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Mirko Dölle
Ob 3D-Hardwarebeschleunigung oder zweiter Monitor, um die Leistungsfähigkeit moderner Grafikkarten ausnutzen zu können, sind hochspezialisierte Treiber erforderlich. Leider bieten die Hersteller keine angepassten Treiberpakete für die unterschiedlichen Distributionen an, offenbar ist ihnen der Aufwand zu hoch. Auf der anderen Seite ist die Weitergabe der Treiber oftmals beschränkt, so dass derzeit nur Mandrake die Nvidia-Treiber in die Standard-Distribution aufgenommen hat -- immerhin gibt es bei SuSE Linux und Fedora Core komfortable Möglichkeiten, den Nvidia-Treiber nachzuinstallieren. ATIs Radeon-Treiber hingegen sind noch in keiner Distribution enthalten oder auch nur vorbereitet. Zudem funktioniert der ATI-Treiber nur mit Kernel 2.4, Besitzer von SuSE Linux 9.1 oder Mandrake Linux 10 müssen daher auf 3D-Unterstützung verzichten.
Mit Ausnahme der Installation des Nvidia-Treibers unter SuSE Linux müssen fast alle Arbeiten auf der Kommandozeile erledigt werden -- einmal gibt es für die Einrichtung des ATI-Treibers keine grafischen Hilfsmittel, zum anderen kann man schlecht Teile des Grafiksystems austauschen, während es läuft.
Die Textkonsolen der Distributionen befinden sich auf den so genannten Konsolen 1 bis 6, die Sie mit der Tastenkombination [Strg+Alt+F1] bis [Strg+Alt+F6] erreichen. Die grafische Oberfläche läuft standardmäßig auf Konsole 7, mit der Tastenkombination [Strg+Alt+F7] kehren Sie also von der Textkonsole zum grafischen System zurück.
Auf jeder Konsole erwartet Sie als erstes das so genannte Login-Prompt. Hinter login: tragen Sie den Benutzernamen ein, anschließend fragt das System mit Password: das Passwort ab. Anders als bei der Anmeldung auf der grafischen Oberfläche sehen Sie nicht, ob Sie eine Taste gedrückt haben oder nicht -- es er scheinen keinerlei Sternchen oder sonstige Zeichen bei der Passworteingabe.
Die Bedienung der Textkonsolen unterscheidet sich kaum von der KDE-Konsole, die Sie sicher im Rahmen anderer Einrichtungsarbeiten schon kennen gelernt haben. Der einzige Unterschied ist, dass Sie auf der Textkonsole keine grafischen Programme aufrufen können. Auch die Ihnen bekannten Editoren funktionieren auf der Textkonsole nicht, weshalb Sie über die Paketverwaltung Ihrer Distribution das Programm Midnight Commander ("mc") nachinstallieren sollten. Wer von DOS oder Windows den Norton Commander kennt, wird sich gleich zu Hause fühlen, ansonsten enthält das Programm einen einfach zu bedienenden Texteditor, den Sie später zur Anpassung der Systemkonfiguration benötigen.
Zunächst sichern Sie die lauffähige Konfiguration Ihres grafischen Systems, damit Sie im größten Notfall wieder auf den alten Stand zurückkehren können, falls die Einrichtung der 3D-Grafiktreiber von ATI oder Nvidia nicht funktioniert. Die zuständige Konfigurationsdatei befindet sich bei allen Distributionen im Verzeichnis /etc/X11 und heißt bei SuSE Linux XF86Config, bei Mandrake Linux 9.2 XF86Config-4 und bei Fedora Core 2 xorg.conf. Das nachfolgende Beispiel zeigt, wie Sie unter SuSE Linux die Grafik-Konfiguration sichern:
Der Befehl cp kopiert die mit dem ersten Parameter angegebene Datei und speichert sie unter dem als zweiten Parameter angegebenen Namen. Unter Mandrake Linux 9.2 tauschen Sie "XF86Config" aus dem vorangegangenen Beispiel gegen "XF86Config-4" aus und bei Fedora Core 2 gegen "xorg.conf", so dass die Kopien entsprechend XF86Config-4.orig und xorg.conf.orig heißen.
Bei Mandrake Linux 9.2 müssen Sie zudem noch die für den Installationsablauf verwendete Konfigurationsdatei der grafischen Oberfläche, XF86Config, umbenennen:
Sollte die Installation der Hersteller-Treiber später fehlschlagen, steht Ihnen in jedem Fall der Rückweg zum Betrieb ohne Hardware-Beschleunigung offen. Dazu melden Sie sich nach Systemstart erneut auf der Textkonsole an, löschen etwaige vorhandene Konfigurationsdateien und kopieren die gesicherte Konfiguration wieder an den ursprünglichen Ort -- hier das Beispiel für SuSE Linux:
Nach dem nächsten Systemstart, den Sie zum Beispiel mit dem Befehl reboot an der Textkonsole auslösen, startet das grafische System wieder mit der alten, unbeschleunigten Konfiguration.
Für Besitzer von Nvidia-Karten ist Mandrake Linux 9.2 die optimale Distribution -- sie enthält bereits den 3D-Treiber von Nvidia, nach der Standard-Installation ist die 3D-Hardwarebeschleunigung also schon installiert.
Der ATI-Treiber hingegen liegt lediglich in den Quellen vor, die Sie erst auf Ihrem System übersetzen müssen. Glücklicherweise ist dies nicht weiter schwer, da diese Aufgabe von mehreren Programmen nahezu automatisch erledigt wird.
Voraussetzung ist jedoch, dass Sie die Entwicklungsumgebung nachinstallieren:

Ist das Entwicklungssystem installiert, müssen Sie auf eine Textkonsole wechseln. Dort melden Sie sich als Benutzer Root an, geben Ihr Passwort ein, und schalten mit folgendem Befehl die grafische Oberfläche ab:
init 3
Drücken Sie nach dem Aufruf noch einmal [Enter], um wieder ein neues Prompt zu erhalten. Der nächste Schritt ist, die Treiber-Quellen von ATIs Homepage [2] herunterzuladen. Dazu verwenden Sie den Befehl wget und geben als Parameter die URL des Treibers [2] an. Damit wird das RPM-Paket im Home-Verzeichnis von Root gespeichert. Zur Installation rufen Sie nun folgenden Befehl auf:
rpm -Uh --force fglrx*.rpm
Während der Installation der Quellen werden diese gleich auf Ihr Linux-System angepasst und übersetzt. Das von ATI mitgelieferte Programm fglrxconfig erstellt anschließend eine neue Konfigurationsdatei für die grafische Oberfläche:
fglrxconfig
Eine Beschreibung des englischen Dialogs finden Sie im Kasten "ATI-3D-Konfiguration"
Auch unter SuSE Linux 9.0 muss der Treiber von ATI übersetzt und deshalb das Entwicklungssystem nachinstalliert werden. Unter SuSE Linux 9.1 ist die Installation -- und damit die Nutzung der 3D-Hardware-Beschleunigung -- jedoch nicht möglich, da die Version 9.1 bereits Kernel 2.6 einsetzt, für den der ATI-Treiber nicht geeignet ist.
Um das Entwicklungssystem unter SuSE Linux 9.0 installieren zu können, müssen Sie die Professional-Variante besitzen. Wer das EasyLinux-Starter-Kit mit der Special Edition einsetzt, verfügt leider nicht über die nötigen Zusatzpakete -- dann müssen die nötigen Pakete aus dem Internet besorgt werden, indem man einen der FTP-Server als Installationsquelle im YaST hinzufügt.

Wechseln Sie nun auf eine Textkonsole, auf der Sie sich als Benutzer Root anmelden, Ihr Passwort eingeben und mit folgendem Befehl die grafische Oberfläche abschalten:
init 3
Drücken Sie nach dem Aufruf ein zweites mal [Enter], um ein neues Prompt zu erhalten. Im nächsten Schritt laden Sie die Treiber-Quellen von ATIs Homepage [2] her. Dazu verwenden Sie den Befehl wget und geben als Parameter die URL des Treibers [2] an. Zur Installation rufen Sie nun folgenden Befehl auf:
rpm -Uh --force fglrx*.rpm
Nachdem der Treiber automatisch übersetzt wurde, müssen Sie genau wie bei Mandrake Linux 9.2 beschrieben eine neue Konfigurationsdatei für die grafische Oberfläche anlegen. Dazu rufen Sie das Programm fglrxconfig auf, der weitere Dialog ist im Kasten "ATI-3D-Konfiguration" erklärt. Ist das Konfigurationsprogramm beendet, starten Sie den Rechner mit dem Befehl reboot einfach neu.
Die Einrichtung des Nvidia-Treibers ist unter SuSE Linux 9.0 und 9.1 wesentlich komfortabler gelöst, der Kasten "Nvidia-Treiber unter SuSE Linux" erklärt, wie Sie mit Hilfe des YaST-Online-Updates und wenigen Mausklicks den Nvidia-Treiber nachinstallieren.
Bei Fedora Core 2 ist die Installation des Nvidia-Treibers noch an der Textkonsole erforderlich. Als ersten Schritt schalten Sie die grafische Oberfläche ab. Dazu geben Sie, nachdem Sie sich wie beim Rettungsanker beschrieben an der Textkonsole angemeldet haben, folgenden Befehl ein:
init 3
Dabei wechselt die Bildschirmdarstellung automatisch zur ersten Textkonsole. Sollten Sie sich bei einer anderen Textkonsole angemeldet haben, müssen Sie per Tastenkombination wieder dort hin umschalten. Anschließend drücken Sie noch einmal [Enter], damit Sie ein neues Prompt erhalten.
Für den Nvidia-Treiber gibt es bei http://www.fedorafaq.org eine angepasste Konfigurationsdatei für das Paketverwaltungsprogramm yum. Mit den nächsten drei Befehlen sichern Sie die Original-Yum-Konfiguration und laden die neue herunter:
cd /etc mv yum.conf yum.conf.orig wget http://www.fedorafaq.org/samples/yum.conf
Im nächsten Schritt verwenden Sie Yum, um alle für den Nvidia-Treiber nötigen Dateien aus dem Internet herunterzuladen und zu installieren. Die beiden Hochkommas am Ende der Befehlszeile sind so genannte Backticks, die Sie mit [Shift+'] erhalten (rechts neben der Taste [ß]):
yum install nvidia-glx kernel-module-nvidia-`uname -r`
Die Ausführung des Befehls kann sehr lange dauern, je nach Geschwindigkeit der Internetverbindung und des Rechners bis zu einer Stunde. Lassen Sie im Zweifel einfach den Rechner laufen. Sollte Ihr Linux-Kernel bereits etwas älter sein, wird Ihnen Yum ein Update auf die aktuelle Version anbieten -- beantworten Sie die Nachfrage einfach mit Ja.
Sollte Yum Ihren Kernel aktualisiert haben, ist es wichtig, dass Sie ihn in der Konfigurationsdatei des Bootloaders, /boot/grub/menu.lst als Standard-Kernel eintragen. Dazu ändern Sie den Eintrag "default=1" in "default=0" und speichern die Datei. Eine Anleitung zu den gängigsten Editoren, zum Beispiel den des Midnight Commanders, finden sie im Anschluss an diesen Artikel.
Beim nächsten Systemstart erkennen Sie den geladenen Nvidia-Treiber daran, dass kurz das Nvidia-Logo vor dem Start der grafischen Oberfläche auf dem Bildschirm erscheint.
Ist dem nicht der Fall, wiederholen Sie einfach die oben aufgeführten Schritte noch einmal -- dann wurde beim letzten Installationsversuch via Yum ein zum neuen Kernel nicht passendes Nvidia-Paket geladen.
Zum Abschluss aktivieren Sie wieder die Original-Yum-Konfiguration, wiederum über die Textkonsole:
cd /etc mv yum.conf yum.conf.nvidia mv yum.conf.orig yum.conf
Die richtige Grafikkarte allein genügt nicht, mit Kernel 2.6 gibt es eine Reihe von Treibern, die sich nun nicht mehr verwenden lassen. Nvidia hat seine Hausaufgaben gemacht und die nötigen Anpassungen für den neuen Kernel vorgenommen, so dass die derzeitige Kaufempfehlung klar zugunsten Nvidia ausfällt. Noch vor einem Jahr war die Situation umgekehrt, dort waren ATI-Grafikkarten sowohl was die Grafikleistung betraf als auch die Treibersituation den Nvidia-Konkurrenten überlegen. Doch wer seine Treiber nicht schnell genug den Gegebenheiten anpasst, verliert leicht die Gunst der Benutzer. (mdö)
| Infos |
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[1] Nvidia-Linux-Treiber: http://download.nvidia.com/XFree86/Linux-x86/1.0-6111/NVIDIA-Linux-x86-1.0-6111-pkg1.run
[2] ATI-Linux-Treiber: http://www2.ati.com/drivers/linux/fglrx-4.3.0-3.14.1.i386.rpm [3] YUM-Konfiguration für Nvidia-Treiber: http://www.fedorafaq.org/samples/yum.conf |
| Welcher Treiber für wen? |
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Linux unterstützt von Haus aus eine große Zahl an Grafikkarten, darunter selbst hoch aktuelle Modelle. Abstriche muss der Benutzer jedoch meist bei der hardwarebeschleunigten 3D-Unterstützung machen. Die ATI-Rage- und -Radeon-Grafikkarten waren lange Zeit vollständig, also inklusive 3D, unterstützt. Das hat sich bei den aktuellen Chips der 8500- und 9000-Serie jedoch geändert, die 3D-Hardwarebeschleunigung dieser Grafikkarten lässt sich nur noch mit dem proprietären Treiber von ATI nutzen. Die Distributoren haben auf diese Veränderung allerdings noch nicht reagiert, so dass Sie die ATI-Treiber für die Modelle 8500, 9200, 9400, 9600 und 9800 von Hand installieren müssen. Ältere Grafikkarten wie zum Beispiel das von der Redaktion empfohlene Modell 7000 funktionieren jedoch bei jeder Distribution out of the box. Erschwerend kommt hinzu, dass die derzeitigen ATI-Treiber ausschließlich mit Kernel 2.4 arbeiten, nicht jedoch mit Kernel 2.6 -- obwohl die meisten Distributionen wie SuSE Linux 9.1, Mandrake Linux 10 und auch Fedora Core 2 bereits mit Kernel 2.6 ausgeliefert werden. Für diese Distributionen gibt es daher derzeit keine Möglichkeit, die 3D-Hardwarebeschleunigung der ATI-Grafikkarten zu nutzen. Die Treibersituation beim Konkurrenten Nvidia hat sich seit langen Jahren nicht verändert -- es gab nie freie Treiber für die Nvidia-Chipsätze, so dass sich die Distributoren SuSE und Mandrake darauf eingestellt haben. Mandrake Linux 9.2 enthält bereits das Treiberpaket von Nvidia, so dass Sie bereits unmittelbar nach der Installation den Genuss der 3D-Unterstützung kommen. SuSE hat einen anderen Weg gewählt, aufgrund von Widersprüchen in Nvidias Software-Lizenzen wird das Treiberpaket nicht mitgeliefert, sondern lediglich ein Pseudo-RPM-Paket über das Online-Update bereitgestellt. Die Einrichtung verläuft jedoch automatisch, Anpassungen durch den Benutzer sind nicht nötig. |
| Nvidia-Treiber unter SuSE Linux |
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Für die komfortable Installation des Nvidia-Treibers bietet SuSE ein Pseudo-RPM-Paket im Online-Update an. Im Unterschied zu einem herkömmlichen RPM-Paket enthält das Pseudo-RPM nicht die zu installierenden Programme und Dateien, sondern lediglich ein Installationsprogramm -- letzteres lädt von der Nvidia-Homepage das aktuelle Treiberpaket herunter und installiert es vollautomatisch.
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Damit ist die Installation bereits abgeschlossen, nach dem nächsten Neustart des Rechners ist die 3D-Hardwarebeschleunigung automatisch aktiviert -- Sie erkennen das daran, dass beim Systemstart kurz vor Erscheinen des grafischen Logins das Nvidia-Logo ganzflächig auf dem Bildschirm angezeigt wird. |
| 3D or not 3D? |
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Nach Abschluss der Installation ist die Spannung groß -- funktioniert die 3D-Hardwarebeschleunigung wirklich? Aufschluss darüber gibt das Programm glxinfo.
Abb. 1: Steht hinter der Option "direct rendering" beim Aufruf von glxinfo "Yes", so ist die 3D-Hardwarebeschleunigung des Grafiktreibers aktiv.Die Option "direct rendering" muss eingeschaltet. Beim Nvidia-Treiber muss unter "vendor string" Nvidia genannt sein, beim ATI-Treiber ist dort "SGI" aufgeführt. Anschließend können Sie zum Beispiel das Programm tuxracer ausprobieren. Der Schnee im Eingangsbildschirm muss langsam und gleichmäßig fallen und keineswegs ruckartig. |
| ATI-3D-Konfiguration |
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Der Dialog des Konfigurationsprogramms fglrxconfig zur Einrichtung der grafischen Oberfläche mit 3D-Unterstützung ist leider komplett in Englisch gehalten und auch alles andere als komfortabel. Die folgende Anleitung beschreibt, was das Konfigurationsprogramm abfragt:
Damit ist die Einrichtung abgeschlossen, starten Sie den Rechner mit dem Befehl "reboot" neu. Wie Sie überprüfen, ob die 3D-Beschleunigung tatsächlich funktioniert, erfahren Sie im Kasten "3D or not 3D". |
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Last modified: 2007-01-25 17:28
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