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Erschienen in EasyLinux 04/2005   »   Ausgabe bestellen

Steuer-Software im Test

Auf Heller und Pfennig

von Andrea Müller


Alle Jahre wieder steht die Steuererklärung an, doch anders als zu Weihnachten hat dabei niemand etwas zu verschenken. Mit Tax 2005 Professional existiert auch für Linux ein leistungsfähiger Lotse durch den Finanzdschungel.

Die Neunkirchener Software-Schmiede Buhl Data [1] bietet bereits seit mehreren Jahren den Steuerhelfer Tax auch für Linux an. Lag die Linux-Version der Software früher auch der Standardversion bei, gibt es sie seit letztem Jahr nur noch als Beigabe zu Tax Professional. Allerdings handelt es sich nicht um native Linux-Software, sondern Tax nutzt den Windows-Schnittstellen-Emulator Wine, um die Windows-Version des Steuerhelfers unter Linux zu betreiben. Wir haben getestet, wie sich Tax 2005 Professional unter aktuellen Distributionen schlägt.

Steuerberater für den Pinguin

Ist Ihnen die Profi-Version für 40 Euro zu teuer, laden Sie alternativ nur die Linux-Version für 19 Euro aus dem Internet herunter [2]. Anders als bei vielen anderen Software-Paketen lohnt sich der Kauf der Box: Neben der Programm-CD steckt ein über 600 Seiten dickes Handbuch mit im Paket. Der erste Teil widmet sich der Programmbedienung, der zweite Teil enthält einen Steuerratgeber. Er deckt von den Grundlagen -- wer muss eigentlich eine Steuererklärung abgeben -- bis hin zu kniffligeren Fragen, z. B. zur doppelten Haushaltsführung, nahezu alle Themen ab. Komplettiert wird das Ganze von einem neunseitigen Glossar, das einen schnellen Überblick über die wichtigsten Fachbegriffe bietet.

Als notwendige Hardware nennt Buhl Data einen Rechner ab 200 MHz Taktfrequenz, eine Vorgabe, die Sie für den Betrieb unter Linux um ca. 500 MHz aufstocken sollten. Die Emulation unter Wine läuft wesentlich langsamer als Tax unter Windows.

Installation auf Kommando

Die Linux-Installation von Tax läuft in einem Kommandozeilenfenster ab. Standardmäßig kopiert das Installationsskript die Software in den Unterordner tax2005 Ihres Home-Verzeichnisses, so dass Sie zur Installation keine Root-Rechte benötigen. Dank der sinnvollen Vorgaben ist das Einspielen der Software auch für Neulinge auf der Kommandozeile kein Hexenwerk:

  1. Legen Sie die Tax-CD ein und klicken Sie auf das CD-Symbol auf dem Desktop, um den Konqueror im Wurzelverzeichnis des Datenträgers zu öffnen.
  1. Wechseln Sie in den Ordner tax 2005 linux. Drücken Sie dort [F4]. Das öffnet eine KDE-Konsole im aktuellen Verzeichnis. So ersparen Sie sich das Eintippen der langen Pfadnamen.
  1. Geben Sie den Befehl
    sh install.x
    ein, um den textbasierten Installer zu starten. Durch das vorangestellte sh umgehen Sie unter Mandrake Linux und Fedora Core 2 das Problem, dass Sie Skripte auf einer CD nicht direkt aufrufen dürfen.
  1. Der Installer informiert Sie, dass die für den Betrieb der Windows-Version nötige Wine-Software schon bei Tax dabei ist. Unter Suse Linux und Fedora Core 2 werden dabei die Umlaute nicht korrekt angezeigt. Das liegt an der von den Distributionen standardmäßig verwendeten Zeichensatzkodierung UTF-8. Ignorieren Sie einfach diesen Schönheitsfehler: Im installierten Tax 2005 funktionieren die Umlaute später korrekt. Sobald Sie [Eingabe] drücken, beginnt die Installation.
  1. Zunächst legen Sie das Installationsverzeichnis fest. Übernehmen Sie die Vorgabe /home/benutzername/tax2005 mit einem Druck auf [Eingabe].

  1. Jetzt gilt es, das Wine-Binärpaket auszuwählen, das Sie verwenden wollen. Buhl Data liefert zwar nur Wine-Versionen für Suse Linux 8.2 bis 9.2 mit, weist aber in der Kurzhilfe darauf hin, dass diese Suse-Pakete eventuell auch mit anderen Distributionen zusammen spielen (Abbildung 1). Tatsächlich lief Tax Professional mit allen von EasyLinux unterstützten Distributionen mit einem der mitgelieferten Pakete. Verwenden Sie Suse Linux 9.1, geben Sie 3 ein, um die zur Distribution passende Wine-Version einzuspielen. Alle, die mit einer der anderen von uns unterstützten Distributionen arbeiten, wählen mit Eingabe von 4 das Wine-Paket für Suse Linux 9.2 aus. Es funktionierte in unserem Test auch mit Fedora Core 2 und Mandrake Linux fehlerfrei.
  1. Nach einem Druck auf [Eingabe] kopiert das Skript zuerst Wine und danach die Tax-Professional-Programmdateien in den Ordner /home/benutzername/tax2005. Er zeigt dabei keine Fortschrittsmeldung an. Haben Sie also ein wenig Geduld, bis die Frage erscheint, ob das Skript Menüeinträge für Tax erstellen soll. Geben Sie dort ja ein und drücken Sie die Eingabe-Taste. Der Installer erstellt daraufhin auf dem KDE-Desktop ein Tax2005-Icon. Die passenden Einträge im K-Menü legt er nur unter Suse Linux und Fedora Core 2 korrekt an. Suse-Linux-Nutzer finden Tax im Ordner Büroprogramme, wer Fedora Core 2 verwendet, startet den elektronischen Steuerberater aus dem Office-Menü.
  1. Das Skript erstellt nun einige Konfigurationsdateien, was ein wenig dauert. Danach meldet sich das erste Mal ein grafischer Dialog, der Ihnen anbietet, Tax online zu registrieren -- das ist nötig, um später Online-Updates einzuspielen. Wenn Sie das nicht möchten, klicken Sie auf Abbrechen. Sie können den Registrierungsassistenten später jederzeit über Online / Programm registrieren aus dem Menü eines jeden Tax-Moduls starten. Um Ihre Version zu registrieren, klicken Sie auf Weiter. Nachdem Sie in der Eingabemaske die Registrierungsdaten eingegeben haben und auf Weiter klicken, fordert der Assistent Sie auf, eine Internet-Verbindung aufzubauen, und registriert die Software. Falls Sie noch keine Kundennummer besitzen, fordern Sie diese über die Schaltfläche Kundennummer anfordern an.

Haben Sie Tax registriert oder den Vorgang mit Abbrechen beendet, fragt das Installationsskript nach, ob es Tax Professional starten soll. Geben Sie hier ja ein, um direkt mit dem Programm zu arbeiten.

Abb. 1: Die mitgelieferten Wine-Versionen funktionieren nicht nur unter Suse Linux, sondern auch unter den anderen von uns unterstützten Distributionen.

Abb. 2: Direkt nach der Installation startet der Registrierungsassistent.

An die Hand genommen

Tax startet mit einem Übersichtsbildschirm aus dem Sie eines der sechs mitgelieferten Programme aufrufen (Abbildung 3). Das Herzstück der Programm-Suite ist die Steuerberechnung. Deren Oberfläche gibt sich aufgeräumt mit den wichtigsten Optionen und ständig wechselnden Steuertipps. Haben Sie schon mit der Vorversion gearbeitet, übernehmen Sie hier die Datenbestände aus Tax 2004; fühlen Sie sich eher als Tax-Novize, verschaffen Sie sich über Erste Schritte in t@x einen Einblick in das Programm. Damit das gelingt, stellen Sie zuvor unter Extras / Optionen / externe Anwendungen den bevorzugten Browser ein, etwa Mozilla. Ein installiertes Flash-Plug-in ist jedoch Pflicht, um die geführte Tour zu absolvieren.

Abb. 3: Mit insgesamt sechs Programmen präsentiert sich Tax Professional als Rundum-Sorglos-Paket für Steuerangelegenheiten.

Um gleich mit der Einkommenssteuer loszulegen, führt der Weg über Neue Datei. Tax erfragt in diesem Fall einige Filtereinstellungen, um Sie später nicht mit Fragen zu behelligen, die für Sie irrelevant sind. Standardmäßig ist der so genannte tax-Lotse aktiv, der fiskalisch Unerfahrene an die Hand nimmt, alle relevanten Angaben erfragt und basierend auf diesen Angaben die Steuerformulare ausfüllt (Abbildung 4).

Dabei nimmt Tax Professional dem Benutzer so viel Arbeit wie möglich ab: Kaum hat man die Postleitzahl eingetragen, schon füllt das Programm selbständig die Felder für das Bundesland und die Stadt aus. Das zuständige Finanzamt einzutragen, reicht ebenfalls aus -- Tax kennt die Adressen aller Ämter und füllt den Adressteil der Eingabemaske automatisch aus (Abbildung 5). Auf der linken Seite sehen Sie in einer Baumansicht, welche Fragen Sie bereits beantwortet haben -- dort wechseln Sie auch zwischen den Dialogen hin und her. In der rechten Fensterhälfte bietet Tax permanent ein Hilfefenster. Unter dem Reiter Infos erfahren Sie alles Wissenswerte zu der aktiven Eingabemaske, die Reiter Tipps und Gesetze bieten weiterführende Informationen. Beim Aufruf eines Gesetzestextes öffnet Tax die Windows-Hilfe im CHM-Format, die unter Linux jedoch recht träge reagiert. Selbst auf einem leistungsstarken Rechner dauert das Laden der Hilfe fast eine Minute.

Wer sich dagegen im Steuerdschungel perfekt auskennt, schaltet den Lotsen über das Leuchtturm-Icon in der Symbolleiste ab. Dann präsentiert sich Tax in der klassischen Ansicht mit Themenleiste (Abbildung 6).

Abb. 4: Der Tax-Lotse führt Sie Schritt für Schritt zur Steuererklärung.

Abb. 5: Beim Ausfüllen der Formulare nimmt Tax Professional Ihnen einen Teil der Arbeit ab.

Abb. 6: Steuerprofis füllen die Formulare in der klassischen Ansicht aus.

Volle Kontrolle

Zusatz-Features offeriert Tax im Menü Extras. Hier rufen Sie den Beleg-Manager auf, in dem Sie Rechnungen für Arbeitsmittel oder außergewöhnliche Belastungen erfassen. Die Steuerklassenwahl verrät Ehepartnern, mit welcher Kombination sie am günstigsten fahren, und Lohn- und Einkommenssteuertabellen zeigen übersichtlich, mit welchen Belastungen Sie bei einem bestimmten Einkommen zu rechnen haben.

Über den Menüpunkt Musterschreiben greifen Sie auf eine große Auswahl vorformulierter Anträge und Schreiben zu, die Tax in der integrierten Textverarbeitung öffnet. Das so reich gefüllte Menü war übrigens das einzige Ärgernis bei unserer Arbeit mit Tax: Unter Suse Linux 9.1 und Fedora Core 2 verschwand sporadisch die Menüleiste. Ein einfacher Trick, sie zurückzuholen, besteht darin, über Fensterverhalten festlegen aus dem Kontextmenü der Titelleiste eine andere Fensterdekoration einzustellen.

Haben Sie das Programm mit allen notwendigen Informationen gefüttert, führt Tax eine Plausibilitätsprüfung durch. Es deckt dabei etwa Tippfehler bei Jahreseingaben auf und macht Sie darauf aufmerksam, wenn Sie eines Ihrer Kinder älter als sich selbst gemacht haben. Die Steuererklärung erstellen Sie dann über das Ausgabe-Menü, wobei Tax-Benutzer über Elektronische Steuererklärung (Elster) ihre Daten gleich online ans Finanzamt übermitteln können.

Darf's etwas mehr sein?

Auch die anderen Programme der Steuer-Suite bieten einiges für Steuersparfüchse. Das Programm Gewinnermittlung erstellt Einnahme-Überschussrechnungen für Freiberufler und Gewerbetreibende. Beim Lohnsteuer-Ermäßigungsantrag für das Steuerjahr 2005 hilft die Anwendung Freibetrag, das Programm namens Feststellung ist beispielsweise für Personengesellschaften nützlich, die eine Feststellungserklärung abgeben müssen. Besonders raffiniert gibt sich der Steuer-Planer: Er hält viele Ratschläge zur steuerlichen Gestaltung des Folgejahres bereit. Unter Fedora Core 2 und Suse Linux 9.1 gelang es uns jedoch nicht, mit Hilfe des Grunddaten-Assistenten eine individuelle Expertise zu erstellen, das Programm präsentierte beim Klick auf die entsprechende Schaltfläche eine Fehlermeldung (Abbildung 7).

Die restlichen Module des Programms funktionieren jedoch fehlerfrei und halten Tipps und Tricks für alle Finanzlagen bereit. Wollen Sie beispielsweise wissen, welchen Anteil Ihrer PC-, Internet- und Telekommunikationskosten Sie von der Steuer absetzen können, erfahren Sie das vom Computerkosten-Rechner im Abschnitt Telekommunikation, PC+ Internet / Rechner Computerkosten (Abbildung 8).

In den einzelnen Abschnitten gibt es noch weitere praktische Assistenten: So finden Sie etwa unter Reisekosten / Information den Menüpunkt Erfassungshilfe: Fahrtenbuch, in dem Sie berufliche Fahrtkosten verwalten. Das Einkommensteuermodul kann die so erstellten Fahrtenbücher später einfach übernehmen.

Abb. 7: Statt einer individuellen Expertise hielt der "Steuer-Planer" nur eine Fehlermeldung bereit.

Abb. 8: Dieser Assistent verrät, welchen Betrag Sie von der Steuer absetzen können.

Fazit

Tax Professional 2005 für Linux ist trotz der Abhängigkeit von Wine eine runde Sache. Die Installation gelingt fast ebenso leicht wie unter Windows, und das Programm läuft stabil und zuverlässig. Die einzelnen Module bieten fast schon ein Zuviel an Funktionen, doch dank der ausgezeichneten, immer präsenten Online-Hilfe verirren sich auch unerfahrene Anwender nicht im Blätterwald der Steuerformulare. Da die Programme der Steuer-Suite problemlos untereinander Daten austauschen, spart man sich lästige Mehrfacheingaben. Der einzige Wermutstropfen ist, dass sich Tax unter Linux weit Hardware-hungriger als unter Windows zeigt. Die Emulation verlangsamt den Fensteraufbau und die Navigation, so dass flüssiges Arbeiten erst ab einem 1-GHz-Rechner möglich ist. (amü)

Infos
[1] Buhl Data: http://onlineshop.buhl.de/
[2] Tax Professional 2005 für Linux: http://onlineshop.buhl.de/buhl?art=178

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