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Hans-Georg Eßer
Office unter Linux -- das muss nicht immer OpenOffice heißen, und schon gar nicht Microsoft Office, das man nur mit Zusatzprogrammen wie CrossOver Office oder einer vollständigen Windows-Installation im Emulator zum Laufen bekommt. Die deutsche Softwareschmiede SoftMaker hat schon seit vielen Jahren ein eigenes Office-Produkt im Angebot. TextMaker und PlanMaker decken die beiden klassischen Arbeitsfelder Textverarbeitung und Tabellenkalkulation ab. Sie sind jetzt als Bundle unter dem Namen "SoftMaker Office 2006" in einer neuen Version erschienen.
Die Windows-Version ist seit August erhältlich, und die Linux-Variante steht auch in den Startlöchern: TextMaker und PlanMaker warten in der 2006er Ausgabe mit neuen Funktionen auf. Der Hersteller verspricht unter anderem verbesserte Microsoft-Office-Kompatibilität, aber auch in eine andere Richtung haben sich die Entwickler orientiert: Die Programme lesen nun auch einige OpenOffice-Formate.
Was die SoftMaker-Programme schon immer ausgezeichnet hat, ist die Vielfalt der Plattformen, für die sie erhältlich sind: Neben den äußerlich identischen Linux- und Windows-Versionen (Abbildung 1) gibt es die beiden Programme noch in Varianten für einige Organizer (derzeit auch im Betatest). Die letzte TextMaker-Version war zudem noch als FreeBSD-Version erhältlich.
SoftMaker Office war schnell installiert: Die Betaversion kam als 27 MByte großes tgz-Paket auf den Rechner; nach dem Entpacken lagen im neuen Unterverzeichnis office/ die ausführbaren Dateien textmaker und planmaker. Da diese Programme nicht von Bibliotheken abhängen, laufen sie praktisch auf jedem Linux-System. Wer mag, erzeugt sich für diese Dateien ein Icon auf dem Desktop oder legt mit dem K-Menü-Editor einen Eintrag im Startmenü an.
Text- und PlanMaker sind zwei unabhängige Programme, auch wenn SoftMaker sie nun im Bundle anbietet. Bei der Windows-Version gibt es immerhin in jedem Programm einen Button, um die Schwesteranwendung zu starten; Linux-Anwender müssen darauf aber verzichten.
Beide Programme starten sehr schnell, und darauf legt der Hersteller auch großen Wert. Auch im Betrieb kommt es selten zu Wartezeiten. Für das Öffnen einer 600 Seiten langen Word-Datei benötigte TextMaker etwa 20 Sekunden. Ein zum Vergleich herangezogenes OpenOffice 2.0 brauchte ein paar Sekunden länger und hängte sich danach auf. OpenOffice 1.1 war da etwas erfolgreicher (ca. 25 Sekunden, kein Absturz).
Die Standardfeatures sind alle vorhanden; wer mit Office-Anwendungen nur die üblichen Aufgaben erledigt, wird sich auf Anhieb zurecht finden: egal, ob vorher Microsoft Office oder OpenOffice das Programm der Wahl war.
Die Textverarbeitung besitzt einige Spezialfeatures, die das Programm für Desktop-Publishing-Aufgaben geeignet machen. So ist es beispielsweise möglich, Schrift mit variabler Laufweite (also dem Abstand zwischen den Buchstaben) und Breite zu setzen, und bei Kapitälchen kann man die Höhe der Kleinbuchstaben auswählen (Abbildung 2): Ein Wort, das in Kapitälchen gesetzt wird, enthält nur Großbuchstaben -- an den Stellen, wo regulär Kleinbuchstaben stehen würden, sind die Großbuchstaben allerdings proportional verkleinert. Professionelle Textsetzer arbeiten mit separaten Kapitälchen-Fonts, bei denen die Strichdicke von Kapitälchen und normalen Buchstaben gleich ist. Textverarbeitungsprogramme (so auch TextMaker) verkleinern einfach die Buchstaben, so dass die Kapitälchen aus dünneren Strichen bestehen. Auch beim Hoch- und Tiefstellen von Text zeigt sich TextMaker variabel (Abbildung 3)
Die Laufweiteneinstellung funktionierte in der Betaversion noch nicht: Einstellungen waren wirkungslos. Die Kapitälchenfunktion versagt bei Umlauten: TextMaker weiß nicht, dass "Ä" die große Form von "ä" ist. Das gilt auch für das scharfe S (ß), das in Kapitälchenform zu "SS" werden müsste.
Ein weiteres interessantes Feature von TextMaker ist das Konzept der Masterseite: Auf einer solchen Seite ordnen Sie Elemente an, die Sie wiederkehrend auf jeder Seite sehen wollen. Das können Kopf- und Fußzeilen, aber auch beliebige andere Objekte sein, beispielsweise eine Grafik am linken oder rechten Rand.
Ein weiteres Microsoft-Feature, das die SoftMaker-Programme beherrschen, ist WordArt (Abbildung 4): Dieses Officemodul von Microsoft erlaubt das künstlerische Gestalten von Textelementen, darunter auch dreidimensionale Schriftzüge.
Der Hersteller bietet auf seiner Webseite mehrere Beispieldokumente [2] im Microsoft-Excel-Format an, welche die Importqualitäten, insbesondere im Vergleich mit OpenOffice, hervorheben. Deren Auswahl ist natürlich (wegen der Auswahl durch den Hersteller) nicht repräsentativ, zeigt aber zumindest anschaulich Beispiele für gelungene Importe.
Wie versprochen, lesen die Programme nicht nur Word- und Excel-Dateien, sondern auch Dokumente der OpenOffice-Textverarbeitung Writer -- uralt (und mit Dateiendung .sdw) dürfen diese nicht sein, aber der Filter beherrscht die aktuelleren Formate .sxw und .odt. Speichern kann TextMaker das OpenOffice-Format nicht.
Word-Dateien öffnet TextMaker wie solche im eigenen Format, und nach einem Klick auf den Speichern-Button (oder [Strg-S]) schreibt das Programm die Änderungen in die Originaldatei. Anders läuft es bei OpenOffice-Writer-Dokumenten ab, die TextMaker nur lesen kann: Gleich nach dem Öffnen ändert sich der Dateiname und bekommt die TextMaker-eigene Endung .tmd (TextMaker Document). Dabei handelt es sich um eine Kopie der OpenOffice-Datei im eigenen Format; das Original verändert TextMaker also nicht. Wer eine solche Datei öffnet und direkt wieder schließt, muss trotzdem bestätigen, dass die Änderungen verloren gehen -- auch wenn der Text noch im Originalzustand ist.
Das 325 Seiten starke, gedruckte Handbuch führt sehr elementar in die Bedienung von Text- und PlanMaker ein; regelmäßige Anwender anderer Office-Pakete werden einen Großteil überspringen oder nur querlesen.
Die Onlinehilfe (Hilfe / Inhalt) rief in der Linux-Version eine 527 Seiten starke TextMaker-Anleitung bzw. ein 673-Seiten-PlanMaker-Buch im Acrobat Reader auf: Diese PDF-Dokumente sind deutlich ausführlicher als das gedruckte Handbuch. Unter Windows gibt es eine ausführliche Hilfe im Windows-Help-Format.
SoftMaker hat Text- und PlanMaker zu einem leistungsfähigen und dabei überschaubaren Office-Bundle geschnürt, das kontaktfreudig Microsoft-Office-Dokumente und aus der OpenOffice-Welt immerhin Writer-Dateien liest. Für den täglichen Gebrauch ist die Microsoft-Kompatibilität eh wichtiger. Mit 70 Euro ist das Programmpaket günstig. Die Programme haben einige Spezial-Features, die man so in anderen Officeprodukten nicht findet. Im Vergleich zu kostenloser Software (wie z. B. OpenOffice) tut sich zwar jedes mit einem Preisschild versehene Produkt schwer -- fairer ist aber eh der Vergleich mit der kommerziellen OpenOffice-Variante StarOffice (Sun, 80 Euro).
Die bemängelten Fehler werden als Eigenschaften der Betaversion vielleicht bis zur endgültigen Version behoben -- diese ist für Anfang November angekündigt, und wir werden in der nächsten EasyLinux-Ausgabe einen Test der Endfassung nachreichen. (hge)
| Softmaker Office 2006 Linux | |
| Typ: | Office-Paket für Linux |
| Im Test: | Version 2006 Beta (vom 22.09.2006) |
| Hersteller: | SoftMaker Software GmbH |
| URL: | http://www.softmaker.de |
| Preis: | 69,95 Euro |
| Erscheint: | Anfang November 2006 |
| Infos |
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[1] Softmaker Office: http://www.softmaker.de/of.htm
[2] Beispieldokumente für MS-Office-Kompatibilität: http://www.softmaker.de/ofwcomp.htm |
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Last modified: 2008-11-05 17:02
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