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von Andrea Müller
Es gibt mehrere Gründe, ein Betriebssystem zu deinstallieren: Sie finden den Reboot zwischen zwei Systemen lästig und haben sich einen neuen Rechner gekauft. Auf dem einen soll Linux, auf dem anderen Windows laufen. Vielleicht arbeiten Sie auch nur noch mit Linux und wollen Windows ganz von der Platte entfernen. Manch einer stellt fest, dass die eigene Hardware nicht mit Linux zusammenspielt und ihm wichtige Anwendungen fehlen und will wieder mit einem Windows-only-System arbeiten.
Wollen Sie ein Betriebssystem loswerden stellt sich die Frage, wie Sie das bewerkstelligen. Mit Windows als Löschkandidat ist es relativ einfach, da es ausreicht, die Windows-Partitionen mit einem Linux-Dateisystem zu formatieren. Linux komplett entfernen ist schon etwas komplizierter. Bei einer Standardinstallation legt das System nicht nur Partitionen an, sondern schreibt seinen Boot-Manager in den Master Boot Record (MBR) der Festplatte. Löschen Sie nur die Linux-Partition, bleibt der Boot-Manager erhalten.
Der von Mandrake Linux verwendete Lilo bootet Windows XP selbst dann noch, wenn die Linux-Partition fehlt. Im Gegensatz dazu findet Grub, der unter Suse Linux und Fedora Core 2 zu Einsatz kommt, sein Boot-Menü und weitere wichtige Daten nicht mehr, wenn Sie die Linux-Partition löschen. Beim Systemstart steht dann nur Grub auf dem Bildschirm und Sie können Windows erst einmal nicht mehr booten.
In diesem Artikel erklären wir daher sowohl wie Sie Windows als auch wie Sie Linux deinstallieren. Zusatz-Tools brauchen Sie dafür nicht: Die bei dem zu erhaltenden System mitgelieferten Programme reichen für den Frühjahrsputz auf der Festplatte aus.
Windows entfernen Sie ganz bequem mit Distributions-Tools. Am einfachsten ist es, die Windows-Partitionen mit einem Linux-Dateisystem zu formatieren. Unter Suse Linux erledigen Sie das mit YaST:
Auch Mandrake Linux bringt ein grafisches Programm zur Verwaltung von Festplatten mit (Abbildung 1). Sie finden es im Kontrollzentrum, dass Sie über System / Einstellungen / Konfigurieren Sie Ihren Computer aus dem K-Menü starten.

Nach dem nächsten Systemstart bindet Linux die ehemalige Windows-Partition im Ordner /mnt/daten ein.
Fedora Core 2 macht es Ihnen nicht ganz so einfach. Ein grafisches Partitionierung-Tool gibt es nur bei der Installation. Um Windows zu entfernen und den Platz für Linux zu nutzen, benötigen Sie die Kommandozeile und einen Text-Editor.
/sbin/mkfs.ext3 /dev/hdax
kdesu kwrite /etc/fstab
/dev/hdax /mnt/daten ext3 defaults 1 2
Ab jetzt hängt Linux die Partition schon beim Systemstart in den Verzeichnisbaum ein.
Zunächst dürfen Sie als normaler Nutzer keine Dateien auf der neu angelegten Partition speichern. Dafür müssen Sie erst die richtigen Rechte setzen. Um beispielsweise einen Ordner für die MP3-Sammlung eines Benutzers anzulegen, gehen Sie so vor: Kontrollieren Sie mit dem Befehl mount, ob Linux die Partition wirklich beim Systemstart eingehängt hat. Öffnen Sie aus einem Schnellstartfenster, in das Sie kdesu konqueror eingeben, den KDE-Datei-Manager als Administrator. Wechseln Sie in das Verzeichnis /mnt/daten und legen Sie dort einen neuen Ordner an. Klicken Sie ihn mit der rechten Maustasten an und wählen Sie Eigenschaften aus dem Kontextmenü. Im Registerreiter Berechtigungen tragen Sie als Benutzer den Namen des normalen Nutzers ein. Im Feld Gruppe ist unter Suse Linux users die richtige Wahl. Unter Mandrake Linux und Fedora Core 2 hat jeder Benutzer eine eigene Gruppe. Bei diesen Distributionen heißt die Gruppe ebenso wie der Benutzer. Übernehmen Sie die Änderung mit Klick auf OK. Danach darf der normale Benutzer in diesem Ordner Dateien speichern und Unterverzeichnisse anlegen.
Möchten Sie Linux löschen, stellen Sie zunächst den Master Boot Record des Systems wieder her. Dort hat Linux bei der Installation seinen Boot-Manager installiert. Wer Grub oder Lilo auf Diskette geschrieben hat, überspringt diesen Abschnitt -- Sie müssen dann nur die Linux-Partitionen entfernen.
Windows XP bringt das passende Werkzeug zum Wiederherstellen des MBR auf den Installations-CDs mit: die Wiederherstellungskonsole.
Probieren Sie öfters Linux-Distributionen aus und löschen Sie wieder, müssen Sie nicht jedes Mal die lange Wartezeit beim Start der Windows-CD ertragen. Die Wiederherstellungskonsole lässt sich auch auf die Festplatte installieren. Windows bietet Ihnen dann ein Boot-Menü, in dem Sie zwischen einem normalen Start und der Konsole wählen.
Legen Sie dafür die Windows-CD ins Laufwerk und öffnen Sie aus dem Zubehör-Menü eine Eingabeaufforderung. Mit d: wechseln Sie zum CD-Laufwerk. d ersetzen Sie durch den passenden Laufwerksbuchstaben. Geben Sie nun i386\winnt32 /cmdcons ein, um die Wiederherstellungskonsole zu installieren. Klicken Sie in der folgenden Dialogbox (Abbildung 3) auf Ja, damit Windows die Dateien kopiert und die Rettungskonsole ins Boot-Menü einträgt.
Jetzt gilt es, die Linux-Partitionen für Windows nutzbar zu machen. Das geht am einfachsten mit der Datenträgerverwaltung. Starten Sie sie über Einstellungen / Systemsteuerung / Verwaltung / Computerverwaltung aus dem Startmenü. Markieren Sie in der Baumansicht auf der linken Seite Datenspeicher / Datenträgerverwaltung.
In der rechten Fensterhälfte präsentiert das Programm eine grafische und eine Listenansicht der Partitionen. Die, bei denen die Spalte Dateisystem keinen Eintrag enthält, sind die Linux-Partitionen. Gewöhnlich legt Linux zwei an: eine Auslagerungs- und eine Systempartition. Markieren Sie die erste Linux-Partition in der Spalte Volume. Öffnen Sie mit einem Klick der rechten Maustaste das Kontextmenü. Je nachdem, ob Linux auf einer primären oder einer logischen Partition installiert ist, wählen Sie entweder Partition löschen oder Logisches Laufwerk löschen (Abbildung 4). Bestätigen Sie die folgende Sicherheitsabfrage mit einem Klick auf Ja und entfernen Sie danach alle weiteren Linux-Partitionen.
Um den freigewordenen Platz als Datengrab zu nutzen, legen Sie eine Partition mit Windows-Dateisystem an. Markieren Sie in der grafischen Ansicht den nicht zugeordneten Platz. Die Datenträgerverwaltung kennzeichnet ihn mit einem schwarzen Balken. Wählen Sie aus dem Kontextmenü Neue Partition.
Daraufhin startet ein Assistent, der nach einem Klick auf Weiter nach dem Partitionstyp fragt. War Linux in einer erweiterten Partition installiert, lautet die Vorgabe Logisches Laufwerk. Belassen Sie es am besten bei der Voreinstellung und klicken Sie auf Weiter. Als Größe schlägt Windows den gesamten freien Platz vor. Auch diese Vorgabe übernehmen Sie. Im nächsten Dialog können Sie den Laufwerksbuchstaben festlegen. Er lässt sich unter Windows XP auch später noch ändern. Klicken Sie daher auf Weiter. Im letzten Schritt entscheiden Sie sich für das Dateisystem -- die Vorgabe ist NTFS. Wollen Sie nicht von einem anderen Betriebssystem aus auf diese Partition schreiben, akzeptieren Sie den Vorschlag. Nach einem letzten Klick auf Weiter zeigt der Assistent eine Zusammenfassung an (Abbildung 5). Über die Schaltfläche Fertig stellen legen Sie die Partition an und formatieren sie. Um dort Daten abzulegen müssen Sie Windows nicht neu starten -- der Laufwerksbuchstabe taucht sofort im Explorer auf. (amü)
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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