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Erschienen in EasyLinux 03/2004   »   Ausgabe bestellen

Mail und News mit Sylpheed Claws

Schnell wie der Wind

von Andrea Müller


Abseits von Kmail und Mozilla existiert mit Sylpheed ein weiteres leistungsfähiges Mail-Programm. Wir zeigen Ihnen, wie Sie den flinken Japaner zum Postminister befördern.

Den richtigen Partner für die Mail-Verwaltung zu finden, ist gar nicht leicht. Wer gerne sein Mail-Programm auch als News-Reader benutzen will und mit dem eher trägen Mozilla Mail nicht recht warm wird, sollte einen Blick auf Sylpheed werfen. Dort ist der Name Programm: Wie die Sylphen (Windgeister) ist das Programm schnell und leicht und lässt trotzdem keinen Komfort vermissen. Ob mehrere Accounts, SMTP after POP oder Filterregeln: Bei Sylpheed bleiben keine Wünsche offen. Die meisten Funktionen bietet die in diesem Artikel vorgestellte Claws-Linie, bei der es sich um die Entwicklerversion von Sylpheed handelt. Hier testen die Programmierer neue Funktionen, die später ihren Weg in die stabile Version finden. Angst, als Beta-Tester missbraucht zu werden und sich mit einem instabilen Programm rumschlagen zu müssen, brauchen Sie dennoch nicht zu haben: Auf den Systemen der Autorin verrichtet das Programm seit Version 0.7.2 zuverlässig seinen Dienst.

Einkaufsliste

Zunächst müssen Sie die Anwendung installieren, da die Distributoren sie standardmäßig nicht einspielen. SuSE und Mandrake Linux haben das Programm zwar an Bord, allerdings nicht die neueste Version. Damit alle unsere Leser auf demselben aktuellen Stand sind, finden Sie Pakete des neuesten Sylpheed Claws auf der EasyLinux-Download-Seite [1].

Laden Sie sich das zu Ihrer Distribution passende Sylpheed-Paket herunter. Nutzer von Red Hat und Mandrake Linux nehmen außerdem noch das Paket libgpgme mit, das Sylpheed für die Verschlüsselung von E-Mails mit GnuPG [2] benötigt. Selbst wenn Sie Ihre Mails nicht verschlüsseln, brauchen Sie diese so genannte Bibliothek (vergleichbar einer DLL-Datei unter Windows) -- Sylpheed verweigert sonst den Start.

Optional laden Sie sich das dillo-RPM-Paket für Ihre Distribution herunter. Dillo ist ein schlanker Browser, der keinerlei aktive Inhalte ausführt. Sylpheed verwendet ihn als Plugin, um HTML-Mails in gerenderter Form (also mit Farben und Formatierungen wie fett und kursiv) anzuzeigen. Ohne Dillo stellt Sylpheed HTML-Mails als einfachen Text dar. Die HTML-Anzeige erfolgt nicht automatisch, sondern nur auf Ihren expliziten Wunsch. Liegen alle Pakete auf der Festplatte, ist die Installation schnell erledigt.

Sylpheed für SuSE Linux

Starten Sie den Konqueror über einen Klick auf das kleine blaue Haus in der KDE-Leiste und navigieren Sie in das Download-Verzeichnis. Klicken Sie das heruntergeladene Sylpheed-Paket an und starten Sie die Installation über die Schaltfläche Installiere Paket mit YaST. Im sich öffnenden Dialog müssen Sie sich als Administrator ausweisen, da nur root Software installieren darf. Ist das erledigt, startet das YaST-Software-Modul und überprüft, ob noch weitere Pakete benötigt werden. Bei einer Standardinstallation wird YaST zunächst gdk-pixbuf, orbit und die gnome-libs installieren. Danach bringt YaST die Konfigurationsdateien auf den neusten Stand und beendet sich. Nutzer von SuSE Linux 8.2 finden das neue Mail-Programm im Menü unter Internet / Kommunikation / Sylpheed. Unter Version 9.0 fehlt leider wegen des neuen Menüsystems der Eintrag von Sylpheed im Startmenü.

Haben Sie auch das dillo-Paket heruntergeladen, spielen Sie es ebenso ein wie zuvor das Mail-Programm.

Stolperstein bei SuSE Linux Professional 8.2

Wer SuSE Linux 8.2 in der Professional-Variante nutzt, dem bleibt die grafische Installation von Sylpheed verwehrt. YaST fordert das Installationsmedium an und spielt statt der neuen Version den mitgelieferten Sylpheed ein. Das umgehen Sie mit der Kommandozeile. Installieren Sie zunächst mit YaST die Pakete orbit, gdk-pixbuf und gnome-libs. Am schnellsten finden Sie sie über die Suche-Funktion des Software-Moduls. Öffnen Sie danach eine KDE-Konsole (blauer Monitor mit der Muschel) und wechseln Sie mit cd /pfad/zum/downloadverzeichnis in den Ordner, der das Sylpheed-Paket enthält. Geben Sie dort rpm -i sylpheed-0.9.8claws-1easylinux_s82.i586.rpm ein. Sie sparen sich Tipparbeit, wenn Sie nur die ersten paar Buchstaben eingeben und dann den Dateinamen mit [Tab] vervollständigen.

Installation unter Mandrake

Unter Mandrake Linux ist erst eine kleine Vorarbeit zu erledigen. Standardmäßig landet das Paket mailcap bei der Installation nicht auf der Festplatte. Sylpheed benötigt es jedoch, um den Dateityp eines Anhangs zu ermitteln. Ohne mailcap ist die Datei bild.png nur eine binäre Datei. Mit der Unterstützung von mailcap erkennt Sylpheed, dass es sich um ein Bild handelt, das der integrierte Betrachter darstellen kann.

Starten Sie über Einstellungen / Paketierung / Software installieren das Paketverwaltungsprogramm und tragen Sie hinter Finden mailcap als Suchbegriff ein. Ein Klick auf Suche startet die Fahndung. Jetzt fehlen nur noch ein Häkchen hinter dem Treffer unter Suchergebnisse (Abbildung 1) und ein Klick auf Installieren, damit rpmdrake die Software auf die Festplatte kopiert.

Abb. 1: Software-Auswahl unter Mandrake Linux.

Nun sind die heruntergeladenen Pakete dran: Wechseln Sie im Konqueror in deren Speicherordner und doppelklicken Sie zunächst das libgpgme-Paket. Authentifizieren Sie sich als Administrator und klicken Sie im Informationsfenster auf OK, damit Rpmdrake die Bibliothek einspielt.

Auf dieselbe Weise fügen Sie nun Sylpheed Ihrer Software-Kollektion hinzu. Als letztes ist dillo dran, falls Sie auf die Darstellung von HTML-Mails Wert legen. Das neue Mail-Programm wartet im K-Menü unter Netzwerk / E-Mail / Sylpheed auf Sie.

Paket unter Red Hat einspielen

Navigieren Sie in Konqueror oder Nautilus in das Verzeichnis mit den heruntergeladenen RPM-Dateien. Doppelklicken Sie zunächst das libgpgme-Paket und authentifizieren Sie sich mit Ihrem root-Passwort. Das Programm redhat-install-packages blendet ein Info-Fenster ein und installiert die Software nach einem Klick auf Weiter.

Auf dieselbe Art installieren Sie nun Sylpheed und (wenn Sie mögen) auch dillo. Ihre Installations-CDs brauchen Sie nicht: Alle benötigten Pakete sind bei Red Hat Linux standardmäßig mit an Bord. Nach der Installation integriert sich Sylpheed in die Rubrik Internet / Weitere Applikationen des K-Menüs.

Sylpheed einrichten

Starten Sie den Neuzugang mit einem Schnellstartfenster ([Alt-F2]), in das Sie sylpheed eingeben. Obwohl das Programm aus Japan stammt, begrüßt es Sie in deutscher Sprache. Bei der ersten Dialogbox heißt es "aufpassen wie ein Luchs" (Abbildung 2). Hier entscheiden Sie, wo Sylpheed die Mails speichert. Voreingestellt ist der Ordner Mail in Ihrem Heimatverzeichnis, den jedoch auch KMail verwendet. Damit es nicht zu Kollissionen mit dem KDE-Mailer kommt, tragen Sie dort etwas anderes ein, z. B. Post, wobei noch kein Ordner dieses Namens existieren sollte. Über Ok bestätigen Sie Ihre Wahl. Im automatisch nach dem ersten Start geöffneten Account-Fenster (Abbildung 3) legen Sie ein Mail-Konto an:

Abb. 2: Hier legen Sie den Speicherort Ihrer Mails fest.

Abb. 3: Dieser Dialog nimmt die Account-Daten auf.
  1. Tragen Sie zunächst hinter Vollständiger Name und E-Mail-Adresse Ihre persönlichen Daten ein.
  1. Unter dem Punkt Servereinstellungen konfigurieren Sie Abholung und Versand der Mails. Im Auswahlfeld Protokoll stehen mehrere Möglichkeiten zur Auswahl; für die meisten Anwender dürfte POP3 (normal) die richtige Wahl sein. Bei der Variante POP3 (APOP auth) handelt es sich um normales POP3, bei dem die Passwörter verschlüsselt übertragen werden. Welches Verfahren Ihr Mail-Provider anbietet, erfahren Sie auf dessen Web-Seite, oder Sie spicken einfach bei den Einstellungen Ihres alten Mail-Programms.
  1. Hinter Server zum Empfangen gehört der Name des POP-Servers, bei dem Sie Mails abholen. Auch diesen erfahren Sie auf der Web-Seite des Mail-Providers: Für Kunden von T-Online heißt dieser beispielsweise pop.t-online.de.
  1. Hinter SMTP-Server (senden) legen Sie fest, wo Sie Ihre eigene Post loswerden -- der SMTP-Server ist damit das elektronische Äquivalent zum Briefkasten. Meistens heißt der SMTP-Server eines Anbieters smtp.providername.de.
  1. Bei Benutzername und Kennwort tragen Sie schließlich noch Ihre Zugangsdaten ein, die Sie vom Mail-Provider erhalten haben. T-Online identifiziert seine Kunden über die IP-Adresse, so dass Sie einfach in beide Felder einen Punkt eintragen, damit Sylpheed nicht meckert.
  1. Sofern Sie sich für den Versand ebenfalls authentifizieren müssen -- das Verfahren nennt sich SMTP Auth --, legen Sie das auf dem Registerreiter Senden fest. Aktivieren Sie dort die Option SMTP-Beglaubigung. Weichen Passwort und Benutzername von denen ab, die Sie zum Empfang verwenden, tragen Sie Ihre Versanddaten ein. Lassen Sie die Felder leer, verwendet Sylpheed Name und Kennwort vom Reiter Grundeinstellungen. Arbeitet Ihr Provider dagegen mit SMTP after POP, müssen Sie also zuerst Mails abholen, bevor Sie welche verschicken dürfen, kreuzen Sie stattdessenBeglaubigung mit POP3 vor dem Senden an. Sobald Sie dann Ihre Post verschicken, meldet sich Sylpheed automatisch erst mit einer Abfrage Ihres Postfachs beim Provider an.
  1. Arbeitet Ihr Provider mit SSL, erwartet also eine verschlüsselte Übertragung der Verbindungsdaten, aktivieren Sie das Feature auf dem Reiter SSL. Die nötigen Optionen erfahren Sie auch hier von Ihrem Anbieter.

Die Grundkonfiguration ist damit erledigt, und mit OK richten Sie den Account ein. Im nun noch geöffneten Account-Fenster (Abbildung 4) können Sie direkt über Hinzufügen weitere Mail-Konten einrichten, die Sie eventuell bei anderen Anbietern haben. Beim Schreiben einer Mail suchen Sie im Editor-Fenster die Adresse aus, unter der Sie die Mail versenden wollen.

Abb. 4: Sylpheed verwaltet mühelos mehrere Konten.

Sie haben Post

Sofern Sie mit dem Internet verbunden sind, holen Sie direkt mit einem Klick auf Hole alle Mails bei allen Providern ab. Ihre Post landet im Ordner Inbox. Sobald Sie eine Nachricht markieren, erscheint der Text im Vorschaufenster. Ein Doppelklick öffnet sie in einem separaten Fenster. Kommt eine Mail mit Anhang, zeigt Sylpheed das durch ein vorangestelltes Büroklammersymbol an. Sobald Sie die Nachricht ansehen, erscheint rechts neben dem Vorschaufenster eine Icon-Darstellung aller angehängten Dateien (Abbildung 5).

Abb. 5: So stellt Sylpheed angehängte Bilder und HTML-Dateien dar.

HTML-Anhänge stellt Sylpheed direkt in der Mail dar, allerdings ohne Formatierungen -- Sie sehen also nur die reine Textversion. Klicken Sie eines der Anhang-Symbole mit der rechten Maustaste an, können Sie die Datei über Speichern als abspeichern oder über Öffne mit direkt aus dem Mail-Programm heraus öffnen. Um z. B. ein gezipptes Archiv mit ark zu öffnen, tragen Sie in das sich öffnende Fenster ark "%s" ein. "%s" steht dabei für den Namen des Anhangs, und die Anführungszeichen sind notwendig, falls der Dateiname Leerstellen enthält.

Für HTML-Seiten und Bilder können Sie sich diesen Umweg sparen und sie gleich im Mail-Programm begutachten. Für diesen Zweck bringt Sylpheed Plugins mit, die Sie jedoch erst aktivieren müssen.

  1. Öffnen Sie das passende Menü über Einstellunge / Plugins
  1. Klicken Sie auf Plugin laden und navigieren Sie im sich öffnenden Dateiauswahlfenster in das Verzeichnis /usr/lib/sylpheed/plugins. Markieren Sie die Datei image_viewer.so und klicken Sie auf OK.
  1. Wiederholen Sie die Prozedur und markieren Sie diesmal dillo_viewer.so, um auch das Browser-Plugin einzubinden. Das setzt voraus, dass Sie dillo installiert haben.

Sobald Sie nun eine angehängte Grafik- oder HTML-Datei markieren, stellt Sylpheed sie in der rechten unteren Fensterhälfte dar (Abbildung 6). Aktive Inhalte in HTML-Seiten führt dillo nicht aus, und er lädt auch keine Bilder aus dem Internet nach. Klicken Sie auf den kleinen Briefumschlag, gelangen Sie zurück zur Mail-Ansicht.

Abb. 6: Dillo macht's möglich: HTML-Darstellung direkt in Sylpheed.

Ordnung muss sein

Damit Sie im Posteingang nicht die Übersicht verlieren, markieren Sie Ihre Mailbox und legen über den Menüpunkt Neue Ablage erstellen des Kontextmenüs weitere Ordner an. Dort sortieren Sie Ihre Post manuell ein oder lassen das gleich von Sylpheed erledigen. Ein Beispiel zeigt, wie schnell Sie eine Filterregel erstellen: Alle Mails von freund@provider sollen im Ordner privat landen. Öffnen Sie dazu den Filterdialog über Einstellungen / Filterung und klicken Sie bei dem Punkt Bedingung auf Definiere. Bei Übereinstimmungstyp wählen Sie Von aus dem Dropdown-Menü. Tragen Sie bei Wert die Adresse freund@provider ein und klicken Sie auf Hinzufügen. Über OK schließen Sie den Dialog und wählen nun Definiere hinter dem Feld Aktion. Verschieben ist bereits voreingestellt. Jetzt fehlt nur noch ein passender Eintrag hinter Ziel. Über Auswählen gelangen Sie zu einer Liste aller Ordner, aus der Sie den gewünschten aussuchen, in unserem Fall privat. Sie können in diesem Dialog keine neuen Ordner anlegen, müssen also vorher den Zielordner erstellen. Klicken Sie im Aktionsdialog auf Hinzufügen und schließen Sie ihn über OK. Sobald Sie auch im Filterfenster Hinzufügen wählen (Abbildung 7), ist die Regel aktiv.

Abb. 7: Mit Filterregeln übernimmt Sylpheed das Sortieren der Mails.

Schreib mal wieder

Auch der Versand ist mit Sylpheed denkbar einfach. Entweder wählen Sie Email aus der Symbolleiste, um eine neue Nachricht zu verfassen, oder Antwort, um die gerade markierte Mail zu beantworten. Sylpheed öffnet das Editor-Fenster, in dem Sie im Menü hinter From auswählen, unter welchem Account Sie die Mail verschicken möchten. Bei neuen Mails ist der Standard-Account voreingestellt, bei Antworten die Adresse, die bei der Nachricht an Sie im To-Feld stand.

Hinter To: tragen Sie den Empfänger ein, und auch der Betreff sollte nicht leer bleiben. Sobald Sie im To: den Adressaten eingetragen haben, öffnet sich ein weiteres To:-Feld, in das Sie weitere Empfänger eintragen können. Außer To finden Sie in dem Dropdown-Feld unter anderem noch CC (Kopie an), BCC (Blindkopie, andere Empfänger erfahren davon nichts) und Reply-To (Antwort an, falls Sie die Antwort an eine andere Adresse erhalten möchten).

Danach schreiben Sie im Editor-Fenster Ihre Nachricht und bringen sie mit einem Klick auf Senden auf den Weg. Sind Sie nicht online, legen Sie sie mit Später senden in den Postausgangskorb namens Queue. Den Versand stoßen Sie dann später über Nachricht / Sende wartende Nachrichten an.

Kontakte

Die Daten der Empfänger, die im Sylpheed-Adressbuch stehen, vervollständigt das Programm automatisch. Dazu muss der Kontaktverwalter jedoch erst einmal gefüllt werden. Am einfachsten fügen Sie eine Adresse hinzu, indem Sie eine Mail mit der rechten Maustaste anklicken und Absender dem Adressbuch hinzufügen wählen. Alternativ tragen Sie die Daten Ihrer Bekannten händisch ein. Das Adressbuch rufen Sie über Werkzeuge / Adressbuch auf. Datei / Neues Adressbuch legt ein solches an. Sobald Sie es markieren, öffnet sich durch Klick auf Hinzufügen eine Eingabemaske, die alle Empfängerdaten aufnimmt. Auf dem Reiter E-Mail-Adresse ordnen Sie jedem Kontakt beliebig viele Mail-Adressen zu (Abbildung 8).

Abb. 8: Das Adressbuch verwaltet alle Kontakte.

Der Reiter Benutzerattribute nimmt beliebig viele Name-Wert-Paare auf. Dort ist z. B. Platz für Geburts- und Namenstage. Das Ereignis kommt in das Feld Name, Wert bestücken Sie mit dem passenden Datum.

Sylpheed als Newsreader

Ebenso wie Outlook Express unter Windows, ist Sylpheed auch im Usenet zu Hause. In News-Gruppen zu allen erdenklichen Themen tauscht man sich mit anderen Menschen aus. Die Nachrichten, so genannte Postings, werden über Newsserver verbreitet und sind für jeden öffentlich abrufbar. Die meisten Provider bieten ihren Kunden einen Newsserver, über den sie an den Diskussionen teinehmen können. Ein solches Konto richten Sie in Sylpheed schnell ein.

  1. Bei Einstellungen / Neuen Account erstellen sind Sie richtig. Tragen Sie als Mail-Adresse am besten eine ein, die Sie nur für das Usenet benutzen. Sie werden an diese Adresse viel unerwünschte Werbung erhalten, so dass Sie extra dafür eine "Müll-Adresse" nutzen sollten, die Sie nicht regelmäßig lesen. Nehmen Sie keine falsche Adresse -- die Nutzungsbedingungen vieler Provider verbieten das. Außerdem besteht die Gefahr, dass jemand anderes die gefälschte Adresse tatsächlich nutzt und dann den Ihnen zugedachten Werbemüll entsorgen muss.
  1. Bei Protokoll wählen Sie News (NNTP). Den Namen des Servers erfahren Sie von Ihrem Provider, bei t-online ist es news.t-online.de. Falls Sie sich anmelden müssen, aktivieren Sie Dieser Server benötigt Beglaubigung und tragen Benutzername und Passwort ein. Hinter SMTP-Server muss nur dann etwas stehen, wenn Sie Diskussionspartnern nicht öffentlich, sondern per Mail antworten wollen.
  1. Deaktivieren Sie auf der Registerkarte Senden den Punkt Erzeuge Nachrichten-ID. In News-Postings ist eine einzigartige korrekte Message-ID wichtig. Privatanwender, die keine eigene Domain haben, sollten diese von ihrem Newsserver erzeugen lassen.

Das News-Konto erscheint nun in der Baumansicht, und über Newsgroup abonnieren aus dem Kontextmenü wählen Sie die Gruppen aus, die Sie interessieren. Sylpheed holt zunächst eine Gruppenliste ab, was bei einer Modem-Verbindung mehrere Minuten dauert. Ist sie übertragen, reicht es aus, im Abo-Fenster ein Stichwort mit Wildcard anzugeben. de.*linux* listet z. B. alle Gruppen der de-Hierarchie (deutschsprachig) auf, die linux im Namen haben. Ein Klick auf eine Gruppe markiert und abonniert Sie. Wer noch nie in einer Newsgroup geschrieben hat, sollte auf jeden Fall de.newusers.infos abonnieren. Die Beiträge dort erklären, was es mit dem Usenet auf sich hat und was man beachten sollte, um nicht versehentlich ins Fettnäpfchen zu treten. SuSE-Linux-Anwender finden kompetente, auch deutschsprachige Hilfe in der Gruppe alt.linux.suse, Fragen rund um KDE-Programme sind gut in de.comp.os.unix.apps.kde aufgehoben.

Klicken Sie alle Gruppen an, die Sie interessieren, und schließen Sie das Abonnement-Fenster. Sobald Sie online sind und auf Hole alle drücken, kontaktiert Sylpheed auch den Newsserver und holt die Kopfzeilen der letzten 300 Nachrichten ab. Den Nachrichtentext fordert das Programm an, sobald Sie einen Artikel markieren (Abbildung 9). Ist eine Newsgroup markiert, ändert sich der E-Mail-Button in der Icon-Leiste zu einer News-Schaltfläche, über die Sie eigene Diskussionsbeiträge verfassen. Bevor Sie das tun, sollten Sie die Gruppe jedoch erst einmal ein paar Tage lesen. Das hilft Ihnen, typische Einsteigerfehler zu vermeiden -- gerade in Linux-Gruppen erwartet man von Neulingen, dass sie erst versuchen, ihr Problem mit Hilfe der Dokumentation oder einer Suchmaschine zu lösen, bevor sie in einer Newsgroup fragen.

Abb. 9: Mit Sylpheed lesen Sie auch Newsgroups.

Versteckte Features entdecken

Mit dieser Grundkonfiguration erledigen Sie komfortabel den elekronischen Briefverkehr. Zusätzlich gibt es natürlich das eine oder andere Schräubchen, an dem Sie drehen können, um Sylpheed noch komfortabler zu machen. Bei der Suche nach einer bestimmten Funktion hilft meistens das deutschsprachige Handbuch im HTML-Format, das Sie über Hilfe / Anleitung (lokal) anzeigen. Der Punkt FAQ (lokal) beantwortet die am häufigsten gestellten Fragen zu Sylpheed. So erfahren Sie z. B., wie Sie schnell eigene Tastasturkürzel einstellen: Bewegen Sie die Maus dazu über den Menüpunkt, dem Sie einen Shortcut zuweisen wollen, und drücken Sie die gewünschte Kombination. Sie erscheint sofort als Erinnerung hinter dem Menüpunkt und steht im Programm zur Verfügung.

Standardmäßig öffnet Sylpheed die Hilfedateien in Mozilla. Nutzen Sie stattdessen Konqueror, ist auch das kein Problem. Unter Einstellungen / Allgemeine Einstellungen / Weiteres wählen Sie aus dem Webbrowser-Dropdown-Menü den Eintrag kfmclient openURL '%s' (Abbildung 10), schon öffnen sich Links und die Hilfedateien im KDE-Browser. (eba)

Abb. 10: Hier suchen Sie den Default-Browser aus.
Richtig zitieren

In der Default-Konfiguration umbricht Sylpheed auch zitierten Text. Dadurch versendet das Programm abwechselnd lange und kurze Zeilen, was zu einem sehr unruhigen Schriftbild führt. Damit Ihre Mails in doppelter Hinsicht gut ankommen, stellen Sie dieses Verhalten ab. Öffnen Sie über Einstellungen / Allgemeine Einstellungen den Konfigurationsdialog. Wechseln Sie auf das Register Verfassen und deaktivieren Sie die Option Intelligenter Zeilenumbruch. Auch vor Zitat umbrechen darf kein Häkchen stehen. Aktivieren Sie stattdessen Umbrechen bei der Eingabe und stellen Sie die Zeilenlänge auf einen Wert zwischen 70 und 74.

Infos
[1] http://www.easylinux.de/Download
[2] Andrea Müller: "Digitales Schlüsselbrett", EasyLinux 09/2003, S. 21ff

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