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Erschienen in EasyLinux 06/2003   »   Ausgabe bestellen

Tipps und Tricks zu Linux

Linux-Tipps

von Elisabeth Bauer und Andrea Müller


Tipps zu Windows oder Office finden Sie an jeder Ecke. Doch auch unter Linux gibt es Tricks und Kniffe, die man kennen sollte.

Linux-Novizen haben es nicht leicht. Unter dem neuen Betriebssystem kennt man sich noch nicht aus, und der Linux-Guru aus der Nachbarschaft bringt es fertig, bei ernstgemeinten Fragen herzhaft zu lachen. Neben der Antwort gibt es zusätzlich den Hinweis, die Frage sei banal und die Antwort jedem Linuxer bekannt. Mit dem Gefühl, sich lächerlich gemacht zu haben, traut man sich dann gar nicht mehr zu fragen. Zeit also, selbst einen Fundus aus Trick-Wissen aufzubauen und den frechen Nachbarn mal richtig zu verblüffen.

Goldene Regel

Die Linux-Distributoren richten inzwischen alle ein Dateisystem mit Journal, wie reiserfs oder ext3 ein. Grob gesagt heißt das, dass ein solches Dateisystem über alle Lese- und Schreibzugriffe Buch führt. Kommt es zu einem Systemabsturz und Sie schalten den Rechner wieder an, wird das Journal zu Rate gezogen, und das System weiß so, welche Dateien vor dem Crash schon geschrieben wurden und welche unwiederbringlich verloren sind. Sie können die fragliche Partition also auch nach einem Crash noch mounten und auf die darauf liegenden Daten zugreifen. Trotzdem ist das kein Freibrief, Ihren Rechner bei einem Problem einfach auszuschalten. Das Journal bewahrt nämlich nicht, wie vielfach (und fälschlich) angenommen, vor Datenverlusten, sondern garantiert lediglich die Konsistenz des Dateisystems. Das nutzt Ihnen jedoch eher wenig, wenn die wichtigsten Daten in Ihrem Home-Verzeichnis weg sind, oder die dort liegenden Dokumente auf einmal Auszüge aus Log-Dateien oder nur binäre Zeichen enthalten.

In manchen Fällen gibt es tatsächlich keine andere Möglichkeit, als das System einfach auszuschalten. Zuvor sollten Sie jedoch immer versuchen, ob es nicht doch möglich ist, störrische Prozesse zu beenden und Linux sauber herunterzufahren.

Eingefrorene Programme beenden

Die Stabilität eines Linux-Systems bewahrt den Anwender nicht vor schlecht programmierter Software. Der Vorteil seiner Stabilität liegt vielmehr darin, dass eine abgestürzte Anwendung nicht das ganze System mit in den Abgrund reißt, so wie das unter Windows oft der Fall ist. Friert eine Ihrer Anwendungen ein, haben Sie die Möglichkeit, sie mit dem kleinen Programm xkill schnell zu beenden.

  1. Öffnen Sie unter KDE durch Druck von [Alt-F2] den Dialog zur Befehlseingabe und geben Sie dort xkill ein. Ein Klick auf Ausführen führt den Befehl aus, und Ihr Mauszeiger verwandelt sich in ein Totenkopfsymbol. Noch schneller starten KDE-Anwender xkill. Drücken Sie einfach die Tastenkombination [Strg-Alt-Esc].
  2. Klicken Sie mit dem "Mauszeiger des Todes" in das Fenster oder auf die Titelleiste der eingefrorenen Anwendung, so wird diese ohne Nachfrage gewaltsam beendet. Noch nicht gespeicherte Daten gehen dabei verloren.
  3. Überlegen Sie es sich in letzter Minute anders, etwa weil das eingefrorene Programm auf einem anderen Desktop liegt, beenden Sie xkill durch einen Klick mit der rechten Maustaste.

Haben Sie versehentlich auf eine freie Stelle des Desktops geklickt, sind Sie damit auch alle Desktop-Icons und das Kontextmenü los. Das ist schnell repariert. Öffnen Sie mit [Alt-F2] erneut ein Befehlseingabefenster und geben Sie dort kdesktop ein. Das stellt den ursprünglichen Zustand Ihres Desktops wieder her. GNOME-Anwender haben dieses Problem nicht, da dort der Datei-Manager Nautilus den Desktop zeichnet. In der Standardeinstellung von GNOME wird Nautilus automatisch neu gestartet, sobald er beendet wird.

KDE-Anwender, die mit xkill gar die Kontrolleiste bearbeitet haben, bekommen sie wieder, indem sie in dem über [Alt-F2] geöffneten Dialogfenster den Befehl kicker eingeben.

Wenn xkill nicht hilft

Benimmt sich eine Anwendung derart daneben, dass Ihr ganzer Desktop einfriert, nutzt Ihnen der Befehl xkill nichts mehr. Die Tastenkombination [Strg-Alt-Backspace] beendet die gesamte grafische Oberfläche gewaltsam. Loggen Sie sich im grafischen Modus ein, startet die Oberfläche mit einem Anmeldemanager automatisch neu. Sie können sich dann direkt wieder einloggen.

Was, wenn gar nichts mehr geht?

Hilft Ihnen auch diese Tastenkombination nicht weiter, ist es eventuell noch möglich, mit der Tastenkombination [Strg-Alt-F1] (statt F1 können Sie auch eine der anderen Funktionstasten von [F2] bis [F6] verwenden) auf eine Textkonsole zu wechseln. Über [Alt-F7] gelangen Sie wieder zurück zur grafischen Oberfläche. Auch wenn Sie normalerweise nicht im Textmodus arbeiten, sollten Sie zumindest die Befehle kennen, mit denen Sie Ihr System runterfahren oder neu starten können.

  1. Loggen Sie sich zunächst als Administrator ein. Dafür geben Sie root ein und schließen die Eingabe durch Druck auf die [Enter]-Taste ab.
  2. Geben Sie danach Ihr Administrator-Passwort ein, und Sie erhalten einen Prompt, also die Möglichkeit, Befehle einzugeben.
  3. Geben Sie hier das Kommando
    shutdown -r now 
    
    ein. Dadurch wird Ihr System sauber heruntergefahren und neu gebootet.
  4. Möchten Sie die Arbeit am Computer beenden, halten Sie das System mit dem Befehl
    shutdown -h now
    
    an.

Die grafische Oberfläche funktioniert nicht

Am verstörendsten für jeden Linux-Anfänger ist es, wenn Linux nicht im grafischen Modus startet. Um das Problem zu lösen, geht man folgendermaßen vor:
  1. Sowohl SuSE als auch Red Hat Linux versuchen standardmäßig, im grafischen Modus zu starten. Ist das X Window System, das dafür zuständig ist, falsch konfiguriert, gelingt das nicht. Sie befinden sich zu diesem Zeitpunkt auf der Konsole Nr. 7, unter der normalerweise der X Server läuft. Dort können Sie derzeit nichts ausrichten. Wechseln Sie also mittels Druck auf [Strg-Alt-F2] auf eine Textkonsole.
  2. Loggen Sie sich dort als Administrator ein. Dazu geben Sie zunächst als Benutzername root und danach Ihr Passwort ein.
  3. Die Konfigurationswerkzeuge der meisten Distributionen lassen sich auch im Textmodus aufrufen. Unter Red Hat Linux geben Sie
    redhat-config-xfree
    
    ein, um das grafische System zu einzurichten. Auf der ersten Registerkarte Anzeigen stellen Sie die Auflösung und die Farbtiefe ein. Hier korrigieren Sie Werte, die Sie bei der Installation versehentlich falsch eingestellt haben. Finden Sie dort keinen Fehler, bietet die Registerkarte Erweitert Ihnen die Möglichkeit, die Einstellungen von Monitor und Grafikkarte zu ändern. Wollen Sie dort etwas ändern, konsultieren Sie vorher das Handbuch Ihres Monitors und Ihrer Grafikkarte.

    SuSE-Anwender geben stattdessen auf der Konsole den Befehl

    LANG=de_DE sax2
    
    ein. Das vorangestellte LANG=de_DE sorgt dafür, dass SaX2 mit deutschsprachiger Oberfläche gestartet wird. SaX2 versucht daraufhin, ein grafisches System zu starten. Erscheinen Ihnen die Einstellungen korrekt (unten rechts sollten Sie einen Pinguin erkennen, der vor dem SaX2-Logo sitzt), übernehmen Sie diese durch Klick auf ok. Andernfalls klicken Sie auf Change Configuration. SaX2 lädt seine Treiberdatenbank und Sie können nun die richtigen Werte eingeben. Unter dem Punkt Monitor finden Sie die Einstellungen für die Grafikkarte und den Monitor.

    Auch andere Tools können Sie aus dem Textmodus heraus aufrufen. Unter SuSE etwa YaST, unter Red Hat die einzelnen Einrichtungsmodule, deren Name immer mit redhat-config beginnt. Geben Sie redhat-config ein und drücken zweimal auf die [Tab]-Taste, werden Ihnen alle Konfigurationsprogramme angezeigt.

    Auflösung ändern

    Unter Windows konnten Sie die Bildschirmauflösung schnell über die Eigenschaften der Bildschirmanzeige ändern. Unter Linux springen Sie durch Druck auf [Strg-Alt-+] und [Strg-Alt--] zwischen den bei der Installation definierten Auflösungen hin und her. [Strg-Alt-+] wählt die nächst höhere, [Strg-Alt--] die nächste niedrigere Auflösung.

    Fenster-Tricks

    Besonders verwirrend für Linux-Anfäger ist die Frage, wie man Fenster verschiebt, die keine Titelleiste haben. Ein Beispiel dafür ist der Multimedia Player XMMS. Halten Sie die [Alt]-Taste gedrückt, können Sie das Fenster mit gedrückter linker Maustaste verschieben. Halten Sie statt der linken die rechte Maustaste gedrückt, ändern Sie durch Ziehen die Fenstergröße, sofern das die Anwendung erlaubt.

    Ist es Ihnen lästig, ein minimiertes Fenster immer wieder durch Klick auf seine Schaltfläche in der Kontrollleiste hervorzuholen, gibt es eine einfachere Möglichkeit, das Fenster ein- oder auszublenden. Ein Doppelklick auf die Titelleiste eines Fensters rollt es ähnlich einer Jalousie auf, so dass nur noch die Titelleiste zu sehen ist. Ein weiterer Doppelklick auf diese blendet den Fensterinhalt wieder ein. Je nach eingestellter Fensterdekoration gibt es auch eine Fensterschaltfläche, die diese Aufrollfunktion anbietet.

    Kopieren und Einfügen

    Nicht immer funktionieren unter Linux die von Windows gewohneten Tastenkombinationen [Strg-C] und [Strg-V] zum Kopieren und Einfügen. Das klappt nur, wenn es von den beteiligten Anwendungen unterstützt wird. Was jedoch immer funktioniert ist das Kopieren und Einfügen von markiertem Text über die Zwischenablage des X Window Systems.

    Markieren Sie einen Text wie gewohnt mit der Maus und fügen Sie ihn anschließend durch Klick mit der mittleren Maustaste (Radmausbesitzer drücken auf das Rädchen) woanders ein. Haben Sie noch eine Maus mit nur zwei Tasten, klicken Sie auf beide gleichzeitig, um den zuvor markierten Text einzufügen.

    Dokumentation finden

    Viele grafische Anwendungen setzen nicht mehr auf die althergebrachten Formen, ein Programm zu dokumentieren. Selbst wenn Sie unter der Anwendung selbst keine Hilfe aufrufen können, bedeutet das nicht, das es keine Dokumentation gibt. Oft finden Sie Dokumentation im Html- oder Textformat in den Verzeichnissen /usr/share/doc/paketname oder /usr/share/paketname. Für SuSE-Nutzer lohnt sich auch ein Blick in die Verzeichnisse unterhalb von /usr/share/doc/packages/paketname.

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    Problemen auf der Spur

    Funktioniert etwas nicht wie erwartet, sei es die Internet-Verbindung oder die an Ihr System angeschlossene Hardware, bietet Linux Ihnen einige Möglichkeiten zur Fehlersuche. Linux ist im Gegensatz zu Windows sehr gesprächig und führt über alle mehr oder weniger wichtigen Ereignisse Protokolle. Die Protokolldateien liegen im Verzeichnis /var/log und dessen Unterverzeichnissen. Werfen Sie dort einen Blick hinein, etwa mit einem Editor oder dem integrierten Textbetrachter von Konqueror, erscheinen Ihnen die Meldungen vielleicht kryptisch, doch jemand, der sich mit Linux auskennt, kann Ihnen anhand dieser Einträge helfen, Probleme zu beheben. Bevor Sie sich um Support bemühen, ist es daher eine gute Idee, zumindest die Datei /var/log/messages zu öffnen, da Ihr Helfer Sie bestimmt fragen wird, ob sich in den Einträgen etwas Auffälliges findet.

    Angst, dass diese Log-Dateien zu groß werden und langsam aber sicher Ihre ganze Festplatte auffüllen, brauchen Sie übrigens nicht zu haben. Ihr Distributor hat dafür gesorgt, dass in regelmäßigen Abständen ein Programm gestartet wird, das Ihre Log-Dateien leert, alte Einträge in einem gepackten Format speichert und diese Dateien dann nach einem bestimmten Zeitraum löscht. Die beiden Beteiligten bei diesen Aufräumarbeiten heißen cron und logrotate. Letzteres kümmert sich um Ihre Log-Dateien und der Cron-Daemon sorgt für die regelmäßige Abarbeitung dieser Aufgabe. Das, was man unter Linux als Daemon bezeichnet, ist vergleichbar mit einem Dienst unter Windows XP. (eba/amü)

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