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Erschienen in EasyLinux 02/2005   »   Ausgabe bestellen

Alternatives Office-Paket für Linux

SoftMaker Office 2004

von Hans-Georg Eßer


SoftMaker hat seine beiden Linux-Anwendungen TextMaker und PlanMaker zu einem Paket geschnürt. EasyLinux hat einen Blick auf SoftMaker Office 2004 geworfen.

Neu im Angebot bei SoftMaker ist das Office-Paket "SoftMaker Office 2004", ein Bundle aus der Textverarbeitung TextMaker und der Tabellenkalkulation PlanMaker. TextMaker haben wir bereits in Ausgabe 03/2004 vorgestellt [1], diesmal schauen wir uns das Gesamtpaket an.

Das Paket enthält zwei DVD-Boxen mit den Linux-Versionen von TextMaker 2002 und PlanMaker 2004 sowie ein 372-seitiges Handbuch, das in gleicher Form auch mit der Windows-Version ausgeliefert wird: 90 Seiten davon beschreiben die Datenbankanwendung DataMaker, die es nur für Windows (und nur in der Professional-Version) gibt -- bleiben immer noch gut 280 Seiten nützliche Dokumentation.

Installation

Weil die beiden Programme nicht als integriertes Software-Paket, sondern auf getrennten Datenträgern vorliegen, sind zwei Durchläufe der Installationsprozedur notwendig.

Letztere besteht im manuellen Auspacken der Archive in ein beliebiges Verzeichnis, z. B. /opt oder /usr/local. (Dafür sind Root-Rechte erforderlich, siehe Kasten "Pakete auspacken".) Unmittelbar danach kann man die Programme für einen ersten Testlauf starten.

Pakete auspacken

TextMaker und PlanMaker sind auf den CDs als komprimierte tar-Archive mit der Endung .tgz abgelegt.

In den folgenden Schritten gehen wir davon aus, dass Sie TextMaker und PlanMaker in das Verzeichnis /opt installieren wollen -- falls nicht, ersetzen Sie überall /opt durch das von Ihnen gewählte Verzeichnis.

Legen Sie zunächst die Textmaker-CD ein und mounten Sie, falls das nicht von selbst geschieht. Dann werden Sie mit su zu Root und wechseln in das Verzeichnis /opt:

su
(Root-Passwort)
cd /opt
tar xzf /media/cdrecorder/tml02.tgz

Hier ist /media/cdrecorder durch den Pfad zu ersetzen, über den Sie die CD ansprechen können. Danach unmounten Sie die CD und legen an ihrer Stelle die PlanMaker-CD ein. Auf gleiche Weise entpacken Sie das dort gespeicherte Archiv:

cd /opt
tar xzf /media/cdrecorder/pml04.tgz

Danach benötigen Sie die CDs nicht mehr.

Wer die Shell-Prozedur nicht mag, kann die Archive auch im Konqueror öffnen und die im Archiv liegenden Verzeichnisse so kopieren -- dafür ist aber ein Root-Konqueror-Fenster notwendig, das man mit [Alt-F2] und kdesu konqueror öffnet.

Nach dem ersten Start ([Alt-F2] und Eingabe von /opt/textmaker/tml bzw. /opt/planmaker/planmaker, wobei hier /opt durch das Verzeichnis ersetzt wird, in das die Pakete ausgepackt wurden) ist zunächst die Eingabe der Registrierdaten notwendig -- diese stehen auf einem Aufkleber auf der Innenseite der DVD-Box (Abbildung 1).

Abb. 1: Ohne Lizenz geht nichts.

Danach erscheint der Tipp des Tages (Abbildung 2), und TextMaker oder PlanMaker ist bereit für erste Arbeiten. Nur beim ersten Start folgen auf diesen Tipp zwei Dialoge, in denen Sie Privat- und Firmenadresse eingeben können -- das ist keine ausgedehntere Registrierung, sondern diese Daten kann die Software später verwenden und beispielsweise in Briefköpfe einsetzen.

Abb. 2: TextMaker zeigt beim Start den Tipp des Tages an.

Beide Programme bieten die üblichen Features, die aus OpenOffice oder Microsoft Office bekannt sind und erlauben auch fortgeschrittenere Dinge wie etwa Zeichen- und Absatzformatvorlagen, Kopf- und Fußzeilen und Einfügen von Grafiken mit automatisch umfließendem Text. Für große Dokumente kann man auch Index und Inhaltsverzeichnis erstellen.

Die Tabellenkalkulation beherrscht ein umfangreiches Repertoire an Funktionen und kann sogar mit den (für Physiker interessanten) komplexen Zahlen und Matrizen rechnen; ein ausführlicherer Test einer Vorabversion von PlanMaker ist in unserer Schwesterzeitschrift LinuxUser erschienen [2].

Umfassende Feature-Listen gibt es auf der Web-Seite unter http://softmaker.de/tmldetail.htm (TextMaker) und http://softmaker.de/pmldetail.htm (PlanMaker).

Besser schreiben

Wer beim Schreiben gelegentlich den Duden oder ein Synonymwörterbuch zurate zieht, kann diese Nachschlagewerke im Schrank stehen lassen -- TextMaker bietet Rechtschreibprüfung und Thesaurus. Standardmäßig ist die Korrekturfunktion deaktiviert, über Weiteres / Einstellungen / Sprache / Rechtschreibprüfung im Hintergrund kann man sie jederzeit im Stil von Word und OpenOffice einschalten.

Alternativ dazu gibt es die Variante Rechtschreibkorrektur während des Tippens: Hier erscheint nach jedem (von TextMaker vermuteten) Schreibfehler ein Dialogfenster, das zur Auswahl der richtigen Schreibweise auffordert. Wer nur selten Fehler macht und ausschließlich Worte verwendet, die dem Wörterbuch bekannt sind, könnte diese Funktion vorziehen -- die Standardvariante "rot unterkringeln" ist aber unaufdringlicher und unterbricht den Schreibfluss nicht.

Bei der Rechtschreibung haben Sie die Wahl zwischen alten und neuen Regeln: Wer also darauf hofft, dass im Zuge der Springer-/Spiegel-Kampagne die Rechtschreibreform rückgängig gemacht wird, kann mit TextMaker jederzeit zu den alten Konventionen zurückkehren.

Der Thesaurus schlägt interessante Wortalternativen vor (Abbildung 3), allerdings würde man sich eine Tastenkombination wünschen, um ihn nicht immer wieder über Weiteres / Thesaurus aufrufen zu müssen -- gut, dass man in TextMaker für jeden Menüpunkt einen Shortcut definieren kann (Weiteres / Anpassen / Tastaturbelegung).

Abb. 3: Die Treffer im Thesaurus werden nach Bedeutungsvarianten getrennt.

Copy & Paste

Textstellen aus der Textverarbeitung kopiert man auf zwei Weisen über die Zwischenablage in die Tabellenkalkulation: Der Linux-typische Weg -- mit der Maus markieren und im Zieldokument mit der mittleren Maustaste einfügen -- funktioniert ebenso wie das Windows-Anwendern vertrautere Kopieren mit [Strg-C] und [Strg-V].

Kopiert man nur einzelne Worte, werden Zeichenattribute wie Schriftart und kursiv/fett ignoriert; beim Übertragen eines ganzen Absatzes werden sie hingegen übernommen.

Die umgekehrte Richtung ist die interessante, und auch hier enttäuscht das Bundle nicht: Nach dem Markieren eines Tabellenbereichs wandert dieser mit [Strg-C] in die Zwischenablage; in TextMaker fügt das anschließende [Strg-V] ein TextMaker-Tabellenobjekt ein (Abbildung 4).

Obwohl auch TextMakers Tabellen Berechnungen kennen, gehen bei diesem Vorgang Formeln verloren und werden durch den aktuellen Inhalt ersetzt -- das ist zumindest ein vernünftiges Standardverhalten, denn TextMaker fügt "optisch" das ein, was der Anwender auch in PlanMaker kopiert hat. Hintergrund dürfte hier sein, dass PlanMaker erst deutlich nach TextMaker auf Linux portiert wurde.

Abb. 4: Copy & Paste von PlanMaker zu TextMaker: Tabellen sind kopierbar, nur Formeln gehen verloren.

Einbettung

Microsoft bietet in seinen Programmen das Feature der OLE-Objekte -- damit bindet man ein ganzes Dokumente komplett in ein anderes ein, beispielsweise eine kleine Tabelle in ein Textdokument. Ändert sich die eingebette Tabelle, sieht man das auch im "umfassenden" Dokument.

OLE-Support kennt SoftMaker zwar, bietet dieses Feature aber nur in der Windows-Version.

Import

Auch wenn sich OpenOffice unter Linux als Standard etabliert hat und selbst im Windows-Lager mehr und mehr Anwender den freien StarOffice-Nachfolger einsetzen, bleiben die Microsoft-Formate .doc (Word) und .xls (Excel) weit verbreitete Standards -- jedes Office-Paket tut darum gut daran, brauchbare Import- und Exportfilter für diese Formate bereitzustellen, so auch die SoftMaker-Programme.

Während TextMaker allgemein sehr flott arbeitet, ist der Import von Word-Dateien ungleich langsamer: Für das Einlesen einer 500 Seiten langen Word-Datei (ein Buch mit Änderungen in Words Überarbeitungsmodus) benötigte das Programm erstaunliche 6,5 Minuten -- bei der Navigation im großen Dokument war TextMaker anschließend aber wieder gewohnt schnell: Über die Scroll-Leiste konnten wir ohne erkennbare Verzögerungen zwischen Dateianfang und -ende hin und her springen.

PlanMaker bewirbt der Hersteller mit seiner besonders guten Excel-Kompatibilität; dazu gibt es auf der Web-Seite sogar eine Übersicht mit Beispiel-Excel-Dateien und deren Importergebnissen in PlanMaker und OpenOffice Calc.

Markierprofi

Ein nützliches Feature ist die Mehrfachauswahl, die man auch bei professionelleren Text-Editoren, aber seltener in Office-Programmen findet: Damit markieren Sie durch Drücken der [Strg]-Taste mehrere (nicht zusammen hängende) Bereiche -- beispielsweise nur ausgewählte Zeilen oder Spalten einer Tabelle --, um auf diese Bereiche anschließend eine Formatierung anzuwenden (Abbildung 5). Das spart viele Arbeitsschritte ein.

Abb. 5: Mit einer Mehrfachauswahl wurden hier nur sieben der zwölf Monatszeilen markiert und deren Schriftart geändert.

Ebenfalls praktisch ist die Möglichkeit in PlanMaker, Zellenformatierungen in andere Zellen zu kopieren. PlanMaker kennt zwar auch Zellenformatvorlagen, aber anders als in der Textverarbeitung ist es eher unüblich, in Tabellen mit Stilvorlagen zu arbeiten. Das Kopieren einer Formatierung erspart damit das aufwendige Wiederholen immer gleicher Arbeitsschritte.

Internet-Anbindung

Die beiden Programme versenden auf Wunsch Dokumente per Mail -- voreingestellt ist allerdings der Aufruf des Dienstprogramms mail, das einen lokal laufenden Mail-Server voraussetzt -- auf den meisten Rechnern führt der Versuch nur zu einer Fehlermeldung, dass sendmail nicht richtig konfiguriert ist.

Dokumentation und Hilfe

Das schon erwähnte, umfangreiche Handbuch gibt eine gute Einführung in die Funktionen der Programme -- gedruckte Dokumentation ist heute eher selten, und wenn überhaupt, gibt es meist nur ein 20-Seiten-Büchlein und weitere Dokumentation auf CD.

Andererseits verzichtet SoftMaker für seine Programme auf eine separate Hilfefunktion: Wer den Menüpunkt Hilfe / Inhalt aufruft, startet nur den Acrobat Reader, der die PDF-Version des jeweiligen Programms anzeigt. Kontextsensitive Hilfe gibt es damit natürlich auch nicht, und Assistenten sucht man ebenfalls vergebens. Glücklicherweise stört damit auch kein "Karl Klammer" mit Kommentaren à la "Wollen Sie einen Brief schreiben?".

Fazit

Mit Textverarbeitung und Tabellenkalkulation deckt SoftMaker Office die wichtigsten Office-Anwendungen ab. Doch warum sollte man ca. 70 Euro für ein Produkt ausgeben, das weniger Features (wenn auch an einigen Stellen mehr) als das freie OpenOffice hat? Genau deswegen. OpenOffice leidet in gleicher Weise an seiner Komplexität wie Microsoft Office: Es benötigt viel Speicher und einen ausreichend schnellen Rechner. Nicht so die Programme aus der SoftMaker-Schmiede: Sie sind schlanker und laufen auf älterer Hardware flüssiger. Dank Demoversion muss niemand ohne einen ersten persönlichen Test das Geld ausgeben.

Dazu kommt noch, dass es die beiden Programme neben Linux und Windows auch für verschiedene Taschen-Computer (Pocket PC/Windows und Handheld-PCs/Windows mit Breit-Display) gibt -- SoftMaker verspricht 100-prozentige Kompatibilität zwischen den verschiedenen TextMaker- und PlanMaker-Versionen.

Die Stabilität der Programme war im Test gut, lediglich lange Importzeiten bei größeren Microsoft-Dokumenten trübten das Bild.

Ein großer Wunsch an den Hersteller ist nun noch die Portierung der Datenbank DataMaker: Das ist zwar keine SQL-Datenbank (wie Microsoft Access), würde aber trotzdem -- insbesondere bei Integration mit PlanMaker -- eine Lücke füllen. (hge)

Demoversionen

Vor dem Kauf der Software können Sie mit einer Demo-Version experimentieren. PlanMaker gibt es unter http://softmaker.de/pmltrialreg.htm und TextMaker unter http://softmaker.de/tmltrialreg.htm.

Die Demo-Versionen laufen 30 Tage, und abgeschaltet ist nur das Speichern im Excel-Format (PlanMaker) bzw. in den Formaten Microsoft Word und RTF (TextMaker).

SoftMaker Office 2004
Hersteller:SoftMaker
Preis:69,95 Euro
Umfang:2 CDs (TextMaker 2002 für Linux, PlanMaker 2004 für Linux), 1 Handbuch
Web-Seite:http://softmaker.de/ofl.htm

Infos
[1] TextMaker-Test: Kalle Gerwien, "Der Macher -- TextMaker, professionelle Textverarbeitung für Linux", EasyLinux 03/2004, S. 26 ff.
[2] PlanMaker-Test: Tim Schürmann, "Tabellenwiesel", LinuxUser 09/2004, S. 60, http://www.linux-user.de/ausgabe/2004/09/060-planmaker/

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