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Erschienen in EasyLinux 02/2005   »   Ausgabe bestellen

Betriebssysteme vom Rechner entfernen

Plattenputz

von Andrea Müller


Betriebssysteme installieren, ob Linux oder Windows, ist heutzutage ein Kinderspiel. Aber wie wird man die Geister, die man rief, wieder los? Dieser Artikel erklärt, wie Sie Windows oder Linux von der Festplatte entfernen.

Es gibt mehrere Gründe, ein Betriebssystem zu deinstallieren: Sie finden den Reboot zwischen zwei Systemen lästig und haben sich einen neuen Rechner gekauft. Auf dem einen soll Linux, auf dem anderen Windows laufen. Vielleicht arbeiten Sie auch nur noch mit Linux und wollen Windows ganz von der Platte entfernen. Manch einer stellt fest, dass die eigene Hardware nicht mit Linux zusammenspielt und ihm wichtige Anwendungen fehlen und will wieder mit einem Windows-only-System arbeiten.

Wollen Sie ein Betriebssystem loswerden stellt sich die Frage, wie Sie das bewerkstelligen. Mit Windows als Löschkandidat ist es relativ einfach, da es ausreicht, die Windows-Partitionen mit einem Linux-Dateisystem zu formatieren. Linux komplett entfernen ist schon etwas komplizierter. Bei einer Standardinstallation legt das System nicht nur Partitionen an, sondern schreibt seinen Boot-Manager in den Master Boot Record (MBR) der Festplatte. Löschen Sie nur die Linux-Partition, bleibt der Boot-Manager erhalten.

Der von Mandrake Linux verwendete Lilo bootet Windows XP selbst dann noch, wenn die Linux-Partition fehlt. Im Gegensatz dazu findet Grub, der unter Suse Linux und Fedora Core 2 zu Einsatz kommt, sein Boot-Menü und weitere wichtige Daten nicht mehr, wenn Sie die Linux-Partition löschen. Beim Systemstart steht dann nur Grub auf dem Bildschirm und Sie können Windows erst einmal nicht mehr booten.

In diesem Artikel erklären wir daher sowohl wie Sie Windows als auch wie Sie Linux deinstallieren. Zusatz-Tools brauchen Sie dafür nicht: Die bei dem zu erhaltenden System mitgelieferten Programme reichen für den Frühjahrsputz auf der Festplatte aus.

Weg mit Windows

Windows entfernen Sie ganz bequem mit Distributions-Tools. Am einfachsten ist es, die Windows-Partitionen mit einem Linux-Dateisystem zu formatieren. Unter Suse Linux erledigen Sie das mit YaST:

  1. Starten Sie das Suse-Linux-Kontrollzentrum über den Eintrag System / YaST aus dem K-Menü.
  1. Authentifizieren Sie sich als Administrator und wechseln Sie zur Kategorie System. Starten Sie dort das Modul Partitionieren. Schließen Sie die Warnmeldung mit einem Klick auf Ja.
  1. Im Partitionierungsmodul listet YaST alle Festplatten und Partitionen auf. Die mit einem Windows-Dateisystem formatierten erkennen Sie an an dem Eintrag in der Spalte Typ. Dort steht entweder NTFS oder FAT32. Markieren Sie die Windows-Partition und klicken Sie auf Bearbeiten.
  1. Im folgenden Dialog setzen Sie ein Häkchen vor Formatieren. Wählen Sie aus dem Dropdown-Menü Reiser als Dateisystem. Damit Linux die Partition später automatisch beim Booten in den Verzeichnisbaum einhängt, tragen Sie in das Feld Mountpoint einen Ordner ein, etwa /mnt/daten. Das Verzeichnis muss noch nicht existieren, YaST legt es automatisch an.
  1. Klicken Sie auf OK und im folgenden Informationsfenster auf Ja, um ein ReiserFS-Dateisystem auf der Partition anzulegen. Jetzt können Sie es sich zum letzten Mal anders überlegen und das Partitionierungsmodul über die Schaltfläche Verlassen beenden. Um die Partition zu formatieren, klicken Sie dagegen auf Anwenden

Windows-frei mit Diskdrake

Auch Mandrake Linux bringt ein grafisches Programm zur Verwaltung von Festplatten mit (Abbildung 1). Sie finden es im Kontrollzentrum, dass Sie über System / Einstellungen / Konfigurieren Sie Ihren Computer aus dem K-Menü starten.

Abb. 1: Mit "diskdrake" verwalten Sie unter Mandrake Linux Festplatten und Partitionen.
  1. Markieren Sie in der linken Fensterhälfte den Eintrag Einhängepunkte und starten Sie das Modul Partitionen. Windows-Partitionen erscheinen in der grafischen Ansicht in blauer Farbe.
  1. Markieren Sie die zu löschende Partition. Sofern sie in den Linux-Verzeichnisbaum eingehängt ist, gibt es zunächst nur die Schaltfläche Aushängen. Klicken Sie darauf, um die Partition auszuhängen.
  1. Im Feld Wählen Sie eine Aktion bietet diskdrake nun weitere Optionen an, jedoch nicht die, ein neues Dateisystem einzustellen. Klicken Sie auf In den Expertenmodus wechseln, um weitere Optionen anzuzeigen.
  1. Über den Button Typ ändern Sie den Partitionstyp. Die Warnmeldung, dass Sie alle Daten auf der Partition verlieren, bestätigen Sie mit Ok.
  1. Wählen Sie aus der Dropdown-Box den Eintrag Journalised FS: ext3. ext3 verwendet Mandrake Linux standardmäßig als Dateisystem. Bestätigen Sie Auswahl mit Klick auf Ok. In der letzten Zeile im Feld Details steht nun Nicht formatiert (nicht formatiert).
  1. Mit Klick auf Formatieren legen Sie das eben ausgewählte Dateisystem auf der Partition an.

  1. Damit Linux die Partition beim Systemstart mountet, klicken Sie auf Einhängepunkt. Löschen Sie den Text im Eingabefeld (/usr) und tragen Sie dort das Verzeichnis ein, über das Sie auf die Partition zugreifen wollen, etwa /mnt/daten Der Ordner muss noch nicht existieren, diskdrake legt ihn automatisch an, sobald Sie das Partitionierungs-Tool beenden.
  1. Schließen Sie diskdrake über die Schaltfläche Fertig und bejahen Sie die Frage, ob das Programm die Datei /etc/fstab auf den neuesten Stand bringen soll. Dort stehen die Partionen des Systems und deren Einhängepunkte.

Nach dem nächsten Systemstart bindet Linux die ehemalige Windows-Partition im Ordner /mnt/daten ein.

Deinstallation auf Kommando

Fedora Core 2 macht es Ihnen nicht ganz so einfach. Ein grafisches Partitionierung-Tool gibt es nur bei der Installation. Um Windows zu entfernen und den Platz für Linux zu nutzen, benötigen Sie die Kommandozeile und einen Text-Editor.

  1. Starten Sie über Systemtools / Hardware Browser den Hardware-Browser und klicken Sie dort auf Festplattenlaufwerke. Das Programm zeigt alle Partitionen des Systems an. In der Spalte Typ steht bei Windows-Partitionen entweder ntfs oder fat32. Notieren Sie den Namen der Gerätedatei. Er steht in der Spalte Device. Sehr oft ist /dev/hda1, also die erste primäre Partition, die Windows-Partition.

  1. Öffnen Sie eine KDE-Konsole und werden Sie mit dem Kommando su und dem Root-Passwort in der nächsten Zeile zum Administrator.
  1. Geben Sie mount ein. Der Befehl listet die eingehängten Partitionen auf. Überprüfen Sie, ob in der ersten Spalte der Gerätename der Windows-Partition auftaucht. Ist das der Fall, hängen Sie sie mit dem Kommando umount /dev/hdax aus dem Dateisystem aus. Das x ersetzen Sie durch die Partitionsnummer, die Sie im Hardware-Browser notiert haben. Das ist nötig, da Sie gemountete Partitionen nicht formatieren können.
  1. Um die Partition mit dem Linux-Dateisystem ext3 zu formatieren, geben Sie den folgenden Befehl ein:
    /sbin/mkfs.ext3 /dev/hdax
    Das x ersetzen Sie wieder durch die passende Partitionsnummer. Sie müssen keine Angst haben, durch einen Vertipper versehentlich die Linux-Partition zu erwischen. mkfs.ext3 formatiert keine gemounteten Partitionen, sondern gibt eine entsprechende Fehlermeldung aus.
  1. Damit Linux die formatierte Partition beim Systemstart ins Dateisystem einhängt, legen Sie ein Mount-Verzeichnis an und tragen sie in die /etc/fstab ein. Um etwa über den Ordner /mnt/daten auf die Partition zuzugreifen, erstellen Sie das Verzeichnis mit dem Kommando mkdir /mnt/daten. Öffnen Sie die Datei /etc/fstab mit dem Kommando
    kdesu kwrite /etc/fstab
    im KDE-Text-Editor. Fügen Sie am Ende eine neue Zeile mit folgendem Inhalt ein (Abbildung 2):
    /dev/hdax /mnt/daten ext3 defaults 1 2
    Statt x schreiben Sie hinter hda die richtige Partitionsnummer. Haben Sie ein anderes Mount-Verzeichnis als /mnt/daten angelegt, ersetzen Sie diesen Eintrag durch den Pfad zum von Ihnen erstellten Ordner. Schauen Sie ebenfalls nach, ob der Gerätename der Windows-Partition schon einmal in der ersten Spalte der /etc/fstab auftaucht. Fedora Core 2 legt bei der Installation gewöhnlich einen Eintrag für Windows-Partitionen an. Dieser ist jedoch nun ungültig, da in der entsprechenden Zeile noch der alte Dateisystem-Typ steht. Markieren Sie den alten Eintrag für die Windows-Partition und löschen Sie die Zeile.

Ab jetzt hängt Linux die Partition schon beim Systemstart in den Verzeichnisbaum ein.

Abb. 2: Die letzte Zeile sorgt dafür, dass Linux die Partition automatisch mountet; die Zeile davor ist der Löschkandidat -- sie enthält den alten Eintrag für die Windows-Partition.

Freien Platz nutzen

Zunächst dürfen Sie als normaler Nutzer keine Dateien auf der neu angelegten Partition speichern. Dafür müssen Sie erst die richtigen Rechte setzen. Um beispielsweise einen Ordner für die MP3-Sammlung eines Benutzers anzulegen, gehen Sie so vor: Kontrollieren Sie mit dem Befehl mount, ob Linux die Partition wirklich beim Systemstart eingehängt hat. Öffnen Sie aus einem Schnellstartfenster, in das Sie kdesu konqueror eingeben, den KDE-Datei-Manager als Administrator. Wechseln Sie in das Verzeichnis /mnt/daten und legen Sie dort einen neuen Ordner an. Klicken Sie ihn mit der rechten Maustasten an und wählen Sie Eigenschaften aus dem Kontextmenü. Im Registerreiter Berechtigungen tragen Sie als Benutzer den Namen des normalen Nutzers ein. Im Feld Gruppe ist unter Suse Linux users die richtige Wahl. Unter Mandrake Linux und Fedora Core 2 hat jeder Benutzer eine eigene Gruppe. Bei diesen Distributionen heißt die Gruppe ebenso wie der Benutzer. Übernehmen Sie die Änderung mit Klick auf OK. Danach darf der normale Benutzer in diesem Ordner Dateien speichern und Unterverzeichnisse anlegen.

Bye, bye Linux

Möchten Sie Linux löschen, stellen Sie zunächst den Master Boot Record des Systems wieder her. Dort hat Linux bei der Installation seinen Boot-Manager installiert. Wer Grub oder Lilo auf Diskette geschrieben hat, überspringt diesen Abschnitt -- Sie müssen dann nur die Linux-Partitionen entfernen.

Windows XP bringt das passende Werkzeug zum Wiederherstellen des MBR auf den Installations-CDs mit: die Wiederherstellungskonsole.

  1. Legen Sie die Windows-CD ein und starten Sie den Rechner neu. Bootet das System nicht von CD, müssen Sie im BIOS des Rechners die Boot-Reihenfolge umstellen, wie Sie es vor der Linux-Installation getan haben.
  1. Die Windows-CD fordert den Druck einer beliebigen Taste, um von der CD zu booten. Danach startet das Setup-Programm die Hardware-Erkennung und lädt einige Treiber. Das dauert auf langsamen Systemen mehrere Minuten.
  1. Drücken Sie im folgenden Bildschirm [R], um zur Wiederherstellungskonsole zu gelangen.
  1. Mit einem Druck auf [Enter] innerhalb der nächsten fünf Sekunden öffnen Sie ein Menü, in dem Sie das deutsche Tastaturlayout auswählen. Danach listet Windows alle Installationen (gewöhnlich gibt es nur eine namens C:\Windows) auf, und fragt, bei welcher Sie sich anmelden möchten. Geben Sie hier 1 ein.
  1. Windows fordert Sie auf, das Administratorkennwort einzugeben. Unter Windows XP Home Edition hat der Administrator in der Standardeinstellung kein Kennwort, also drücken Sie einfach [Eingabe]. Haben Sie die Professional-Version oder im abgesicherten Modus ein Administratorpasswort gesetzt, authentifizieren Sie sich. Danach meldet Windows Sie im Reparaturmodus an.
  1. Geben Sie FIXMBR ein, um den Linux-Boot-Manager aus dem MBR zu entfernen. Windows fragt nach, ob Sie wirklich einen neuen MBR schreiben wollen. Geben Sie j ein und drücken Sie [Enter], um den MBR zu überschreiben. Starten Sie das System mit dem Befehl exit neu und entfernen Sie die Windows-CD aus dem Laufwerk. Jetzt meldet sich nicht mehr der Boot-Manager, sondern es startet sofort Windows.

Probieren Sie öfters Linux-Distributionen aus und löschen Sie wieder, müssen Sie nicht jedes Mal die lange Wartezeit beim Start der Windows-CD ertragen. Die Wiederherstellungskonsole lässt sich auch auf die Festplatte installieren. Windows bietet Ihnen dann ein Boot-Menü, in dem Sie zwischen einem normalen Start und der Konsole wählen.

Legen Sie dafür die Windows-CD ins Laufwerk und öffnen Sie aus dem Zubehör-Menü eine Eingabeaufforderung. Mit d: wechseln Sie zum CD-Laufwerk. d ersetzen Sie durch den passenden Laufwerksbuchstaben. Geben Sie nun i386\winnt32 /cmdcons ein, um die Wiederherstellungskonsole zu installieren. Klicken Sie in der folgenden Dialogbox (Abbildung 3) auf Ja, damit Windows die Dateien kopiert und die Rettungskonsole ins Boot-Menü einträgt.

Abb. 3: Ein Klick auf "Ja" installiert die Wiederherstellungskonsole und trägt sie ins Boot-Menü ein.

Mehr Platz für Windows

Jetzt gilt es, die Linux-Partitionen für Windows nutzbar zu machen. Das geht am einfachsten mit der Datenträgerverwaltung. Starten Sie sie über Einstellungen / Systemsteuerung / Verwaltung / Computerverwaltung aus dem Startmenü. Markieren Sie in der Baumansicht auf der linken Seite Datenspeicher / Datenträgerverwaltung.

In der rechten Fensterhälfte präsentiert das Programm eine grafische und eine Listenansicht der Partitionen. Die, bei denen die Spalte Dateisystem keinen Eintrag enthält, sind die Linux-Partitionen. Gewöhnlich legt Linux zwei an: eine Auslagerungs- und eine Systempartition. Markieren Sie die erste Linux-Partition in der Spalte Volume. Öffnen Sie mit einem Klick der rechten Maustaste das Kontextmenü. Je nachdem, ob Linux auf einer primären oder einer logischen Partition installiert ist, wählen Sie entweder Partition löschen oder Logisches Laufwerk löschen (Abbildung 4). Bestätigen Sie die folgende Sicherheitsabfrage mit einem Klick auf Ja und entfernen Sie danach alle weiteren Linux-Partitionen.

Abb. 4: In der Windows-Datenträgerverwaltung löschen Sie die Linux-Partitionen.

Um den freigewordenen Platz als Datengrab zu nutzen, legen Sie eine Partition mit Windows-Dateisystem an. Markieren Sie in der grafischen Ansicht den nicht zugeordneten Platz. Die Datenträgerverwaltung kennzeichnet ihn mit einem schwarzen Balken. Wählen Sie aus dem Kontextmenü Neue Partition.

Daraufhin startet ein Assistent, der nach einem Klick auf Weiter nach dem Partitionstyp fragt. War Linux in einer erweiterten Partition installiert, lautet die Vorgabe Logisches Laufwerk. Belassen Sie es am besten bei der Voreinstellung und klicken Sie auf Weiter. Als Größe schlägt Windows den gesamten freien Platz vor. Auch diese Vorgabe übernehmen Sie. Im nächsten Dialog können Sie den Laufwerksbuchstaben festlegen. Er lässt sich unter Windows XP auch später noch ändern. Klicken Sie daher auf Weiter. Im letzten Schritt entscheiden Sie sich für das Dateisystem -- die Vorgabe ist NTFS. Wollen Sie nicht von einem anderen Betriebssystem aus auf diese Partition schreiben, akzeptieren Sie den Vorschlag. Nach einem letzten Klick auf Weiter zeigt der Assistent eine Zusammenfassung an (Abbildung 5). Über die Schaltfläche Fertig stellen legen Sie die Partition an und formatieren sie. Um dort Daten abzulegen müssen Sie Windows nicht neu starten -- der Laufwerksbuchstabe taucht sofort im Explorer auf. (amü)

Abb. 5: Unter Windows hilft Ihnen ein Assistent beim Anlegen einer Partition.

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