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KMail einrichtenVirtueller Briefträgervon Inga Rapp |
Das Feld der Linux-Mail-Programme ist keine Monokultur: Von mächtigen Text-Mailern, deren Einrichtung an eine esoterische Wissenschaft grenzt, bis hin zu komfortablen grafischen Postlern ist für jeden etwas dabei. Das KDE-Mail-Programm KMail ist sehr übersichtlich und in weiten Teilen intuitiv zu verstehen. Unter SuSE starten Sie KMail über das Briefsymbol in der Kontrollleiste, unter Red Hat finden Sie es, sofern Sie KDE installiert haben, im K-Menü unter Extras/Internet/KMail.
Unser erstes Ziel ist das Menü Einstellungen/KMail einrichten. Dort finden Sie alle grundlegenden Einstellungen, die Ihr persönlicher Briefträger braucht.
Die Dialogbox ist ähnlich wie das KDE-Kontrollzentrum strukturiert. Sechs Bereiche sind über die linke Leiste auswählbar, und im rechten Teil finden sich die zugehörigen Registerkarten. Unter Identitäten legt man zuerst über den Button neu eine neue Identität an (siehe Abbildung 1). Diese wird automatisch zur Standard-Identität. Ein späterer Wechsel der Standard-Identität ist allerdings auch kein Problem.
Jede Identität entspricht einem E-Mail-Account. Wer mehrere Adressen nutzt, etwa bei diversen Freemail-Providern, muss auch mehrere Identitäten anlegen. Der tiefere Sinn ist schnell einsehbar: Beim Schreiben neuer Mails wird dann aus der Liste der verfügbaren Identitäten der gewünschte Absender ausgesucht. Tragen Sie hier Ihre E-Mail-Adresse und den Namen, der auf ausgehenden Mails erscheinen soll, ein. Das Feld Organisation kann frei bleiben.
Die zweite Registerkarte Erweitert ist vor allem für die Nutzer von PGP und GnuPG interessant. Wer diese Form der Verschlüsselung einsetzt, sollte seine Daten hier eintragen.
Die Registerkarte Signatur sorgt für eine Signatur am Ende jeder Mail. Die kann entweder immer dieselbe sein und im Textfeld unten eingegeben werden, KMail fügt sie aber auch -- je nach Wunsch -- aus einer Datei oder der Ausgabe eines Programms ein. Signaturen werden immer mit der Zeichenkette "-- " (Bindestrich, Bindestrich, Leerzeichen) abgetrennt. Was unter Windows mit den mitgelieferten Programmen Outlook und Outlook Express überhaupt nicht funktioniert und daher immer wieder für Unmut sorgt, ist bei KMail kein Problem: das Programm trennt die Signatur mit der korrekten Zeichenkette ab. Jetzt nur noch mit OK bestätigen -- und fertig ist die eigene Identität.
KMail weiß jetzt, dass ein Nutzer existiert und welche E-Mail-Adresse er hat. Ein paar Informationen fehlen dem Programm allerdings noch zum vollwertigen virtuellen Briefträger. Im Bereich Netzwerk teilen Sie KMail mit, von wo es Ihre Post abholen und über welchen Server es sie verschicken soll (siehe Kasten auf Seite ##).
Die Registerkarte Versand erfasst die Informationen, die zum Verschicken von E-Mails nötig sind (siehe Abbildung 2). Die klassische Linux-Versandart, sendmail, ist schon eingetragen, nützt jedoch ohne einen entsprechend konfigurierten lokalen Mail-Server recht wenig. Daher können Sie sie in den meisten Fällen getrost löschen. Ein Klick auf den Button hinzufügen öffnet ein Dialogfeld, in dem Sie als Versandart SMTP eintragen. So schickt KMail selbst die Mails an den Server Ihres Mail-Providers, statt diese Aufgabe dem lokalen Mail-Server zu übertragen.
Der Name der Versandart ist relativ egal. Er wird nur programmintern verwendet und sollte einen hohen Wiedererkennungswert haben. Benennungen wie "Mein SMTP" oder ähnliches sind durchaus okay.
Den Server-Namen erfährt man von seinem Provider. Meist steht er dort schon auf der Website; im Zweifelsfall hilft ein Anruf bei der zuständigen Hotline. Viele Provider nennen Ihre SMTP-Server smtp.providername.de oder mail.providername.de, so dass simples Raten oft auch von Erfolg gekrönt ist.
Der Standard-Port für SMTP ist 25. Sofern Ihr Provider nicht explizit einen anderen Port genannt hat, übernehmen Sie diesen Wert.
Ähnliche Informationen benötigt KMail für den Empfang von E-Mails. Auch diese Registerkarte findet sich im Bereich Netzwerk.
Ein beherzter Klick auf Hinzufügen öffnet die Dialogbox, in der das Programm die nötigen Informationen abfragt (siehe Abbildung 3). Der Name ist frei wählbar. Er sollte nur so sprechend sein, dass seine Bedeutung auch drei Monate später noch zumindest auf den zweiten Blick erkennbar ist.
Bei Benutzer tragen Sie den Benutzernamen für diesen E-Mail-Account ein. Häufig entspricht er dem ersten Teil der E-Mail-Adresse, also dem Teil vor dem Klammeraffen. Den Namen des Posteingangs-Servers erhält man vom Provider, die Portnummer ebenfalls.
Ob KMail das Kennwort in der Konfigurationsdatei speichern soll oder nicht, ist eine Gewissensfrage. Wenn noch andere am selben Rechner hantieren, ist es möglicherweise sicherer, seine Passwörter jedesmal einzugeben. Speichert man sein Kennwort nicht, fragt KMail es beim ersten Abholen ab und behält es dann im Gedächtnis, bis Sie das Programm beenden.
Nachricht nach dem Abholen vom Server löschen sollten Sie aktivieren, weil sonst früher oder später Ihr Postfach auf dem Server voll ist und keine weiteren Mails mehr angenommen werden. Von "Nach E-Mail sehen" ausnehmen bewirkt, dass dieses Postfach beim Abholen neuer Mails nicht abgefragt wird.
Nachrichten ab einer gewissen Größe zu filtern, ist vor allem bei einer langsameren Anbindung ans Internet sinnvoll. Die voreingestellten 50000 Byte reichen aus um nachzuschauen, ob eine Mail lesenswert ist, und sie gegebenenfalls direkt zu löschen (siehe Kasten 1).
| Kasten 1: KMail-POP-Filter intern |
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KMail kennt zwei verschiedene Arten von Filtern: Im Menü Einstellungen lassen sich Filter einrichten und POP-Filter einrichten -- wo liegt der Unterschied? Die beiden Filterarten werden schlicht und einfach an unterschiedlichen Orten ausgeführt: Normale Filter operieren auf Mails, die KMail bereits vom Server auf Ihren Rechner befördert hat. Die POP-Filter dagegen schlagen schon auf dem Server zu. Mit ein paar geschickt formulierten Filterregeln schafft es die nervige Spam-Post so nicht einmal auf Ihren Rechner. Doch die Arbeitsweise des POP-Filters von KMail ist für viele Anwender eher undurchsichtig. Man definiert mühsam Regeln, die alles auf dem Server löschen sollen, was Haarwuchsmittel im Betreff offeriert, und trotzdem rauschen immer noch die Sonderangebote für die Klinikpackung herein. Was läuft denn da verkehrt? Wahrscheinlich gar nichts, und man ist nur in eine Falle bei der Einrichtung von KMail getappt. In der Default-Einstellung filtert KMail nur die Mails auf dem Server, die größer als 50000 Bytes sind. Ändern können Sie das über Einstellungen/KMail einrichten. Wählen Sie im Bereich Netzwerk die Registerkarte Empfang, markieren Sie Ihren zuvor definierten Posteingangs-Server und klicken Sie auf Bearbeiten.... Stellen Sie sicher, dass ein Häkchen vor Nachrichten auf dem Server filtern gesetzt ist. Setzen Sie nun die Größe im Feld Größe der zu filternden Nachrichten herunter. Möchten Sie, dass alle Mails, die größer als 2 KB sind, gefiltert werden, setzen Sie den Wert 2000 ein (2048 für Genauigkeitsfanatiker). Das Filtern selbst läuft dann ungefähr so ab: KMail an Server: Ist Post für mich da? Wie groß sind die Mails? Server an KMail: Warte mal... ja, da liegen 3 Mails, die eine ist 2 KB, die andere 1,5 und die dritte 10 KB groß. KMail an Server: Gib mir die beiden kurzen. Bei der anderen will ich erst mal wissen, was das ist. Server an KMail: Das ist ein Schreiben von john@invalid.net und hat den Betreff "HAIR GROWTH!!! Buy NOW". KMail an Server: Ach Du Schreck -- da passen ja gleich drei meiner Filterregeln. Wirf das Zeug weg -- wir kaufen nichts! |
Wer immer auf dem Laufenden sein möchte und eine ständige Anbindung ans Netz hat, setzt ein Häkchen in die Checkbox Posteingang regelmäßig überprüfen und stellt bei Prüfintervall die Zeit ein, nach der KMail das Postfach automatisch erneut abfragen soll.
Der Posteingang ist der Zielordner, in dem alle ankommenden Nachrichten landen. Über Filter können Sie sie von dort auf andere Ordner verteilen. Nach Bestätigung mit OK schließt sich das Dialogfenster.
Jetzt ist es Zeit für die erste Test-Mail. Dazu genügt ein Klick auf das Symbol Neue Mail oben links in der Button-Leiste. Alternativ funktioniert auch [Strg-N]. Sicherheitshalber sollte die Test-Mail an die eigene Adresse gehen (siehe Abbildung 4).
Mit Klick auf den Button Senden schicken Sie die Nachricht auf ihre Reise ins weltweite Datennetz. Über den Menüpunkt Datei/ Nach E-Mail sehen fragt man nach kurzer Wartezeit das gerade eingerichtete Postfach ab. Wenn alles geklappt hat, sollte jetzt die erste E-Mail in Ihrem Postfach gelandet sein.
KMail bietet noch deutlich mehr Optionen. Der Konfigurationsdialog Erscheinungsbild ist ein wahres Paradies für Spielkinder. Stunden werden zu Minuten, wenn es darum geht, die schönste Schrift und die angenehmsten Farben zu finden.
Nachrichten erstellen lässt ebenfalls das Herz spielerisch veranlagter Menschen aufgehen. Selbst definierte Einleitungszeilen oder die Angabe mehrerer Zeichensätze, die je nach Bedarf verwendet werden -- hier warten jede Menge interessante Dinge darauf, entdeckt zu werden.
KMail erstellt keine Mails im HMTL-Format. Das Verschicken von Mails mit Hintergrundbildern und bunten Schriftzügen funktioniert also nicht. Auch bei der Darstellung empfangener HMTL-Nachrichten gibt es gelegentlich Probleme. Um Freunde mit schön gestalteten Geburtstagskarten zu beglücken, können Sie die Karte aber auch einfach als Bild an die Mail anhängen.
Zum Thema Sicherheit bringt KMail eine ganze Palette an Funktionen mit. Es unterstützt Verschlüsselung per GnuPG oder OpenPGP. Aber auch solche Dinge wie HTML und das Nachladen irgendwelcher Daten aus dem Netz regeln Sie hier. Im Gegensatz zu Outlook Express unter Windows gelten für die HTML-Darstellung nicht die Sicherheitseinstellungen des Browsers, sondern die des Mail-Programms.
Im Bereich Verschiedenes ganz unten im Konfigurationsdialog (siehe Abbildung 5) stellen Sie ein, wie KMail Ihre Mails verwalten soll. KMail bietet hier die Option, die Mailbox-Verzeichnisse im maildir- oder im mbox-Format zu speichern. Benutzen Sie Maildir speichert KMail jede Mail in einer separaten Datei. Im mbox-Format hingegen hängt es alle Mails in einer einzigen Datei aneinander. Wenn Sie große Mengen E-Mails verwalten, kann KMail bei der Verarbeitung einer mbox schon mal ins Schwitzen geraten. Voreingestellt ist daher das schnellere maildir, empfehlenswert ist aber -- wenn der Rechner schnell genug ist -- eigentlich immer das mbox-Format, weil dieses von so gut wie jedem Mail-Programm verarbeitet werden kann. Sollte irgendwann nicht mehr KMail das Lieblings-Mail-Programm sein, fällt der Import der Mail-Sammlung in den neuen Favoriten leicht.
KMail bietet ziemlich gute Import-Funktionen (siehe Abbildung 6). Wer bisher unter Windows mit Pegasus oder Outlook Express 4 oder 5 gearbeitet hat, kann seine alten Mails in KMail importieren. Wer das derzeit aktuelle Outlook Express 6 verwendet, schaut leider in die Röhre: Der Import von dort klappt nicht. Bei manchen Importaktionen wirft KMail pauschal alle importierten Mails in den Posteingang und ignoriert die Ordnerstruktur der bisher genutzten Programme. Hier ist unter Umständen Handarbeit angesagt.
Auch die Adressbücher von Netscape, Eudora Light oder Exchange sind keine großen Hürden für KMail. Das Windows-eigene WAB-Format, das u. a. Outlook Express verwendet, kann KMail leider nicht in sein eigenes Adressbuch (Abbildung 7) importieren.
Um für Übersicht in der lokalen Mailbox zu sorgen, lassen sich in KMail nach Lust und Laune neue Ordner und Unterordner anlegen. Die Filterfunktionen unter Einstellungen/Filter einrichten sind zwar nicht allzu umfangreich, aber sie bieten immerhin mehr Möglichkeiten als die der Windows-eigenen Mailer Outlook und Outlook Express (siehe Abbildung 8). Das Sortieren ankommender Mails in bestimmte Ordner ist damit völlig unproblematisch.
Innerhalb der Ordner kann KMail unter anderem nach der Reference-Zeile im Header der E-Mail sortieren. Diese so genannte Thread-Ansicht ist bei Newsreadern üblich, kann aber auch bei E-Mails nützlich sein, da sie E-Mail-Wechsel zu einem bestimmten Thema gruppiert darstellt. Ungelesene Nachrichten werden standardmäßig rot markiert. Über das Menü Ordner/Einstellungen lässt sich gelesenen und ungelesenen Mails für einzelne Ordner ein Verfallsdatum zuweisen. So muss man den Spam-Ordner nicht einmal mehr eigenhändig leeren, nach abgelaufenen Verfallsdatum löscht KMail die Briefchen aus Nigeria, China und Korea ganz von alleine.
Ehemalige Outlook-User stolpern möglicherweise darüber, dass scheinbar kein Button zum Versenden der Nachrichten im Postausgangsordner vorgesehen ist. Das Durchwühlen der Menüs liegt nah, ist aber nicht nötig (auch wenn man dort natürlich unter Datei/Postausgang versenden fündig wird). Der Button Nach Mails sehen bei KMail macht, wenn Sie bei der KMail-Einrichtung unter Versand die Checkbox Nachrichten im Postausgang bei Überprüfung senden angekreuzt haben, genau dasselbe wie der Button Senden/Empfangen unter Outlook Express: Vor dem Empfangen neuer Nachrichten verschickt er automatisch alles, was Sie in den Postausgang gelegt haben.
KMail ist ein schnelles und leistungsfähiges Mail-Programm, das auch für Anfänger relativ leicht zu durchschauen ist. Schwachstellen liegen vor allem bei der Behandlung von HTML-Mails und bei den Import-Funktionen der Windows-Überbleibsel. Hier ist eventuell Handarbeit angesagt. Ist die Konfiguration allerdings einmal komplett, wird KMail schnell zum täglich genutzten, vertrauten Begleiter bei der Verarbeitung der elektronischen Post. (eba)
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Last modified: 2007-01-25 16:16
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