claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 07/2005   »   Ausgabe bestellen

Nero-Komfort in Linux: CDs und DVDs mit k3b erstellen

Durchgebrannt

von Martin Loschwitz


CDs und DVDs erstellt man unter Linux traditionell mit Kommandozeilen-Tools -- wer es lieber grafisch mag, findet in K3b ein komfortables Brennprogramm.

Ahead sorgte neulich mit der Ankündigung für Schlagzeilen, das hauseigene Brennprogramm Nero auf Linux zu portieren. In der Tat finden Interessierte auf der Ahead-Seite "Nero für Linux".

Wer mit Windows bereits CDs oder DVDs gebrannt hat, kennt das Prinzip: Einfache Daten- und Audio-CDs erstellt man in Windeseile, indem man einfach die zu brennenden Dateien auf das Icon des Brenners schiebt und einen Rohling einlegt. Für etwas anspruchsvollere Aufgaben hält häufig das Brennprogramm Nero her, das heute fast jedem Brenner beiliegt.

Die Kommandozeilenprogramme unter Linux brennen CDs zwar zuverlässig, sind für Anfänger aber schwer zu bedienen. Gerade vor diesem Hintergrund scheint Neros Linux-Version ein Segen. Aber: Nero ähnelt nur teilweise Windows-Variante und die veraltete Grafikbibliothek Gtk 1.

K3b ist der Ausweg

Über das Fehlen einer vernünftigen Brennlösung für Linux hat sich offenbar auch Sebastian Trüg geärgert, als er anfing, K3b zu entwickeln. Der Name verrät: K3b war von Anfang an als Programm für KDE gedacht. Deshalb passt es sich nunmehr auch nahtlos in die moderne KDE-Oberfläche ein.

Der Funktionsumfang des Tools ist beachtlich: Neben den Standarddisziplinen kann es sogar DVDs in Video-CDs und komprimierte Filme konvertieren. Wir beschäftigten uns in diesem Artikel zunächst mit den Grundfunktionen von K3b.

Aller Anfang

Zunächst gilt es sicherzustellen, dass K3b installiert ist. Die Hersteller der von EasyLinux unterstützten Distributionen haben die Vorteile von K3b frühzeitig erkannt und legen das Programm bei. Suse Linux 9.2 und 9.3 installieren es sogar in der Standardkonfiguration, und auch Mandrake Linux 10.2 richtet K3b ein, wenn das Setup-Programm einen CD- oder DVD-Brenner erkannt hat. Nur wenn Sie Fedora Core 3 einsetzen, müssen Sie selbst Hand anlegen und das Paket k3b von der Fedora-DVD nachinstallieren.

Starten Sie K3b über das KDE-Menü oder mit dem KDE-Starter per [Alt-F2] und Eingabe von k3b. Was nun passiert, hängt von Ihrem System ab: Entweder sehen Sie nun das K3b-Fenster, oder K3b beschwert sich mit einer Nachricht darüber, dass es nicht korrekt eingerichtet ist. K3b funktioniert grundsätzlich nur als Mittler zwischen dem Benutzer und den Brennprogrammen auf der Konsole -- wenn es ein Programm nicht findet, das es als wichtig erachtet, verweigert es den Dienst. Wenn Sie das K3b-Hauptfenster wie in Abbildung 1 sehen, springen Sie zum Abschnitt Erste Schritte, andernfalls müssen Sie erst das Programm konfigurieren.

Konfiguration

Anders als bei Windows arbeitet bei Linux nicht jener Benutzer automatisch mit den Zugriffsrechten des Systemadministrators. Das führt dazu, dass das System Ihnen zunächst keinen Zugriff auf die CD- und DVD-Laufwerke im Rechner gewährt. Um als normaler Nutzer CDs brennen zu können und dafür nicht stets root werden zu müssen, ist das aber notwendig. K3b bietet deshalb im Konfigurationsdialog an, die Berechtigungen für die Laufwerke entsprechend abzuändern. Das ist auch der Grund, warum es Sie beim Start nach dem Passwort des Administrators fragt: Dann kann es die Berechtigungen ändern.

Im oberen Teil des Fensters zeigt K3b die gefundenen Laufwerke an. Achten Sie darauf, dass vor dem Namen jedes Laufwerks, dessen Zugriffsberechtigungen verändert werden sollen, ein Haken gesetzt ist.

Im zweiten Teil des Fensters zeigt K3b an, welche Programme es gefunden hat. Es schadet nicht, an dieser Stelle den Dialog versuchsweise mit Klicks auf Anwenden und Ok zu schließen; im Test waren stets die falschen Zugriffsrechte Grund dafür, dass K3b den Konfigurationsdialog anzeigte. Wenn Sie K3b dann nochmals starten, erscheint das Hauptfenster.

Erste Schritte

Verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über das Programm und seine einzelnen Komponenten. Oben sehen Sie die typische Befehlsleiste, die Ihnen Zugriff auf alle Programmfunktionen gewährt. Darunter finden Sie die K3b-Werkzeugleiste (siehe Kasten Werkzeugleiste) zusammen mit der Schnellauswahl für Verzeichnisse. Das dritte Element ist ein einfacher Datei-Auswahldialog. Unter diesem finden Sie den "Schreibtisch" von K3b -- den Arbeitsbereich, in dem später alle Projekte erstellt und verwaltet werden. Zur Erklärung: Eine CD oder DVD mit allen Eigenschaften und Parametern nennt K3b schlicht "Projekt".

Abb. 1: Wenn dieses K3b-Hauptfenster erscheint, ist das Programm richtig konfiguriert.
Werkzeugleiste

Die K3b-Werkzeugleiste erlaubt schnellen Zugriff auf die wichtigsten Funktionen. Hier finden Sie eine Liste der Symbole mit ihren Funktionen:

Zeigt beim Anklicken eine Liste der Projekttypen und startet danach ein neues Projekt des Typs, der ausgewählt wurde.

Öffnet ein bereits bestehendes Projekt, das zuvor in K3b über die Speicherfunktion in eine .k3b-Datei geschrieben wurde.

Speichert das Projekt, an dem Sie gerade arbeiten, in einer .k3b-Datei auf der Platte.

Ruft den Dialog zum Brennen des Projekts auf, an dem Sie im Moment arbeiten. Es erscheint ein Fenster, in dem alle Details zum Brennvorgang angezeigt werden.

Erlaubt Ihnen, alle Einstellungen des aktuellen Projekts zu verändern. Ermöglicht unter anderem auch die Festlegung, welche CD-Formaterweiterungen benutzt werden sollen.

Öffnet den Dialog zum Kopieren einer CD/DVD. Es besteht die Möglichkeit, zwischen einer manuellen und einer 1:1-Kopie zu wählen.

Brennen

Bei der Erforschung eines Brennprogramms ist wohl das Brennen einer simplen Daten-CD die erste interessante Aufgabe. Das ist in K3b nicht schwer: Klicken Sie auf dem "Schreibtisch" auf das Icon für Neues Daten-CD-Projekt. Wenn Sie einen DVD-Brenner besitzen und stattdessen eine Daten-DVD brennen möchten, verwenden Sie das Icon für Neues Daten-DVD-Projekt. Der Arbeitsbereich teilt sich dann in zwei Teile auf. Im linken Rahmen sehen Sie die Liste aller Ordner, die auf die CD/DVD sollen, im rechten Fenster sehen Sie stets den Inhalt des Ordners, der links ausgewählt ist -- oder sämtliche Dateien auf der CD, wenn Sie keine Unterordner angelegt haben.

Nun kommt der Datei-Auswahldialog unter der K3b-Werkzeugleiste ins Spiel. Dort sehen Sie links den Inhalt Ihres Home-Verzeichnisses und rechts die Dateien im ausgewählten Ordner. Das Hinzufügen von Dateien zu Ihrer CD geht per Drag & Drop denkbar einfach: Klicken Sie im Datei-Auswahldialog einfach die gewünschte Datei an und ziehen Sie sie in den rechten Teil des Arbeitsbereiches.

Wiederholen Sie diesen Schritt für jede Datei, die später auf Ihrer CD/DVD landen soll. Ist der Vorgang abgeschlossen, reicht ein Klick auf das vierte Symbol in der Werkzeugleiste, damit K3b den Brenndialog anzeigt.

Der scheint zunächst überladen und nicht sehr intuitiv, ist aber harmlos: Auf der ersten Seite müssen Sie lediglich sicher stellen, dass bei Brenner das richtige Gerät gewählt ist. Es ist nicht nötig, vor dem Brennen den Brennvorgang zu simulieren; stellen Sie also sicher, dass die Checkbox vor Simulieren nicht mit einem Häkchen versehen ist.

Von Fenstern und anderen Untieren

Der Karteireiter Einstellungen ist von Bedeutung, wenn Sie im Moment nur einen Teil der Daten auf die CD brennen und zu einem späteren Zeitpunkt einen zweiten Teil ergänzen wollen. Dann brennen Sie eine Multisession-CD und wählen dazu bei Mehrfachsitzung die passende Option aus -- je nach Situation entweder Mehrfachsitzung starten oder Mehrfachsitzung fortsetzen.

Soll Ihre CD einen Namen haben -- dieser taucht zum Beispiel bei Windows im Arbeitsplatz auf, sobald Sie die CD eingelegt haben -- hilft der Dialog Datenträgerbezeichnung: Die einzelnen Felder können Sie mit beliebigen Bezeichnungen versehen.

Der Dialog Dateisystem ist wichtig, wenn Sie die CD oder DVD später auf einem Windows-Rechner verwenden möchten. Das normale ISO-Dateisystem kann nicht mit langen Dateinamen umgehen, weswegen man eine Erweiterung von ISO 9660 verwendet. Dazu gibt es zwei verschiedene Ansätze -- die Rock-Ride-Erweiterung und die Joliet-Erweiterung. Während die Rock-Ridge-Erweiterung in der Unix-Welt (also auch unter Linux) verwendet wird, versteht Windows nur Joliet. Sollen die Dateinamen später auch unter Windows in voller Länge erscheinen, müssen Sie an dieser Stelle neben der Rock-Ridge- auch die Joliet-Erweiterung per Häkchen aktivieren.

Passen alle Einstellungen, legen Sie einen Rohling ein und klicken auf Brennen. Es erscheint ein Brennstatus-Fenster. Nach getaner Arbeit ertönt ein Trompetengeräusch aus den Lautsprechern, und Sie können den Datenträger aus dem Laufwerk nehmen.

Abb. 2: Daten-CDs und DVDs brennt K3b, nachdem Sie in diesem Dialog auf die Schaltfläche "Brennen" klicken.

Oder doch lieber Musik?

Möchten Sie keine Daten-, sondern eine Audio-CD brennen, um sie später auch im handelsüblichen CD-Player abzuspielen, wählen Sie im Startdialog von K3b Neues Audio-CD-Projekt erstellen. Weiter geht es genau wie bei der Daten-CD: Über den Datei-Auswahldialog schieben Sie per Drag & Drop Dateien in das neue Projekt. K3b kommt von Haus aus mit MP3- und Ogg-Vorbis-Dateien klar, die es in das WAVE-Format konvertiert, um sie auf CD zu brennen.

Achten Sie hier auf eine Besonderheit, wenn Sie Fedora Core 3 einsetzen: Fedora unterstützt das MP3-Format nicht, so dass Sie hier nur mit Ogg-Vorbis-Dateien arbeiten können.

Wenn Sie alle Lieder in passender Reihenfolge eingefügt haben, ruft ein Klick auf das vierte Icon der Werkzeugleiste den Brenndialog auf. Vielleicht möchten Sie bei CD-Text Informationen über Titel und Interpret der CD einfügen -- manche CD-Player können diese Daten auslesen. Anschließend klicken Sie wie gewohnt auf Brennen, um den Brennvorgang zu starten.

CDs kopieren

Eine wichtige Funktion ist auch das Kopieren von CDs. Dazu klicken Sie auf das fünfte Symbol der Werkzeugleiste. Zwei Einstellungen sind von Interesse: Zunächst sollten Sie sicher stellen, dass dort, wo K3b das Abbild der zu kopierenden CD temporär ablegen will, noch genügend Speicherplatz vorhanden ist. Dabei hilft Ihnen zum Beispiel kdf, das den freien Plattenplatz anzeigt.

Achten Sie zudem auf die Einstellung bei "Kopier-Modus". Einige Windows-Programme sind mit einem Kopierschutz ausgestattet, der bei der Installation oder beim Ausführen überprüft, ob die Original-CD im Laufwerk liegt. Ob es sich um eine Original-CD oder um eine Kopie handelt, kann man im Normalfall mit der Zeitangabe auf der CD überprüfen, die beim Brennen automatisch auf die CD geschrieben wird. Der Modus für "Klon-Kopie" bei K3b hilft, genau dieses Problem zu umgehen, in dem er die Erstellzeit vom Original übernimmt.

Abb. 3: CD-Kopieren leicht gemacht: Alle Einstellungen finden Sie in diesem Fenster. Ein Klick auf "Start" setzt K3b in Gang.

On the fly

Wenn Ihr PC zwei CD-Laufwerke hat, die idealerweise an verschiedenen IDE-Anschlüssen hängen, empfiehlt sich das Kopieren "on the fly": Dabei wird keine temporäre Kopie der CD auf der Platte abgelegt, sondern die Daten werden sofort von der einen auf die andere CD kopiert. Setzen Sie dazu ein Häkchen in die Checkbox vor On-the-fly beim Feld Optionen und stellen Sie sicher, dass Sie unter CD-Lesegerät und Brenner jeweils die richtigen Geräte ausgewählt haben. Ist das der Fall, startet ein Klick auf Brennen bei beiden Arten des Kopieren -- also beim Kopieren mit und ohne CD-Abbild.

Wiederbeschreibbar

K3b kann auch mit wiederbeschreibbaren Datenträgern (CD-RW, DVD+RW, DVD-RW) umgehen: Solche Datenträger löschen Sie vor dem erneuten Beschreiben. Das geht auch mit K3b: Um eine CD-RW wieder in den Ausgangszustand zu versetzen, rufen Sie den Punkt CD / CD-RW formatieren in der K3b-Menüleiste auf. Dann wählen Sie einen Löschmodus: Schnell löscht nur die Metadaten, Komplett löscht sie vollständig, der Vorgang dauert allerdings wesentlich länger. Mit Start setzen Sie den Prozess in Gang.

Um eine DVD zu formatieren, wählen Sie den Menüpunkt DVD / DVD+RW/-RW formatieren und klicken auch hier auf Start.

Abbilder brennen

Schließlich soll noch die Funktion erwähnt werden, die Abbilder von CDs auf CD-Rohlinge bannt. Abbilddateien (oft englisch "CD-Images" oder "ISO-Images" genannt) begegnet man viel häufiger, als man es erwartet. Wenn Sie zum Beispiel aus dem Netz eine aktuelle Knoppix-Version heruntergeladen, dann ist diese Datei ein CD-Abbild. Neben Images im ISO-Format kommt K3b auch mit CDR-Win-Images zurecht, die aus zwei Dateien bestehen. (Eine endet auf .cue, die eigentliche Abbilddatei endet auf .bin.)

Die Funktion zum Brennen von Images versteckt sich im K3b-Menü unter Extras / CD / ISO- Abbilddatei auf CD brennen für CDs und Extras / DVD / ISO-Abbildatei auf DVD brennen für DVDs. Im Feld Abbild zum Brennen wählen Sie die Abbilddatei aus: für ISO-Images einfach die entsprechende Datei, zum Beispiel KNOPPIX_V3.8.1-2005-04-08-DE.iso, und für Images von CDR-Win die Datei, die auf .cue endet. Dann starten Sie den Vorgang per Klick auf Start.

Abb. 4: Auch vor CD-Abbildern anderer Hersteller hat K3b keine Angst; ISO-Dateien und CDR-Win-Images brennen Sie problemlos.

Fazit

K3b muss sich hinter Nero und Nero für Linux nicht verstecken. Die Integration in die KDE-Oberfläche erleichtert es besonders Linux-Einsteigern, unter dem neuen Betriebssystem schnell CDs und DVDs zu brennen. (hge)

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2014 Medialinx AG | Last modified: 2007-04-05 11:10

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Smart Developer] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Smart Developer] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]