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Erschienen in EasyLinux 06/2005   »   Ausgabe bestellen

Festplatten nachträglich an die eigenen Bedürfnisse anpassen

Scheibenwelt

von Max Werner


Bei der Installation von Linux vorausschauend zu planen, ist zwar sinnvoll, aber nicht immer möglich. Vor allem die starre Festplattenkonfiguration ist vielen Anwendern ein Dorn im Auge. Dieser Artikel zeigt, wie Sie Ihre Festplatte mit dem Werkzeug QtParted bzw. Yast nachträglich partitionieren.

Viele Linux-Anwender haben auf ihrem Rechner parallel ein Windows-System oder sogar weitere Linux-Distributionen installiert. Doch leider gerät jede noch so große Festplatte irgendwann an Ihre Grenzen. Wer nicht von Anfang an die Partitionen seiner Platte sinnvoll aufgeteilt hat (siehe Artikel in der Basics-Rubrik dieses Heftes), verschwendet unter Umständen wertvolle Gigabytes oder muss gar alle Systeme von Grund auf neu installieren.

Doch ganz so unflexibel sind die Partitionstabellen heutiger Festplatten nicht. Mit ausgefeilten Werkzeugen teilen Sie Ihre Laufwerke neu auf. Windows-Nutzer kennen sicherlich noch das Programm Partition Magic. Unter Linux gibt es dazu ein ebenso komfortables freies Pendant namens QtParted.

Dieses Programm ist im Grunde eine grafische Oberfläche für das Kommandozeilen-Werkzeug parted. Leider hat sich der Hauptentwickler von QtParted aus dem Projekt zurückgezogen, und die aktuelle Version 0.4.4 stammt aus dem Jahr 2003. Viele Linux-Distributoren haben QtParted auch bereits aus ihrem Portfolio genommen.

Auf der Heft-CD dieser EasyLinux-Ausgabe finden Sie jedoch alle nötigen Pakete, um QtParted so einfach wie möglich zu installieren und zu benutzen. Suse-Anwender bleiben leider außen vor, da es keine Suse-Pakete gibt. Doch mit Yast bietet Suse eine ebenso einfach zu benutzende Oberfläche für parted. Der Kasten "Für Suse-Anwender" beschreibt die Unterschiede im Detail.

Für Suse-Anwender

Da es keine QtParted-Pakete für Suse Linux gibt, müssen Sie bei dieser Distribution auf Yast zurückgreifen. Intern benutzt Yast nämlich auch lediglich parted, ist also ein ebenbürtiger Ersatz für QtParted. Starten Sie Yast über das KDE-Menü: System / YaST und geben Sie auf Anfrage Ihr Root-Passwort ein.

Klicken Sie dann in Yast auf System und dann auf Partitionieren. Nachdem Sie die Warnung sorgfältig gelesen und auf Ja geklickt haben, sehen Sie eine Auflistung Ihrer Festplattenpartitionen. Die Oberfläche ist nicht ganz so komfortabel wie in QtParted, aber Ihnen stehen trotzdem alle wichtigen Optionen zur Verfügung.

Um etwa eine Partition zu verkleinern, wählen Sie sie aus und klicken auf Größe ändern. Wie Abbildung 3 zeigt, haben Sie die Möglichkeit, das per Schieberegler oder direkt über die Angabe von MByte-Größen zu erledigen. Auch das Anlegen, Bearbeiten und Löschen von Partitionen ist schnell erledigt.

Als Zugabe stehen mehrere Experten-Optionen bereit. So ist es möglich, ein Krypto-Dateisystem zu erzeugen, dessen Daten verschlüsselt auf der Festplatte landen. Über den Knopf RAID... richten Sie ein eigenes RAID ein. Im Regelfall benötigen Sie diese Funktionen aber nicht.

Abb. 3: Unter Suse Linux ändern Sie alle Ihre Partitionen über Yast. Die Größe eines Plattenbereiches lässt sich hier -- äquivalent zu QtParted -- per Schieberegler ändern.

Fedora und Mandrake

Die Installation gestaltet sich sowohl unter Mandrake Linux als auch unter Fedora Core sehr einfach. Mandrake-Linux-Benutzer binden die Heft-CD dieser Ausgabe als Quellmedium in den Paketmanager ein, eine Anleitung dazu finden Sie ebenfalls auf der CD. Danach installieren Sie die Pakete libparted und qtparted über das KDE-Menü unter System / Einstellungen / Paketierung / Software installieren.

Leider findet sich QtParted nach der Installation nicht im KDE-Menü, daher müssen Sie es etwas umständlicher starten: Drücken Sie zuerst [Alt-F2]. Geben Sie dann in dem Dialogfenster kdesu qtparted ein und drücken [Eingabe]. Nach Eingabe ihres Root-Passwortes startet QtParted.

Unter Fedora benötigen Sie keine libparted, alle nötigen Dateien sind im Paket qtparted enthalten:

  1. Klicken Sie im Konqueror mit der rechten Maustaste auf das Paket und im daraufhin erscheinenden Kontextmenü auf Öffnen mit....
  1. Im Eingabefeld des nächsten Fensters geben Sie dann system-install-packages ein, gefolgt von [Eingabe]. Im folgenden Dialog tippen Sie dann das Root-Passwort ein, ebenfalls gefolgt von der Eingabetaste.
  1. QtParted ist ab sofort über das KDE-Menü unter Systemtools / QtParted erreichbar. Da Sie elementare Veränderungen am System vornehmen, verlangt das Programm ihr Root-Passwort.

Ist alles fehlerfrei gelaufen, begrüßt Sie QtParted mit dem Hauptfenster, welches in Abbildung 1 zu sehen ist. In der linken Fensterhälfte listet das Programm alle Festplatten auf, die in Ihrem Computer installiert sind. Klicken Sie auf eines der Geräte, erscheint auf der rechten Seite eine Liste mit allen darauf befindlichen Partitionen.

Abb. 1: Nach dem Start zeigt QtParted alle Festplatten mit ihren Partitionen übersichtlich an. Mit wenigen Mausklicks konfigurieren Sie die Aufteilung nach Ihren Wünschen.

Platz machen

Oberhalb dieser Liste zeigt QtParted eine übersichtliche grafische Darstellung der Plattenaufteilung an. Jede Partition ist mit einem bunten Rahmen versehen, der gelbe Bereich innerhalb des Rahmens zeigt an, wie viel Platz auf der Partition schon genutzt ist.

Klicken Sie mit der linken Maustaste auf einen dieser Rahmen, hebt QtParted in der Liste automatisch die Partition hervor, die Sie ausgewählt haben. In der Spalte Typ sehen Sie, mit welchem Dateisystem die Partition formatiert ist. Bei Linux-Systemen ist das typischerweise Ext3 oder ReiserFS. Windows-Laufwerke erkennt man meistens am Typ FAT oder NTFS.

NTFS-Werkzeuge

Auf der Heft-CD finden Sie neben QtParted auch die ntfsprogs. Sie dienen dazu, NTFS-Partitionen (etwa von Windows XP oder 2000) zu verändern. Unter Mandrake Linux müssen Sie libntfs5 und ntfsprogs installieren. Für Fedora reicht das Paket ntfsprogs aus. Die Installation vollzieht sich äquivalent zu der Installation von QtParted.

Sowohl Suse als auch Mandrake Linux sind übrigens in der Lage, NTFS-Partitionen bei der Linux-Installation zu verkleinern. Mandrakes Oberfläche ist allerdings der von Suse überlegen und arbeitete in redaktionsinternen Tests zuverlässiger. Leider funktioniert das Ändern von NTFS-Platten bei Mandrake Linux nicht mehr ohne Weiteres im laufenden Betrieb.

Häufig tritt der Fall ein, dass Anwender ihre Windows-Partition verkleinern wollen, um mehr Platz für Linux zu schaffen. )Was Sie noch brauchen, um NTFS-Partitionen zu verändern, lesen Sie im Kasten "NTFS-Werkzeuge".) Das erfordert zwei Aktionen: Erstens das Verkleinern der Windows-Platte und zweitens das Vergrößern der entsprechenden Linux-Partition. In QtParted erledigen Sie diese Aktionen mit wenigen Schritten:

  1. Wählen Sie die Windows-Partition per Mausklick aus der Liste aus.
  1. Öffnen Sie den Menüpunkt Aktionen / Größe ändern oder klicken Sie auf das Symbol mit den zwei waagerechten Pfeilen in der Symbolleiste.
  1. Ein Fenster wie in Abbildung 2 öffnet sich. Dort haben Sie wieder mehrere Möglichkeiten.
  1. Entweder passen Sie die Größe der Partition über die Eingabe eines Wertes in das Feld Neue Größe an oder Sie klicken auf den rechten Pfeil im grünen Rahmen und verändern die Größe des Rahmens.
  1. Klicken Sie auf OK.

Damit sind die Änderungen allerdings noch nicht auf der Festplatte gelandet, sondern QtParted hat sie sich vorgemerkt. Erst ein Klick auf das Diskettensymbol in der oberen Leiste speichert die neue Partitionstabelle. Sie sollten vorher unbedingt sichergehen, dass Sie nicht aus Versehen einen Fehler gemacht haben, denn jeder kleine Fehlklick kann zu Datenverlust führen! Wollen Sie Ihre Änderungen doch lieber rückgängig machen, klicken Sie auf den grünen Pfeil neben dem Diskettensymbol.

Abb. 2: QtParted vergrößert und verkleinert Partitionen. Dank seiner intuitiven Bedienelemente benötigen Sie dazu nur wenige Schritte.

Da Sie nun die Partitionstabelle geändert haben, müssen Sie den Rechner neu starten. Erst dann können Sie in QtParted weitere Änderungen vornehmen. Nach dem Neustart und einem erneuten Start von QtParted wählen Sie eine Linux-Partition aus und vergrößern sie entsprechend. Klicken Sie wieder auf das Diskettensymbol und starten den Rechner neu.

Partitionen verändern ist leider nur möglich, wenn das laufende System sie im Moment nicht braucht. Der Kasten "Heft-CD benutzen" zeigt, wie Sie trotzdem ihre Linux-Partition verändern.

Heft-CD benutzen

Die Heft-CD, die Sie mit dieser Ausgabe erhalten haben, ist bootfähig. Auf Ihr befindet sich auch QtParted, sodass Sie auch die Partition Ihrer normalen Linux-Installation verändern, denn diese darf nicht im Gebrauch sein, wenn Sie sie vergrößern oder verkleinern.

  1. Legen Sie die CD in Ihren Rechner und schalten ihn ein.
  1. Drücken Sie [Eingabe], um das System zu starten.
  1. Bei der Frage nach Ihrer "Keymap selection" geben Sie 10 ein gefolgt von der Eingabetaste.
  1. Ist das System hochgefahren, geben Sie run_qtparted ein und drücken [Eingabe]. Daraufhin startet QtParted. Sind Sie mit Ihren Änderungen fertig, beenden Sie QtParted und starten den Rechner mit Ihrem gewohnten System.

Mal was neues

Einfacher ist es, eine neue Partition anzulegen, falls Sie etwa Teile ihres Verzeichnisbaums auslagern oder mal eine andere Distribution ausprobieren wollen. Dazu klicken Sie in QtParted auf einen der mit free markierten Festplattenbereiche und wählen Aktionen / Erstellen.

In dem folgenden Fenster wählen Sie zwischen primärer und erweiterter Partition und mit welchem Dateisystem sie ausgestattet werden soll. Außerdem bestimmen Sie die Größe, entweder über direkte MByte-/GByte-Angaben oder prozentual. In der Regel sollten Sie die Option Position auf Anfang des freien Platzes bestehen lassen.

Ähnlich verfahren Sie beim Löschen einer unerwünschten Partition. Wählen Sie sie aus und klicken entweder auf Aktionen / Löschen oder auf das Mülltonnen-Symbol in der oberen Leiste. (mwe)

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