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Erschienen in EasyLinux 08/2006   »   Ausgabe bestellen

Googles Picasa bringt die Bildersuche auf den Desktop

Bilder googeln

Hans-Georg Eßer


Google, der Betreiber der meist genutzten Suchmaschine, ist auch Softwareanbieter. Vom Grafikprogramm Picasa gibt es nun auch Linux-Pakete.

Heute schon gegoogelt? Der Markenname der beliebten Suchmaschine Google hat sich bereits als Verb in der Alltagssprache verankert, doch Google rüstet in den letzten Monaten auf: Man will nicht mehr nur Suchanfragen beantworten, sondern auch ein größerer Mitspieler im Softwaremarkt werden. Windows-Anwender nutzen schon seit einer Weile Programme wie Google Earth, Google Desktop und auch den "Picasa Photo Organizer".

Letzterer erstellt automatisch einen Index aller Bilder, die es auf Ihrem PC findet. Dabei sortiert das Programm die Fotos zunächst nach dem (Erstellungs-) Jahr und dann nach Verzeichnisnamen. Dazu kommen noch einfache Bearbeitungsfunktionen (z. B. Drehen und Rote Augen entfernen) und einige professionellere Features. Schöne Bilder versehen Sie mit einem Sternchen und finden sie später leichter wieder, außerdem können Sie jedem Bild und jedem Ordner Bildunterschriften geben. Über ein Suchfeld am oberen Fensterrand gewährt Picasa dann -- Google-typisch -- schnellen Zugriff auf die passenden Dateien.

Linux-Version

Zunächst wollte Google Picasa auf Linux portieren, doch erste Versuche gab man schnell auf. Stattdessen ist nun Version 2.2 von Picasa als Päckchen mit Wine und einer Windows-EXE-Datei erschienen [1]. Es gibt RPM-, Debian- und generische Pakete, die im Test in wenigen Sekunden auf den EasyLinux-Standarddistributionen installiert waren (siehe Kasten Installation).


Wine: Der Windows-Emulator bildet (anders als z. B. VMware) keinen vollständigen PC nach, sondern ersetzt nur die Standard-Windows-Bibliotheken und erlaubt damit das direkte Ausführen von Windows-Programmen unter Linux. Da die Nachbildung dieser Bibliotheken nicht vollständig ist, laufen nicht alle Programme.

Installation

Die Installation von Picasa ist schnell erledigt, weil Sie nur ein einziges Paket von der Google-Webseite benötigen, das keine Abhängigkeiten von anderen Paketen hat.

  • Unter Suse Linux 9.3 und 10.0 installieren Sie das Paket, indem Sie im Konqueror auf den Paketnamen und in der dann angezeigten Paketübersicht auf Paket mit YaST installieren klicken. Geben Sie noch Ihr Root-Passwort ein. YaST startet und spielt das Picasa-Paket ein.
  • Bei Suse Linux 10.1 funktionierte die beschriebene Methode im Test nicht: YaST versuchte zwar eine Installation, beschwerte sich aber, dass das Paket "auf dem Medium nicht gefunden wurde" -- hier hilft nur der manuelle Weg. Öffnen Sie mit Klick auf das Haussymbol in der Startleiste ein Terminalfenster, geben Sie dort den Befehl su und in der nächsten Zeile Ihr Root-Passwort ein. Anschließend installieren Sie Picasa mit rpm -i picasa*.rpm -- danach können Sie das Shell-Fenster schließen.
  • Mandriva-Anwender doppelklicken auf das Desktop-Icon Persönlicher Ordner und dann auf das Picasa-RPM-Paket. Die folgende Abfrage (Sie sind dabei, folgendes Software-Paket auf Ihrem Rechner zu installieren: Picasa) bestätigen Sie per Klick auf Installieren. Nun fehlt nur noch die Eingabe des Root-Passworts, und dann richtet Mandriva Linux das Paket ein.
  • Kubuntu-Benutzer öffnen ein Konqueror-Fenster mit dem Home-Verzeichnis über das zweite Icon von links in der Startleiste (dort: Persönlicher Ordner) und klicken das Picasa-Paket mit der rechten Maustaste an. Aus dem Kontextmenü wählen Sie dann Kubuntu Package Menu / Install Package und geben im Passwortdialog Ihr eigenes Passwort an. (Alternativ verwenden Sie in einem Terminalfenster den Befehl dpkg -i picasa*.deb; das funktioniert auch unter Ubuntu mit Gnome so.)

Mehr ist nicht nötig -- bei der Installation wird (unter Suse Linux und Kubuntu) sogar ein Eintrag im Startmenü erzeugt.

Desktop-Icon für Mandriva-Anwender

Lediglich Mandriva-Anwender müssen hier noch zur Selbsthilfe greifen: Öffnen Sie im Konqueror das Verzeichnis /opt/picasa/desktop/ und ziehen Sie die dort liegende Datei google-picasa.desktop auf den Desktop (wählen Sie nach dem Loslassen Kopieren).

Sie starten Picasa mit der Maus:

Alternativ öffnen Sie mit [Alt-F2] ein Schnellstartfenster und geben dort picasa ein. Beim ersten Aufruf müssen Sie zunächst den Lizenzbedingungen zustimmen: Picasa ist ein proprietäres, kostenloses Programm -- Sie erhalten es zwar gratis, aber es handelt sich nicht um freie Software. So schließen die Lizenzvereinbarungen z. B. den kommerziellen Einsatz aus.

Danach fragt Picasa, ob es sämtliche erreichbaren Verzeichnisse (dazu gehören auch über NFS oder Samba eingebundene Freigaben von entfernten Rechnern) oder nur den Desktop untersuchen soll (Abbildung 1). Unter "Desktop" versteht Picasa allerdings wirklich den Desktop selbst, auf dem meist keine Bilder liegen. Darum ergänzen Sie später zumindest Ihr Home-Verzeichnis (siehe unten), wenn Sie sich für die Nur-Desktop-Variante entscheiden.

Gibt es wirklich Netzwerkfreigaben auf Ihrem System, sollten Sie von der Vollvariante Abstand nehmen: Die Durchsuchung eines Netzwerkordners ist zeitaufwendig und erzeugt sehr viel Netzwerktraffic. Auch wenn Sie sich nur für den Desktop entscheiden, können Sie später von Hand weitere Foto- und Bildverzeichnisse hinzufügen. Unmittelbar, nachdem Sie sich entschieden haben, beginnt Picasa damit, nach Bildern zu suchen. Dabei zeigt das Programm mit einer Einblendung im rechten unteren Bereich des Fensters an, welche Bilder es gerade scannt (Abbildung 2).

Abb. 1: Komplett-Scan oder nur den Desktop?

Abb. 2: Rechts unten zeigt Picasa an, welches Bild es gerade in die Datenbank aufnimmt.

Zunächst sollten Sie die Standardsprache von Englisch auf Deutsch umstellen:

  1. Rufen Sie den Menüpunkt Tools / Options auf.
  1. Auf der ersten Seite General wählen Sie im Drop-down-Menü unterhalb von Language used in menus and dialogs den Eintrag Deutsch.
  1. Mit OK schließen Sie den Einstellungsdialog.
  1. Picasa fragt (auf Englisch) nach, ob Sie wirklich die Sprache ändern wollen. Bestätigen Sie diese Frage.

Danach können Sie Picasa (z. B. mit [Alt-F4]) beenden und neu starten -- das Programm präsentiert sich ab sofort mit einer deutschen Oberfläche (Abbildung 3).

Abb. 3: Nach einem Besuch des Optionenmenü spricht Picasa auch Deutsch.

Home-Verzeichnis hinzufügen

Wenn Sie sich beim ersten Start für die Nur-Desktop-Variante entschieden haben, ergänzen Sie jetzt noch Ihr Home-Verzeichnis:

  1. Rufen Sie den Menüpunkt Datei / Ordner zu Picasa hinzufügen auf.
  1. Klicken Sie in der Verzeichnisübersicht (links) auf Home und wählen Sie dann rechts die Option Immer scannen. Picasa zeigt ein Warnfenster an, das Sie mit Yes schließen.
  1. Schließen Sie dann den Dialog mit OK.

Auf gleiche Weise können Sie später auch zusätzliche Ordner, die außerhalb Ihres Home-Verzeichnisses liegen, ergänzen.

Navigation

Auf den ersten Blick ist Picasa ein komfortabler Viewer für Ihre Bildersammlung: Sehr nützlich ist dabei die spezielle Bildlaufleiste am rechten Rand, mit der Sie in zunehmender Geschwindigkeit scrollen können, je weiter Sie den mittig positionierten Regler an den oberen oder unteren Fensterrand ziehen -- so navigieren Sie auch durch sehr große Fotomengen zügig. Ein solches Hilfsmittel ist nötig, denn Picasa stellt wirklich alle gefundenen Bilder gleichzeitig dar.

Ziehen Sie den Regler nur geringfügig von der Mitte weg, scrollen die Bilder im Zeitlupentempo über den Monitor. Alternativ verwenden Sie das Mausrad -- dabei ist das Tempo aber konstant.

Im linken Bereich des Fensters sehen Sie, nach Jahren sortiert, Listen mit allen Ordnern, die Bilder enthalten. Wählen Sie links einen Ordner aus, springt Picasa im Hauptfenster zur entsprechenden Stelle und zeigt die Bilder aus diesem Ordner an.

Vorsicht: Ordnerbeschreibung bearbeiten

Vorsicht vor dem Kontextmenüpunkt Ordnerbeschreibung bearbeiten, der beim Aufruf den Eindruck erweckt, man könne damit eine neue Bezeichnung für einen Ordner vergeben. Tatsächlich hat der erscheinende Dialog auch diese Funktion, aber er benennt nicht nur innerhalb von Picasa, sondern auch direkt im Dateisystem den Ordner um. Richtiger wäre also die Bezeichnung Ordnernamen ändern.

Eine alternative Möglichkeit, Ordnern in Picasa einen anderen Namen zu geben, gibt es übrigens nicht.

Mit Labels arbeiten

Picasa hilft Ihnen mit Labels dabei, Ihre Bilder in grobe Kategorien einzuordnen. Haben Sie beispielsweise jeweils größere Fotosammlungen zu den Themen Urlaub, Personen und Architektur, erstellen Sie drei Labels mit diesen Namen und vergeben sie an die Bilder. Das geht so:

  1. Um ein neues Label zu erstellen, suchen Sie zunächst ein Beispielfoto, zu dem das Label passt, und markieren es.
  1. Klicken Sie das Bild mit der rechten Maustaste an und wählen Sie aus dem Kontextmenü den Eintrag Label hinzufügen / Neues Label.
  1. Es erscheint der Dialog Label Eigenschaften, indem Sie die Vorgabe "Unbenannt" durch den gewünschten Label-Namen ersetzen.

Sammlungen

Noch mehr Struktur bringt das Konzept der Sammlungen in Ihre Fotodatenbank. Wollen Sie zum Beispiel privat und dienstlich geschossene Fotos sauber voneinander trennen, legen Sie dafür zwei Sammlungen an und schieben dann Ihre Fotoordner in diese Sammlungen.

Um eine neue Sammlung anzulegen, klicken Sie links einen Ordner mit der rechten Maustaste an und wählen aus dem Kontextmenü den Eintrag In die Sammlung verschieben / Neue Sammlung. Es erscheint ein Dialogfenster, in dem Sie der Sammlung einen Namen geben.

Die Sammlung taucht nun ganz unten in der linken Ordnerübersicht auf (Abbildung 4); weitere Ordner verschieben Sie auch über das Kontextmenü dorthin, wählen dann aber unterhalb von In die Sammlung verschieben die passende Kollektion aus. Aus dem allgemeinen Abschnitt (der keiner Sammlung zugeordnet ist) verschwinden Ordner auf diesem Weg.

Abb. 4: Links unten zeigt Picasa eine neue Sammlung für Urlaubsfotos mit zwei Ordnern an.

Bildunterschriften

Picasa bietet Ihnen auch die Möglichkeit, jedem Bild eine individuelle Bildunterschrift zu geben; auch Ordner können eine solche Beschreibung erhalten, die dann aber ergänzend ist: Bilder in einem Ordner mit Beschreibung sind auch weiterhin separat kommentierbar.

Im Standardmodus zeigt Picasa individuelle Bildunterschriften (in der Übersicht) nicht an; um das zu ändern, rufen Sie den Menüpunkt Ansicht / Bildunterschrift für die Mini-Ansicht / Titel auf. Danach tauchen die Untertitel in der Übersicht auf, das Programm kann nun aber weniger Bilder gleichzeitig anzeigen (Abbildung 5).

Abb. 5: Der Ordnertitel steht neben dem Monat, und eines der Bilder hat eine Bildunterschrift.

Google -- Suchfunktion

Haben Ihre Verzeichnisse schon von sich aus "sprechende" Namen (heißen also nicht folder00123, sondern eher Mein Besuch 2006 bei Tux) und haben Sie mit Hilfe von Labels, Sammlungen, Ordner- und Bildunterschriften Struktur in Ihre Fotografien gebracht, dann ist es Zeit, den Lohn der Mühe zu ernten: Das geht mit der in Picasa eingebauten Suchfunktion, ohne die ein Google-Programm auch kaum zu akzeptieren wäre.

Die Suchleiste befindet sich, wie bei vielen modernen Webbrowsern, rechts oben im Fenster. Geben Sie hier ein Suchkriterium ein. Es ist nicht nötig (oder möglich), den Begriff mit der Eingabetaste zu bestätigen, denn Picasa legt schon nach Eingabe des ersten Buchstabens los und verringert die angezeigten Bilder immer weiter auf diejenigen, zu denen der Suchbegriff passt. Mit wachsender Wortlänge schrumpft die Bilderflut zusammen, bis schließlich nur noch wenige oder kein Bild mehr übrig sind.

Solange Sie im Suchmodus arbeiten, blendet Picasa eine Statusleiste in den oberen Bildbereich ein (Abbildung 6), der Sie entnehmen können, wie viele Treffer das Programm gefunden hat. Genau wie im Hauptfenster alle unpassenden Bilder verschwinden, blendet Picasa auch links alle Ordner aus, die keine Fundstücke enthalten: Das erleichtert die Navigation in den passenden Bildern deutlich.

Abb. 6: Bei der Suche bleiben nur wenige Bilder übrig, und auch die Anzahl der Ordner ist entsprechend reduziert.

Um den Suchmodus zu verlassen, drücken Sie einfach [Esc].

Bilder verschönern

Neben den Verwaltungs- und Suchfunktionen bietet Picasa einfache und einige fortgeschrittene Bildbearbeitungsfunktionen. Sie erreichen diese per Doppelklick auf ein Bild: Neben der vergrößerten Darstellung sehen Sie links mehrere Tabs, hinter denen sich die Bearbeitungsfeatures verbegen.

Einen "Red eye remover" haben heute viele Anwendungen im Programm, bei Picasa finden Sie ihn als dritten Punkt auf dem ersten Tab (Rote Augen). Einmal angeklickt, ziehen Sie nur Rahmen um die Augenbereiche auf, auf die das Programm dann ohne weitere Rückfrage den Filter anwendet -- so werden rote Augen schwarz, aber bei falscher Anwendung verschieben Sie auch Farben auf roten Pullovern oder vor roten Hintergründen. Passiert das mal, machen Sie den Effekt rückgängig.

Auch das Zuschneiden ist eher unspektakulär: Es lässt Sie einen Ausschnitt aus dem Bild wählen, der günstiger als das Originalfoto in seiner vollen Größe ist. Halten Sie dabei die Strg-Taste gedrückt, behält das Bild die ursprünglichen Proportionen bei -- das ist hilfreich, wenn Sie von den Fotos später noch Abzüge auf Fotopapier bestellen wollen, denn dann fällt es nicht durch ein abweichendes Format auf (Abbildung 7).

Abb. 7: Beim Zuschneiden kann Picasa auf Wunsch das Fotoformat bewahren.

Horizont gerade ziehen

Hält man die Kamera bei der Aufnahme nicht ganz gerade, entsteht leicht ein schiefer Horizont (Abbildung X, links) -- den werden Sie mit Picasa in wenigen Schritten wieder los:

  1. Klicken Sie das betroffene Bild in der Übersicht doppelt an, so dass Picasa es in Fenstergröße anzeigt.
  1. Links finden Sie im Reiter Basis-Optim. (Basis-Optimierung) eine Schaltfläche Richten, die Sie anklicken: Das Programm legt dann ein Hilfslinienraster über das Bild und stellt einen Regler zur Verfügung, mit dem Sie das Bild stufenlos drehen können.
  1. Ziehen Sie den Regler auf eine passende Position, so dass der Horizont gerade ist: Dabei helfen die Hilfslinien (Abbildung 8, rechts).
  1. Ist das Ergebnis brauchbar, klicken Sie auf Anwenden; wollen Sie die schräge Variante als Form des künstlerischen Ausdrucks behalten, klicken Sie auf Abbrechen.

Beachten Sie, dass beim Drehen eines rechteckigen Bildes immer Teile der Bildinformationen verloren gehen: Picasa schneidet automatisch einen Ausschnitt aus, der das gleiche Format wie das Originalbild und keine "blinden Flecken" hat.

 

Abb. 8: Kamera schief gehalten? Einen schräg durchs Bild laufenden Horizont korrigiert Picasa in wenigen Sekunden.

Wie bei Google: Auf gut Glück

Weitere Buttons auf dem ersten Tab sind für automatische Kontrast- und Farbkorrektur zuständig -- wollen Sie Picasa beides auf einmal überlassen, klicken Sie auf den an die klassische Google-Suche angelehnten Button Auf gut Glück! Die Idee ist die gleiche: Bei der Google-Suche auf gut Glück erhalten Sie keine Liste mit Treffern, sondern vertrauen der Suchmaschine und lassen sich gleich zum ersten Eintrag der Trefferliste schicken. Entsprechend verzichten Sie mit dem Glücklich-Button im Grafikprogramm auf jegliche manuelle Einstellung und sagen: Picasa wird's schon richten. Das erzeugt oft gute Farbkorrekturen, ändert manchmal gar nichts am Bild und geht gelegentlich auch völlig daneben. Kein Problem: Auch hier erhalten Sie mit Rückgängig machen Ihr Ausgangsbild zurück.

Picasa macht Spaß

Viele weitere Features der Google-Anwendung sind eher spaßorientiert, als dass sie einen besonderen Nutzwert hätten. So führt zum Beispiel ein Klick auf Verlauf dazu, dass Picasa einen gekrümmten Zeitstrahl anzeigt, auf dem Sie sich durch die Jahre bewegen (Abbildung 9).

Abb. 9: Der "Verlauf" ist eine interessante Möglichkeit, in der Fotosammlung zu stöbern.

Mit Collage erstellen Sie aus vielen Fotos ein neues Bild, in dem jedes Foto als Polaroid mit dem typischen weißen Rahmen erscheint und zu einem großen, unsortierten Haufen gestapelt ist. Das eignet sich z. B. gut für die Startseite eines Fotoalbums im Internet.

Außerdem gibt es Funktionen, mit denen Sie Bilder drucken, per Mail verschicken, auf ein Blog hochladen oder bei einem von mehreren Fotostudios Abzüge ordern.

Sogar in einen Film können Sie die Bilder verwandeln und später (mit einem anderen Programm) zu einer Video-CD oder -DVD verarbeiten. Das so erzeugte Video blendet nicht einfach ein Bild nach dem anderen ein, sondern gleitet über die Bilder und zoomt in sie hinein, so dass ein Eindruck von Bewegung entsteht.

Der Export als Webalbum im HTML-Format ist auch integriert (Abbildung 10).

Abb. 10: Ist der Webexport fertig, öffnet Picasa gleich einen Browser und zeigt das Ergebnis an.

Einige Ideen hat man zuerst bei Apples innovativem und benutzerfreundlichen iPhoto gesehen, doch auch kopierte Features sind angenehm.

Viele Details sind zudem sehr liebevoll umgesetzt worden, so finden die meisten Veränderungen an einem Bild fließend statt: Wählen Sie etwa die Option, ein Bild in Graustufen umzuwandeln, passiert das nicht unmittelbar, sondern die Farbe weicht langsam aus dem Foto. Auch das hat keine positive Wirkung, ist aber sympathisch -- wenn man solcherlei "eye candy" mag.

Stabilität und Geschwindigkeit

Ja, Picasa ist ein Windows-Programm, das nur dank Wine unter Linux zum Laufen gebracht wird. Aber hier ist das Ganze gelungen. Nur selten merkt man, dass die Software sich auf einem Windows-System wähnt (z. B. wenn das Home-Verzeichnis nicht /home/user, sondern L:\ heißt), und das Programm ist gut in den Linux-Desktop integriert. Picasa öffnet beispielsweise ein Konqueror-Fenster, wenn es den Ordner anzuzeigen soll, der ein Bild enthält. Einschränkungen oder Defizite, die etwas mit der Windows-Herkunft zu tun hätten, sind im Test nicht aufgefallen.

Auf verschiedenen Testrechnern schlug sich das Programm -- der jeweiligen Hardware entsprechend -- unterschiedlich gut: Eine 3-GHz-Intel- und eine mit 2,2 GHz getaktete Athlon-64-Maschine, beide mit 1 GByte RAM, hatten keinerlei Probleme, auch wenn bei manchen Bearbeitungsschritten die Prozessorlast stark anstieg. Im Vergleich dazu hatte ein älterer Rechner (AMD Athlon XP mit 1530 MHz und 256 MByte RAM) schon ordentlich mit dem Programm zu kämpfen, hier war das flüssige Arbeiten bei einer sehr großen Fotosammlung teilweise unmöglich.

Fazit

Picasa ist anders als normale Bildbetrachter und hat vielleicht noch mit KPhotoAlbum / Kimdaba [2] die meisten Gemeinsamkeiten. Es wirkt -- obwohl es erstmals als Linux-Version erhältlich ist -- technisch ausgereift und macht einfach Spaß. Dazu ist es kostenlos erhältlich (wenn auch keine freie Software), und die Debian- und RPM-Pakete sind mit 21 MByte noch überschaubar groß. Darum geben wir eine klare Empfehlung zum Ausprobieren. (hge)

Infos
[1] Picasa für Linux: http://picasa.google.com/linux/download.html
[2] Artikel zu KPhotoAlbum: Heike Jurzik, "Gut archiviert", EasyLinux 07/2006, S. 38 ff. -- auf der Jahres-CD
[3] Wikipedia-Seite zu Dienstleistungen, die Google anbietet: http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Google_services_and_tools

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