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Erschienen in EasyLinux 06/2004   »   Ausgabe bestellen

Dateisysteme mounten

Bergsteiger

von Heike Jurzik und Hans-Georg Eßer


Der Befehl mount bindet Datenträger, wie z. B. Festplatten, Disketten, CD-ROMs und DVDs, in den Dateibaum ein. Wir verraten Tipps und Tricks dazu und bringen Licht in die Gerätebezeichnungen.

Windows-Systeme vergeben für Partitionen und andere Datenträger (z. B. CD-/DVD-Laufwerke) Laufwerksbuchstaben. Alle gefundenen Geräte werden dort automatisch ins System eingebunden. Linux hängt Festplatten, Disketten, CD-ROM- oder DVD-Laufwerken wahlweise automatisch beim Booten oder manuell über die Kommandozeile ein. Die Geräte spricht Linux zunächst über so genannte Gerätedateien an, die sich unterhalb des Wurzelverzeichnisses (siehe Artikel "Ordnung ist das halbe Leben", EasyLinux 05/2004, S. 77-79) im Verzeichnis /dev (englisch: devices) befinden (Abbildung 1), so ist beispielsweise die Gerätedatei /dev/hda1 für die erste Partition auf der ersten Festplatte zuständig.

Abb. 1: Das Verzeichnis "/dev" enthält alle Gerätedateien.

Einfach mount

Geben Sie auf der Kommandozeile einfach mount ein, gibt das Kommando aus, welche Datenträger gerade an welcher Stelle eingehängt sind:

suse9@pluto:~> mount
/dev/hda12 on / type ext3 (rw)
proc on /proc type proc (rw)
devpts on /dev/pts type devpts (rw,mode=0620,gid=5)
/dev/hda7 on /boot type ext2 (rw)
/dev/hda13 on /home type ext3 (rw)
tmpfs on /dev/shm type tmpfs (rw)
usbdevfs on /proc/bus/usb type usbdevfs (rw)
/dev/hdc on /media/cdrom type iso9660 (ro,nosuid,nodev,user=suse9)

Ganz vorne steht in jeder Zeile das gemountete Gerät, danach kommt der so genannte Mountpoint. Es folgt das auf dem Gerät verwendete Dateisystem und als letzter Punkt die jeweiligen Mount-Optionen. In diesem Beispiel sehen Sie, dass die Partition /dev/hda12 als Root-Partition gemountet ist (zu erkennen am Schrägstrich), /dev/hda13 ist eine separate Partition für das Verzeichnis /home (siehe Kasten "Partitionsbezeichnungen unter Linux").

Im Beispiel ebenfalls zu erkennen: /boot ist eine Partition im Ext2-Format ("second extended filesystem"), /home hingegen ist Ext3-formatiert ("third extended filesystem"). Die eingehängte CD-ROM verwendet iso9660, das Standard-CD-ROM-Dateisystem.

Partitionsbezeichnungen unter Linux

Bezeichnungen wie /dev/hda[nummer] wirken auf den ersten Blick etwas kryptisch, sind aber schnell erklärt: Festplatten können wie ein Kuchen in einzelne Stücke, die so genannten Partitionen, unterteilt werden. So können Sie mehrere Betriebssysteme auf einer Platte installieren oder zur besseren Organisation und Verwaltung von Daten mehrere Partitionen anlegen.

Jede Festplatte kann bis zu vier primäre Partitionen enthalten. Eine dieser vier darf "erweitert" sein und lässt sich dann in weitere "logische" Partitionen aufteilen.

Weiterhin vergibt Linux unterschiedliche Gerätenamen, abhängig davon, ob es sich um ein IDE- (hd..., kurz für "Hard disk") oder SCSI-Gerät (sd..., kurz für SCSI disk) handelt. Die IDE-Platten hda bis hdd zählt Linux nicht einfach durch, sondern es gibt eine feste Zuordnung: hda und hdb sind immer die als Master und Slave am ersten Controller angeschlossenen Geräte, und über hdc und hdd sprechen Sie Master und Slave am zweiten Controller an. Wird also beispielsweise der erste Controller gar nicht benutzt, kann die erste Festplatte durchaus hdc oder hdd heißen.

Die Nummern hinter hdX beziehen sich auf die einzelnen Partitionen. Für die primären verwendet Linux die Ziffern 1 bis 4, logische Partitionen werden ab 5 durchnummeriert. Der Name /dev/hda12 verrät also: Es handelt sich um die Master-Platte am ersten IDE-Controller und die achte logische Partition innerhalb einer erweiterten Partition.

Abb. 2: SuSEs YaST gibt Auskunft über die aktuelle Partitionierung.

CD- und DVD-Laufwerke am IDE-Bus folgen dem gleichen Schema: Ein CD-Laufwerk als Master am zweiten IDE-Controller hieße somit /dev/hdc, obwohl es keine Festplatte ist.

Automatisch oder manuell?

Einige Dateisysteme, wie z. B. die Root-Partition von Linux, werden automatisch beim Booten des Rechners eingebunden. Andere Datenträger, vor allem Wechselmedien wie CD-/DVD-Laufwerke oder Disketten, müssen Sie manuell mounten (siehe Abschnitt Wechselmedien). Eine Ausnahme bildet hier Mandrake Linux -- werfen Sie einen Blick in den Kasten "/etc/fstab und supermount bei Mandrake Linux", um mehr über den dort eingesetzten Automount-Mechanismus zu erfahren.

In der Konfigurationsdatei /etc/fstab ("fstab" = "File System Table") werden alle zu mountenden Dateisysteme mit ihren jeweiligen Optionen eingetragen. Eine typische fstab auf einem SuSE-Linux-System sieht beispielsweise wie in Listing 1 aus:

Listing 1: /etc/fstab
/dev/hda12           /                    ext3       defaults 1 1
/dev/hda7            /boot                ext2       defaults 1 2
/dev/hda1            /data1               auto       noauto,user 0 0
/dev/hda13           /home                ext3       defaults 1 2
/dev/hda8            swap                 swap       pri=42 0 0
proc                 /proc                proc       defaults 0 0
/dev/cdrecorder      /media/cdrecorder    auto       ro,noauto,user,exec 0 0
/dev/cdrom           /media/cdrom         auto       ro,noauto,user,exec 0 0
/dev/dvd             /media/dvd           auto       ro,noauto,user,exec 0 0
/dev/dvdram          /media/dvdram        auto       ro,noauto,user,exec 0 0
/dev/fd0             /media/floppy        auto       noauto,user,sync 0 0

In dieser Tabelle sehen Sie jeweils die Gerätedatei (z. B. /dev/hda7), den Mountpoint (/boot), das verwendete Dateisystem (ext2) und diverse Mount-Optionen. Einige Einträge beziehen sich auf Spezialfunktionen des Linux-Kernels und werden daher hier nicht näher erläutert -- interessant sind hingegen die Zeilen, die mit /dev/ beginnen:

In der ersten Spalte fällt auf, dass für die Laufwerke im Rechner nicht der konkrete Gerätedateiname auftaucht, sondern stattdessen Bezeichnungen wie /dev/cdrom oder /dev/dvd. Ein Blick auf diese Dateien verrät, dass es sich um symbolische Links handelt, die auf die Gerätedatei /dev/hdd zeigen:

suse9@pluto:~> ls -la /dev/dvd
lrwxrwxrwx   1 root   root   3 Dez  5 21:34 /dev/dvd -> hdd

Es ist üblich unter Linux, für Gerätedateien solche Aliasnamen zu vergeben -- so können Sie das CD-Laufwerk auf jedem Rechner als /dev/cdrom ansprechen, obwohl es tatsächlich ein IDE-, SCSI- oder externes Firewire-Laufwerk sein könnte.

Der Mountpoint in der zweiten Tabellenspalte legt fest, unter welchem Namen das eingebundene Dateisystem erreichbar sein soll. So befindet sich das Root-Dateisystem wie erwartet unter /, die Partition /dev/hda13 ist unter /home erreichbar. Die Inhalte von Wechselmedien finden Sie auf SuSE-Linux-Systemen unterhalb von /media, andere Linux-Distributionen binden diese Medien in Unterverzeichnisse von /mnt ein.

Die dritte Tabellenspalte definiert den Dateisystemtyp. Die beiden Dateisysteme ext2 und ext3 sind schon erwähnt worden -- andere typische Einträge könnten reiserfs (für das Reiser Filesystem), iso9660 (Standard für CD-ROMs), vfat (für MS-DOS VFAT) oder ntfs (für das NT Filesystem) sein. Steht an dieser Stelle auto, versucht Linux, das Dateisystem automatisch zu erkennen -- das ist z. B. für Disketten sinnvoll, die mit unterschiedlichen Dateisystemen formatiert sein könnten.

Nach dem Dateisystemtyp folgen die Mount-Optionen, die durch Kommata (ohne Leerzeichen!) voneinander getrennt sind. Der Eintrag noauto bedeutet, dass das Medium beim Booten nicht automatisch eingehängt wird. (Einträge ohne noauto werden automatisch eingebunden.) Die Option user legt fest, dass jeder Benutzer auf dem System das entsprechende Gerät mounten und unmounten darf, was z. B. für CDs sinnvoll ist, damit Sie diese auch ohne Root-Rechte lesen können. Der Eintrag ro steht für "read-only" und legt fest, dass das Gerät nur mit Leserechten eingebunden wird (sinnvoll für CD-/DVD-Laufwerke). Steht an dieser Stelle defaults, hängt Linux das Dateisystem mit den Standardeinstellungen ein.

/etc/fstab und supermount bei Mandrake Linux

Mandrake Linux verwendet ein Tool namens supermount, um Wechselmedien automatisch ins Dateisystem einzubinden. In der Datei /etc/fstab steht dann beispielsweise:

none /mnt/cdrom supermount dev=/dev/scd0,fs=udf:iso9660,ro,--,iocharset=iso8859-15 0 0

Legt man eine CD oder DVD in das entsprechende Laufwerk, erspart Mandrake Linux dem Anwender das manuelle Ein- und Aushängen. Wer das Verhalten ungewöhnlich findet und den Komfort nicht mag, kann es durch folgende Prozedur abschalten:

  1. Werden Sie Administrator durch die Eingabe von
    su -
    und dem Root-Passwort.
  2. Rufen Sie das Skript supermount auf:
    supermount disable
  3. Als Bestätigung sehen Sie eine Ausgabe der veränderten Datei /etc/fstab auf der Konsole:
    /dev/hda11 / ext3 defaults 1 1
    [...]
    /dev/scd0       /mnt/cdrom      auto noauto,nodev,iocharset=iso8859-15,nosuid,user,ro   0 0
    
  4. Um supermount wieder einzuschalten, genügt (ebenfalls als Administrator) der Befehl
    supermount enable

Wechselmedien mounten

Der Blick in die fstab-Datei von SuSE Linux hat gezeigt: Als "normaler" Benutzer dürfen Sie CDs und DVDs ein- und wieder aushängen ("ro,noauto,user,exec") und müssen daher nicht als Root arbeiten. Aus der fstab haben Sie ebenfalls erfahren, an welche Stelle (Mountpoint) das Gerät gemountet wird. Nach dem Einlegen einer CD tippen Sie unter SuSE Linux also:

mount /media/cdrom

Bei Red Hat Linux befindet sich für entsprechende Laufwerke in der Datei fstab der Eintrag

/dev/cdrom /mnt/cdrom udf,iso9660 noauto,owner,kudzu,ro 0 0
Die Option user fehlt dort, das System verlangt daher Administratorrechte:

[rh9@pluto rh9]$ mount /mnt/cdrom
mount: Nur »root« kann /dev/cdrom auf /mnt/cdrom einhängen
[rh9@pluto rh9]$ su -
Password: 
[root@pluto root]# mount /mnt/cdrom

Wollen Sie unter Red Hat Linux auch ohne Root-Rechte Laufwerke ein- und wieder aushängen, bearbeiten Sie (als Root) die Datei /etc/fstab und ersetzen für die entsprechenden Laufwerke die Option owner durch user.

Unmounten nicht vergessen

Bevor eine CD oder DVD aus dem Laufwerk wieder entnommen werden kann, muss sie erst ausgehängt werden. Der passende Befehl dazu heißt umount /media/cdrom (SuSE Linux) bzw. umount /mnt/cdrom (Red Hat Linux). Das Aushängen funktioniert allerdings nicht, wenn die CD oder DVD noch benutzt wird. Dazu reicht es schon, wenn Sie sich mit dem Dateimanager Konqueror noch in einem Fenster im CD-/DVD-Verzeichnis befinden (Abbildung 3).

Abb. 3: Vor dem Aushängen müssen Sie sicherstellen, dass das Gerät nicht mehr benutzt wird.

Images temporär mounten

Das mount-Kommando bietet noch ein interessantes Feature, für das Sie unter Windows Zusatzprogramme benötigen würden: Es kann auch Image-Dateien einbinden.

CD- oder DVD-Images sind, wie der Name schon sagt, Abbildungen eines Datenträgers. Sofern Sie CDs oder DVDs nicht on-the-fly brennen, legen Sie ein so genanntes Image der Daten an. Programme wie K3b benutzen dafür im Hintergrund das Tool mkisofs. Als Ergebnis erhalten Sie eine Datei, die meist auf .iso oder .img endet.

Bevor Sie dieses Image auf einen Rohling bannen, können Sie es probeweise ins Dateisystem einhängen und so eventuelle Fehler entdecken. Dazu werden Sie zunächst mit su (und anschließender Eingabe des Root-Passworts) zum Administrator. Legen Sie dann ein temporäres Verzeichnis, beispielsweise unter /mnt, an:

su
mkdir /mnt/tmp

Nun können Sie das ISO-Image an dieser Stelle einhängen:

mount -o loop CD5.iso /mnt/tmp

Die Option -o loop ist nötig, damit mount sich nicht beschwert, dass Sie eine Datei statt eines Geräts verwenden. Manchmal benötigt das mount-Kommando zusätzlich als Angabe den Dateisystemtyp. Dann verwenden Sie den Parameter -t:

mount -o loop -t iso9660 CD5.iso /mnt/tmp

Es lohnt sich in jedem Fall, selbst erstellte oder aus dem Internet heruntergeladene Images vor dem Brennen "probe-zu-mounten" -- Sie sparen damit im Fehlerfall einen Rohling und die Zeit für den zweiten Brennvorgang. (hge)

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