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Erschienen in EasyLinux 05/2005   »   Ausgabe bestellen

Windows-Spiele unter Linux

Spielerparadies

von Andrea Müller


Für Linux gibt es keine Spiele -- eine oft gehörte Klage umstiegswilliger Windows-Nutzer. Tatsächlich bieten nur wenige Hersteller ihre Kassenschlager für Linux an. Cedega erweitert Wine um DirectX-Funktionen und macht so auch den Pinguin zum veritablen Spielgefährten.

Far Cry, Baldurs Gate, Die Sims: Diese Titel sind nur drei Gründe für die Existenz unzähliger Dual-Boot-Systeme. Nach dem Umstieg auf Linux finden die meisten Anwender mit Firefox, OpenOffice und anderen Programmen schnell Ersatz für häufig genutzte Software. Was Spiele angeht, ist Linux jedoch in gewissem Sinne Niemandsland: An Desktop-Unterhaltung a la Minesweeper herrscht zwar kein Mangel, auch einige Shooter wie Doom III [1] sind als Linux-Version erhältlich, doch Fans anspruchsvoller Simulationen, Sport- und Rollenspiele schauen in die Röhre.

Für alle, die unter Linux Windows-Spiele zocken wollen, führt kein Weg an Cedega von TransGaming [2] vorbei. Die Software, die früher WineX hieß, erweitert den Windows-Schnittstellenemulator Wine [3] um die für aktuelle Spiele unabdingbaren DirectX-Funktionen. Darüber hinaus enthält das kommerzielle Cedega weitere Anpassungen, die populäre Spiele zur Zusammenarbeit mit Wine bewegen. So sorgt das Programm unter anderem dafür, dass es nicht zu Problemen mit den unterschiedlichen Kopierschutzmechanismen kommt.

Immer aktuell

Je beliebter ein Spiel ist, desto besser stehen die Chancen, dass es mit Hilfe von Cedega läuft. Bei dem Spieleemulator entscheiden nämlich die Anwender über das Web-Forum, auf welche Titel die Entwickler ihr Hauptaugenmerk legen. Welche Spiele Cedega bereits wie gut unterstützt, erfahren Sie ebenfalls online unter [4].

Da ständig neue Titel erscheinen, müssen Cedega-Nutzer die Software regelmäßig aktualisieren, um in den Genuss der neusten Top-Spiele zu kommen. Deshalb vertreibt TransGaming Cedega über ein zeitabhängiges Abomodell. Sie erwerben einmal die Software und erhalten zusätzlich eine Registriernummer, mit der Sie einen dreimonatigen Zugang zu den Online-Updates freischalten. Nach Ablauf dieser Zeit können Sie die Update-Berechtigung verlängern. Die CD-Version inklusive des dreimonatigen Update-Abonnements kostet beim deutschen Cedega-Distributor Ixsoft [5] ca. 20 Euro. Die Nutzung für weitere drei Monate schlägt mit 13 Euro zu Buche.

Installation

Wichtigste Voraussetzung, um Windows-Spiele unter Cedega zu betreiben, ist eine Grafikkarte, die Hardware-beschleunigt arbeitet [6]. Einige ältere Spiele, die darauf keinen Wert legen, laufen zwar auch ohne 3D-Grafik, die aktuellsten Top-Titel verlangen jedoch zwingend danach. Erfüllt Ihr System diese Voraussetzung, gehen Sie so vor, um Cedega einzuspielen und Ihre Version zu registrieren:

  1. Legen Sie die Cedega-CD ein und öffnen Sie das Einhängeverzeichnis über einen Klick auf das CD-Icon auf dem Desktop oder im Arbeitsplatz im Konqueror.
  1. Klicken Sie auf die Datei cedega-4.2.1-1.i386.rpm. Wer mit Mandrake Linux oder Fedora Core 2 arbeitet, startet die Paketverwaltung der Distribution über einen Doppelklick auf das cedega-Paket.
  1. Unter Mandrake Linux und Fedora Core 2 ruft das nach Eingabe des root-Passworts den Installationsassistent auf den Plan. Suse-Linux-Nutzer starten YaST manuell über einen Klick auf Install package with YaST (Abbildung 1). Die Programme überprüfen, ob Cedega noch weitere Pakete benötigt. Haben Sie bei der Linux-Installation alle Vorgaben übernommen, sind die Abhängigkeiten bereits erfüllt. Die Paketverwaltungs-Frontends spielen Cedega ein, bringen die Systemkonfiguration auf den neuesten Stand und beenden sich. Da Cedega alle Dateien in das Verzeichnis /usr/lib/transgaming_cedega kopiert, können Sie die Software sogar neben einem bereits installierten wine-Paket betreiben.
  1. Spielen Sie danach auf dieselbe Weise das Paket Point2Play-oem-1.3.2-1.i386.rpm ein. Dahinter verbirgt sich das Cedega-Frontend Point2Play, über das Sie komfortabel Updates beziehen und Spiele installieren. Unter Suse Linux legt es in der obersten Ebene des K-Menüs einen gleichnamigen Eintrag an. Wer mit Fedora Core 2 oder Mandrake Linux arbeitet, findet das Frontend im Ordner TransGaming des Startmenüs.
  1. In der Cedega-CD-Box liegt ein Zettel mit der Seriennummer und der richtigen Internet-Adresse. Geben Sie diesen Link in einen Web-Browser ein und tragen Sie die Registriernummer in das Eingabefeld ein. Mit einem Klick auf Submit schicken Sie die Daten ab.
  1. Auf der folgenden Web-Seite abonnieren Sie Cedega mit einem Klick auf den Subscribe-Link ganz unten. Füllen Sie im folgenden Formular die Felder Full Name, Email Address und Username mit Ihrem Namen, einer gültigen Mail-Adresse und einem frei wählbaren Benutzernamen aus. Klicken Sie auf I Agree, um den Nutzungsbedingungen zuzustimmen und sich zu registrieren.
  1. Transgaming weist Ihnen auf der nächsten Seite ein temporäres Passwort zu. Geben Sie erneut Ihre Mail-Adresse ein und klicken Sie auf continue. Damit haben Sie sich als Benutzer registriert und können sich nun direkt mit dem Benutzernamen und dem Passwort anmelden. Haben Sie vergessen, es zu notieren, ist auch das kein Beinbruch, da Sie eine E-Mail von TransGaming erhalten, in der Ihre Benutzerdaten stehen.

Abb. 1: Über die Schaltfläche "Install package with YaST" spielen Sie Cedega unter Suse Linux ein.

Spielplatz

Als Cedega-Nutzer müssen Sie sich nicht wie bei Wine auf die Kommandozeile begeben. Die aktuelle Version des Spieleemulators bringt mit Point2Play ein grafisches Frontend mit, in dem Sie testen, ob Ihr System für den Cedega-Betrieb richtig konfiguriert ist, und über das Sie bequem Spiele installieren und entfernen. Starten Sie das Programm über ein Schnellstartfenster ([Alt-F2]), in das Sie Point2Play eingeben. Um mit Point2Play zu arbeiten, müssen Sie noch einmal die Registriernummer und Ihren Namen eingeben. Die Anwendung erwartet hier die Seriennummer aus der Cedega-Box, nicht das Transgaming-Passwort. Wählen Sie sich ins Internet ein und geben Sie die Daten ein. Point2Play registriert sich online und öffnet das Programmfenster.

Bevor Sie ein Spiel installieren, überprüfen Sie auf der Registerkarte System Tests, ob Ihr System alle Voraussetzungen als Spielestation erfüllt. Damit die Cedega-Workarounds für kopiergeschützte Spiele-CDs funktionieren, muss das CD- oder DVD-Gerät für das Programm lesbar sein. Ob das der Fall ist, erfahren Sie mit Test CD/DVD Drive und einem Klick auf Run Test. In der Standardeinstellung scheitert dieser Test auf allen von uns unterstützten Distributionen. Unter Fedora Core 2 und Mandrake Linux ist das nicht weiter schlimm, da diese Distributionen den gerade angemeldeten Benutzer zum Besitzer der CD-ROM-Gerätedatei machen. Sie haben also als normaler Nutzer auf jeden Fall Leserechte, Point2Play überprüft, ob jeder Benutzer die Gerätedatei lesen darf.

Unter Suse Linux 9.2 ändern Sie eine Konfigurationsdatei, damit Linux bei jedem Systemstart die Rechte richtig setzt:

  1. Finden Sie zunächst heraus, über welche Gerätedatei Linux Ihr Laufwerk anspricht. CD- und DVD-Laufwerke hängen oft als Master-Gerät am zweiten Festplatten-Controller. Unter Linux heißt dieses Gerät /dev/hdc; das zweite Gerät an diesem Controller firmiert unter dem Namen /dev/hdd, Linux zählt also immer einen Buchstaben hoch. Um zu kontrollieren, ob Sie das richtige Gerät gefunden haben, legen Sie eine CD ein, wechseln in Konqueror in das CD-Verzeichnis und geben in einer KDE-Konsole df -h ein. Bei dem Laufwerk, bei dem in der Spalte Verf der Eintrag 0 steht, handelt es sich um das CD- oder DVD-Laufwerk. Merken Sie sich die Gerätedatei, die in der ersten Spalte der df-Ausgabe steht.
  1. Geben Sie
    kdesu kwrite /etc/udev/permissions.d/50-udev.permissions
    in eine KDE-Konsole ein und weisen Sie sich mit dem root-Passwort als Administrator aus. Der KDE-Editor öffnet die Datei, in der Suse Linux die Rechte an Gerätedateien festlegt. Suchen Sie nach dem Namen der Gerätedatei also etwa nach hdc. Sie sollten eine Zeile wie die folgende finden:
    hdc*:root:disk:660
  1. Die 660 bewirkt, dass der Administrator (root) und alle Mitglieder der Gruppe disk von dem Gerät lesen und darauf schreiben dürfen. Damit auch Sie die nötigen Leserechte erhalten, ändern Sie die 660 in 664.

Nach dem nächsten Systemstart besteht Ihr Rechner den Cedega-CD-Test (Abbildung 2). Möchten Sie direkt ohne Neustart weiterarbeiten, setzen Sie die Rechte einmalig von Hand. Gehen Sie dabei so vor, wie in der folgenden Anleitung für Version 9.1 der Distribution beschrieben.

Noch schneller gelingt das Setzen der richtigen Rechte unter Suse Linux 9.1. Öffnen Sie eine KDE-Konsole und geben Sie dort su und in der nächsten Zeile das root-Passwort ein, um als Administrator zu arbeiten. Mit dem Befehl

chmod a+r /dev/hdc

setzen Sie allen Benutzern das Leserecht an der Gerätedatei /dev/hdc. /dev/hdc ersetzen Sie dabei durch den Gerätenamen, unter dem Linux Ihr CD-Laufwerk anspricht.

Die weiteren Tests auf dem Registerreiter System Tests sollte Ihr System ebenfalls bestehen, sofern Ihre Grafikkarte Hardware-beschleunigt läuft und Linux die Soundkarte unterstützt.

Abb. 2: Der Eintrag "Available" bedeutet, dass Cedega auf Ihrem Rechner kopiergeschützte Spiele unterstützt.

Spiele für Tux

Die Installation der Windows-Spiele starten Sie auf dem Registerreiter Main (Abbildung 3). Legen Sie die Installations-CD ein und klicken Sie auf Install. In der nächsten Eingabemaske tragen Sie unter Program Title den Namen des Spiels ein. Klicken Sie danach auf Browse, um den Dateiauswahldialog zu öffnen. Sie befinden sich dort im Mount-Verzeichnis. Markieren Sie oder in einem der Unterordner die Installationsdatei -- meistens heißt sie setup.exe oder install.exe.

Installieren Sie statt einer Voll- die Demoversion eines Spiels, setzen Sie zusätzlich ein Häkchen vor die Option Big EXE. Viele Demoversionen von Zeitschriften-CDs oder aus dem Netz kommen als mehrere 100 MByte große ausführbare Datei daher. Mit Big EXE aktivieren Sie Funktionen, die verhindern, dass die Installation abbricht.

Ein Klick auf Continue startet den Windows-Installer des Spiels (Abbildung 4). Die meisten Vorgaben der Installationsassistenten sollten Sie übernehmen -- wenn das Programm jedoch anbietet, DirectX zu installieren, lehnen Sie das unbedingt ab. Die DirectX-Implementierung von Cedega verträgt sich nicht mit den DirectX-Versionen von Microsoft. Installieren Sie eine solche DirectX-Version, arbeitet Cedega nicht mehr korrekt.

Liefert ein Hersteller sein Spiel auf mehreren Datenträgern aus (ein Beispiel dafür ist Baldurs Gate II), müssen Sie eventuell bei der Installation die CD wechseln. Wenn der Rechner das Laufwerk nicht automatisch freigibt, klicken Sie in Point2Play auf die Schaltfläche (Un)Mount. Um sich diesen Ärger während eines Spiels zu ersparen, entscheiden Sie sich -- genügend freien Festplattenplatz vorausgesetzt -- für eine Vollinstallation: Dann müssen Sie nur beim Start des Spiels die erste CD einlegen.

Abb. 3: Im Hauptmenü von "Point2Play" installieren Sie Windows-Spiele.

Abb. 4: Mit Cedega installieren Sie Stronghold und viele weitere Windows-Spiele unter Linux.

Zocken mit Cedega

Mit Point2Play installierte Programme starten Sie direkt aus dem Programm heraus. Wechseln Sie auf der Registerkarte Main zum Eintrag All. Sie sehen nun in der rechten Fensterhälfte alle verfügbaren Titel. Markieren Sie den gewünschten und starten Sie das Spiel mit einem Klick auf Play. Der Start dauert oft etwas länger als unter Windows, die Spielgeschwindigkeit unterscheidet sich auf aktuellen Rechnern jedoch kaum (Abbildung 5).

Abb. 5: Sogar das außerhalb Deutschlands unpopuläre Moorhuhn XXL fliegt und gackert mit Hilfe von Cedega unter Linux.

Kommt es beim Spielen zu Sound-Problemen, muss das nicht unbedingt an Cedega liegen: Wenn die Lautsprecher stumm bleiben, blockiert wahrscheinlich der KDE-Sound-Server artsd die Sound-Karte. Diese Anwendung verwaltet unter KDE Audioigeräte, damit Programme auch dann Systemmeldungen abspielen können, wenn Sie gerade Musik hören. Da Sound anderer Applikationen beim Spielen sowieso nur stört, umgehen Sie das Problem, indem Sie artsd vor dem Start von Point2Play beenden. Öffnen Sie dazu eine KDE-Konsole und geben Sie dort das Kommando killall artsd ein.

Um Platz für neues Spielefutter zu schaffen, nutzen Sie wie unter Windows die Deinstallationsroutine der Spiele. Klicken Sie den zu einem Spiel gehörenden Deinstallationseintrag an und starten Sie das Löschen der Dateien mit einem Klick auf Play. Falls die Spiel-Icons immer noch im Cedega-Hauptfenster angezeigt werden, markieren Sie sie und entfernen sie mit einem Klick auf Remove.

Fazit

Cedega macht zwar nicht jedem Spiel unter Linux Beine, doch gerade bei populären Titeln stehen die Chancen gut, dass Sie sie mit dem Spieleemulator zum Laufen bringen. Unterstützt Cedega ein Spiel, läuft es kaum langsamer als unter Windows, so dass kaum noch ein Grund besteht, das System aus Redmond zu booten. Ob Ihr Lieblingstitel läuft, erfahren Sie auf der Transgaming-Web-Seite, und sobald Sie sich registriert haben, bestimmen Sie nach dem Login über Vote mit, welche Spiele Cedega in naher Zukunft unterstützen soll. Die Anwenderwünsche genießen bei den Entwicklern höchste Priorität. In der Tabelle Von uns getestet erfahren Sie, an welchen Spielen wir uns versucht haben und ob sie ebenso gut liefen wie unter Windows. (amü)

Von uns getestet
SpielKommentar
StrongholdProblemlose, allerdings etwas langsame Installation, gut und flüssig spielbar.
Moorhuhn XXLInstallation verläuft problemlos, Spiel funktioniert flüssig.
Baldurs Gate IILangsame Installation, flüssiges Spiel mit leichten Sound-Problemen.
Moorhuhn WantedDas Spiel funktioniert, bei der Geschwindigkeit gibt es keinen Unterschied zum Betrieb unter Windows.
MorrowindProblemlose Installation, gelegentliche Sound-Aussetzer während des Spiels, das Construction Set arbeitet nicht mit Cedega zusammen.
Max PayneDas Installer-Fenster sprang immer wieder in den Hintergrund, beim Spielen traten keine Probleme auf.
SyberiaGrafikfehler bei der Installation, Verschieben der Dialogbox nicht möglich, das Spiel verweigerte den Start mit der Meldung, es könne den 3D-Grafikmodus nicht initialisieren.
Battlefield VietnamFehlerfreie Installation, das Spiel funktioniert.
Hotel GigantSchnelle Installation, normaler Spielverlauf.
Conflict: Vietnam (Demo)Installation mit der Option Big EXE problemlos, allerdings stürzte die Demoversion sofort nach dem Start ab.

Infos
[1] Doom-Artikel: Andrea Müller, "Schön schaurig", EasyLinux 01/2005, S. 51 ff.
[2] Cedega: http://www.transgaming.com/
[3] Wine: http://www.winehq.com/
[4] Liste der von Cedega unterstützten Spiele: http://transgaming.org/gamesdb/
[5] http://www.ixsoft.de
[6] Hardware-beschleunigte Grafiktreiber unter Linux einrichten: Mirko Dölle, "Drei mal drei", EasyLinux 12/2004, S. 76 ff., http://www.easylinux.de/2004/12/076-3d/

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