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Erschienen in EasyLinux 02/2006

Virtuelle Jukebox

Spiel's nochmal, JuK!

von Kristian Kißling


Um die schlimmsten musikalischen Entgleisungen auf der Firmen-Party in den Griff zu bekommen, nutzen Sie die virtuelle Jukebox JuK.

Jedes Jahr dasselbe: Auf der Feier Ihrer Firma treffen Menschen mit den seltsamsten Vorstellungen von guter Musik aufeinander -- und ausgerechnet Sie sind der DJ. Keine Panik: Mit der Musik-Software JuK [1] verhindern Sie den musikalischen Super-Gau. Wiedergabelisten ermöglichen es, die "Musikgeschmäcker" der Kollegen einzubeziehen und schnell zwischen Marillion, Metallica und Madonna zu wechseln.

Unter Suse Linux 9.3 ist JuK bereits installiert, Nutzer von Suse Linux 10.0 spielen das Programm über YaST auf den Rechner. Die Pakete kdemultimedia-juk-3.4.2 und libmusicbrainz4 für Mandriva Linux 2006 finden Sie auf der Heft-CD inklusive einer Installationsanleitung. Glücklicherweise spielt Mandriva Linux MP3-Dateien auch ohne Ihr Zutun ab, Suse-Linux-Benutzer müssen hingegen die nötigen Codecs nachinstallieren (siehe Kasten MP3-Support).

MP3-Support

Aus lizenzrechtlichen Gründen liefert Novell die Suse-Linux-Versionen 9.3 und 10.0 ohne MP3-Support aus: Lediglich der RealPlayer spielt das Format ab. Sie müssen die Codecs nachträglich installieren. Die nötigen Pakete für Suse 9.3 finden Sie auf der Heft-CD. Tippen Sie als Suchbegriff für die Software-Pakete mad ein und wählen Sie folgende Pakete für die Installation aus: mad, k3b-mad, kdemultimedia3-mad, bmp-plugins-mad, gstreamer-plugins-extra-mad sowie xmms-lib-mad. Ertönt unter Suse Linux 9.3 dennoch kein Laut, rufen Sie unter JuK den Menüpunkt Einstellungen/ Ausgabe nach/ aKode auf. Nutzer des EasyLinux Starter Kits für Suse Linux 10.0 rufen YaST auf, wählen aus dem Reiter Software/ Installationsquelle wechseln und fügen via YaST ein Lokales Verzeichnis hinzu. Als Verzeichnispfad geben Sie /media/SU100OSS_001/extra_1/ an, als Suchbegriff wählen Sie ebenfalls mad und installieren die oben erwähnten Pakete.

Sie starten JuK, indem Sie [Alt-F2] drücken und juk eingeben. Über das Fenster mit der Bezeichnung Ordnerliste teilen Sie der Jukebox mit, wo sich auf der Festplatte die Ordner mit der Musik befinden. Nach dem Klick auf OK erscheint unter Suse Linux 9.3 ein kleines Icon in der Kontrollleiste, ein Klick darauf zeigt die grafische Oberfläche an. Aus den angegebenen Ordnern erstellt JuK automatisch eine Kollektionsliste, die sämtliche gefundenen Musikdateien vereint (Abbildung 1).

Abb. 1: Die grafische Oberfläche von JuK: Die linke Seite listet die "Kollektions- und Wiedergabelisten" auf, die rechte Seite zeigt deren Inhalt an.

Über den Menüpunkt Datei/ Ordner hinzufügen machen Sie die Vorauswahl jederzeit rückgängig. Wollen Sie die Kollektionsliste um einzelne Songs ergänzen, rufen Sie den Menüpunkt Datei/ Öffnen auf und halten beim Markieren der Dateien mit der linken Maustaste [Strg] gedrückt. Am besten, versammeln Sie alle verfügbaren Titel zunächst in der Kollektionsliste und speisen dann aus dieser die verschiedenen Wiedergabelisten.

Per Doppelklick spielen Sie einen Titel ab, die Lautstärke ändern Sie über den Regler oben rechts. Bei Bedarf überlassen Sie die Auswahl der richtigen Songs einfach einem automatischen DJ -- dem Zufallsgenerator: Unter dem Menüpunkt Wiedergabe finden Sie den Eintrag Zufallswiedergabe und setzen ein Häkchen beim Unterpunkt Zufallswiedergabe einschalten.

Wiedergabelisten

Nun koordinieren Sie die Musikauswahl für die Feier. Von Ihrer Kollegin A. wissen Sie, dass sie schlechte Musik aus den 80er Jahren mag, Kollege H. bevorzugt Kölner Karnevalsrhythmen. Also legen Sie für beide je eine Wiedergabeliste an.

  1. Rufen Sie den Menüpunkt Datei/ Neu/ Leere Wiedergabeliste auf. Die Listen nennen Sie A_80er und H_Karneval.
  1. Dann rufen Sie die Kollektionsliste auf und ziehen per Drag & Drop die geeigneten Songs auf die Wiedergabeliste.
  1. Halten Sie bei der Auswahl [Strg] gedrückt, markieren Sie gleich mehrere Songs und verschieben diese anschließend auf einen Schlag.
  1. Via [Strg-D] öffnen Sie einen Ordner mit Musik und verwandeln ihn in eine Wiedergabeliste.
  1. Über Speichern unter sichern Sie eine Liste im M3U-Format, das auch andere Player wie Noatun oder Xmms verstehen.


M3U: Gängiges Format für Playlisten, das die meisten Musikprogramme unter Linux und Windows verstehen.

Metainformationen

Später am Abend ist plötzlich Disco angesagt: In diesem Fall sortieren Sie einfach die Kollektionsliste nach Genres. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Liste und wählen Sie Anzeigemodi/ Baum. Die Ansicht auf der linken Seite von JuK ändert sich, die Kollektionsliste ist nun nach Kategorien sortiert und zeigt unter dem Genre Disco die entsprechenden Hits von Abba bis zu den Village People an. Von allein erkennt JuK nicht, welchem Genre ein Song angehört -- Sie müssen selbst Hand anlegen. Im Menü Ansicht finden Sie den Meta-Info Editor (Abbildung 2), über den Sie Metadaten der Songs bearbeiten: Sie ändern Titel und Interpret und ordnen die Songs den Genres zu.

Abb. 2: Der "Meta-Info Editor": Über ihn bearbeiten Sie manuell die Eigenschaften einzelner Songs und legen so Genre, Interpret und Titel fest.

Alternativ lassen Sie den Rechner diese Arbeit tun. Öffnen Sie mit einem Klick der rechten Maustaste auf einen Titel das Kontextmenü und wählen Sie Meta-Infos raten. Für eine Sound-Datei namens madonna-isla-bonita.mp3 gibt es nun zwei Möglichkeiten: Entweder zieht der Rechner aus dem Dateinamen Rückschlüsse auf Titel und Interpret oder er nutzt -- wenn Sie Aus dem Internet wählen -- die Datenbank MusicBrainz [3]. JuK macht nach einer kurzen Datenbankrecherche mehrere Vorschläge, woher der Song stammen könnte (Abbildung 3).

Abb. 3: Da JuK nicht weiß, um welchen Titel es sich handelt, schlägt er verschiedene Alternativen vor. Sie wählen dann die passende Möglichkeit aus.

Auf der Suche

Erinnern Sie sich nicht an die Namen einzelner Songs, nutzen Sie einfach die Stichwortsuche und tippen einen Suchbegriff in die leere Spalte über den Titeln ein. Suchen Sie nur die Songs eines bestimmten Künstlers, sortieren Sie die Kollektiv- und Wiedergabeliste alphabetisch mit einem Klick auf den Eintrag Künstler in der Titelleiste. Das funktioniert auch für die anderen Kategorien.

Nähert sich die Feier dem Höhepunkt, fordern die Kollegen womöglich musikalische Nachbesserungen. Dann machen Sie JuK zur Jukebox, indem Sie aktuelle Wünsche in die Wiedergabeliste aufnehmen. Dazu genügt es, wenn Sie mit der rechten Maustaste auf den gewünschten Titel klicken und An die Warteschlange anhängen wählen. Nach dem Abspielen des aktuellen Titels springt der Player automatisch zum eben ausgesuchten Titel.

Spezialitäten

Die Unterteilung der Kollektionsliste nach Genres ermöglicht auch das so genannte Retagging. Ordnet JuK Bob Marleys "Get up, stand up" fälschlich dem Genre Schlager zu, ziehen Sie den Titel einfach mit der Maus auf das Genre Reggae. Die Meldung von JuK bestätigen Sie mit Fortsetzen, nun trägt der Player den richtigen Musikstil ein.


Retagging: Vorgang, der die Tags von MP3-Dateien verändert. Tags nennt man die Metainformationen über einen Song, die in der MP3-Datei gespeichert sind.

Auch praktisch ist die Integration von JuK und K3b: Über das Kontextmenü brennen Sie eine Wiedergabeliste mit einem einfachen Rechtsklick auf die Liste und mit Hilfe der Option Wiedergabeliste zu K3b Projekt hinzufügen aus dem Kontextmenü. JuK fragt dann, ob Sie den Audiomodus oder Datenmodus nutzen wollen. Im Audiomodus wandelt JuK die Musik in ein Format um, das auch herkömmliche CD-Spieler abspielen, dafür wächst die Dateigröße für einen Titel auf das Zehnfache. Im Datenmodus brennt K3b die komprimierten Dateien auf die CD. JuK bleibt nach dem Schließen des Fensters aktiv: Erst über einen Rechtsklick auf das Icon in der Kontrollleiste beenden Sie das Programm endgültig. (kki)

Infos:
[1] Die JuK-Web-Seite: http://developer.kde.org/~wheeler/juk.html
[2] Packmans RPM-Sammlung: http://packman.links2linux.de/
[3] Musikbrainz-Datenbank: http://musicbrainz.org/

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