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Andreas Bohle, Hans-Georg Eßer, Kristian Kißling
Selbst wer hauptsächlich mit Linux arbeitet, muss oft zugeben, dass die Softwareauswahl in einigen Bereichen zu wünschen übrig lässt. Grafikpakte wie Photoshop oder einen Web-Baukasten wie Dreamweaver, um nur zwei Beispiele zu nennen, gibt es nur für Windows und Mac OS. Auch manche branchenspezifischen Programme sucht man unter Linux vergeblich. Wer aus diesen Gründen noch auf Windows angewiesen ist, muss trotzdem nicht auf Linux bei der täglichen Arbeit verzichten: Mit einem Emulator lassen Sie mehrere Betriebssysteme gleichzeitig auf einem Rechner laufen und haben so das Beste beider Welten.
Der Artikel ab Seite 30 wirft einen Blick auf Emulationssoftware unter Linux, dieser hier widmet sich den Emulatoren unter Windows. Er stellt die aktuellen Versionen der drei kommerziellen Konkurrenten VMware, Virtual PC und Parallels vor und erklärt, wie Sie mit diesen Programmen Linux in einem Fenster auf dem Windows-Desktop betreiben. Einige der Lösungen können Sie sogar kostenfrei einsetzen: VMware bietet zwei seiner drei Produkte und Microsoft eine seiner zwei Emulatorversionen gratis an.
Der Klassiker unter den Emulatoren ist VMware [1]. Die Virtualisierungs-Software gibt vor, ein eigenständiger PC zu sein, und simuliert dabei Grafikkarte, Netzwerkkarte und weitere Komponenten eines physischen PCs. In diese virtuellen Maschinen (VMs) installieren Sie ein oder mehrere Gastsysteme, die Sie von Windows aus verwalten. Diese Technik nennt sich native Virtualisierung -- nativ, weil Wirts- und Gastsystem dieselbe Prozessorarchitektur teilen: Ein Amiga-System läuft nicht mit VMware.
Die Software speichert ihre Gastsysteme als Dateien in Ordnern. Sie müssen also keine Festplatten partitionieren, freier Speicherplatz genügt, um ein aktuelles Linux in einer VM unter Windows zu betreiben.
Zwar kommt Virtualisierungs-Software in erster Linie in Firmen oder bei Internet Service Providern zum Einsatz; Gründe, sie als Privatanwender zu nutzen, gibt es aber durchaus. Haben Sie experimentierfreudige Kinder, die gern mal ein System lahmlegen, oder wollen Sie trotz Windows-Umgebung sicher im Netz surfen, betreiben Sie dazu ein Gastsystem in einer virtuellen Maschine (Abbildung 1). Dank der Snapshot-Funktion frieren Sie es im intakten Zustand ein und stellen diesen nach gescheiterten Experimenten oder mutwilliger Zerstörung per Mausklick wieder her.
Mittlerweile bieten zudem viele Linux-Projekte ihre Software als VMware-Image an. Neugierige ersparen sich so eine aufwendige Installation und booten das Image mitsamt Software im kostenlosen VMware-Player.
Da Virtualisierung ein großes Thema und die Konkurrenz sehr stark ist, bieten immer mehr Firmen einige ihrer Virtualisierungs-Produkte gratis an. Seit Oktober 2005 können Sie daher kostenlos den VMware-Player nutzen, seit Anfang 2006 auch den VMware-Server. Die Workstation gibt es hingegen nur als 30-Tage-Testversion, ihre grafische Oberfläche bietet Ihnen weitergehende Möglichkeiten. Alle drei Produkte laden Sie von der VMware-Seite herunter [1], um die letzten beiden zu benutzen, benötigen Sie eine Seriennummer. Die erhalten Sie, wenn Sie sich bei VMware registrieren und dabei ziemlich viele Fragen beantworten. Die Evaluationslizenz für die Workstation schickt VMware nur an eine gültige E-Mail-Adresse.
Die drei Produkte installieren Sie jeweils per Doppelklick auf Ihrer Festplatte -- sie lassen sich jedoch nicht parallel einrichten. Alle drei Tools akzeptieren als Gastsystem nicht nur Linux, sondern auch sämtliche Windows-Versionen, FreeBSD, Solaris und Netware -- ein idealer Weg, um ein System schmerzlos zu testen.
Setzen Sie bei der Installation des Players ein Häkchen bei Yes disable autorun, vermeiden Sie, dass Wirts- und Gastsystem zugleich auf CD- und DVD-Laufwerke zugreifen.
Nach der Installation spielt der Player vorgefertigte VMware-Images ab. Diese Dateien finden Sie meist im ZIP-Format im Internet, auch VMware selbst bietet ein paar dieser Images an [2]. Sie entpacken die ZIP-Dateien und erhalten unter anderem eine Konfigurationsdatei im VMX-Format: Der Player braucht sie nach dem Start, um das Image zu booten.
Im Test kam ein VMware-Image des KDE-Projekts zum Einsatz, das als Demoversion für KDE 3.5.4 dient. Öffnen Sie in diesem Fall die Konfigurationsdatei mit dem Player, bootet Grub eine Version von Suse Linux 10.1 (Abbildung 2), die als Untersatz für KDE 3.5.4 dient. Klicken Sie mit der Maus in das VMware-Fenster des Gastsystems, um eine Boot-Option auszuwählen, [Strg-Alt] bringt die Maus zurück zum Wirtssystem -- also Windows.
Das Booten dauert länger als gewohnt, die VMs arbeiten -- abhängig von der Hardware -- etwas und mitunter auch deutlich langsamer. Um ein aktuelles Linux in annehmbarer Geschwindigkeit zu nutzen, sollte etwa 1 GByte Arbeitsspeicher in Ihrem Rechner stecken. Erscheint KDE, rufen Sie wie gewohnt Internetseiten auf und spielen Software aus externen Paketquellen ein -- business as usual. Fahren Sie das Gastsystem anschließend herunter, finden Sie Ihre Änderungen auch noch nach dem Neustart.
Ein Doppelklick auf die Titelleiste versetzt das System in den Vollbildmodus, über [Strg-Alt-Eingabe] kehren Sie zur Normalansicht zurück. Gegen die sehr kleine Auflösung von 640x480 Pixeln hilft die Installation der VMware-Tools: Die verbessern nicht nur die Grafik- und Netzwerkleistung des Gastsystems, sondern sorgen auch für eine angemessene Bildschirmauflösung, synchronisieren die Uhrzeit und ermöglichen den direkten Austausch von Daten zwischen Gast und Wirt per Copy & Paste [3].
Um das langwierige Hochfahren des Gastsystems zu umgehen, wählen Sie unter Player / Preferences die Option Suspend the virtual machine. VMware speichert den aktuellen Systemzustand in einer VMSS-Datei und stellt ihn nach einem Neustart in ein paar Sekunden wieder her -- mit sämtlichen gerade geöffneten Fenstern und laufenden Prozessen.
Sehr viel mehr Optionen für das Fein-Tuning bringt der VMware-Player nicht mit: Über Troubleshoot / Change Memory Allocation weisen Sie ihm Arbeitsspeicher zu: Bedenken Sie dabei, dass auch das Wirtssystem von etwas leben muss. Trotz eingeschränkter Möglichkeiten eignet sich der VMware-Player zum Testen neuer Software und ist recht schnell installiert. Im Übrigen besteht auch die Möglichkeit, ein ISO-Image als Vorlage für das Gastsystem zu verwenden, eine offiziell nicht unterstützte Option [4]. Besser eignet sich für solche Sachen der kostenlose Server.
Der VMware-Server hat einige Vorteile gegenüber dem Player: Er verkraftet mehrere Gastsysteme, zudem erstellen Sie an einer beliebigen Stelle einen Snapshot (Schnappschuss). So speichern Sie das System in seinem augenblicklichen Zustand als Sicherheitskopie ab. Bei Problemen drehen Sie später einfach die Uhr zurück.
Nach einem Doppelklick auf die ausführbare Datei entscheiden Sie sich für eine vollständige (Complete) oder eine angepasste (Custom) Installation. Um das "VMware Management Interface" zu nutzen, brauchen Sie die Internet Information Services (IIS) von Microsoft. Das Interface läuft in einem Browser und verschafft Ihnen Statusinformationen über die virtuellen Maschinen -- eine Funktion, die Sie vermutlich nicht benötigen.
Wählen Sie Custom, verzichten Sie auf das Interface und spielen Sie nur die übrigen Komponenten ein. Der Server besteht aus zwei Komponenten: einem Server, der die VMs verwaltet, und einem Client, der auf den Server zugreift. Theoretisch kann der Client auf mehrere Server zugreifen, die auf unterschiedlichen Rechnern laufen, und können umgekehrt mehrere Benutzer auf einen Server zugreifen. Dahinter steckt ein kompliziertes System von Rechtevergaben für einzelne virtuelle Maschinen [5], aber als Privatanwender benutzen Sie Server und Client auf demselben Rechner.
Ein Klick auf das Desktop-Icon VMware Server Console startet den Client. Nun melden Sie sich beim Server an: Ein Pop-up-Fenster fragt nach der IP-Adresse des Host, also Ihres Rechners, einem Loginnamen und einem Passwort. Als Host tragen Sie die IP-Adresse Ihres Computers ein, über den Login-Namen und das Passwort des Systemadministrators melden Sie sich erfolgreich an.
Nach dem Einloggen stehen Ihnen vier Optionen zur Verfügung:
Ein Klick auf New Virtual Machine ruft einen Wizard auf den Plan, der zunächst ein paar Daten von Ihnen erfragt. Für eine Standardinstallation wählen Sie Typical und entscheiden sich für ein Betriebsystem. Der Gast erhält einen Namen, und Sie weisen ihm einen Speicherort zu. Nach Auswahl eines Netzwerktyps -- zur Verfügung stehen Bridged Network, NAT und Host only -- geben Sie Speicherplatz frei: Aktuelle Linux-Systeme begnügen sich mit 4 GByte, für eine langfristige Nutzung brauchen Sie entsprechend mehr Platz.
Sind die Angaben vollständig, legen Sie zum Beispiel eine Kubuntu-DVD ins Laufwerk und klicken auf den Knopf mit dem kleinen grünen Pfeil (Start this virtual machine). Die noch leere virtuelle Maschine findet kein Betriebssystem auf der virtuellen Festplatte und schaut daher im virtuellen DVD-Laufwerk nach. Dort wartet schon Kubuntu, die VM bootet und installiert das System wie auf einen echten PC.
Über den roten Knopf Power Off ganz links in der Werkzeugleiste schalten Sie die VM aus, das Suspend-Symbol versetzt sie in den oben beschriebenen Suspend-Modus. Über Power On (das grüne Dreieck) starten Sie die VM erneut.
Nach der Installation nehmen Sie über das Symbol mit der Uhr einen Schnappschuss (Snapshot) des Systems auf, um es im frischen Zustand zu konservieren. Dabei speichert das Programm den Inhalt der virtuellen Festplatte und des virtuellen Arbeitsspeichers sowie die Einstellungen der Maschine in einer Datei. Klicken Sie auf das Symbol Revert Snapshot mit den zwei Pfeilen, dreht VMware die Zeit zurück und restauriert den alten Zustand des Systems. Allerdings zerstört diese Aktion auch alle seitdem gemachten Änderungen.
Über Edit virtual machine settings erreichen Sie die Voreinstellungen für die virtuellen Maschinen (Abbildung 3), über die Sie den Arbeitsspeicher vergrößern oder verkleinern und Netzwerkeinstellungen ändern.
Die Workstation von VMware bedienen Sie wie den Server, die Oberfläche bringt aber einige zusätzliche Features mit, die Privatanwender interessieren dürften. So nehmen Sie mit der Workstation nicht nur einen, sondern viele Schnappschüsse auf, die Sie über den Snapshot-Manager verwalten. Sie sind in der Lage, Gastsysteme in verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung einzufrieren. Haben Sie ein funktionierendes System aufgesetzt, klonen Sie es beliebig oft und erhalten so einheitlich konfigurierte VMs.
Nach dem Start der Testversion sehen Sie auch die Funktion New Team. Über diese bilden Sie aus mehreren virtuellen Maschinen ein Netzwerk. Unabhängig vom und unsichtbar für das Netzwerk des Wirtssystems tauschen diese Rechner über eigene LAN-Segmente Daten aus -- hier handelt es sich eher um ein Profi-Feature. Im Feld der Virtualisierung gehört VMware zu den komfortableren Lösungen und versetzt auch Privatanwender in die Lage, Virtualisierung ohne großen Aufwand zu betreiben.
Microsoft bietet seinen PC-Emulator Virtual PC 2004 seit kurzem kostenlos zum Download an: Wegen dieser Änderung haben wir die schon etwas veraltete Version mit in den Test aufgenommen.
Nach dem Download unter [6] (alternativ zu der kryptischen URL suchen Sie auf der Microsoft-Webseite das Download-Center und geben dort als Suchbegriff "Virtual PC" ein) richten Sie das Programm Windows-typisch über einen Installer ein. Virtual PC beschwert sich unter XP Home zunächst darüber, dass Sie nicht mit einer XP-Professional-Version arbeiten -- das Programm funktioniert aber trotz der Warnung.
Bei der Konfiguration der virtuellen Maschine kennt auch Virtual PC Vorgaben für allerlei Betriebssysteme, denn ein virtueller MS-DOS-Rechner braucht weniger Ressourcen als eine entsprechende XP-Maschine -- Linux gehört allerdings nicht zu den bekannten Systemen (Abbildung xx). Diesem Phänomen begegnet man auch später nochmal.
Im Test haben wir Suse Linux 10.1 auf dem virtuellen Rechner installiert. Überraschend war dabei zunächst das sehr gemütliche Booten von der DVD: Der Punkt Loading Installation System (78360 KB), also das Kopieren von ca. 80 MByte Daten in den Hauptspeicher, benötigte alleine fast zehn Minuten.
Auf dem Testrechner, einem aktuellen PC mit 3-GHz-Prozessor und 1 GByte RAM, beschäftigte die Installation von Suse Linux 10.1 den Microsoft'schen virtuellen PC über zwei Stunden (Abbildung 5); davon fielen eine Stunde und 40 Minuten allein auf das Kopieren der Pakete einer Standardinstallation mit KDE. Die nach dem Reboot folgende Erstkonfiguration schlug mit weiteren 15 Minuten zu Buche.
Leichte Probleme machte die Auflösung der X-Oberfläche: Die gewünschten 1280x1024 Pixel konnten wir zwar einstellen, der virtuelle PC stellte sie aber nicht korrekt dar. Mit der etwas kleineren Auflösung 1152x864 (bei 16 Bit Farbtiefe) klappte es dann aber. Experimente mit anderen Farbtiefen (15 und 24 Bit) waren übrigens erfolglos, mit diesen Einstellungen zeigte Virtual PC entweder gar nichts oder eine eigenartig verzerrte Grafik an. Der Grund für die Schwierigkeiten könnte in der emulierten (stark veralteten) S3-Grafikkarte liegen.
Gut funktioniert hat die Netzwerkeinrichtung: Gibt es im Windows-PC mehrere Netzwerkkarten, wählt man in der Virtual-PC-Konfiguration eine aus. Darüber erreicht dann der virtuelle PC das gleiche Netzwerk, das auch der Windows-Rechner sieht. Das funktionierte sehr gut: Über den im lokalen Netz installierten DHCP-Server wurde das Suse Linux direkt mit einer IP-Adresse und den nötigen Zugangsinformationen für das Internet (Router und DNS-Server) versorgt. Alternativ unterstützt Virtual PC noch weitere Möglichkeiten der Netzwerkanbindung, zum Beispiel die Mitbenutzung der Windows-IP-Adresse; das gelang im Test aber nicht.
Ähnlich wie VMware bietet auch Virtual Server die Möglichkeit, im Gastbetriebssystem Spezialtreiber zu installieren, mit denen dann die Zusammenarbeit von Gast und Host besser funktioniert. Wie weiter oben angekündigt, zeigt sich hier wieder eine gewisse Betriebsblindheit gegenüber Linux: Zwar findet man über die virtuelle CD, die das Programm nach Aufruf von Virtual Machines Additions installieren/aktualisieren einbindet, Treiber für Windows und Exoten wie MS-DOS und IBM OS/2 -- aber keine für Linux. Damit bleiben Copy & Paste und freies Bewegen der Maus zwischen Emulation und echtem PC Features, die nur die Konkurrenz kennt.
Microsoft unterstützt bei Virtual Server (ein Schwesterprodukt von Virtual PC für den professionellen Einsatz) Linux als Gastsystem -- ob es für Virtual PC auch passende Treiber geben wird, ist unklar.
Die Beschreibung der Linux-Installation im Microsoftschen virtuellen PC könnte zu der Annahme verleiten, das Produkt zeichne sich insgesamt durch behäbige Aktionen aus -- zum Glück ist das nicht der Fall. Arbeiten mit der virtuellen Maschine war kein Problem, Programme starteten zügig und waren gut bedienbar. Zu Spitzenleistungen schwang sich das System sogar auf, wenn es um das Anhalten und Wieder-Starten der virtuellen Maschinen ging: Nach dem Einfrieren (danach kann man Virtual PC beenden und z. B. den Rechner herunterfahren) brauchte Virtual PC unter zehn Sekunden, um die laufende virtuelle Maschine wiederherzustellen.
Die Boot-Zeit (von der Auswahl von Suse Linux im Grub-Bootmenü bis zum fertigen laden der grafischen Oberfläche) lag mit anderthalb Minuten im Rahmen dessen, was auch auf einem echten Rechner nötig ist.
Zwar funktionierten bei der Maus alle drei Tasten unter Linux, also auch die wichtige mittlere Maustaste, das Scrollrad blieb jedoch ohne Funktion. Dazu gesellte sich ein Problem mit der Tastenbelegung: Die AltGr-Taste funktioniert wie [Strg], damit waren Zeichen wie "\" (Backslash) und "~" (Tilde) unter Linux nicht verfügbar. Wer zum Beispiel die Linux-Installation dazu verwenden will, ein schönes LaTeX-System aufzusetzen, wird mit dieser Situation nicht glücklich, denn dort ist der Backslash ein sehr häufig zu tippendes Zeichen.
Öffnet man die Virtual-PC-Einstellungen (Abbildung 7) und klickt neugierig in den Bereich Freigegebene Ordner, kommt wieder die "Microsoft-kennt-Linux-nicht"-Enttäuschung auf. Zwei Windows-Versionen als Gast- und Host-Systeme richten hier Verzeichnisse für den gemeinsamen Zugriff ein. Komfortabel, aber eben nur für die Windows-unter-Windows-Lösung.
Als Alternative zu Virtual PC und VMware lohnt sich ein Blick auf das Produkt Parallels Workstation 2.1 vom amerikanischen Unternehmen Parallels [8]. Die Software emuliert ebenfalls einen vollständigen PC mit allen notwendigen Geräten, wie Festplatte, Arbeitsspeicher und CPU. Auch eine Netzwerkkarte stellt die Emulation dem Anwender zu Verfügung, über die Gast und Host bei Bedarf Daten austauschen.
Parallels gibt es für Linux, Mac OS und Windows. Als Gastsystem nimmt es sowohl 32-Bit- als auch 64-Bit-Systeme auf, für das Hostsystem (also den Rechner, auf dem die virtuellen Maschinen laufen) setzt es allerdings ein 32-Bit-System voraus. Der Emulator hat relativ moderate Hardware-Anforderungen, die alle aktuellen PCs erfüllen: Der Prozessor sollte eine Taktfrequenz von mindestens 1,5 GHz haben, und der Hersteller empfiehlt eine Arbeitsspeicherausstattung von 1 GByte RAM. Die Parallels-Installation beansprucht 20 MByte Festplattenplatz, dazu kommt noch der Platz, den Sie den Gastsystemen einräumen.
Als Gäste akzeptiert Parallels Fedora Core, Mandriva, Red Hat und Suse Linux sowie Debian. Daneben bietet sich die Software zum gefahrlosen Testen von FreeBSD oder für die Wiederbelebung alter OS/2-Warp-CDs an. Außerdem kommt Parallels auch mit Microsoft-Windows-Versionen ab 3.1 klar.
Parallels Workstation kostet rund 45 US-Dollar. Im Test kam die von der Webseite herunterladbare Demo-Version zum Einsatz: Diese ist im Funktionsumfang nicht eingeschränkt, läuft aber nur 15 Tage. Beim Installieren fragt das Setup einen Evaluierungsschlüssel ab, der nach einem recht unkomplizierten Registriervorgang per Mail kommt.
Die Installation verläuft nach dem unter Windows üblichen Prinzip des Doppelklicks auf das selbstentpackende Archiv. Das Setup fragt neben dem Schlüssel noch einige grundsätzliche Einstellungen, z. B. den Speicherort, ab, kopiert die Software auf die Platte und generiert auf Wunsch Einträge im Startmenü sowie auf dem Desktop.
Ist Parallels einmal installiert, fällt das Anlegen der virtuellen Maschinen leicht: Im Konfigurationsdialog finden sich die Einstellungen, die dem Gastsystem Features erlauben oder verwehren. Am interessantesten ist hier der Dialog zum Einstellen der virtuellen RAM-Größe, die maßgeblich beeinflusst, wie performant das Gastsystem arbeitet. Das Programm riegelt von Haus aus ab, wenn der zugeteilte Bereich so groß gewählt ist, dass das Hostsystem nicht mehr vernünftig arbeiten könnte.
Im Test kam ein Suse Linux 10.1 auf einem Athlon XP 2000 mit 1,5 GByte Arbeitspeicher zum Einsatz. Obwohl also reichlich RAM zur Verfügung steht und das Parallels ihn in der Konfiguration auch als verfügbar anzeigt, nutzt er wenig: Bei einem reservierten Speicher von mehr als 284 MByte erscheint ein Dialog, der von dieser Einstellung abrät, weil darunter die Performance leiden würde.
Installiert man gemäß dieser Vorgabe, macht das Arbeiten nicht viel Spaß: Schon das Aufspielen der Pakete verläuft sehr langsam (Abbildung 8). Für den Start größerer Anwendungen ist ebenfalls viel Zeit einzuplanen. Immerhin erlaubt die Software so einen Blick auf das komplette Produkt (Abbildung 9).
Abb. 8: Beim Einspielen der Pakete für das Gastsystem macht sich die schwache Performance bemerkbar. |
Abb. 9: Obwohl das Arbeiten mit der Parallels-Emulation zäh verläuft, erlaubt die Software doch einen Blick auf den Linux-Desktop. |
Insgesamt fünf Linux-taugliche Emulatoren unter Windows haben Sie auf diesen Seiten kennen gelernt: VMware als Server, Workstation und Player, Microsoft Virtual PC und Parallels. Während alle prinzipiell für den Start des Pinguinsystems unter Windows geeignet sind, fallen beim genauen Hinsehen viele Stärken und Schwächen auf.
Bei Virtual PC enttäuscht vor allem die völlig fehlende "offizielle" Unterstützung für Linux, die sich vor allem in Form fehlender Treiber äußert. VMware nötigt zunächst zur Entscheidung für eine der drei Versionen: Die Workstation-Variante wird für die meisten Anwender die beste sein, ist nur leider gleichzeitig auch die einzige, die Geld kostet. Wer das ausgeben mag, kann sich mit VMware Workstation fast alle Wünsche erfüllen, denn VMware bindet Linux-Gastsysteme über spezielle Treiber (für den Gast) sehr gut in die laufende Umgebung ein.
Bei Parallels konnte die Performance nicht überzeugen, und spezielle virtuelle Treiber für den Linux-Gast bringt der Emulator auch nicht mit. Immerhin kennt man bei Parallels aber Linux (es gibt ja auch eine Version für Linux als Hostsystem).
Praktisch ist: Alle Emulatoren, ob kostenlos oder mit Preisschild, können Sie vor der endgültigen Entscheidung ausprobieren, und das ist in jedem Falls gratis, sieht man von den Downloadkosten ab. Darum treffen Sie die Entscheidung für eines der Produkte am besten selbst, auf Ihrem Rechner und mit Ihren Windows- und Linux-Versionen. Gefällt Ihnen schließlich keine Variante, ist vielleicht die umgekehrte Emulation (Windows unter Linux) besser, die wir auf Seite 30-39 beschrieben haben. (hge/amu)
| Infos |
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[1] VMware: http://www.vmware.com/de/
[2] VMware Images: http://www.vmware.com/vmtn/appliances/ [3] Deutsche Anleitung zur Installation der VMware-Tools: http://www.vmware.com/de/pdf/ws5_manual_de.pdf [4] ISO-Dateien im VMware-Player: Peter Kreußel: "VMware gratis", LinuxUser 01/2006, S. 8 ff. [5] Handbuch für den VMware-Server (englisch):http://pubs.vmware.com/server1/ [6] Microsoft Virtual PC 2004: http://www.microsoft.com/downloads/details.aspx?FamilyID=6d58729d-dfa8-40bf-afaf-20bcb7f01cd1&DisplayLang=de [7] Älterer Artikel über Emulatoren unter Windows, Hans-Georg Eßer: "Linux-Fenster öffnen", EasyLinux 05/2005, S. 20 ff., http://www.easylinux.de/2005/05/020-lin-unter-win/ [8] Parallels: http://www.parallels.com/ |
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Last modified: 2008-11-05 17:02
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