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Erschienen in EasyLinux 09/2006   »   Ausgabe bestellen

Virtuelle Maschinen mit VMware und Parallels

Ein Fenster für Windows

Hans-Georg Eßer


Windows und Linux parallel zu betreiben, ist zur Zeit nur mit Hilfe eines PC-Emulators möglich. VMware, Parallels und Qemu sind drei solche Programme, die einen vollständigen PC nachahmen, auf dem dann Windows läuft.

Wer Windows-Programme unter Linux ausführen will, hat die Wahl zwischen zwei technisch sehr unterschiedlichen Lösungen: Wine bildet die Laufzeitumgebung von Windows nach und kann viele Windows-Anwendungen direkt ausführen (siehe Artikel ab Seite 36). Allerdings sind zahlreiche aktuelle Programme nicht Wine-kompatibel, z. B. Microsofts Office-Paket. Da hilft in vielen Fällen CrossOver Office [4], eine kommerzielle aufgebohrte Wine-Version. Die Alternative ist die Emulation eines PCs, in dem dann ein vollständiges Windows (z. B. Windows XP Home) installiert wird: Darunter laufen dann fast alle Windows-Anwendungen.

Für die Emulation eines kompletten PCs stehen drei Programme zur Wahl: die kommerziellen Emulatoren VMware (ab 180 Euro) und Parallels (ab 48 Euro) sowie das Open-Source-Programm Qemu [5]. Da Qemu vergleichsweise aufwendig einzurichten ist und sich eher zum schnellen Ausprobieren von Linux-Live-CDs als für eine Windows-Installation eignet, haben wir es nicht in den Vergleichstest aufgenommen. Ein Qemu-Artikel ist in Ausgabe 05/2005 erschienen [8].

VMware Workstation 5.5

VMware ist der Klassiker, dieses Programm gibt es schon seit 1999 [7], und in den sieben seither vergangenen Jahren haben die Entwickler ihren Emulator um immer neue Features erweitert. Aktuell gibt es drei Programmversionen für unterschiedliche Zielgruppen:

Im Rahmen dieses Vergleichs gehen wir nur auf die Workstation- und Player-Varianten ein. Wer die Workstation selbst testen will, muss das Programm nicht sofort kaufen: Auf der Hersteller-Webseite [1] gibt es nach Registrierung eine 30-Tage-Testlizenz und die Downloadadresse. Der Lizenzschlüssel kommt dann per E-Mail.

Installation

Die VMware-Installation besteht aus zwei Schritten: Zunächst spielt man ein RPM- oder tar.gz-Paket ein (Ubuntu-Anwender können auch mit dem Kommandozeilentool alien das RPM- in ein Debian-Paket umwandeln). Dann folgt die Konfiguration mit vmware-config.pl: Dieses Shellskript erstellt zwei Kernel-Module, die VMware für seine Arbeit benötigt. Wie das grundlegend abläuft, haben wir in einem älteren Artikel [2] beschrieben. Damit es gelingt, müssen Kernelquellen und die Entwicklungsumgebung installiert sein -- VMware bringt allerdings einige vorkompilierte Kernel-Module für verschiedene Linux-Distributionen mit, so dass dieser Schritt auf einigen Systemen ohne Compilerlauf auskommt.

Danach ist VMware startklar, und es folgen die Einrichtung einer virtuellen Maschine und die Installation des Betriebssystems auf dieser Maschine.

Virtuelle Maschinen

VMware ist nicht besonders wählerisch, was die Auswahl des Gastsystems angeht: Neben allen Windows-Versionen von früheren MS-DOS-basierten bis hin zu XP (lediglich Vista bereitete im Test Probleme) sind auch Linux, FreeBSD, Novell Netware und Solaris möglich. Im Fall von Windows, Linux und FreeBSD dürfen es sogar die 64-Bit-Versionen sein.

Bei der Anzahl der konfigurierten virtuellen Maschinen setzt nur die Festplattenkapazität Grenzen, und es ist auch möglich, viele davon gleichzeitig laufen zu lassen, solange der Hauptspeicher ausreicht.

Für die Konfiguration neuer virtueller Maschinen bringt VMware einen Assistenten mit, der im ersten Schritt abfragt, welches Betriebssystem darin laufen soll -- aus dieser Vorauswahl leitet er ab, wie viel virtuellen Speicher und Plattenplatz er dem System einräumt. So bekommen Windows XP Home und Windows 98 beispielsweise 8 GByte Plattenplatz und 256 MByte RAM, während MS-DOS und Windows 95 bei gleicher Plattengröße nur 4 MByte bzw. 64 MByte RAM erhalten.

Läuft eine virtuelle Maschine, kann man sie jederzeit per Klick auf den Suspend-Button anhalten. VMware schreibt dann den aktuellen Zustand der Maschine in eine Datei. Diese Informationen bleiben selbst dann erhalten, wenn man VMware beendet oder den Linux-Rechner herunterfährt. Zum Wiederbeleben der eingefrorenen Maschine klickt man auf Resume, und nach wenigen Sekunden geht es an der alten Stelle weiter.

Netzwerkanbindung

VMware kennt drei Betriebsarten, mit denen es den virtuellen PC vernetzt, um beispielsweise den Zugang zum lokalen Netzwerk oder dem Internet zu ermöglichen (Abbildung 1):

Die bei der Einrichtung getroffene Auswahl kann man später jederzeit korrigieren.

Abb. 1: Der VMware-Assistent fragt nach der Art der Netzwerkanbindung.

Hardware

Zum von VMware emulierten PC gehören viele Hardwarekomponenten, z. B. der Prozessor (oder auch mehrere, wenn der Hostrechner diese besitzt), Festplatten und CD/DVD, serielle und parallele Schnittstellen sowie Netzwerkkarten. Selbst ein BIOS gehört dazu, das beim Rechnerstart wie gewohnt erscheint und unter anderem die Einstellung der Bootreihenfolge zulässt.

Im laufenden Betrieb kann man virtuelle Geräte entfernen und wieder anschließen; bei CD-/DVD-Laufwerken erlaubt das z. B. den Austausch eines echten Datenträgers durch ein ISO-Image. Gerade der Zugriff auf solche Images ist oft praktisch: Eine kleine Softwaresammlung in Form von ISO-Images zu verwalten, ist viel schneller als die entsprechenden Datenträger im Regel zu suchen und einzulegen.

Auch vermeidet man damit unnötiges Brennen von Rohlingen: Wer beispielsweise das ISO-Image einer neuen Linux-Distribution aus dem Internet herunter geladen hat, muss es nicht erst auf eine CD brennen, sondern kann in Parallels direkt von diesem Image aus die Installation durchführen.

VMware-Tools

Damit Windows unter VMware optimal läuft, ist nach der Windows-Einrichtung die Installation der VMware-Tools der nächste Schritt. Dafür bietet VMware einen eigenen Menüpunkt (VM / Install VMware Tools), der eine virtuelle CD-ROM mit speziellen Treibern einbindet. Über die Autostartfunktion dieser CD startet dann sofort ein Windows-typisches Setup-Programm. Nach der Installation ist die Desktopgröße variabel, und der Mauszeiger bleibt nicht länger im Windows-Fenster gefangen: Solange das noch nicht geschehen ist, hilft nur die Tastenkombination [Strg-Alt], um andere Bereiche auf der Linux-Oberfläche zu erreichen.

Ein weiteres Feature, das von den VMware-Tools abhängt, sind die "Shared Folders": Über die Einstellungen der virtuellen Maschine erzeugt man sehr schnell eine Verzeichnisfreigabe und vergibt einen Namen (z. B. HOME für das eigene Home-Verzeichnis), und im Windows-Explorer taucht dieses Verzeichnis dann über den Pfad \\.host\Shared Folders\HOME auf (Abbildung 2).

Auch Copy & Paste zwischen Windows- und Linux-Anwendungen ist über die VMware-Tools möglich.

Abb. 2: Windows XP unter VMware mit freigegebenen Ordnern -- der Dialog im Vordergrund zeigt die Freigabeeinstellungen.

Teams, Klone, Snapshots

VMware bietet viele Zusatzfunktionen, die man sicher nicht täglich benötigen wird, die aber gelegentlich die Arbeit erleichtern:

VMware Player

Der VMware Player ist eine abgespeckte Workstation-Version, die ausreicht, um bereits eingerichtete virtuelle Maschinen zu benutzen. Das Programm hat kein so komplexes Menü wie die Workstation, da es hier nicht besonders viel einzustellen gibt.

Wer in einem Netzwerk auf vielen Rechnern virtuelle Maschinen einsetzen will, benötigt nur eine einzelne Workstation-Version für die Einrichtung; auf allen übrigen Rechnern reicht dann der Player aus.

Leider ist es nicht möglich, für Testzwecke VMware Player und VMware Workstation parallel auf dem gleichen Rechner zu installieren: Die beiden Pakete stehen miteinander in Konflikt.

Abb. 3: VMware Player unter Suse Linux, diesmal mit einem anderen Linux-System (Damn Small Linux) in der Emulation.

Parallels 2.1

Mit rund 50 Euro (US-Preis: 50 Dollar) ist Parallels deutlich günstiger als VMware Workstation. Trotzdem bietet es vergleichbare Grundfunktionen; nur bei den zahlreichen Komfortfeatures muss es passen. Was die möglichen Gastsysteme angeht, ist die Auswahl bei Parallels anders als die bei VMware: Hier kommen neben den diversen Windows-Varianten noch Linux, FreeBSD, Solaris und IBM OS/2 bzw. dessen Nachfolger eComStation in Frage; dafür steht Netware nicht auf der Liste.

Wer VMware kennt, dem wird die Einrichtung von Parallels auf Anhieb vertraut vorkommen: Nach dem Einspielen des RPM-Pakets schafft ein Aufruf von Parallels-config die Grundlagen für den Betrieb des Emulators; das Skript kompiliert dazu Kernel-Module. Damit das funktioniert, müssen auf dem Linux-System die Kernel-Quelltexte und die Entwicklungsumgebung installiert sein.

Nach der Konfiguration startet der Emulator über System / Weitere Programme / Parallels oder den Befehl Parallels in einem mit [Alt-F2] geöffneten Schnellstartfenster.

Parallels bietet auf seiner Webseite [3] nicht nur Downloadversionen im RPM- und tar.gz-Format, sondern zusätzlich auch ein Debian-Paket an. Auf der gleichen Seite gibt es auch den Lizenzschlüssel: Ohne diesen Key aktiviert Parallels keine virtuelle Maschine. Der Schlüssel kommt nach der Registrierung per E-Mail. Help / Registration aus dem Parallels-Menü ruft einen Dialog auf, in dem man den Lizenzschlüssel eingibt. Die Testlizenz ist anderthalb Monate lang gültig; wer das Programm nach Ablauf dieses Zeitraums weiter nutzen will, muss einen regulären Schlüssel kaufen und diesen ebenfalls über die Registrierungsfunktion eingeben.

Vor der Windows-Installation steht dann auch in Parallels das Einrichten einer neuen virtuellen Maschine (Create a typical VM); dabei gibt man an, welches Betriebssystem der PC aufnehmen soll, zum Beispiel Windows als Betriebssystemtyp und Windows XP als Version.

Abb. 4: Einstellungen von VMware (links) und Parallels im Vergleich.

Eine virtuelle Festplatte legt Parallels standardmäßig im Home-Verzeichnis an -- es erzeugt dazu ein Unterverzeichnis parallels-vm und darin für jeden virtuellen PC ein weiteres, z. B. winxp für eine XP-Installation.

Beim Netzwerk unterstützt Parallels die Varianten Bridged Network und Host-only Networking -- sie entsprechen den gleichnamigen Typen unter VMware.

Die Netzwerkeinstellungen hängen davon ab, ob es ein lokales Netzwerk gibt -- ist das der Fall, übernimmt man die Vorgabe Bridged Network. Läuft im Netzwerk ein DHCP-Server, erhält das virtuelle Windows später von diesem automatisch eine IP-Adresse. Gibt es kein lokales Netzwerk, ist die Variante Host-only networking die bessere Wahl.

Windows-Installation

Zur eigentlichen Windows-Einrichtung gibt es nicht viel zu sagen: Sie verläuft wie bei VMware, also genau wie auf einem richtigen PC. Schön: Direkt nach der Installation ist es möglich, die recht niedrige Standardauflösung (800x600 Punkte, Abbildung 5) des virtuellen Windows-Rechners zu vergrößern -- neben 1024x768, 1280x1024 und 1600x1200 Pixeln ist dabei auch die Variante 1152x864 verfügbar, die besonders praktisch ist, wenn das Linux-System mit 1280x1024 Bildpunkten arbeitet: Dann passt nämlich das komplette Parallels-Fenster auf den Desktop und lässt noch genug Platz, um z. B. die Windows-Startleiste zu erreichen.

Auch Parallels kann laufende virtuelle Maschinen per Suspend anhalten und später weiter laufen lassen.

Abb. 5: Beim ersten Start verwendet Windows in Parallels eine niedrige Auflösung; die kann man aber sofort korrigieren.

Virtuelle Hardware

Einige Hardware-Komponenten sind frei konfigurierbar; so kann man der virtuellen Maschine serielle und parallele Schnittstellen sowie bis zu vier CD-/DVD-ROM-Laufwerke zuordnen. Letztere dürfen dabei (wie unter VMware) wahlweise echte Laufwerke im PC oder ISO-Images sein.

Ein eigenes BIOS, das (wie bei VMware) die üblichen Setup-Menüpunkte bietet, gibt es bei Parallels nicht; die Bootreihenfolge stellt man hier über die Konfigurationsseite der virtuellen Maschine ein.

Auch Sound leitet Parallels an das Linux-System weiter; dabei kann allerdings keine andere Sound-Quelle von Linux parallel laufen, denn Parallels benötigt exklusiven Zugriff auf die Gerätedatei /dev/dsp.

Parallels Tools

Die Ähnlichkeit zwischen VMware und Parallels setzt sich auch bei der Einrichtung zusätzlicher Treiber für das Windows-Gastsystem fort, mit denen die Arbeit angenehmer wird: Über den Menüpunkt VM / Install Parallels Tools bindet man eine virtuelle Treiber-CD ein, Windows XP startet dann automatisch den Installationsassistenten.

Danach fällt das Arbeiten mit dem virtuellen PC leichter: Die Maus ist nicht länger in der Windows-Sitzung gefangen, sondern frei. Über die nun geteilte Zwischenablage ist ein Austausch zwischen Windows- und Linux-Anwendungen möglich: So markiert man etwa einen Textbereich in Microsoft Word im emulierten Windows-System, kopiert ihn mit [Strg-C] in die Zwischenablage, wechset dann zu OpenOffice unter Linux und fügt den Text mit [Strg-V] in ein Writer-Dokument ein. Auch diese Funktion teilt sich Parallels mit VMware.

Vergleich

In den Grundfunktionen, also Installation der virtuellen Maschine und Netzwerkanbindung, sind sich VMware und Parallels sehr ähnlich. Den niedrigeren Preis von Parallels bemerkt man vor allem an der kürzeren Liste der Zusatzfunktionen.

Parallels kann auch nur eine virtuelle Maschine pro Fenster darstellen. Wer gleichzeitig zwei Windows-Sitzungen (oder generell mehrere virtuelle Maschinen mit unterschiedlichen Betriebssystemen) betreiben will, kann aber über File / New Window jederzeit weitere Parallels-Fenster öffnen, in denen dann zusätzliche virtuelle PCs laufen. VMware ist da etwas komfortabler zu bedienen, denn es fasst alle laufenden PCs über Tabs (wie bei einem Webbrowser) in einem einzigen Fenster zusammen.

Für Linux-Gastmaschinen gibt es keine Parallels-Tools. Wer im Emulator nicht nur Windows, sondern auch die eine oder andere Linux-Distribution installieren will, ist in diesem Punkt mit VMware besser bedient.

OS/2-Anwender werden Parallels interessanter finden, da dieses -- anders als VMware -- auch das veraltete IBM-Betriebssystem als Gast unterstützt. Im Test lief die OS/2-Installation auch problemlos durch (Abbildung 6), allerdings gelang es nicht, die virtuelle Netzwerkkarte in Betrieb zu nehmen oder die Grafikauflösung zu erhöhen.

Abb. 6: Nostalgische Anwender können auch OS/2 unter Parallels installieren.

Fazit

Beide Emulatoren arbeiten sehr stabil, und die Belastung des Linux-Systems bei einem im Emulator laufenden Windows XP Home ist niedrig. Da sowohl VMware als auch Parallels eine kostenlose Probephase anbieten, kann man einfach beide Produkte testen -- wem die Features von Parallels ausreichen, der kann einige Euro einsparen. (hge)

Infos
[1] VMware: http://www.vmware.com/ (Preis im Shop: 189 US-Dollar)
[2] VMware-4.5-Artikel, Martin Loschwitz: "Der PC im PC", EasyLinux 07/2004, S. 20 ff., http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2004/07/020-vmware/
[3] Parallels, http://www.parallels.com/
[4] CrossOver Office, http://www.codeweavers.com/
[5] Qemu, http://fabrice.bellard.free.fr/qemu/
[6] OS/2 Warp, http://www-306.ibm.com/software/os/warp/
[7] Artikel zur ersten VMware-Version: Tom Schwaller, "VMware", Linux-Magazin 05/1999, http://www.linux-magazin.de/Artikel/ausgabe/1999/05/VMware/vmware.html
[8] Qemu-Artikel, Oliver Frommel: "Computer ohne Chips", EasyLinu 05/2005, S. 32 f.

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