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Erschienen in EasyLinux 04/2007   »   Ausgabe bestellen

RSS-Feeds sammeln

Feed your head

Kristian Kißling


Um nachrichtentechnisch auf dem neuesten Stand zu bleiben, müssen Sie nicht den ganzen Tag im Internet surfen. Der Feed-Aggregator Liferea behält alle wichtigen News-Seiten für Sie im Blick.

Im Internet ticken die Uhren anders, jagt tagtäglich eine Information die nächste. Wer sucht, der findet nicht nur, sondern ertrinkt oft genug im Schwall der Neuigkeiten. Ignorieren bringt nichts: Irgendwo verbergen sich möglicherweise relevante Informationen für das eigene Leben oder den Job. Einige interessante Informationsquellen liefern ihre News zudem nur noch online aus.

Wer keine Zeit hat, täglich alle relevanten Seiten nach Neuigkeiten abzugrasen, dem erleichtert eine Software diesen Job. Ein Newsreader entdeckt und meldet neue Nachrichten, die er auf Webseiten findet, die ihre News als RSS-Feed (siehe Kasten RSS-Feed im Detail) anbieten. Ob das der Fall ist, erkennen Sie an einem kleinen RSS- oder XML-Icon rechts oben in der Adressleiste Ihres Browsers.

RSS-Feed im Detail

Die meisten professionellen Webseiten generieren aus ihren Informationen einen RSS-Feed. Der enthält einen Link zu jeder Neuigkeit sowie eine kurze Beschreibung, worum es geht. Die Besucher der Webseite abonnieren den RSS-Feed und erfahren stets sofort, was es Neues gibt.

RSS steht für "Really Simple Syndication", die technische Spezifikation liegt mittlerweile in Version 2.0 vor.

Technisch handelt es sich bei RSS um einen XML-Dialekt. XML ist eine Metasprache, um im Internet bequem Informationen zwischen Webseiten auszutauschen. Ein RSS-Feed bündelt die einzelnen Beiträge. Diese heißen auf englisch "Entries" oder "Items", was sich mit "Einträge" übersetzen lässt. Im wesentlichen stecken in so einem RSS-Feed zu jedem Eintrag drei Informationen: Ein Titel, ein Link und eine Beschreibung. Während der Titel den Beitrag ankündigt, enthält der Link die URL der Nachricht. In der Beschreibung steht in kurzer Form, worum es darin geht.

Da die Spezifikation von RSS 2.0 einige technische Probleme nicht wirklich klärt und zudem eine Firma hinter der Technologie steht, entwickelten Open-Source-Vertreter eine eigene, freie Spezifikation namens "Atom". Die IETF [1] erklärte Atom im RFC 4287 [2] zu einem Internetstandard. Nichtsdestotrotz erfreut sich RSS nach wie vor großer Beliebtheit.


IETF: Internet Engeneering Task Force, ein aus Technikern bestehendes Konsortium, das seit vielen Jahren die technischen Standards für das Internet definiert. Dazu bittet die IETF in RFCs um Meinungen zu einer Spezifikation.
RFC: Request for Comments (zu deutsch: "Bitte um Kommentare"), ihre Standards legt die IETF nicht diktatorisch fest, sondern bittet um Kommentare zur jeweiligen Spezifikation. Für die meisten der heute verwendeten Protokolle zur Datenübertragung im Internet -- etwa HTTP, UDP oder TCP -- gibt es auch ein RFC.

Über einen Klick auf dieses Icon abonnieren Sie etwa im Browser Firefox den dazugehörigen Feed.

  1. Zunächst öffnet sich dabei eine Seite, die fragt: Diesen Feed abonnieren mit Dynamische Lesezeichen (Abbildung 1).
  2. Wählen Sie Jetzt abonnieren aus, erscheint in der Leiste unterhalb der Adressleiste ein neues Lesezeichen.
  3. Klicken Sie auf dieses, öffnet sich ein Drop-down-Menü mit den letzten Schlagzeilen auf der Webseite (Abbildung 2).
  4. Folgen Sie einem der Links in diesem Menü, öffnet der Browser die zugehörige News.

Auf diesem Wege erfahren Sie auch die URL des RSS-Feeds. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das neue Lesezeichen und wählen Sie Eigenschaften. So finden Sie die entsprechende URL.

Abb. 1: Klicken Sie auf das orangene Icon oben rechts in der Adressleiste Ihres Browsers, abonnieren Sie einen RSS-Feed.
 

Abb. 2: Der abonnierte RSS-Feed erscheint als Lesezeichen, ein Drop-down-Menü zeigt die letzten Einträge des Feeds an. Ein Klick öffnet die passende Nachricht zur Schlagzeile.

An dieser Stelle erkennen Sie bereits das Problem: Fünf solcher Feeds passen gut in die Firefox-Leiste, wollen Sie aber 50 Seiten im Auge behalten, scheitert dieser Weg. Hier kommt der Feed-Aggregator Liferea [3] ins Spiel (Abbildung 3). Die Software verwaltet -- wenn Sie es wollen -- hunderte von RSS-Feeds und Atomen, zeigt Ihnen die ungelesenen Nachrichten an und läuft im Hintergrund, wenn Sie sich gerade mit anderen Dingen beschäftigen. Der Name speist sich aus Linux Feed Reader, die Entwickler schlagen vor, ihn lateinisch auszusprechen.

Abb. 3: Die Benutzeroberfläche von Liferea: Im linken Bereich erscheinen die abonnierten Feeds, rechts die einzelnen Einträge sowie Details zur Nachricht.

Liferea installieren

Der Aggregator lässt sich recht unkompliziert einspielen. Zwar bringen Suse Linux 10.1 und OpenSuse 10.2 fertige Liferea-Pakete mit, die Versionen 1.0.20 bzw. 1.0.26 sind allerdings veraltet. Neuere Ableger von Liferea mit der Versionsnummer 1.2.18 spielen Sie über die Heft-DVD ein. Für Nutzer von Mandriva Linux 2007 gibt es ebenfalls Pakete mit der Software auf der Heft-DVD, es handelt sich um Version 1.2RC1. Kubuntu-Anwender installieren Liferea in Version 1.2.10 über den Paketmanager Adept. Installieren Sie für alle vier Distributionen sowohl liferea als auch liferea-mozilla.

So siehts aus

Sie starten den News-Aggregator am schnellsten, indem Sie [Alt-F2] drücken und liferea eingeben. Die Oberfläche unterteilt sich anfangs in zwei Bereiche, ein dritter kommt hinzu, wenn Sie eine Nachricht auswählen (Abbildung 3). Auf der linken Seite sehen Sie die abonnierten RSS-Feeds, die schwarze Zahl in Klammern neben dem Feed zeigt an, wie viele ungelesene Beiträge er enthält. Meist bringt Liferea bereits voreingestellte Feeds mit. Für deutsche Anwender gibt es die Tagesschau und die Netzeitung sowie einige linux-orientierte Feeds, etwa Gnomefiles [4] und Slashdot [5].

Klicken Sie auf einen Feed, offenbaren sich im Bereich rechts oben die darin enthaltenen Einträge -- bereits gelesene sowie ungelesene. Interessiert Sie einer davon, folgen Sie dem Link im Titel. Der Bereich rechts unten listet dann verschiedene Informationen zum Link auf -- mal mehr, mal weniger ausführlich. Bei einigen Anbietern finden Sie eine ausführliche und informative Zusammenfassung des Inhalts, der sich hinter der Neuigkeit versteckt, andere Feeds geizen eher mit solchen Informationen. So liefert der News-Feed von KDE Dot News [6] nur den Titel, nicht aber die Beschreibung zur Nachricht. Sie müssen also dem Link folgen, um mehr zu erfahren.

Drin oder Draußen

Webseiten erreichen Sie in Liferea auf mehreren Wegen: Sie rufen diese entweder in Lifereas Oberfläche auf oder in einem externen Browser. Über Programm / Einstellungen / Browser gelangen Sie in ein Menü, über das Sie Lifereas Verhalten steuern (Abbildung 4). Kreuzen Sie im Bereich Einstellungen für internen Browser die Option Öffne Links im Liferea-Fenster an, ruft die Software die Webseite im rechten unteren Bereich auf.

Abb. 4: In den Einstellungen legen Sie fest, in welchem Browser Liferea die Webseite mit der Nachricht anzeigt.

Soll Liferea für Neuigkeiten lieber einen externen Browser öffnen, bestimmen Sie über das Drop-down-Menü in Abbildung 4, welcher das sein soll. Direkt darunter legen Sie über Öffne Link in zusätzlich fest, ob Liferea die Seite in einem existierenden Fenster, einem neuen Fenster oder in einem Tab öffnet. Im letzten Fall verteilt das Tool die Nachrichten auf verschiedene Tabs in einem einzigen Browserfenster -- letztlich ist die Wahl Geschmackssache.

Mehr Futter

Ob Sie die voreingestellten Feeds mögen, müssen Sie selbst entscheiden. Auf drei verschiedenen Wegen löschen, abonnieren oder bearbeiten Sie RSS-Feeds: Über das Kontextmenü im linken Bereich, über das Menü Abonnements oder über Tastenkürzel. Wir zeigen, wie es auf dem ersten Weg klappt.

Für die eigenen Feeds legen Sie am besten einen neuen Ordner an:

  1. Klicken Sie mit der rechten Maustaste in die leere Fläche im linken Areal.
  2. Wählen Sie Neu / Neuer Ordner, und geben Sie als Name z.B. Meine Feeds an.
  3. Nun rufen Sie mit einem Klick auf den neuen Ordner das Kontextmenü auf und suchen Neu / Neues Abonnement aus.
  4. Liferea offenbart eine Eingabezeile, in die Sie die Adresse zu Ihrem Wunsch-Feed eingeben. Über OK schließen Sie den Vorgang ab.

Anschließend tauchen im Fenster rechts oben sämtliche Einträge des eben abonnierten Feeds auf (Abbildung 5). Wie viele Schlagzeilen Liferea anzeigt, legen Sie über Programm / Einstellungen / Default-Anzahl zu sichernder Schlagzeilen fest. Im selben Menü regeln Sie auch, wie oft die Software nach Aktualisierungen sucht. Je seltener Sie Feeds neu laden, desto mehr Bandbreite sparen Sie.

Abb. 5: Haben Sie erfolgreich einen Feed abonniert, erscheinen im rechten oberen Bereich die darin enthaltenen Einträge.

Feed-Listen und Spezialformate

Vermutlich ergänzen Sie das Tool im Laufe der Zeit um zahlreiche neue Feed-Adressen. Da ist es ärgerlich, wenn die Sammlung bei einem System-Crash ins Nirvana eingeht. Ein Klick auf Abonnements / Feed-Liste exportieren speichert die Liste im OPML-Format.


OPML: Outline Processor Markup Language, ursprünglich von der Firma "Radio UserLand" entwickelt, dient dieses XML-Format meist zum Austausch von Listen mit RSS-Feeds.

Um einen Ordner zu löschen, wählen Sie ihn aus, rufen das Kontextmenü aus und klicken auf Löschen. Das funktioniert auch bei einzelnen Feeds. Über Eigenschaften im selben Kontextmenü konfigurieren Sie sowohl Ordner als auch Feeds. Das ergibt Sinn, wenn Sie Suchanfragen oder Namen ändern.

Neben den gewöhnlichen Feeds gibt es zudem noch eine Reihe spezieller Formate. So vereinen Planets die Einträge verschiedener Blogs auf einer Seite, BlogRolls versammeln Links zu anderen Weblogs. Wollen Sie solche Feeds abonnieren, rufen Sie über das Kontextmenü Neu / Neue Quelle auf. Dann entscheiden Sie, ob Sie einen Planet, eine BlogRoll, eine OPML-Quelle oder einen Bloglines-Zugang einrichten wollen und geben die entsprechende Adresse an.


Bloglines: Im Gegensatz zu Liferea handelt es sich um einen webbasierten News-Aggregator, bei dem Sie sich anmelden müssen.

Suchen und finden

Suchen Sie im prall gefüllten Archiv eine bestimmte News, hilft die Suchfunktion. Der Button Alle Feeds durchsuchen in der Symbolleiste ruft eine Eingabezeile auf den Schirm, in die Sie das gesuchte Stichwort eingeben, etwa Tier. Leider fördert die Suche nach diesem Begriff auch Beiträge zu Tage, die das Wort präsentiert enthalten. Ein Klick auf Suchordner legt ein Verzeichnis an, in das nun alle News wandern, in denen das Wort Tier vorkommt.

Um Ihre Suche etwas ausgefeilter zu gestalten, rufen Sie wieder im linken Bereich mit der rechten Maustaste das Kontextmenü auf und wählen Neu / Neuer Suchordner. Über den Button Hinzufügen gelangen Sie zu zwei Drop-down-Menüs, über die Sie Kriterien für die Suche definieren. Die linke Auswahl legt fest, welchen Bereich Sie durchsuchen wollen, etwa Schlagzeile oder Titel des Abonnements (Abbildung 6). Rechts daneben bestimmen Sie ein Suchkriterium, etwa enthält oder enthält nicht. Nun geben Sie ein Wort ein, auf das Sie das Suchkriterium anwenden. Ein konkretes Beispiel: Wählen Sie Schlagzeile plus enthält und als Kriterium Linux, erscheinen im Ordner sämtliche Einträge, die das Wort Linux in der Schlagzeile tragen.

Abb. 6: Indem Sie einen eigenen Suchordner anlegen, können Sie die eingehenden Feeds auf einen bestimmten Begriff hin filtern.

Möglicherweise ist das zu viel des Guten: Sich durch hunderte neuer Schlagzeilen zu wühlen bereitet wenig Freude. Auf Wunsch sehen Sie die Neuigkeiten der Feeds in einem bestimmten Ordner. Dazu setzen Sie unter Programm / Einstellungen / Ordner ein Kreuzchen bei Wenn Ordner ausgewählt zeige Schlagzeilen aller seiner Abonnenten. Der Text sagt alles: Ein Klick auf den Ordner zeigt -- geordnet nach Datum -- die gelesenen und ungelesenen Beiträge an.

Wer sofort wissen will, was los ist, lässt sich alarmieren. In den Einstellungen finden Sie unter Oberfläche den Punkt Zeige ein Popupfenster mit neuen Schlagzeilen. Aktivieren Sie diesen, erscheint beim Eintreffen einer neuen Nachricht ein Popup-Fenster, das neue Schlagzeilen ankündigt. Entspannter kann man sich kaum informieren -- nun kann die Infoflut ruhig kommen. (kki)

Infos
[1] IETF: http://www.ietf.org
[2] RFC zu Atom: http://www.ietf.org/rfc/rfc4287.txt
[3] Liferea-Webseite: http://liferea.sf.net
[4] Programme für Gnome-Nutzer:http://www.gnomefiles.org
[5] Portal Slashdot (englisch): http://slashdot.org
[6] KDE Dot News: http://dot.kde.org

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