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Erschienen in EasyLinux 06/2003   »   Ausgabe bestellen

Das Red Hat Paket-Management

Software nachinstallieren unter Red Hat

von Andrea Müller


Das System läuft und ist einsatzbereit. Schon bei der Installation wurden unzählige Anwendungen auf Ihre Platte installiert. Was jedoch, wenn gerade das gewünschte Programm nicht mit dabei ist?

Von den über 1000 Paketen auf der Red-Hat-DVD wurde bei der Installation nur ein Bruchteil auf die Festplatte kopiert. Obwohl die installierte Software-Auswahl kaum Wünsche offen lässt, schlummern noch viele weitere untentdeckte Schätze auf der DVD. Wie Sie im Software-Angebot Ihres Distributors stöbern und andere Pakete nachinstallieren, beleuchtet dieser Artikel.

Paketbote

Dabei steht Ihnen das Paket-Management von Red Hat hilfreich zur Seite, welches Ihnen die Pakete nicht nur nach Kategorien sortiert anzeigt, sondern sich auch allein um die Auflösung der Abhängigkeiten kümmert. Das heißt, dass Sie selbst nicht wissen müssen, ob ein Programm noch andere Komponenten benötigt, sondern der Paket-Manager nimmt Ihnen diese Arbeit ab und installiert alle benötigte Software automatisch. Außerdem bewahrt er Sie vor unbedachten Deinstallationsorgien, indem er die Entfernung von jenen Paketen verweigert, die für die Funktionalität anderer Programme unverzichtbar sind.

Nun aber genug der grauen Theorie und die ganze Sache in der Praxis ausprobiert!

  1. Starten Sie den Paketmanager über den Menüpunkt Systemeinstellungen / Pakete des Startmenüs (unten links in der Kontrolleiste). In dem isich öffnenden Fenster müssen Sie Ihr root-Passwort eingeben, da nur der Systemverwalter befugt ist, Software systemweit zu installieren und zu entfernen.
  2. Nachdem der Paket-Manager geprüft hat, welche Pakete derzeit auf Ihrem System installiert sind, präsentiert er sich mit einer übersichtlichen thematischen Gruppenübersicht. Die Gruppen, aus denen schon Software installiert ist, haben auf der rechte Seite einen Link Details und davor sehen Sie in eckigen Klammern wieviele Pakete die Gruppe insgesamt umfasst und wieviele davon schon installiert sind (Abbildung 1).

    der Red Hat Paketmanager

    Abb. 1: Übersichtliche Gruppen im Red Hat Paketmanager.

  3. Um zusätzliche Komponenten einer Gruppe zu installieren, klicken Sie auf Details.
  4. Im nächsten Fenster sehen Sie die Paketliste dieser Gruppe. Bereits installierte Software ist durch ein Häkchen gekennzeichnet (Abbildung 2).

    Die verfügbaren Pakete der einzelnen Gruppen

    Abb. 2: Detailansicht einer Paketgruppe.

    Mit einem Mausklick auf die einzelnen Pakete oder in die Checkbox merken Sie Programme zur Installation oder auch zur Deinstallation vor.
  5. Verlassen Sie danach das Fenster durch einen Klick auf Schließen.
  6. Dass der Paketmanager Ihre Wünsche registriert hat, sehen Sie an der inzwischen anklickbaren Schaltfläche Aktualisierung. Durch einen Klick darauf startet der Paket-Manager eine Abhängigkeitsprüfung, die feststellt, ob das ausgewählte Programm noch auf weitere Komponenten angewiesen ist. Bevor tatsächlich Dateien auf Ihre Festplatte übertragen werden, informiert der Paket-Manager Sie, was genau er einzuspielen gedenkt.
  7. Wenn Sie in diesem Dialog auf Details klicken, sehen Sie eine Liste der Pakete, die zur Installation anstehen (Abbildung 3).

    Auflistung der zu installierenden Pakete

    Abb. 3: Eine letzte Abfrage bevor die Installation beginnt.

  8. Bei einem Klick auf Weiter wird erst die Red Hat-DVD angefordert, wenn sie nicht im Laufwerk liegt und die Software eingespielt. Die Schaltfläche Abbrechen ist die richtige Wahl, falls Sie es sich im letzten Moment doch noch anders überlegen, etwa weil das gewählte Paket zu viel Festplattenplatz benötigt, oder weil eine Installation nicht möglich ist, ohne andere Pakete zu entfernen.

Keine Details

Um Pakete aus Gruppen aufzuspielen, von denen noch keine Software installiert ist, sieht das Vorgehen ein wenig anders aus.
  1. Starten Sie den Paketmanager wie oben beschrieben.
  2. Gruppen, die nicht im Umfang der Standardinstallation vorhanden sind, verfügen noch nicht über die Schaltfläche Details. Um auch dort zu den Feineinstellungen zu gelangen, setzen Sie in die Checkbox vor der Gruppe einen Haken.
  3. Daraufhin werden alle Pakete der angekreuzten Gruppe markiert, die Red Hat für sinnvoll hält. Möchten Sie den Vorschlag ungeprüft übernehmen, reicht ein Klick auf Aktualisierung um mit der Installation zu beginnen. Folgen Sie eher der Devise "Selbst ist der Mann", gelangen Sie per Klick auf den nun vorhandenen Link Details zur Einzelauswahl und können einzelne Pakete an- und abwählen.
  4. Starten Sie nun die Installation.

Warnung: Vorsicht Falle

Das grafische Paket-Management ist in der Version 8.0 erstmals Bestandteil von Red Hat und daher noch nicht so ausgereift wie andere Paketverwaltungs-Software. Falls Sie versehentlich eine Paketgruppe ankreuzen und danach dieses Kreuzchen wieder entfernen, bekommt der Paket-Manager das manchmal nicht mit. Wählen Sie danach andere Programme zur Installation aus und starten die Installation, werden die Standardanwendungen der zuvor deselektierten Gruppe trotzdem installiert. Ein wie oben beschrieben vorheriger Blick auf die Detailansicht ist daher Pflicht. Hat der Paket-Manager einige Ihrer Wünsche nicht berücksichtigt, beenden Sie die Anwendung und starten sie erneut.

Tipp: Paket-Management für Faultiere

Die einfachste Art die Software-Verwaltung zu starten, besteht darin, einfach die Red Hat-DVD ins Laufwerk zu legen. Es öffnet sich automatisch ein Dialogfenster, in dem Sie Ihr root-Passwort eingeben müssen und durch Klick auf Vor im nächsten Fenster (Abbildung 4) startet der Installer.

Automatischer Start des Paket-Managements

Abb. 4: Das Paket-Management startet automatisch, wenn Sie Ihre Distributions-DVD ins Laufwerk legen.

Tipp: Dem Paket-Manager ein Kuckucksei unterschieben

Doppelklicken Sie ein RPM-Paket, das nicht von Ihrer Distributions-DVD stammt im Dateimanager, startet nach der Abfrage Ihres root-Passwortes das Hilfsprogramm redhat-install-packages. Dieses prüft im Unterschied zu RPM nicht nur, ob alle Voraussetzungen für die Installation erfüllt sind, sondern es schaut darüber hinaus in einer internen Datenbank nach, ob die Voraussetzungen für die Installation nicht durch ein Paket auf der DVD hergestellt werden können. Ist die Installation des Pakets möglich, wird es eingespielt, ggf. nachdem der Installer die Distributions-DVD angefordert hat. Können die Abhängigkeiten nicht erfüllt werden, teilt der Installer Ihnen das mit und verweigert die Installation, so dass Ihr System in einem konsistenten Zustand bleibt. Wer die Kommandozeile nicht scheut, kann das Programm auch darüber aufrufen. Der Befehl könnte so aussehen:

redhat-install-packages tolles_paket.rpm

Nach der Installation steht die neu eingespielte Software zur Nutzung bereit; anders als bei Windows ist kein Reboot nötig. Falsch machen können Sie beim Nachinstallieren von Programmen, die auf Ihrer Distributions-DVD liegen fast nichts. Gefällt Ihnen ein Programm nicht, wird es bei einer Deinstallation restlos entfernt und es bleiben, von Ihrer persönlichen Konfiguration abgesehen, keinerlei Rückstände des Programms auf der Festplatte zurück, die möglicherweise die Systemstabilität beeinträchtigen. Erhalten Sie bei einem Paket Warnungen, ist es für unerfahrene Nutzer am besten, den Vorschlägen des Paket-Managers zu folgen.

Haben Sie nun Lust bekommen, die Paketinstallation an einem konkreten Beispiel nachvollziehen, lesen Sie sich den Artikel auf Seite .

Wegweiser durch den Gruppendschungel

Es ist ein großer Nachteil, dass der Paket-Manager fast keine Optionen bietet, wie z. B. die Möglichkeit, nach einzelnen Paketen zu suchen. Mehr Informationen als der Name, der benötigter Festplattenplatz und die Kurzbeschreibung eines Pakets erhält der Benutzer nicht. Lediglich die recht kurze Gruppenbeschreibung gibt dem Anwender eine ungefähre Vorstellung, was für Programme ihn in der jeweiligen Gruppe erwarten. Hier leisten die Paket-Manager anderer Distributionen deutlich mehr. Auch die Benutzung alternativer Frontends, wie kpackage, ist nicht ohne weiteres möglich, da Red Hat alle grafischen Paketverwaltungsprogramme aus seiner Distribution entfernt hat. Unschön auch, dass das Red Hat Tool in einigen Dialogen nur englisch spricht.

Wollen Sie sich also vor der Installation die Kurzbeschreibung eines Pakets durchlesen, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als im Internet zu recherchieren oder aber auf die Paketverwaltung RPM direkt zurückzugreifen -- das ist jedoch eher für fortgeschrittene Linux-Nutzer interessant.

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