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Erschienen in EasyLinux 06/2005   »   Ausgabe bestellen

Kamera-Zugriff mit gphoto2

Mehr als eine Festplatte

von Andrea Müller


Linux beherrscht nicht nur den Umgang mit Digitalkameras, die sich als Festplatte am System anmelden. Die Distributionen bringen für Geräte, die eigene Treiber benötigen, das gphoto2-Paket mit. Wir erklären, wie Sie mit dem Konqueror und Digikam auf die Fotos zugreifen.

Obwohl immer mehr Hersteller dazu übergehen, Digitalkameras zu bauen, die sich ebenso wie ein USB-Stick als Festplatte ansprechen lassen, gibt es noch Modelle, die eigenen Treiber benötigen [1]. Ein Beispiel dafür sind die Geräte von Canon, wie die Digital IXUS 40. Zur Kommunikation mit diesen Kameras bedarf es spezieller Treiber. Die passenden für viele aktuelle Geräte bringt das gphoto2-Paket mit. Es kennt mehrere 100 Digitalkameras und selbst wenn Ihr Modell nicht dabei ist, stehen die Chancen gut, dass die Software es als PTP-Class-Kamera ansprechen kann.

PTP ist die Abkürzung für Picture Transfer Protocol (Bildübertragungsprotokoll). Dieser Standard soll eine einheitliche Schnittstell für den Zugriff auf Kameras gewährleisten. So unterstützen beispielsweise Windows XP und MacOS X PTP von Haus aus und benötigen keine zusätzlichen Treiber, um mit PTP-fähigen Geräten zu kommunizieren. Ältere Canon-Kameras bieten oft im Einstellungsmenü die Option zwischen einem nativen und dem PTP-Modus umzuschalten. Klappt der Zugriff einmal nicht auf Anhieb, stellen Sie den Modus probeweise um. Neuere Geräte wie die IXUS 40 bieten diesen Menüpunkt nicht, sie arbeiten grundsätzlich im PTP-Modus.

Was sich in der Theorie kompliziert anhört, gestaltet sich dank gphoto2 unter Linux ausgesprochen einfach: Die Software bringt eine Autoerkennungsfunktion mit, die den Kameratyp ermittelt. Sie müssen auch nicht mit dem Kommandozeilen-Tool gphoto2 arbeiten, um Ihre Bilder herunterzuladen. Der Konqueror und Digikam sind nur zwei der grafische Frontends, mit denen Sie ebenso bequem auf Ihre Fotos zugreifen wie unter Windows.

Kamera-Software für Eilige

Am unkompliziertesten gestaltet sich die Arbeit mit Digitalkameras im Konqueror. Verbinden Sie die eingeschaltete Kamera mit dem Computer und öffnen Sie den KDE-Datei-Manager. Mit der Eingabe von camera:/ in die Adresszeile starten Sie die Autoerkennung des Geräts. Sofern gphoto2 einen passenden Treiber mitbringt, zeigt der Konqueror einen Ordner mit dem Modellnamen an. Kameras, die im PTP-Modus laufen, erkennen Sie am Verzeichnisnamen USB PTP Class Camera (Abbildung 1).

In dem Kamera-Verzeichnis navigieren Sie ebenso wie in Ordnern auf der Festplatte. Die Fotos liegen zumeist in einem namens dcim. Wechseln Sie das Unterverzeichnis mit den Bildern. Wenn der Konqueror keine verkleinerten Vorschaubilder anzeigt, beheben Sie das im Optionsmenü: Öffnen Sie es über Einstellungen / Konqueror einrichten und wechseln Sie in der linksbündigen Leiste zum Eintrag Vorschau & Metadaten. Suchen Sie im Feld Protokolle auswählen nach camera und aktivieren Sie die Vorschau für dieses Protokoll mit einem Mausklick in das Ankreuzfeld (Abbildung 2). Ziehen Sie ebenfalls den Schieberegler für die Maximale Dateigröße auf einen höheren Wert. In der Standardeinstellung zeigt Konqueror nur für Bilder mit einer Größe bis zu 1 MByte ein Vorschaubild an. Hochauflösende Fotos sind jedoch häufig größer, so dass Sie den Wert mindestens auf 2 MByte stellen sollten, um für jede Aufnahme eine Vorschau zu erhalten. Mit einem Klick auf OK übernehmen Sie die neuen Einstellungen und schließen den Einrichtungsdialog. Spätestens nach einem Druck auf [F5] stellt der Konqueror die Fotos in einer verkleinerten Ansicht dar (Abbildung 3).

Am komfortabelsten kopieren Sie die Bilder mit Hilfe eines zweiten Konqueror-Fensters auf die Festplatte. Öffnen Sie es über einen Druck auf [Strg-N] und wechseln Sie in das Verzeichnis, das als Speicherordner für die Aufnahmen dienen soll. Markieren Sie im Kameraordner die zu kopierenden Bilder mit gedrückt gehaltener [Strg]-Taste und ziehen Sie sie mit gedrückt gehaltener Maustaste in das zweite Konqueror Fenster. Sobald Sie die Maustaste loslassen, öffnet sich ein Menü. Klicken Sie dort auf den Eintrag An diese Stelle kopieren, um den Fotoordner auf der Festplatte zu füllen. Möchten Sie alle Bilder kopieren, müssen Sie sie nicht einzeln markieren. Ein Druck auf [Strg-A] wählt alle Fotos in einem Rutsch aus.

Um die Aufnahmen von der Kamera zu löschen, verwenden Sie entweder den Eintrag Löschen aus dem Kontextmenü im Konqueror oder das Menü des Geräts. Bevor Sie die Digitalkamera vom Computer trennen, schließen Sie das Konqueror-Fenster, das ihren Inhalt.

Abb. 1: Mit der Eingabe von "camera:/" in die Adresszeile zeigen Sie die Bilder einer Digitalkamera im Konqueror an.

Abb. 2: In diesem Dialog aktivieren Sie die Anzeige der Vorschaubilder.

Abb. 3: Der Konqueror zeigt Thumbnails für die Fotos auf der Kamera an.

Foto-Spezialist

Das KDE-Programm Digikam beschränkt sich nicht darauf, die Fotos auf die Festplatte zu kopieren. Es verwaltet die Bilder in Alben, zeigt die von der Kamera gespeicherten Exif-Informationen wie das Aufnahmedatum an und bietet Bildbearbeitungsfunktionen. Über Plug-ins lässt es sich um weitere Menüpunkte erweitern. Damit erstellen Sie beispielsweise eine HTML-Galerie oder SVCD mit Ihren Lieblingsfotos.

Um dem Alleskönner Digikam gerecht zu werden, beschäftigt sich dieser Artikel lediglich mit dem Transfer der Bilder auf die Festplatte und erklärt wie Sie die Fotosammlung verwalten. Der Beitrag "Zeigt her Eure Bilder" geht auf die Zusatzfunktionen des Programms ein. Benutzer von Suse und Mandrake Linux können gleich loslegen. Dort gehört Digikam zur Standardinstallation -- nur für die im nächsten Artikel beschriebenen Zusatzfunktionen, gilt es, einige Pakete nachzuinstallieren. Fedora Core 2 liefert Digikam nicht mit, so dass Benutzer dieser Distribution es von unserer Heft-CD einspielen. Dort finden Sie ebenfalls eine Anleitung, die erklärt wie Sie dabei vorgehen.

Die Distributionen bringen unterschiedliche Versionen der Foto-Software mit, unterscheiden sich in der Funktionalittät jedoch kaum. Die Benutzer von Suse Linux 9.2 und Fedora Core 2 arbeiten standardmäßig mit einer aktuellen 0.7er-Version, bei Mandrake und Suse Linux 9.1 ist eine 0.6er-Version von Digikam mit an Bord. Falls sich die Menüpunkte der einzelnen Versionen unterscheiden, weisen wir Sie darauf hin.

Digitalkamera einrichten

Starten Sie den Foto-Spezialisten über ein Schnellstartfenster ([Alt-F2]), in das Sie digikam eingeben. Wenn Sie die Anwendung zum ersten Mal benutzen, erwartet sie die Angabe eines Ordners, in dem sie die Alben speichert, etwa /home/benutzername/bilder (Abbildung 4).

Abb. 4: Beim ersten Start legen Sie fest, in welchem Ordner Digikam Ihre Fotos speichert.

Digikam begrüßt Sie mit einem fast leeren zweigeteilten Programmfenster. In der linksbündigen Leiste zeigt das Programm später die Alben an, die rechte Fensterhälfte bietet Platz für die Vorschauansicht Ihrer Bilder. Das, was Digikam als Album bezeichnet, ist eigentlich ein normaler Ordner auf der Festplatte. Haben Sie beim ersten Programmstart den Ordner /home/benutzername/bilder als Albumpfad ausgewählt und legen in Digikam ein Album namens Urlaub an, finden Sie die dort gespeicherten Fotos im Verzeichnis /home/benutzername/bilder/Urlaub. Einen ersten Sammelordner erstellen Sie über Album / Neues Album oder mit einem Druck auf [Strg-N]. In der folgenden Dialogbox verpassen Sie dem noch leeren Album einen Namen. Bei neueren Digikam-Versionen öffnet sich gleich darauf ein Dialog, in dem Sie das Album einer Kategorie wie etwa Reisen oder Freunde zuordnen können (Abbildung 5). Sie erreichen diesen Dialog in älteren Versionen über Albumeigenschaften bearbeiten im Kontextmenü der Alben.

Abb. 5: Über den Dialog "Album bearbeiten" versehen Sie Ihre Fotoordner mit Kommentaren oder einer Kategorie.

Um die Bilder von Ihrer Digitalkamera auf den Rechner zu überspielen, gilt es Digikam mit dem von Ihnen verwendeten Modell bekannt zu machen:

  1. Schließen Sie die Kamera an die USB-Schnittstelle des Rechners an und schalten Sie sie ein.
  1. Wählen Sie in Digikam den Menüpunkt Kamera / Kamera hinzufügen. Benutzer der älteren Version nehmen die Konfiguration unter Einstellungen / Digikam einrichten / Kameras vor. Im folgenden Dialog müssen Sie nur die Geräte manuell hinzufügen, die sich am System als Festplatte anmelden. Bei den von gphoto2 unterstützten Modellen erledigt Digikam die Auswahl für Sie: Klicken Sie einfach auf Automatische Erkennung.
  1. Sofern gphoto2 einen Treiber für Ihre Kamera mitbringt, informiert Sie eine Dialogbox über das Ergebnis der Autoerkennung. Bestätigen Sie es mit einem Klick auf OK, damit Digikam Ihr Modell in die Kameraliste aufnimmt und schließen Sie den Konfigurationsdialog über den OK-Button.

Von der Kamera auf die Platte

Für jede eingerichtete Digitalkamera erzeugt Digikam einen Eintrag im Menü Kamera. Handelt es sich bei Ihrem Gerät um eines, das über das PTP-Protokoll kommuniziert, sprechen Sie es über Kamera / USB PTP Class Camera an. Bei Modellen, die einen eigenen Treiber benötigen, heißt der Menüpunkt Kamera / Modellname. Wählen Sie Ihre Kamera über diesen Menüpunkt aus. Digikam öffnet ein Auswahlfenster. Im oberen Bereich sehen Sie Vorschaubilder der Fotos (Abbildung 6). Sie übertragen alle auf die Festplatte, indem Sie auf das Drop-down-Menü Download (Herunterladen unter Fedora Core 2) klicken und dort Download All (Alle herunterladen) auswählen. Wollen Sie nur ausgewählte Fotos übertragen, markieren Sie die Wunschbilder mit gedrückt gehaltener [Strg]-Taste und starten den Transfer über Download / Download Selected (Ausgewählte herunterladen).

Unter Suse Linux 9.1 und Mandrake Linux finden Sie diese Drop-down-Menüs noch nicht. Unter diesen beiden Distributionen führt der Weg über den Menüeintrag Kamera / Download. Sind alle Fotos gut auf der Festplatte angekommen, schaffen Sie über das Drop-down-Menü Delete (Löschen) Platz für neue Bilder auf der Kamera. Auch dort besteht die Möflichkeit alle oder nur die ausgewählten Aufnahmen zu löschen. Benutzer älterer Digikam-Versionen finden die entsprechende Option im Menü unter dem Eintrag Löschen.

Abb. 6: Hier entscheiden Sie welche Bilder Sie von der Kamera auf die Festplatte übertragen wollen.

Feineinstellungen nehmen Sie unter Suse Linux 9.2 und Fedora Core 2 mit Hilfe der Schaltfläche Advanced (Fortgeschritten) vor: Ein Klick darauf erweitert den Optionsbereich. Normalerweise benennt Digikam die Fotos nicht um, Sie behalten also die von der Kamera vergebenen Dateinamen, die oft die Form img_xxx.jpg haben, wobei anstelle des xxx fortlaufende Nummern stehen. Um als Basisname etwas aussagekräftigeres als img zu verwenden, setzen Sie ein Häkchen vor Customize names (Benutzerdefinierte Namen) und tragen den neuen ersten Namensteil in die Eingabezeile hinter Prefix ein.

Ein Album für alle Fälle

Wenn Sie sehr viele Fotos von der Kamera übertragen haben, passen die Bilder wahrscheinlich nicht alle thematisch in das Zielalbum, das Sie im Kamerafenster ausgewählt haben. Doch glücklicherweise ist es kein Problem, die Bilder nachträglich anders einzusortieren. Markieren Sie dazu das Album mit den Fotos und klicken Sie die Verschiebekandidaten mit gedrückt gehaltener [Strg]-Taste an. Per Drag & Drop ziehen Sie sie nun auf das Zielalbum in der Leiste auf der linken Seite. Sobald Sie die Maustaste loslassen öffnet sich ein Menü, in dem Sie entscheiden, ob Sie die Bilder verschieben oder kopieren wollen (Abbildung 7).

Abb. 7: Per Drag & Drop verschieben und kopieren Sie Bilder zwischen den Alben hin und her.

Im Vorschaufenster öffnen Sie mit einem Rechtsklick auf eine Aufnahme deren Kontextmenü. Öffnen mit bietet ein Untermenü, in das Digikam automatisch die auf dem System installierten Grafikprogramme, wie etwa Gimp, integriert. Besonders gut gelungene Aufnahmen verschicken Sie über E-mail images (Bilder per Mail senden) gleich aus Digikam heraus an Freunde und Bekannte. Ein Klick auf diesen Eintrag öffnet zunächst einen Dialog. Unter Mail bestimmen Sie, in welcher Größe Sie das Bild versenden wollen. Aufnahmen von Digitalkameras sind je nach Auflösung bis zu 2 MByte groß und kaum jemand freut sich über Mails mit riesigen Anhängen. Wählen Sie daher Small (klein) oder Very Small (sehr klein) hinter New images size. Sobald Sie auf OK klicken, erzeugt Digikam eine kleinere Version der Originaldatei und startet das hinter Mail Agent eingestellte Programm. Dort haben Sie unter anderem die Wahl zwischen KMail, Thunderbird und Evolution. Das Mail-Programm startet mit dem Nachrichten-Fenster, wobei Digikam die zuvor ausgewählten Fotos schon an die E-Mail angehängt hat. Sie müssen nur noch Empfänger, Betreff und Text eingeben.

Mit einem Doppelklick auf eines der Vorschaubilder öffnen Sie die Aufnahme in einem eigenen Fenster (Abbildung 8). Standardmäßig passt Digikam die Größe des Fotos an das Fenster an. Über das dritten Lupensymbol in der Werkzeugleiste schalten Sie die Darstellung auf die volle Bildgröße um. Die 0.7er-Versionen von Digikam bieten sogar ein Menü, über das Sie einige Bildbearbeitungsfunktionen aufrufen. Besonders hilfreich ist das Tool zum Entfernen roter Augen. Ziehen Sie einfach mit gedrückt gehaltener Maustaste ein Rechteck um ein Auge auf und wählen Sie Fixieren / Rotaugen reduzieren (Korrigieren / Rote Augen reduzieren unter Fedora Core 2). Haben Sie wirklich nur die Augenpartie markiert, entscheiden Sie sich in der nächsten Dialogbox für Agressiv und klicken auf OK, um den häßlichen Blitzlichteffekt zu entfernen.

Um nicht jedes Bild einzeln im Betrachter öffnen zu müssen, benutzen Sie stattdessen die Pfeilschaltflächen in der Werkzeugleiste um durch die Aufnahmen eines Albums zu blättern.

Abb. 8: In der Bildansicht bestimmen Sie über die drei Lupensymbole in der Werkzeugleiste, ob Digikam die Größe des Bildes an das Fenster anpasst.

In diesem Artikel haben Sie die Grundfunktionen von Digikam kennengelernt. Wenn Sie mehr möchten, als die Bilder auf den Computer zu übertragen, sie dort zu betrachten und zu verwalten, ist Digikam auch dafür das passende Programm. Der folgende Artikel erklärt, wie Sie eine Slideshow starten, Bildergalerien für's Web erzeugen, Fotos auf CD archivieren und eine SVCD aus Ihren Aufnahmen erstellen, die Sie auf einem DVD-Player abspielen können. (amü)

Infos
[1] Grundlagenartikel über Digitalkameras: Carsten Schnober, "Die wunderbare Welt der Digitalkameras", EasyLinux 10/2004 , S.62 f.

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