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Erschienen in EasyLinux 04/2006   »   Ausgabe bestellen

Browser, Mail, News und Chat: Seamonkey vereint alle Mozilla-Komponenten

Wiedervereinigung

Hans-Georg Eßer


Firefox, Thunderbird & Co. alle in einem gemeinsamen Programm -- Mozilla heißt jetzt Seamonkey.

In den frühen Jahren des Internet gab es einen Web Browser namens Netscape, der praktischerweise auch gleich ein Mail-Programm und einen News-Client enthielt; sogar ein simpler HTML-Editor gehörte dazu.

Aus Netscape wurde Mozilla, und dort wurde das Programm zunächst noch komplexer, beispielsweise durch Hinzunehmen eines IRC-Clients -- doch dann kam die Trendwende, und die Entwickler spalteten Mozilla in seine Einzelteile auf. So surft man heute mit (Mozilla) Firefox im Netz und schreibt seine Mails mit (Mozilla) Thunderbird.

Nicht jedem ist diese Trennung recht: Wer unter Windows gewohnt war, Internet Explorer und Outlook (Express) zu benutzen, wird es als normal betrachten, dass Mail und Web über zwei separate Programme erreicht werden; doch viele Freunde des alten Netscape/Mozilla haben sich an die Integration gewöhnt und wünschen sich, auch weiterhin ein einziges Programm zu starten, das beide Bereiche (und mehr) abdeckt.

Dem "Mozilla Application Suite Transition Plan" (Übergangsplan für das Mozilla-Programmpaket) [1] entsprechend, wurde ein neues Projekt namens Seamonkey [2] gegründet, das den alten Pfad weiter geht: Es bietet alle bekannten Mozilla-Komponenten unter einer einheitlichen Oberfläche (Abbildung 1).

Abb. 1: Die wichtigsten Komponenten auf einen Blick -- Browser, Mail-Programm, IRC-Chat-Client und Adressbuch.
Installation von Seamonkey

Für Suse Linux 9.3 / 10.0, Mandriva Linux 2006 und Kubuntu 5.10 finden Sie auf der Heft-CD Programmpakete von Seamonkey 1.0.

  • Suse-Anwender installieren Seamonkey wie üblich durch Einbinden der Heft-CD als Installationsquelle und Suche nach "seamonkey" in YaST.
  • Mandriva- und Kubuntu-Benutzer müssen ein kleines Shell-Skript starten, das sich um die Installation kümmert -- wie das geht, ist in der HTML-Dokumentation der Heft-CD beschrieben.

Web Browser

Das Herz von Seamonkey ist -- wie auch früher bei Mozilla -- der Browser. Starten Sie Seamonkey (über [Alt-F2] und Eingabe von seamonkey in das Schnellstartfenster), erscheint der Browser. Er verwendet die gleichen Funktionen zur HTML-Darstellung wie aktuelle Firefox-Versionen, so dass es keine Rolle spielt, ob Sie eine Web-Seite in Firefox oder Seamonkey betrachten.

Der Browser bietet auch die gleichen Features, wie man sie von Firefox kennt; besonders nützlich ist z. B. das Tabbed Browsing, das man über einen eigenen Unterpunkt in den Einstellungen vielfältig konfigurieren kann (Abbildung 2): So ist es z. B. möglich, das Öffnen neuer Browser-Fenster durch Links mit entsprechendem HTML-Code (target="_blank") komplett zu unterbinden und solche Web-Seiten stets in neuen Tabs anzuzeigen.

Abb. 2: Wie sich die Tabs des Browsers verhalten, können Sie detailliert festlegen.

Auch praktisch: Öffnen Sie einen Link über die mittlere Maustaste in einem neuen Tab und schließen diesen nach dem Betrachten wieder, gelangen Sie zum letzten aktiven Tab zurück (also zu dem Tab, in dem Sie auf den Link geklickt haben).

Tabs können Sie in Seamonkey per Drag & Drop an eine andere Stelle verschieben und auf diese Weise Ordnung im Browser-Fenster schaffen.

Suchen in Web-Seiten

Sehr komfortabel ist die Suche in der aktuellen Web-Seite gelöst -- neben der klassischen Tastenkombination [Strg-F], die einen Suchendialog öffnet, können Sie (wie im Textmodus-Dateibetrachter less einfach "/", gefolgt vom Suchbegriff eingeben -- den ersten Treffer zeigt Seamonkey dann grün hinterlegt an. Taucht der Begriff auf der Web-Seite mehrfach auf, drücken Sie [Strg-G], um zum jeweils nächsten Treffer zu springen. In der Statusleiste zeigt Seamonkey zur Kontrolle ein, nach welchem Wort Sie gerade suchen.

Die Suche können Sie auch auf Links begrenzen: Dann findet Seamonkey nur passende Textstellen, die gleichzeitig Links sind. Dazu lassen Sie bei der Schnellsuche einfach den Schrägstrich weg, geben also direkt den Suchbegriff ein (Abbildung 3). Haben Sie einen passenden Link gefunden, reicht ein Druck auf [Eingabe] aus, um diesen Link zu verfolgen. Auf diese Weise können Sie den Browser fast ganz ohne die Maus steuern, wenn Ihnen das liegt -- schnell ist diese Methode in jedem Fall.

Abb. 3: Der Browser hat zum Suchbegriff "editor" einen Link gefunden und grün hervorgehoben -- das Editorial.

Auch zum Thema "Suchen" gehört die integrierte Google-Suche: Anders als z. B. bei Opera und Konqueror hat Seamonkey dafür kein spezielles Eingabefeld -- stattdessen dient das normale Adressfeld als Suchhilfe: Geben Sie einfach den Suchbegriff ins Adressfeld ein -- unterhalb der Eingabe sehen Sie dann den Hinweis "Google nach Suchbegriff durchsuchen". Um die Suche zu starten, drücken Sie [Pfeil runter] und [Eingabe].

Abb. 4: Einfach googeln: Das Adressfeld des Browsers hat eine Doppelfunktion -- es nimmt Web-Adressen (URLs) und Suchbegriffe auf.

Mail-Programm

Die Mail-Komponente von Seamonkey basiert auf dem ausgegliederten Mail-Programm Thunderbird. Der schon bekannte Spam-Filter, der Massen-Mails erkennt, mit einem Mülltonnen-Icon versieht und auf Wunsch gleich in einen separaten Spam-Ordner verschiebt (Abbildung 5), hat hier eine zusätzliche Komponente, die Phishing-Mails aufspürt und mit dem Hinweis "Seamonkey hält diese Nachricht für E-Mail-Scam" versieht (Abbildung 6).


Phishing: Kunstwort für "Password Fishing" -- der Versuch, durch Vortäuschen einer offiziellen E-Mail samt zugehöriger falscher Web-Seite Zugangsdaten bei einer Bank oder einem ähnlichen Unternehmen auszuspähen.

Abb. 5: Der integrierte Spam-Filter hat zugeschlagen und zahlreiche Mails als unerwünschten Werberamsch erkannt.

Abb. 6: Phishing? Einige der dreisten Versuche, an Ihre Banking-Passwörter zu gelangen, erkennt Seamonkey.

Das Mail-Modul kommt mit POP3- und IMAP-Postfächern zurecht, wie man sie bei den gängigen Freemail-Anbietern und Web-Hostern einrichtet, aber auch die klassische Linux-Mailbox im Verzeichnis /var/spool/mail/ kann das Programm auf neue Post überwachen: Dazu richten Sie einen neuen Account vom Typ Unix Mailspool (Movemail) ein.

Nutzen Sie mehrere Mail-Accounts von verschiedenen Anbietern, bietet Seamonkey als besonderes Feature die Möglichkeit, alle neuen Mails in einem gemeinsamen Posteingang zu betrachten -- über welche Mail-Adresse einzelne Mails hereingekommen sind, können Sie dabei immer noch herausfinden, denn in der Mail-Übersicht gibt es nun eine neue Spalte Account.

Neben E-Mail unterstützt die Mail-Komponente auch News-Gruppen im Usenet. Um dieses Feature nutzen zu können, benötigen Sie den Namen des News-Servers, den Sie von Ihrem Provider erhalten; oft hat er die Form news.provider.de. Haben Sie einen News-Account angelegt, können Sie News-Gruppen abonnieren (Abbildung 7) und sich auch selbst an den Diskussionen beteiligen.

Abb. 7: Auch News-Gruppen lesen Sie mit Seamonkey komfortabel.

Internet Relay Chat

Die letzte größere Komponente in Seamonkey ist der Chat-Client für das IRC (Internet Relay Chat) [3]: Es gibt zahlreiche IRC-Server, an denen Sie sich anmelden und sich dann in Chat-Räumen (im IRC "Channels" genannt) mit anderen IRC-Benutzern unterhalten können.

Der IRC-Client bietet keine spektakulären Features, sondern erledigt unauffällig seine Aufgabe. Ein Vorteil der Integration von IRC, Mail und Web ist, dass Sie Web-Adressen, die im Chat genannt werden, einfach per linkem Mausklick im aktiven bzw. per mittlerem Mausklick in einem neuen Tab öffnen können; der Klick auf eine Mail-Adresse öffnet entsprechend ein neues Fenster mit einer leeren E-Mail. Anders herum versteht Seamonkey IRC-Adressen der Form irc://server/#channel: Klicken Sie eine solche Adresse im Browser an, baut Seamonkey automatisch eine Verbindung zum Server auf und betritt den Channel.

Fazit

Wer noch eine der letzten Mozilla-Versionen verwendet, erlebt beim Umstieg auf Seamonkey keine Überraschungen. Die grundsätzliche Bedienung hat sich nicht geändert, ein paar kleinere Features sind hinzu gekommen. Der wichtige Punkt ist: Mit Seamonkey lebt das Mozilla-Projekt weiter, und wer sich mit den Einzelapplikationen Firefox und Thunderbird nicht anfreunden mag, findet hier vielleicht ein neues Zuhause. (hge)

Infos
[1] Mozilla Application Suite -- Transition Plan, http://www.mozilla.org/seamonkey-transition.html
[2] Seamonkey, http://www.mozilla.org/projects/seamonkey/; deutsche Web-Seite: http://www.seamonkey.at/
[3] IRC-Artikel: Heike Jurzik, "Per Mausklick um die Welt", EasyLinux 02/2004, S. 22 ff., http://www.easylinux.de/2004/02/022-irc/

Auf der Heft-CD:


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