen Wert, führt der Befehl Weiteres / Berechnung Aktualisieren eine Neuberechnung durch, das gleiche passiert automatisch vor jedem Ausdruck.

Abb. 7: Das Berechnungs-Menü.

Soll noch die Mehrwertsteuer in die Rechnung? Dann klicken Sie mit der Maus in die rechte untere Zelle (D4) und rufen erneut das Berechnungs-Menü auf. Als Formel geben Sie #D2*1,16 ein.

Möchten Sie die erste Tabellenzeile zur besseren Übersicht einfärben, positionieren Sie den Cursor in der Zeile, wählen Tabelle / Zeilen markieren und anschließend Tabelle / Zellenformat. Im folgenden Fenster klicken Sie auf Schattierung und wählen Raster 25%. Mögen Sie kein Grau, suchen Sie aus dem Dropdown-Menü Vordergrund eine andere Farbe. Die gleichen Einstellungen können Sie auch Spalten- oder Zellenweise vornehmen.

Abb. 8: Schattierung der Zellen.

TextMaker Dateiformat endet auf .tmv, daneben kann das Programm diversen Text-Formate, RTF, MS-Word- und HTML-Dateien lesen. Ein OpenOffice-Importfilter ist bereits geplant.

TextMaker auf dem Desktop

Eine Programmverknüpfung auf dem Desktop, lässt Sie das Programm mit Mausklick starten. Klicken Sie mit der Rechten Maustaste auf den Desktop und wählen Neu erstellen / Verknüpfung mit Programm. Als Namen wählen Sie TextMaker ein. Klicken Sie auf das Icon, wählen Sonstige Symbole / Auswählen und geben /usr/local/textmaker/icons/tml_48.png an. Klicken Sie anschließend auf Ausführen und tragen den Befehl /usr/local/textmaker/tml ein. Wenn Sie jetzt mit OK bestätigen, haben Sie eine TextMaker-Verknüpfung auf dem Desktop.

Support

Der Support zeigt, dass TextMaker ein kommerzielles Produkt ist, hinter dem eine verkaufs- und dienstleistungsorientierte Firma steht: Anfragen per Mail und im firmeneigenen Support-Forum [6] wurden zumeist noch am selben Tag kompetent beantwortet.

Geschwindigkeit und professioneller Support überzeugen. Die Funktionen sind durchdacht und für den akzeptablen Preis bekommt man eine Rechtschreibprüfung und einen hervorragenden Thesaurus. Wer oft längere Texte schreibt, ist mit dem Programm gut beraten. Immer öfter könnte der LKW OpenOffice in der Garage bleiben und der Sportwagen TextMaker gestartet. (fan)

Infos
[1] Abiword Homepage: http://www.abisource.com
[2] Koffice Homepage: http://www.koffice.org
[3] OpenOffice Homepage: http://www.openoffice.org
[4] Softmaker Homepage: http://www.softmaker.de
[5] TextMaker Testversion: http://www.softmaker.de/tmldemo.htm
[6] Softmaker Supportforum: http://www.softmaker.com/diskussion/index.php

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