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Erschienen in EasyLinux 09/2006   »   Ausgabe bestellen

Google Earth zeigt die Welt

Weltreise zu Hause

Carsten Schnober


Google Earth bringt Satellitenaufnahmen auch auf den Linux-Desktop. Werkzeuge wie Routenplaner und Entfernungsmesser helfen beim Erforschen der Erde.

Satellitenfotos von der ganzen Welt für alle und kostenlos -- Google macht's möglich. Die Anwendung Google Earth [1] blieb Linux-Anwendern lange versperrt, doch im Juni veröffentlichte der Suchmaschinenexperte die Beta-Version der vierten Google-Earth-Ausgabe auch für das freie Betriebssystem.

Google Earth bildet die Schnittstelle zu einer riesigen Datenbank Fotos auf dem Google-Server, aufgenommenen von Flugzeugen und Satelliten. Von dort lädt das Programm Bilder herunter, wenn der Benutzer eine bestimmte Region betrachten möchte. Daneben liefert Google Earth Informationen über Entfernungen, Reiserouten, Sehenswürdigkeiten und Shopping-Möglichkeiten. Für visuelle Freude sorgt das so genannte Anfliegen bestimmter Punkte, bei dem der Benutzer in einer 3D-Ansicht zu einem angegebenen Ort über die Erde fliegt.

Anforderungen

Voraussetzung für Google Earth ist ein Pentium-3-PC mit mindestens 500 MHz und 128 MByte Arbeitsspeicher. Auf der Festplatte beansprucht es wenigstens 400 MByte Speicherplatz, vor allem um bereits heruntergeladene Bilder zwischenzuspeichern. Funktionierende 3D-Beschleunigung ist nicht zwingend erforderlich, empfiehlt sich aber für einen flüssigen Ablauf der Animationen dringend.

Über die Minimalanforderungen hinaus rät Google zu mindestens 512 MByte Arbeitsspeicher und einem Prozessor mit 2,4 GHz. Eine schnelle Internetverbindung (z.B. DSL) verhindert nervend lange Nachladezeiten beim Navigieren durch die Welt.

Vor der Installation steht der Download von [2]. Das 16,2 MByte große Paket GoogleEarthLinux.bin enthält ein eigenes Installationsprogramm, das sich nicht in die Software-Verwaltung der Linux-Distributionen einfügt. Speichern Sie es in einem beliebigen Ordner, beispielsweise in Ihrem Home-Verzeichnis. Dann navigieren Sie im Dateimanager Konqueror an diesen Ort.

Bevor Sie das Installationsprogramm starten können, machen Sie es zunächst ausführbar: Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Datei GoogleEarthLinux.bin und wählen Sie Eigenschaften. Im Reiter Berechtigungen aktivieren Sie die Option Ausführbar und schließen den Dialog mit OK. Anschließend genügt ein Klick mit der linken Maustaste auf die Google-Earth-Datei, um die Installationsroutine aufzurufen.

Es öffnet sich zunächst ein Terminalfenster, das den Fortschritt anzeigt. Nach dem automatischen Entpacken des Paketinhalts erscheint ein weiteres Fenster, das den Lizenzvertrag anzeigt. Sind Sie mit den Bestimmungen einverstanden, klicken Sie auf Ich stimme zu, andernfalls beendet Abbrechen den Vorgang.

Im nächsten Schritt steht die Wahl des Zielverzeichnisses an (Abbildung 1). Der Standardvorschlag lautet google-earth unterhalb Ihres Home-Verzeichnisses, falls Sie das Einrichtungsprogramm als normaler Benutzer aufgerufen haben. Sollen alle Benutzer des Systems auf Google Earth Zugriff erhalten, starten Sie die Installation mit Root-Rechten, der Vorschlag für das Zielverzeichnis heißt dann /usr/local/google-earth.

Außerdem legen Sie im Feld Binary-Pfad ein Verzeichnis fest, in dem das ausführbare Programm zum Start von Google Earth landet. Der Button Installation beginnen kopiert die Programmdateien an den gewählten Ort. Abschließend erhalten Sie eine Zusammenfassung der Installation, ein Klick auf Start ruft Google Earth in der Startansicht auf (Abbildung 2).

Abb. 1: Das mitgelieferte Installationsprogramm richtet Google Earth im Home-Verzeichnis für einen Benutzer oder mit Root-Rechten systemweit ein.

Abb. 2: Satelliten- und Flugzeugaufnahmen der ganzen Welt stehen in unterschiedlich hoher Auflösung zur Verfügung.

Volle Kraft voraus

Die Steuerungsleiste am linken Bildrand besteht aus drei Abschnitten. Im oberen suchen Sie nach bestimmten Orten. Dazu geben Sie ins Eingabefeld einen Stadtnamen, auf Wunsch auch mit genauer Adressangabe ein. Drücken Sie die Eingabetaste oder klicken Sie auf den Abspiel-Button unter der Eingabemaske, beginnt einen Flug von der aktuellen Position zum gewünschten Ort.

Die Navigation durch die Google-Welt erfolgt mit der Maus. Bei gedrückter linker Taste lässt sich der gezeigte Bildausschnitt verschieben. Das Mausrad vergrößert und verkleinert die Ansicht. Daneben erscheinen in der rechten oberen Bildecke ein Kompass sowie zwei Schieberegler, wenn Sie den Mauszeiger in diesen Fensterbereich bewegen (Abbildung 3).

Der Kompass dient dazu, die Kartenausrichtung im Verhältnis zur Himmelsrichtung zu ändern; in der Voreinstellung liegt der Norden, wie auf Landkarten üblich, oben. Der horizontale Schieberegler über dem Kompass erlaubt es, den Blickwinkel auf die Bilder zu ändern. Statt der rechtwinkligen Draufsicht entsteht so eine schräge Perspektive (Abbildung 4). Allerdings stehen die Aufnahmen nur zweidimensional zur Verfügung, so dass Landschaften, insbesondere Städte, beim Heran-Zoomen unrealistisch platt wirken. Der horizontale Schieberegler schließlich erlaubt das Vorwärts- und Rückwärtsnavigieren.

Abb. 3: Die Navigationswerkzeuge rechts oben im Bild ändern die Perspektive.

Abb. 4: Der Blickwinkel lässt sich verschieben, allerdings wirken Gebäude bei hohem Zoom-Faktor platt.

Als weiteres hilfreiches Feature berechnet Google Earth die kürzeste Fahrtstrecke zwischen zwei Punkten. Die Orte können dabei innerhalb einer Stadt oder am anderen Ende des Kontinents liegen -- allerdings kennt das Programm in einigen Weltregionen die Straßen nicht und kann dort keine Routen berechnen. Geben Sie im Reiter Wegbeschreibung des oberen Bereichs der Seitenleiste Start- und Zielort ein, sehen Sie einen Kartenausschnitt, der die beiden Punkte enthält. Die wichtigsten Wegmarken werden dabei auf dem Bildschirm dargestellt und sind in der Seitenleiste aufgelistet (Abbildung 5).

Abb. 5: Google Earth dient auch als Streckenplaner und berechnet den kürzesten Weg zwischen zwei Orten.

Suchen Sie beispielsweise ein Fachgeschäft oder ein Restaurant, wechseln Sie zum Reiter Branchen. Darin geben Sie im oberen Eingabefeld eine Bezeichnung wie Computer und im unteren einen Ort ein. Dabei können Sie entweder eine Adresse eintragen oder in der aktuellen Ansicht suchen. Die Ergebnisse finden Sie auf der Karte und in der Seitenleiste.

Ebenen

Welche Informationen Google Earth auf den aktuell sichtbaren Bildern anzeigt, legen Sie im unteren Teil der Seitenleiste im Bereich Ebenen fest. Darin veranlassen Sie Google Earth unter anderem, Straßen, Städte, Flughäfen, Zugstrecken, Parks und Sehenswürdigkeiten in die Fotolandschaft zu integrieren.

Über den Menüpunkt Hinzufügen / Ortsmarke... oder das Reißzweckensymbol in der Werkzeugleiste legen Sie eigene Ortsmarken an. Im erscheinenden Dialogfenster geben Sie einen beliebigen Namen dafür ein. In den Feldern Breite: und Länge: erfahren die exakte Position über die Längen- und Breitengrade. Bis Sie den Dialog mit dem Button OK schließen, können Sie diese verändern, indem Sie die neue Ortsmarke mit gehaltener linker Maustaste auf der Karte verschieben. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, eine Beschreibung einzugeben und die Farbe anzupassen.

Ebenfalls hilfreich ist das Lineal, erreichbar über die Symbolleiste oder den Menüpunkt Tools / Lineal. Haben Sie das Werkzeug ausgewählt, klicken Sie zwei Punkte auf der Karte an. Im Lineal-Dialogfenster erscheint daraufhin der Abstand zwischen den Punkten in einer frei wählbaren Einheit.

Tuning

Dass es sich bei Google Earth für Linux noch um eine Beta-Version handelt, äußert sich im Zusammenspiel mit manchen Grafikkarten in Darstellungsfehlern. Um sie zu beheben, genügt es in einigen Fällen, das Fenster zu maximieren und danach die alte Größe wiederherzustellen. Hilft das nicht, stellt der Dialog unter Tools / Optionen Möglichkeiten zur Verfügung, die Grafikausgabe anzupassen.

Im Bereich Grafikmodus deaktiviert die Option Abgesicherter Modus erweiterte Grafikfunktionen und reduziert damit die Ansprüche an Hardware und Treiber, allerdings auch die Darstellungsqualität. Daneben legen Sie unter Detailbereich die Bildauflösung in drei Stufen fest. Bei niedriger Auflösung benötigt Google Earth weniger Grafikkartenspeicher, allerdings führt sie auch zu detailärmeren Bildern.

Im Reiter Cache bestimmen Sie, wie viel Platz auf der Festplatte und im Arbeitsspeicher Google Earth beansprucht, um vom Server erhaltene Bilder zwischenzuspeichern. Je weniger Kapazität Sie dem Programm einräumen, desto schneller löscht es empfangene Bilder; betrachten Sie dann eine Region nochmals, muss Google Earth Bilder gegebenenfalls erneut herunterladen.

Im Reiter Allgemein verbirgt sich die Option Nutzungsstatistiken an Google senden. Sie ist in der aktuellen Beta-Version nach der Installation ausgeschaltet, gibt aber einen Hinweis auf das Geschäftsmodell von Google Earth: Die Erhebung von Nutzungsdaten hilft dem Hersteller, besonders häufig aufgesuchte Orte ausfindig zu machen und so die Kooperation mit Werbekunden zu verbessern. Hat sich das kostenlose Produkt erst etabliert, könnte eine prominente Anzeige beispielsweise in der Branchensuche einem Geschäft, Restaurant oder Hotel große wirtschaftliche Vorteile bringen, die sich wiederum Google bezahlen ließe.

Ungeschlagen

Das bereits vor einiger Zeit als Web-Anwendung veröffentlichte Google Maps [3] rief mit seinen detailreichen Satellitenaufnahmen großer Teile der Welt bereits bei einigen Benutzern Begeisterungsstürme hervor. Google Earth übertrifft die Web-Applikation in punkto Bildschärfe und Abdeckung noch -- auch wenn das Programm von dünner besiedelten Gebieten deutlich weniger genaue Bilder liefert, insbesondere im Vergleich mit nordamerikanischen Großstädten. Der Vorteil von Google Maps ist, dass Sie es von jedem Computer mit JavaScript-fähigem Browser aus verwenden können, ohne Software nachzuinstallieren.

Dass Google nun auch Linux berücksichtigt, kann die Nutzer des freien Betriebssystems freuen. Denn nicht nur die Qualität der Bilder überzeugt, auch die Werkzeuge wie der Routenplaner, das Lineal zum Messen von Distanzen oder die Möglichkeit zum Setzen eigener Ortsmarken erleichtern die Benutzung in vielen Anwendungsfällen.

Auf die kostenpflichtigen Zusatzangebote von Google Earth müssen Linux-Anwender derzeit allerdings noch verzichten: Windows-Nutzer haben die Möglichkeit, für 20 US-Dollar Google Earth Plus zu erwerben, das auch GPS-Daten zur satellitengestützten Ortsbestimmung, höhere Druckauflösungen, Support per E-Mail und den Import von Dateien mit Adresseinträgen unterstützt.

Die weiteren kostenpflichten Angebote Google Earth Pro und Google Earth Enterprise bieten unter anderem Zusatzfunktionen wie den Einsatz von 3D-Modellen, so dass Gebäude aus allen Perspektiven realistisch erscheinen. Ob Google diese Produkte auch Linux-Anwendern anbieten wird, ist noch nicht bekannt. (csc)

Infos
[1] Google Earth: http://earth.google.com
[2] Google Earth Download: http://earth.google.com/download-earth.html
[3] Google Maps: http://maps.google.com

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