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Erschienen in EasyLinux 07/2005   »   Ausgabe bestellen

MPlayer spielt jeden Film ab

Filmvergnügen

von Marcel Hilzinger


Während Windows für beinahe jedes Video-Format einen anderen Player startet, bietet Linux zwei Media-Player, die eigentlich jedes bekannte Format abspielen: Xine und MPlayer. In diesem Artikel stellen wir Ihnen MPlayer vor.

Die meisten Distributionen liefern aus rechtlichen Gründen kaum brauchbare Software, um verschiedene Videodateien abzuspielen. Viele Linux-Einsteiger denken deshalb, Linux tauge im Multimediabereich nichts. Nehmen Sie sich hingegen etwas Zeit, um MPlayer oder Xine gründlich zu installieren, steht dem Filmvergnügen unter Linux wirklich nichts mehr im Weg.

Schnellstart

Für den schnellen Einstieg finden Sie auf der Heft-CD RPM-Pakete für sämtliche EasyLinux-Distributionen inklusive Installationsanleitung. Mit diesen Paketen spielt MPlayer bereits zahlreiche Videos problemlos ab. Treffen Sie auf Video-Dateien, die der Alleskönner nicht kennt, benötigen Sie zusätzliche Codecs. Sie finden diese entweder auf der MPlayer-Homepage [1] als Tar-Archiv oder unter [2] als RPM-Paket. Details zur Installation erfahren Sie auch hier auf der Heft-CD. Mit den zusätzlichen Codecs ist MPlayer in der Lage, sämtliche bekannte Videoformate abzuspielen.

Um ein Video anzuschauen, starten Sie MPlayer über [Alt-F2] und die Eingabe von gmplayer. Im Gegensatz zu konventionellen Video-Playern besteht die Anwendung nicht aus einem, sondern aus zwei Fenstern. Im Videofenster (Abbildung 1) zeigt MPlayer den Film an. Im kleineren Steuerungsfenster befinden sich die Bedienelemente (Abbildung 2).

Abb. 1: Im Videofenster spielt MPlayer den Film ab.

Abb. 2: Das Bedienpult von MPlayer ändert sein Aussehen je nach Skin.

Das Aussehen der zwei Fenster ändert sich je nach gewählter Oberfläche (Skin). Auf den Abbildungen 1 und 2 ist der Skin Blue zu sehen. Um einen anderen Skin einzustellen klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Videofenster und wählen den Eintrag Skin Browser aus. Beim nächsten Start öffnet MPlayer jedoch wieder den Skin default. Um in der Grundeinstellung eine andere Oberfläche zu verwenden sind folgende Schritte nötig:

  1. In Ihrem Home-Verzeichnis befindet sich nach dem ersten Start von MPlayer das Verzeichnis .mplayer (der Punkt ist wichtig). Wechseln Sie in dieses Verzeichnis und legen Sie darin ein Unterverzeichnis Skin an.
  1. Die Skins von der Heft-CD befinden sich nach der Installation im Verzeichnis /usr/share/mplayer/Skin. Ziehen Sie in Konqueror das Verzeichnis, das Ihre Lieblingsoberfläche enthält, in den neu angelegten Ordner .mplayer/Skin.
  1. Benennen Sie das Verzeichnis nach default um.

Beim nächsten Start zeigt nun MPlayer den neuen Skin an.

Bedienung

MPlayer lässt sich auf drei Arten bedienen:

Welchen Weg Sie benutzen, hängt weitgehend von Ihren persönlichen Präferenzen ab. Der schnellste Weg, eine Datei abzuspielen führt über die Kommandozeile. Der Befehl gmplayer Beispiel.avi startet MPlayer mit grafischer Oberfläche und spielt die Datei Beispiel.avi ab. Die MPlayer-Programmfenster bleiben nach dem Abspielen geöffnet.

Möchten Sie lediglich den Film sehen, starten Sie den Beispielfilm mit mplayer Beispiel.avi. MPlayer beendet sich dann nach dem Film automatisch. Um zum Beispiel mehrere Kurzfilme nacheinander abzuspielen, kopieren Sie alle Filme in ein Verzeichnis und geben dann folgenden Befehl ein:

mplayer Verzeichnis/*

Läuft die grafische Oberfläche von MPlayer bereits drücken Sie entweder die Taste [L], um eine Datei zu laden, oder Sie wählen Open... / Play File aus dem Kontextmenü. Der Datei-Browser von MPlayer (Abbildung 3) arbeitet im Ein-Klick-Modus: Wählen Sie einen Ordner an, wechselt der Player automatisch in dieses Verzeichnis, klicken Sie eine Videodatei an, spielt MPlayer diese automatisch ab. In der Grundeinstellung zeigt der Browser nur Videodateien an. Um auch Musikstücke öffnen zu können, müssen Sie auf den Eintrag Video files klicken, und All files oder den entsprechenden Dateitypen auswählen.

Abb. 3: Der Dateibrowser von MPlayer reagiert auf jeden Mausklick.

MPlayer beherrscht auch Playlisten. Darin können Sie sowohl Filme als auch Songs aufnehmen. Um Video oder Musikstücke einer Playliste zuzuordnen klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Videofenster und wählen den Eintrag Playlist aus dem Hauptmenü. Alternativ drücken Sie die Taste [P]. Weitere Tastenbefehle finden Sie in der Tabelle Tastenbefehle.

Das Playlistenfenster ist dreigeteilt. In der linken Fensterhälfte klicken Sie sich durch die einzelnen Verzeichnisse. Die darin enthaltenen Dateien zeigt der Browser in der oberen rechten Fensterhälfte an. Um Dateien zur Playliste hinzuzufügen, wählen Sie sie mit gedrückter [Strg]-Taste mehrere Dateien aus und klicken dann auf den Add-Knopf. MPlayer speichert die aktuelle Playliste jeweils beim Verlassen des Programms. Einzelne Playlisten separat zu speichern oder Playlisten von anderen Playern zu laden, vermag der Player nicht.

Tastenbefehle
Taste(n)Erklärung
ASchaltet Antialiasing an/aus
BSchaltet den bilinearen Filter ein/aus
CÖffnet den Skin-Browser
DSchaltet das Framedropping ein/aus
FWechselt in den Vollbildmodus
J,VSchaltet Untertitel ein/aus
LÖffnet den Dateibrowser
MSchaltet den Ton aus/an
OSchaltet das On Screen Menü ein
PÖffnet den Playlistendialog
Q, EscBeendet das Programm
X,YVerschiebt die Untertitel zeitlich
+,-Verschiebt Ton/Bild
1,2Helligkeitsregler (Anzeige über OSD)
3,4Kontrast (Anzeige über OSD)
5,6Saturation (Anzeige über OSD)
7,8Farbmodus (Anzeige über OSD)
9,0Lautstärke (Anzeige über OSD)
Pfeil nach rechtsSpringt 10 Sekunden nach vorne
Pfeil nach linksSpringt 10 Sekunden zurück
Pfeil nach obenSpringt 1 Minute vor
Pfeil nach untenSpringt 1 Minute zurück
LeertastePause/Wiedergabe

Einstellungen

Der Movie Player bietet zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten. Zum öffnen des Einstellungsmenüs klicken Sie auf das Schraubenschlüssel-Symbol oder wählen aus dem Kontextmenü den Eintrag Preferences. Auf dem Reiter Audio legen Sie fest, welches Sound-System MPlayer benutzen soll. Arbeiten Sie mit KDE, sollten Sie hier arts einstellen. Stellen Sie Probleme bei der Soundwiedergabe fest, beenden Sie zunächst den Arts-Daemon über den Befehl killall -9 artsd, dann stellen Sie in diesem Dialog ALSA ein.

Auf dem Reiter Video legen Sie den Grafiktreiber fest. Je nach Grafikkarte und Treiber (binäre Treiber von Nvidia) arbeitet MPlayer nicht mit jeder Einstellung. Im Zweifelsfall hilft meistens die Einstellung x11. Hardware-beschleunigte Wiedergabe bieten die Treiber gl und gl2. Besitzer einer Matrox-Karte wählen am besten den Treiber dfbmga.

Unter Font stellen Sie die Schrift für Untertitel ein. Dazu können Sie eine beliebige TrueType-Schrift auswählen. Alternativ kopieren Sie die Schriftdatei unter dem Namen subfont.ttf ins Verzeichnis .mplayer in Ihrem Home-Verzeichnis. TrueType-Schriften finden Sie unter Linux im Verzeichnis /usr/X11R6/lib/X11/fonts/truetype.

Wichtige Einstellungen befinden sich auf dem Reiter Misc. Hier legen Sie zum Beispiel fest, ob MPlayer im Vollbildmodus starten soll und unter welchen Geräten das CD/DVD-Laufwerk zu finden ist. Stockt die Wiedergabe bei Filmen von CD/DVD, lohnt es sich den Cache einzuschalten und auf 4096 oder 8192 zu erhöhen.

Bei den meisten Einstellungen müssen Sie den Player oder zumindest den Film neu starten, damit die Änderungen wirksam werden. Haben Sie eine Einstellung getroffen, mit der MPlayer überhaupt nicht mehr startet, löschen Sie in Ihrem Home-Verzeichnis die Datei .mplayer/gui.conf.

Auch DVDs

MPlayer spielt auch DVDs und Video-CDs ab. Um eine DVD zu öffnen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Videofenster und wählen DVD / Open Disc. Für Video-CDs wählen Sie VCD / Open Disc. Möchten Sie auch kommerzielle DVDs anschauen, benötigen Sie das Paket libdvdcss, das sich aus rechtlichen Gründen nicht auf der Heft-CD befindet. Für DVD-Filme eignet sich jedoch Xine besser, da es auch das Navigieren in den Menüs erlaubt. Einen Artikel zum zweiten großen Movie-Player unter Linux lesen Sie in einer der folgenden Ausgaben von EasyLinux. (mhi)

Infos
[1] MPlayer-Homepage: http://www.mplayerhq.hu
[2] Win32-Codecs: http://packman.links2linux.de/?action=046

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