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Erschienen in EasyLinux 06/2003   »   Ausgabe bestellen

Der Multimedia Player XMMS

Musik ab

von Andrea Müller


Linux und Multimedia? Da gibt es immer noch Zeitgenossen, die skeptisch die Stirn runzeln. Zu Unrecht: XMMS bietet Ihnen ungetrübten Musikgenuss unter Linux.

Wie können nach dem Umstieg auf Linux Datenbestände des Windows-Systems weiter genutzt werden? Es geht dabei nicht nur die eher drögen Office-Dokumente für Arbeitsame, sondern auch die heißgeliebte, mit viel Mühe zusammengestellte MP3-Sammlung. Die Lösung heißt XMMS und spielt MP3s, wav-Dateien, Audio-CDs und viele andere Formate. XMMS ist ein grafisches Programm mit intuitiver Oberfläche, mit dem sich Windows-Anwender, die schon Winamp benutzt haben, schnell zurechtfinden.

Red-Hat-Anwendern sei jedoch der Umweg über Kasten 1 ans Herz gelegt, bevor das multimediale Vergnügen unter Linux seinen Lauf nehmen kann. Diese Distribution liefert eine XMMS-Version aus, die keine MP3-Dateien abspielen kann. Nach diesem kurzen Abstecher gibt es dann aber MP3 für alle.

Kasten 1: MP3 unter Red Hat nachrüsten

Unter Red Hat Linux kann keine Anwendung das MP3-Format abspielen. Nicht etwa um die Benutzer zu ärgern, sondern weil die Auslieferung MP3-fähiger Software für eine amerikanische Firma ein Risiko darstellt. Eine kurze Stellungnahme von Red Hat lesen Interessierte unter http://www.redhat.com/advice/speaks_80mm.html nach.

MP3-Support für XMMS unter Red Hat nachzurüsten, ist jedoch kein Hexenwerk.

  1. Geben Sie in der Adresszeile Ihres Browsers die URL http://www.gurulabs.com/downloads.html ein.
  2. Laden Sie dort die Datei xmms-mp3-1.2.7-13.p.i386.rpm herunter (in der Mitte der Seite unter der Überschrift XMMS MP3 Plugin for Red Hat Linux 8.0 and 9) und geben Sie einen Speicherort an. (Normalerweise schlägt Mozilla das Home-Verzeichnis vor; eine Vorgabe, die Sie übernehmen können.)
  3. Öffnen Sie einen Dateimanager mit Doppelklick auf das Icon Persönliches Verzeichnis auf dem Desktop und wechseln Sie ggf. in das Download-Verzeichnis, falls Sie die Vorgabe von Mozilla nicht übernommen haben.
  4. Doppelklicken Sie die eben heruntergeladene rpm-Datei.
  5. Das zum Paketmanagement gehörende Programm redhat-install-packages fragt Sie nach Ihrem Root-Passwort. Geben Sie es ein und bestätigen Sie Ihre Eingabe mit Klick auf OK. Klicken Sie im nächsten Fenster auf Weiter. Geschafft! Nun beherrscht auch Ihr XMMS das MP3-Format.
  6. Falls XMMS gerade läuft, schließen Sie die Anwendung, damit sie das neue Plugin findet.

Dateien abspielen

SuSE-Nutzer starten XMMS über den Punkt Multimedia / Sound / Xmms des Startmenüs, Red-Hat-Anwender wählen den Menüpunkt Sound&Video / Audio Player. Der erste Start zeigt Vertrautes, erinnern doch die Bedienelemente am unteren Bildschirmrand an den heimischen Kassettenrekorder (Abbildung 1).

XMMS nach dem ersten Start unter SuSE

Abb. 1: XMMS unter SuSE.

Von links nach rechts haben sie folgende Bedeutung: ein Lied zurück, abspielen, Pause, Stopp, ein Lied vor, Auswurf. Wie bitte, eine Auswurftaste? Hier gibt es doch gar keinen Kassettenschacht! Folgerichtig dient das Auswurfsymbol auch nur als Analogie, und ein Klick darauf wirft nicht etwa Ihre Festplatte aus dem Laufwerksschacht, sondern öffnet einen Dateiauswahldialog (Abbildung 2).

Dateiauswahldialog von XMMS

Abb. 2: Im Dateiauswahldialog wählen Sie die abzuspielenden Musikstücke.

Die Schaltfläche, die in Abbildung 2 mit /mnt/windows/misc/mp3/misc beschriftet ist, zeigt Ihnen, in welchem Verzeichnis Sie sich befinden, und wenn Ihre MP3-Dateien auf der Windows-Partition liegen, müssen Sie sich erstmal dorthin vorarbeiten. Im linken Fenster werden die Ordner angezeigt. Das Zeichen ../ an zweitoberster Stelle steht für das übergeordnete Verzeichnis (darüber das ./ steht übrigens für das aktuelle Verzeichnis), in welches Sie durch einen Doppelklick wechseln. Auf der obersten Verzeichnisebene angekommen, ist unter Red Hat Linux das Verzeichnis /mnt die richtige Abzweigung auf dem Weg zu Ihrer Windows-Partition; bei SuSE Linux geht der Weg über /windows.

Betreten Sie Ihr MP3-Verzeichnis und wählen Sie im rechten Fenster eine Datei zum Abspielen aus oder bedienen Sie sich der [Strg]-Taste, um gleich mehrere zu markieren. Ein Klick auf OK fügt die Dateien einer temporären Play-Liste hinzu und startet die Wiedergabe. Die Lautstärke justieren Sie mit dem linken der beiden kurzen Schieberegler.

Tipp: Dateien aus mehreren Verzeichnissen zusammenstellen

Interessant sind die beiden Schaltflächen Ausgewählte Dateien hinzufügen und Alle Dateien im Verzeichnis hinzufügen im Dateiauswahldialog. Bei einem Klick darauf scheint sich nichts zu tun, doch die markierten oder alle Dateien werden der Playlist hinzugefügt. Danach können Sie in andere Verzeichnisse wechseln, um auch dort Dateien auszuwählen.

Noch einfacher ist es, alle Dateien eines Verzeichnisses abzuspielen:

  1. Öffnen Sie das Menü von XMMS, indem Sie mit der linken Maustaste auf die Schaltfläche ganz oben links im XMMS-Fenster klicken, und wählen Sie dort den Menüpunkt Spiele Verzeichnis.
  2. In dem nun geöffneten Verzeichnisbaum-Fenster wählen Sie das Verzeichnis, in dem sich die MP3-Dateien befinden, und bestätigen die Auswahl durch Klick auf Ok.

Tipp: Verzeichnishierarchien abspielen

Haben Sie Ihre Musik in einer Ordnerstruktur gespeichert, in der jeder Interpret ein eigenes Verzeichnis hat, müssen Sie nicht alle Ordner einzeln auswählen. Markieren Sie nur den obersten Ordner Ihrer MP3-Sammlung, sucht XMMS alle Unterordner nach Multimediadateien ab und fügt letztere der Playlist hinzu. Es ist dabei egal, ob sich auch andere Dateitypen in den gescannten Ordnern befinden. Die Funktion ist jener des Windows Media Players ähnlich, der bei seinem ersten Start die ganze Festplatte nach Multimedia-Dateien durchsucht.

Playlisten erstellen und wieder laden

Alle von Ihnen ausgewählten Dateien landen in einer temporären Playlist, die jedoch verloren geht, wenn Sie andere Dateien auswählen oder XMMS beenden. Um die Playlist zu speichern, bedienen Sie sich des in XMMS integrierten Playlist Editors.

  1. Standardmäßig ist das Playlist-Fenster ausgeblendet. Klicken Sie auf den mit PL beschrifteten Knopf im XMMS-Fenster, um den Editor einzublenden. Noch schneller geht es mit der Tastenkombination [Alt-E].
  2. Im Editor sehen Sie die momentan augewählten Titel (Abbildung 3).

    Playlist Editor von XMMS

    Abb. 3: Der Playlist-Editor von XMMS.

    Um diese in der Playlist zu speichern, klicken Sie auf Load List (die Schaltfläche unten rechts) und halten die linke Maustaste gedrückt. Dabei kommen weitere Buttons zum Vorschein. Bei Red Hat ist diese Schaltfläche mit List beschriftet, ein Unterschied, der durch das unter Red Hat verwendete Blue Curve Theme zustande kommt.
  3. Bewegen Sie den Mauszeiger bei weiterhin gedrückt gehaltener linker Maustaste auf Save List (bei Red Hat Save) und lassen Sie dort die Maustaste los.
  4. Im nun geöffneten Speicherdialog navigieren Sie in das Speicherverzeichnis für die Playlist. Geben Sie dann im unten liegenden Dateinamenfeld einen aussagekräftigen Namen an, z. B. rock.lst. Glückwunsch, Ihre erste Playlist ist gespeichert!

Haben Sie so mehrere Playlists auf Platte gebannt, können Sie die jeweils zu Ihrer Stimmung passende Liste laden. Das geht noch einfacher vonstatten als das Speichern:

  1. Klicken Sie im Playlist Editor auf Load List und wählen Sie im Dateiauswahldialog eine der zuvor gespeicherten Listen aus.
  2. Klicken Sie im Hauptfenster auf den Play-Button, werden die Titel der Liste abgespielt.

Über die anderen vier Schaltflächen im Editor fügen Sie der Playlist Dateien hinzu (+ File, bei Red Hat Add), entfernen Dateien (- File, bei Red Hat Sub) oder sortieren die Liste (Misc OPT / Sort List, bei Red Hat Misc / Sort).

Weiternutzung von Winamp-Playlists

Wollen Sie sich die mühsame Erstellung neuer Playlists ersparen und lieber jene wiederverwenden, die Sie mit Winamp erzeugt haben, ist auch das kein Problem. Allerdings dürfen keine absoluten Pfade wie c:\musik\interpret\lied.mp3 in den m3u-Listen stehen. Standardmäßig erzeugt Winamp Playlisten mit relativen Pfaden (z. B. .\interpret\lied.mp3), so dass keine Probleme auftreten sollten. Vorher müssen Sie XMMS nur mitteilen, dass er statt des unter Linux verwendeten Slash (/) den Backslash (\) als Verzeichnistrenner interpretieren soll. Das ist mit wenigen Klicks erledigt:

  1. Öffnen Sie das Menü von XMMS durch Klick auf das Symbol ganz oben links im Hauptfenster.
  2. Wählen Sie den Menüpunkt Optionen / Einstellungen.
  3. Klicken Sie auf die Registerkarte Optionen.
  4. Aktivieren Sie dort die Schaltfläche vor der Option Verwende \ als Verzeichnistrenner (Abbildung 4).

Optionen-Menü von XMMS

Abb. 4: Hier weisen Sie XMMS an, den unter Windows gebräuchlichen Backslash als Verzeichnistrenner zu nutzen.

In Schale geworfen

Außer musikalischem Hörgenuss bietet XMMS auch optische Reize -- unter anderem in Form von Skins, die Sie dem Player, ähnlich neuen Kleidern, überstülpen können.

Öffnen Sie den Skin-Browser durch Auswahl von Optionen / Skin-Browser im XMMS-Menü oder mit der Tastenkombination [Alt-S]. Bislang herrscht ziemliche Leere, da Sie dort per Default nur den Standard-Look und einen angepassten Distributions-Skin finden. Red-Hat-Nutzer können das Paket xmms-skins von der Distributions-DVD nachinstallieren. SuSE liefert kein separates Skin-Paket mit, so dass Anwender dieser Distribution die unten aufgeführten Quellen nutzen sollten, um an Skins zu gelangen. Ein Doppelklick auf einen der Einträge im Skin Browser ändert das Erscheinungsbild von XMMS (Abbildung 5).

XMMS durch Skin optisch verändert

Abb. 5: XMMS nach Auswahl eines neuen Skins.

Tipp: Automatisches Umziehen

Klicken Sie im Skin Browser auf den Button vor Wähle zufälligen Skin beim Spielen, wirft XMMS sich bei jedem Titel neu in Schale.

Aufgebrezelt

Werden Ihnen die Standard-Skins von XMMS irgendwann zu langweilig, ist es Zeit zum Shopping. Neue Skins erhält man unter http://www.xmms.org/skins.html, oder man verwendet schon vorhandene Winamp-Skins. Seinen Kleiderschrank hat der Player netterweise beim ersten Start selbst aufgestellt, und zwar in Form des Verzeichnisses /home/Nutzername/.xmms/Skins. Die neuen Skins sind dort schnell einsortiert:

  1. Öffnen Sie zwei Dateimanager-Fenster. SuSE-Nutzer klicken dabei auf das home-Symbol in der KDE-Leiste (das kleine Haus), während Red-Hat-Anwender auf das Icon Persönliches Verzeichnis auf dem Desktop doppelklicken.
  2. Navigieren Sie in dem einem Fenster zum Verzeichnis mit den Skins, in dem anderen in das Verzeichnis /home/Nutzername/.xmms/Skins/. Bei Verzeichnissen und Dateien, deren Name mit einem Punkt beginnt, handelt es sich um gespeicherte Konfigurationen, die von Konqueror und Nautilus standardmäßig nicht angezeigt werden, ähnlich wie Systemdateien im Windows Explorer. Um auch diese Verzeichnisse zu sehen, wählen Sie im Konqueror Ansicht / Versteckte Dateien anzeigen. In Nautilus wählen Sie Bearbeiten / Einstellungen. Unter dem Menüpunkt Icon- und Listenansicht setzen Sie einen Haken vor den Punkt Versteckte Dateien (Namen beginnen mit .).
  3. Ziehen Sie nun Ihre Skins aus dem Speicherverzeichnis in das Verzeichnis Skins -- fertig! Jetzt stehen die neuen Skins zur Auswahl.

Im Internet liegen Skins meistens in einem gepackten Format vor -- für Linux oft als tar.gz-Datei, für Windows als zip-Archiv. Wer jetzt glaubt, er müsse diese Archive auspacken, also sozusagen die Kleider ordentlich aufhängen, unterschätzt die Fähigkeiten von XMMS. Der Player kann auch mit Skins in gepackten Zustand umgehen und bietet Ihnen auch diese zur Auswahl an.

Musik sehen

Ein weiteres nettes Gimmick sind die Visualisierungs-Plugins. Diese stellen Takt und Geschwindigkeit der Musik mit den unterschiedlichsten Effekten dar. Waren SuSE-Nutzer wegen des fehlenden Skins-Paketes eben noch benachteiligt, haben sie jetzt bei den Visualisierungen die Nase vorn: Durch Installation des Pakets xmms-plugins können sie die Auswahl erheblich vergrößern. Um einen optischen Eindruck von Ihren Lieblingsstücken zu erhalten, müssen Sie jedoch zunächst eines der Plugins aktivieren.

  1. Öffnen Sie das Menü von XMMS und wählen Sie den Punkt Visualisierung / Visualisierungs-Plugins. Es öffnet sich automatisch das Optionenmenü auf der richtigen Registerkarte.
  2. Markieren Sie im Auswahlfenster einen Eintrag und klicken Sie auf den Button vor Plugin verwenden. Schon wird Ihr Musikgenuss durch grafische Spielereien untermalt.

Die Schaltfläche Konfigurieren unterhalb des Auswahldialogs bietet oft weitere Konfigurationsoptionen, etwa zu den verwendeten Farben. Auch die gleichzeitige Aktivierung mehrer Plugins ist möglich, wie Abbildung 6 beweist. (fan/hge)

XMMS mit mehreren laufenden Visualisierungs-Plugins

Abb. 6: Desktop mit XMMS und unterschiedlichen Visualisierungs-Plugins.

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