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Erschienen in EasyLinux 05/2005   »   Ausgabe bestellen

Linux-Shell-Befehle unter Windows üben

Brauchbare Windows-Shell

von Hans-Georg Eßer


Im Guru-Training führt EasyLinux in die Benutzung der Shell ein. Haben Sie noch gar kein Linux installiert, können Sie fast alles auch unter Windows ausprobieren -- installieren Sie dazu die Cygwin-Tools nach.

Was nicht jeder weiß: Neben ein paar großen Programmpaketen, die es für Linux und Windows gibt, können Sie Windows auch dank Hunderter von portierten Tools beinahe in eine vollständige Unix-Umgebung verwandeln. Das größte Paket heißt cygwin: Damit landen bei einer Vollinstallation nicht nur die beliebteste Shell (Bash) und ein X-Server auf dem Windows-Rechner, sondern Sie erhalten fast alle wichtigen grafischen und Kommandozeilenprogramme, die auch Linux bietet.

Die Cygwin-Tools

Windows besitzt einen Kommandozeilenmodus, mit dem man allerdings eher selten in Berührung kommt. Das liegt unter anderem daran, dass die "Eingabeaufforderung", cmd.exe, nicht besonders leistungsfähig ist. Schon zu MS-DOS-Zeiten gab es leistungsfähigere Varianten (4dos, Take Command).

Wenn Sie bereits mit Linux oder einer anderen Unix-Variante gearbeitet haben, wissen Sie, dass man hier öfter mit der Shell arbeitet. EasyLinux versucht in den meisten Artikeln, Shell-Kontakte zu vermeiden, weil viele Umsteiger die Verwendung einer Befehlszeile irritierend finden, in unserer Rubrik "Guru-Training" ermuntern wir aber dennoch zum Einsatz der Shell, weil damit Vieles schneller geht.

Wer sich mit der Shell vor einem Linux-Einstieg unter Windows vertraut machen möchte (und auch, wer schon Shell-Anhänger unter Linux ist), installiert einfach die von Cygnus (inzwischen eine Tochter des Linux-Distributors Red Hat) entwickelten Cygwin-Tools: Das sind Windows-Portierungen populärer Linux-Programme. Hier gibt es neben der Shell bash in der aktuellen Version 2.05b auch weitere Zusatzprogramme wie tar, gzip, bzip2, grep, Tcl/Tk und sogar einen X-Server für Windows (im Paket xorg-x11).

Cygwin-Installation

Die Installation ist leicht: Auf der Web-Seite http://www.cygwin.com klicken Sie rechts oben auf den Button Install Cygwin now (Abbildung 1); dann startet nach entsprechender Bestätigung mit Öffnen der Installer.

Abb. 1: Die Cygwin-Installation lädt viele Dateien aus dem Netz.

Nach einem kurzen Begrüßungstext fragt das Setup-Programm, in welches Verzeichnis Sie die Cygwin-Tools installieren möchten -- hier können Sie die Vorgabe C:\cygwin akzeptieren.

Wählen Sie einen Mirror-Server -- die Cygwin-Pakete werden auf verschiedenen Rechnern im Internet vorgehalten -- und entscheiden Sie dann, welche Programme das Installationsprogramm herunterlädt (Abbildung 2). Im Zweifelsfall akzeptieren Sie einfach die Vorauswahl.

Abb. 2: Die Paketauswahl im Cygwin-Installer zeigt die Programme nach Kategorieren sortiert an.

Nach dem Download der ausgewählten Pakete werden sie entpackt, und der Installer legt einen neuen Eintrag Programme/Cygwin/Cygwin Bash Shell im Startmenü an -- wählen Sie diesen Eintrag aus oder klicken Sie auf das neue Cygwin-Icon auf dem Desktop, um die Standard-Shell bash unter Windows zu starten (Abbildung 3).

Abb. 3: Die Linux-Standard-Shell Bash gibt es auch für Windows.

Übrigens: Standardmäßig holt der Installer nur eine Minimalauswahl von Paketen auf den Rechner, so fehlt beispielsweise ein SSH-Client (openssh). Um das nachzuholen, starten Sie einfach erneut über die Web-Seite das Setup-Programm -- die bereits installierten Pakete erkennt der Installer und lädt sie nicht erneut herunter. Interessant ist beispielsweise auch der Midnight Commander (mc), ein Klon des DOS- und Windows-Klassikers Norton Commander (Abbildung 4).

Abb. 4: Den Midnight Commander starten Sie in der Bash-Shell durch Eingabe von "mc".

Shell-Sitzung

Nach dem Start sehen Sie ein Fenster, das zunächst nicht wesentlich anders als Windows' Standard-Kommandozeile aussieht: 80x25 Zeichen, schwarzer Hintergrund, weiße Schrift. Auf den zweiten Blick wird es dann klar: Anstelle des sonst unter Windows üblichen C:\-Prompts erscheint die Linux-typische Eingabeaufforderung "$". In diesem Fenster können Sie weitestgehend mit den gleichen Befehlen arbeiten, die Sie auch unter Linux in einem Bash-Fenster verwenden.

Die Bash gaukelt Benutzern unter Windows übrigens eine typische Linux-Verzeichnisstruktur ohne Laufwerksbuchstaben vor: Alle Cygwin-Dateien liegen in Verzeichnissen wie /usr, /bin, /var etc., Home-Verzeichnisse der Benutzer in /home. Wer nach den Daten auf den Windows-"Laufwerken" C:, D: usw. sucht, wird erst auf den zweiten Blick fündig: Diese Laufwerke spricht Cygwin über /cygdrive/c/, /cygdrive/d/ usw. an. Wenn Sie eine Diskette einlegen, können Sie beispielsweise mit dem Befehl ls -l /cygdrive/a ihr Inhaltsverzeichnis anzeigen. Die klassischen Laufwerksbuchstaben können Sie aber auch verwenden: Mit cd c: wechseln Sie genauso ins Hauptverzeichnis von C: wie mit cd /cygdrive/c.

Kommandos, die unter Linux eine mehrfarbige Ausgabe erzeugen können, tun dies auch hier: Geben Sie etwa ls -l --color / ein, zeigt die Shell das Root-Verzeichnis aus Sicht der Cygwin-Tools mit farbig formatierten Einträgen an.

Verzeichnisstruktur

Warum enthält das Wurzelverzeichnis / gar keine Windows-Verzeichnisse und stattdessen die bereits erwähnten Linux-typischen Einträge /usr, /bin etc.? Alle Cygwin-Tools sehen die Laufwerks- und Verzeichnisstruktur von Windows durch eine Brille -- das Verzeichnis, das Sie bei der Installation angegeben haben (im Beispiel: C:\cygnus) betrachten die Tools dabei als Wurzelverzeichnis /. Das hat den Vorteil, dass sich die Unix-Dateien an den richtigen Stellen (etwa Programme in /bin und /usr/bin) befinden, ohne dass diese Verzeichnisse auch aus Windows-Sicht im Hauptverzeichnis liegen müssten. Alle "normalen" Windows-Verzeichnisse sind nur über die bereits erwähnten Pfadangaben /cygdrive/c/ usw. verfügbar.

Die Shell-Variable $PATH enthält neben den Verzeichnissen, in denen sich die Cygwin-Tools befinden, auch die Standard-Verzeichnisse, die Dienstprogramme von Windows enthalten. So starten Sie z. B. durch Eingabe von cmd den Standard-Kommandointerpreter (und verlassen ihn wieder mit exit). exit ist übrigens auch der richtige Befehl, um die Bash-Shell zu beenden.

X-Server

Die bisher vorgestellten Cygwin-Tools laufen alle im Textmodus innerhalb des Bash-Fensters, in dem Sie sie gestartet haben. Unix-Systeme (wie Linux) bieten aber auch eine grafische Oberfläche, das X Window System (kurz "X"). X-Programme laufen nicht direkt unter Windows; sie benötigen einen so genannten X-Server. Auch den können Sie über Cygwins Setup-Programm bequem nachinstallieren: Schalten Sie dazu in der Übersicht per Klick auf View zur vollständigen Paketansicht um und wählen Sie (mindestens) die Pakete xorg-x11-base und xterm aus. Der X-Server ist so vorkonfiguriert, dass Sie ihn nach der Installation direkt mit startx aufrufen können.

Abbildung 5 zeigt mehrere X-Window-Programme, die auf dem Windows-Rechner angezeigt werden. Das gilt auch für das Word-Fenster: Microsofts Textverarbeitung wurde auf einem im lokalen Netz erreichbaren Linux-PC über den Windows-Emulator CrossOver Office gestartet, das Fenster zeigt der X-Server des Cygwin-Projekts unter Windows an. Verblüffend: Mit dieser sehr umständlich aktivierten Word-Version kann man sogar flüssig arbeiten.

Abb. 5: Spaß mit den Cygwin-Tools: Alle Fenster auf diesem Desktop werden vom X-Server angezeigt -- auch das Word-Fenster.

Fazit

Wollen Sie den Umgang mit der Shell und den zugehörigen Tools vor dem Linux-Umstieg zunächst üben, geht das in vielen Fällen auch unter Windows. Dabei sollten Sie nur im Hinterkopf behalten, dass die aus der Linux-Welt portierten Programme unter Windows teilweise langsamer laufen oder eingeschränkt funktionieren -- das Original ist eben meist besser als die Kopie. (hge)

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