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Erschienen in EasyLinux 09/2006   »   Ausgabe bestellen

Freespire, Linspires kleiner Bruder

Geschenkter Gaul


Der amerikanische Linux-Distributor Linspire wartet dieser Tage mit Freespire auf, einer kostenlosen Variante der eigenen Distribution. Lesen Sie hier, was das freie Linspire taugt.

Martin Loschwitz

Freespire heißt die kostenlose Version von Linspire. Möchten Sie Version 1.0 ausprobieren, müssen Sie zunächst ein CD-Abbild von der Downloadseite des Projekts herunterladen. Dazu stellt Freespire neben Bittorent-Links weiter unten Adressen für den ISO-Download zur Verfügung. Neben Freespire, das zwar kostenlos ist aber nicht vollständig aus Open-Source-Software besteht, finden Sie ganz unten auf der Seite auch einen Link zu einer Freespire-Version, die nur freie Software beinhaltet. Je nach Version ist die ISO-Datei rund 700 MByte groß. Nach dem Download brennen Sie aus dem Abbild eine CD und starten den Rechner anschließend mit der CD im Laufwerk neu. Beachten Sie beim Brennen, das Abbild als CD und nicht die Datei auf eine CD zu brennen.


Bittorent: Spezielles Download-Verfahren, bei dem die Zieldatei nicht vom Server bezogen wird, sondern von allen Rechnern, die am Download beteiligt sind oder die Datei bereits heruntergeladen haben. Dazu ist ein spezielles Programm nötig (Bittorent-Client. Linux-Clients sind zum Beispiel KTorrent oder Azareus.

Nach dem Systemstart von CD erscheint zunächst ein Auswahlfenster, bei dem Sie sich entscheiden, ob Sie den Installationsprozess starten, ein Live-System von CD booten oder ein Programm zum Einteilen der Platte aufrufen möchten. Um mit der Installation zu beginnen, wählen Sie hier den ersten Menüpunkt. Sämtliche Dialoge des Installationsprogramms sind englisch. Wer diese Sprache nicht beherrscht, muss sich durchhangeln oder schon an dieser Stelle geschlagen geben.

Die Installation ist sehr einfach und geht zügig voran. Das System stellt lediglich einige Fragen zur Festplattenpartitionierung. Entweder gestehen Sie Freespire die gesamte Platte zu oder Sie landen in einem übersichtlichen Programm zur Aufteilung der Festplatte. Nachdem die Routine das Grundsystem auf die Platte kopiert hat, legen Sie einen Benutzer an und richten das Root-Passwort ein. Bei diesen Einstellungen weicht Freespire leicht von den üblichen Vorgehensweisen ab: So müssen Sie für den Benutzer kein Passwort festlegen. Stattdessen benötigen Sie für den grafischen Login das Root-Passwort. Immerhin arbeiten Sie unter Freespire nicht mehr als Root, wie unter Linspire üblich.

Der Desktop

Der Freespire-Desktop präsentiert sich nach der Installation sauber und aufgeräumt. Als Desktop-Umgebung kommt KDE zum Einsatz. Wie die Installationsumgebung ist auch die grafische Oberfläche in englischer Sprache gehalten. Für Anfänger ohne Englischkentnisse scheidet Freespire definitiv aus.

Haben Sie schonmal mit Linspire gearbeitet, werden Ihnen die Elemente des Freespire-Desktops bekannt vorkommen: Er gleich dem von Linspire praktisch aufs Haar. Der einzige Unterschied ist der Knopf zum Öffnen des K-Menüs: Er ist mit dem blauen Freespire-Logo anstelle des grünen Linspire-Logos belegt.

Sonst bietet Linspire die üblichen Programme: Hinter dem Web Browser versteckt sich Firefox in einer aktuellen Version, auch OpenOffice und die üblichen Verdächtigen wie Kopete als Instant Messenger und KMail als E-Mail-Programm sind vorhanden. Für die Foto- und Musikverwaltung kommen die von Linspire entwickelten Tools LPhoto und LSong zum Einsatz.

Software-Installation

Kommerzielle 3D-Treiber für ATI- oder Nvidia-Grafikkarten sind bei Freespire nicht an Bord, sie lassen sich aber nachinstallieren. Da Freespire auf Debian basiert, verwenden Sie dazu am besten das Programm apt- get auf der Kommandozeile.

Zusätzlich zum distributionseigenen Paketsystem haben Sie auch die Möglichkeit, Zusatzsoftware über das für Linspire entwickelte, proprietäre Click'n'Run-Warehouse (kurz CNR) zu installieren. Um das Online-Kaufhaus zu benutzen, müssen Sie sich vorher bei Linspire kostenlos registrieren. Danach stehen Ihnen viele Pakete mit Programmen zur Verfügung. Suchen Sie nach German translation, finden Sie hier auch die deutschen KDE-Pakete (Abbildung 1). Zentrale Pakete, wie LPhoto, LSongs, der Browser und das EMail-Programm bleiben aber weiterhin englisch. Gold-Mitgliedern des CNR-Warenhauses (60 Euro pro Jahr) steht ein erweitertes Angebot im CNR-Shop zur Verfügung.

Abb. 1: Über die KDE-Übersetzungen spricht Freespire immerhin einigermaßen Deutsch.

Die Installation mit CNR ist einfach, allerdings ist dazu immer eine Internetverbindung nötig. Auch ist das Tool nicht ganz ausgereift: So konnten wir beispielsweise im Test über CNR Firefox installieren, obwohl dieser als "Web Browser" doch schon bei der anfänglichen Installation aufs System gekommen war.

Freespire
NameFreespire
Homepagehttp://www.freespire.org
DesktopKDE
PaketformatDEB
Basiert aufDebian, Linspire
Umfang1 CD
PreisDownloadkosten
VorteileEinfache Installation
NachteileProprietäres Paketmanagement, kaum Community

Fazit

Die einfache Installation und die Tatsache, dass viele Programme aus Linspire beiliegen, reichen nicht aus, um Freespire als ernsthafte Konkurrenz zu Suse Linux und Ubuntu zu etablieren. Schon die Tatsache, dass die Distribution Englischkentnisse voraussetzt, ist ein großes Problem. Dass ein grafisches Frontend für die einfache Paketverwaltung ohne Internetverbindung fehlt, ist ein weiteres unangenehmes Detail. Letztlich bleibt der Eindruck haften, Freespire solle den Umsatz des CNR-Warehouses ankurbeln. Wer bis jetzt ohne Linspire klargekommen ist, braucht auch Freespire nicht. (mhi)

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