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Erschienen in EasyLinux 06/2004   »   Ausgabe bestellen

Know-How für die Kommandozeile

Shell-Tipps

von Andrea Müller


Ob grafisch oder textbasiert: Unter Linux führen meist mehrere Wege zum Ziel. Unsere Shell-Tipps dienen als Wegweiser auf den verschlungenen Pfaden der Kommandozeile.

Tipp: Auflösung wechsel Dich

Um schnell die Bildschirmauflösung zu ändern, wie unter [1] beschrieben, müssen Sie nicht das KDE-Kontrollzentrum starten. Viel schneller geht es mit dem praktischen Tool xrandr. Der Befehl

xrandr -q

zeigt, welche Auflösungen in welcher Farbtiefe das System anbietet (Abbildung 1). Jede Zeile der Ausgabe zeigt einen möglichen Wert, z. B.

4       1024 x 768 (332mm x 252mm)      75      70      60

Die 4 ist die Kennummer, dahinter fogt die Angabe der Bildpunkte und die Größe in Millimeter. Die letzten drei Werte sind die bei dieser Auflösung möglichen Bildwiederholraten. Änderungen nehmen Sie mit dem Parameter -s, gefolgt von der gewünschten Auflösung oder deren Nummer vor. Sowohl

xrandr -s 1024x768

als auch

xrandr -s 4

schalten die Auflösung auf 1024x768 um. Sofern eine Auflösung mehrere Wiederholraten ermöglicht, ändern Sie diese mit dem Parameter -r:

xrandr -r 70

wechselt zu einer Bildwiederholrate von 70.

Besonders praktisch ist xrandr unter Mandrake Linux, da sich dort die Auflösung nicht übers KDE-Kontrollzentrum steuern lässt.

Abb. 1: Mit dem Parameter -q aufgerufen, listet "xrandr" alle möglichen Auflösungen auf.

Tipp: Dateien nach Größe sortiert auflisten

Standardmäßig zeigt der Befehl ls eine alphabetische Liste der Inhalte eines Verzeichnisses. Wenn Sie stattdessen ls -S (Size=Größe) aufrufen, sortiert ls nach der Dateigröße, die größten Dateien am Anfang. Der Parameter lässt sich mit anderen kombinieren: Mit ls -lS zum Beispiel erhalten Sie eine ausführliche Ausgabe mit Besitzer und Größe der Dateien in sortierter Form.

Sind sehr viele Dateien in einem Verzeichnis, leiten Sie die Ausgabe an den Betrachter less um:

ls -lS | less

Interessieren Sie sich nur für die "dicksten Brocken" geht es mit dem Parameter -r auch ohne den Umweg über den Betrachter. Das Kommando ls -Sr (reverse=umgekehrt) sortiert die Dateien aufsteigend nach Größe. Die Platzfresser stehen am Ende der Liste, wo Sie sie direkt im Blick haben.

Tipp: Dateien mit langen Zeilen umformatieren

Manche Zeitgenossen haben scheinbar den praktischen Nutzen der [Enter]-Taste noch nicht für sich entdeckt. Sie beglücken einen mit Textdateien, die wahre Bandwurmzeilen enthalten. Zwar brechen die meisten Editoren und Betrachter den Text am Fensterrand um, scheren sich dabei jedoch nicht darum, ob sie mitten im Wort trennen. Das richtige Programm für solche Zwecke ist fmt. Es gibt den Inhalt einer Datei aus und setzt die Zeilenlänge auf maximal 75 Zeichen. Nur dort, wo es eine Leerstelle findet, umbricht es den Text. Der Aufruf ist einfach:

fmt bandwurm.txt

gibt den Inhalt von bandwurm.txt auf erträgliche Zeilenlänge umformatiert aus (Abbildung 2). Mit Hilfe des Umleitungssymbols > schreiben Sie das Ergebnis in eine neue Datei:

fmt bandwurm.txt > formatiert.txt

Wollen Sie weniger oder mehr Zeichen pro Zeile, stellen Sie die gewünschte Länge mit der passenden Zahl im Programmaufruf ein. So fällt fmt -25 bandwurm.txt ins andere Extrem und kappt die Zeilenlänge auf 25 Zeichen.

Abb. 2: "fmt" gibt Textdateien mit der gewünschten Zeilenlänge aus.

Tipp: In less eine neue Datei öffnen

Wer versehentlich die falsche Datei geöffnet hat, muss less nicht beenden und erneut aufrufen. Nutzen Sie einfach die "Datei öffnen"-Funktion, die das Programm zugegebenermaßen gut versteckt. Geben Sie :e ein und in der Statuszeile erscheint der Text Examine: (untersuche). Jetzt tippen Sie den Pfad zur gewünschten Datei ein und drücken [Enter]. Praktischerweise funktioniert auch hier die Vervollständigung mit der [Tab]-Taste.

Tipp: Viele auf einen Streich

Wenn es darum geht, mehrere Dateien mit less zu inspizieren, geben Sie einfach alle zusammen auf der Kommandozeile ein. Ein

less vorlage projekt/tipps.txt

lädt vorlage und tipps.txt in less. In der Statuszeile am unteren Bildschirmrand steht jetzt (file 1 of 2) (Datei 1 von 2). Der Wechsel zur nächsten Datei gelingt mit :n (next=nächste); zurück zur ersten Datei geht es danach mit :p (previous=vorige). Ein Druck auf q schließt less samt aller geöffneten Dateien.

Tipp: Datei mit Zeilennummern versehen

Wenn man hin und wieder Shell-Skripte schreibt, ist es praktisch, im Editor die Zeilennummern einzublenden. Wer das auch für einen Ausdruck der Datei gerne hätte, erledigt das am schnellsten mit dem kleinen Programm nl. Durch Ausprobieren sehen Sie am besten, wie das Tool arbeitet -- keine Angst, Ihre Dateien verändert nl nicht. Der Befehl

nl -ba meinskript

schreibt meinskript mit vorangestellten Zeilennummern in das Konsolen-Fenster (Abbildung 3). Der Parameter -b ist ein Hinweis an nl, das nun eine Stilanweisung folgt. Hier sorgt a dafür, dass alle, auch leere Zeilen eine Zeilennummer erhalten. Der Aufruf nl meinskript nummerierte nur die Zeilen, in denen auch Text steht.

Abb. 3: nl versieht Textdateien mit Zeilennummern.

Um die Ausgabe in eine Datei zu schreiben, lenken Sie sie mit > um:

nl -ba meinskript > zeilennummern.txt

Die Ausgabedatei zeilennummern.txt müssen Sie dann nur noch ausdrucken.

Tipp: Mehrere Dateien in Midnight Commander markieren

Der Datei-Manager für die Kommandozeile blendet zwar benutzerfreundlich die wichtigsten Tastenkombinationen am unteren Bildschirmrand ein, aber wie man mehrere Dateien markiert, um sie dann zu löschen oder zu kopieren, verrät er nicht. Möglich ist es natürlich trotzdem: Die Funktion liegt auf der Einfügen-Taste, die entweder mit [Einfg] oder [Ins] beschriftet ist. Navigieren Sie mit den Pfeiltasten zur ersten Datei, die sie markieren wollen, und drücken [Einfg]. Als Zeichen, dass sie markiert ist, färbt sich die Datei gelb, und der Cursor springt eine Position weiter. Markieren Sie so alle gewünschten Dateien (Abbildung 4) und rufen Sie danach die passende Funktion wie Kopieren ([F5]) oder Löschen ([F8]) auf.

Abb. 4: Mehrere markierte Dateien im Midnight Commander.

Haben Sie versehentlich eine falsche Datei erwischt, hebt ein erneuter Druck auf [Einfg] die Markierung wieder auf.

Tipp: Der Bildbetrachter Display

In den Shell-Tipps war die ImageMagick-Programmsammlung, die Bildbearbeitungsprogramme für die Kommandozeile enthält, schon öfters Thema. Da man Bilder nicht nur bearbeiten, sondern auch betrachten will, liefert die Tool-Sammlung auch ein grafisches Programm mit: Den Bildbetrachter display. Wie ImageMagick auf die heimische Festplatte kommt, erfahren Sie unter [1]; danach können Sie sofort loslegen. Den Befehl rufen Sie nun mit einer beliebigen Bilddatei auf, display bild.png zum Beispiel öffnet ein Fenster mit der Datei bild.png.

Tipp: Viele Bilder auf einmal mit Display öffnen

Um eine ganze Bildersammlung zu betrachten, müssen Sie nicht jedes Bild einzeln öffnen. Liegen Ihre Urlaubsbilder im JPEG-Format im Verzeichnis /home/benutzername/bilder, übergeben Sie die ganze Sammlung mit dem Befehl

display /home/benutzername/bilder/*.jpg

an den Betrachter. Das Sternchen ist ein Platzhalter für eine beliebige Zeichenkette, so dass *.jpg alle Dateien erfasst, deren Name mit .jpg endet. Platzsparend öffnet display nur ein einziges Fenster. Mit der Leertaste wechseln Sie zum nächsten Bild, den Rückwärtsgang legen Sie mit der Backspace-Taste ein. Alternativ klicken Sie mit der rechten Maustaste ins Fenster und blättern mit den Einträgen Next (Nächstes) und Former (Voriges) des Kontextmenüs.

Tipp: Thumbnails mit Display

Viele große Bilddateien müssen Sie nicht einzeln laden, um sich einen Überblick zu verschaffen. Auf Wunsch erstellt display aus mehreren Bildern eines Ordners eine Vorschau aus so genannten Thumbnails. Das Schlüsselwort dafür heißt vid: (virtual directory=virtuelles Verzeichnis). Mit dem Befehl

display "vid:/home/benutzername/bilder/*.jpg"

erzeugt display eine Katalogansicht aller .jpg-Dateien im Ordner /home/benutzername/bilder (Abbildung 5). Passen nicht alle Bilder auf eine Seite, blättern Sie mit der Leertaste weiter, zurück geht es mit Backspace.

Abb. 5: "display" erzeugt Thumbnail-Ansichten aller Bilder eines Ordners.

Diese Übersicht können Sie in einer neuen Datei speichern. Öffnen Sie dazu mit einem Mausklick in das Fenster das Menü und wählen Sie File / Save. Nach Eingabe eines Dateinamens und Klick auf Ok speichert display die Thumbnail-Ansicht.

Tipp: Dateigröße überwachen

Manchmal will man in regelmäßigen Abständen die Größe einer Datei überwachen, z. B. bei einem längeren Download. Das Programm watch aus dem ps-Paket ist dafür wie geschaffen. Sie übergeben ihm einen Befehl den es alle zwei Sekunden ausführt. Die Ausgabe des Befehls zeigt es im Terminal-Fenster an. Da zwei Sekunden ein recht kurzes Intervall sind, legen Sie mit dem Parameter -n fest, wie oft watch den Befehl ausführt. Um alle 10 Sekunden die Größe einer Datei abzufragen, lautet das Kommando

watch -n 10 ls -l /home/andi/download/iso.img

In der linken oberen Fensterecke steht nun, welchen Befehl (ls -l /home/andi/download/iso.img) watch alle zehn Sekunden aufruft, in der rechten Ecke läuft eine Uhr, die alle zehn Sekunden die Zeit aktualisiert. Darunter steht die Ausgabe des ls-Aufrufs. Um die Überwachung abzubrechen, beenden Sie watch mit [Strg-C].

Tipp: watch für Diagnosezwecke nutzen

watch kann Ihnen helfen, Fehlern auf die Spur zu kommen. Wenn Sie ein Heimnetzwerk haben, bei dem sporadisch einer der Rechner nicht mehr erreichbar ist, gilt es die Ursache zu finden. Wissen Sie nicht einmal genau, wann das Problem auftritt, da Sie nicht laufend Dateien hin- und herschicken, lassen Sie watch die lästige Kontrollaufgabe erledigen.

watch -n 60 ping -c 3 192.168.0.13

schickt alle 60 Sekunden (-n 60) drei Ping-Pakete (ping -c 3) an den Rechner mit der IP-Adresse 192.168.0.13. Die Adresse passen Sie an Ihr Netzwerk an. Haben Sie die Namen der Computer in Ihrem Netzwerk in der Datei /etc/hosts eingetragen, können Sie statt der IP-Adresse auch den Rechnernamen verwenden.

Jetzt müssen Sie nur noch hin- und wieder einen Blick in das watch-Fenster werfen, um zu sehen, wann der Problemrechner nicht mehr antwortet. In diesem Fall meldet ping Destination Host Unreachable (Zielrechner nicht erreichbar) und am Ende der Ausgabe steht 100% packet loss. Die zeitliche Eingrenzung des Problems bringt Sie der Lösung meistens einen Schritt näher. (eba)

Infos
[1] Hans-Georg Eßer: "Mal klein, mal groß", EasyLinux 02/2004, S. 40 f.

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