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Erschienen in EasyLinux 06/2003   »   Ausgabe bestellen

Tipps zur Linux-Shell

Shell-Tipps

von Elisabeth Bauer und Andrea Müller


Welcher Ordner frisst den meisten Plattenplatz? Wie kommt man schnell von A nach B im Verzeichnisbaum? Wir präsentieren nützliche Tricks rund um die Linux-Shell.

Um in die Shell zu gelangen, klicken Sie unter SuSE in der Kontrollleiste auf den blauen Monitor mit der kleinen Muschel. Red-Hat-Anwender öffnen ein Terminal über den Menüpunkt Systemtools / Terminal des Startmenüs.

Verzeichnis wechsel dich

Das unscheinbare Kommando cd zum Verzeichniswechsel wird oft verkannt. Dabei gibt es zu cd verzeichnisname viele nützliche Shortcuts. Ein cd ohne Argument führt zurück ins Home-Verzeichnis. Mit cd .. springt man schnell ins übergeordnete Verzeichnis.

Lange Pfade sind ein Ärgernis, gerade wenn man gleichzeitig an zwei völlig unterschiedlichen Stellen im Dateisystem arbeitet. Statt nun ständig mit cd /home/alice/Documents/gesammelter_nonsens/fuer_bob/ und /home/bob/Documents/alice_nonsens/ hin und her zu wechseln, um dort Kommandos auszuführen, teleportiert ein kurzes cd - (mit Minuszeichen) zurück ins vorherige Verzeichnis. Ein weiteres cd - und schwupp ist man wieder da, wo man gerade war!

Wo sitzen die dicksten Brocken?

Spätestens wenn der Befehl df ("disk free"), der in KB und Prozent den benutzten Speicher anzeigt, etwas ausgibt wie

Dateisystem   1K-Blöcke   Benutzt Verfügbar Ben% Eingehängt auf 
/dev/hda1      50796799  48974421   1298090  97% /
ist Aufräumen angesagt. Dann ist es nützlich zu wissen, wer den ganzen freien Platz aufgebraucht hat. Die Eingabe von du -k | sort -n entlarvt, fein säuberlich nach Größe sortiert, welche Verzeichnisse am meisten Platz beanspruchen. du -k gibt dabei den "Disk Usage", also den Speicherverbrauch in KB (-k -- stattdessen ist natürlich auch ein -m für MB möglich) aus. Mit dem Pipe-Zeichen | übergibt man die Liste, die du ausgibt, an den Sortierbefehl sort, der das Ganze noch numerisch (-n) ordnet. du berücksichtigt alles unterhalb des aktuellen Verzeichnisses. Wenn Sie eine Statistik über die ganze Festplatte haben wollen, begeben Sie sich vorher mit cd / in das Wurzelverzeichnis.

Dokumentation finden ...

Das Problem unter Linux ist nicht, dass Anwendungen schlecht dokumentiert wären, sondern vielmehr die Frage, an welchen Ecken und Enden man überall Dokumentation findet. Konsolenanwendungen, also Programme ohne grafisches Frontend, bietet meistens ausführliche Manpages oder Info-Seiten. Diese rufen Sie mit den Befehlen man programmname bzw. info programmname auf.

...und vernünftig lesen

Dokumentation kann sehr komplex sein. Gerade dann wünscht man sich einen Ausdruck. Den kann man überhallhin mitnehmen und sich nach Herzenslust Notizen machen. Außerdem nimmt man gedruckte Texte konzentrierter auf als solche, die man an einem Monitor liest. HTML- und PDF-Dokumente ausdrucken kann wohl jeder, aber die Frage wo sich bei den Manpages die Druckfunktion verbirgt, hat sogar schon geduldige Zeitgenossen in den Wahnsinn getrieben.

Eine richtige Druckfunktion (etwa per Tastendruck) existiert nicht. Manpages liegen in einem besonderen Format vor, so dass es auch nicht zum Erfolg führt, den Speicherort (die Unterverzeichnisse unter /usr/share/man) herauszufinden, die Dateien in einen Editor zu laden und dann zu drucken. Mit einem kleinen Trick bringen Sie jedoch über die Kommandozeile perfekt formatierte Manpages zu Papier.

Der Befehl

man -t mv > mv.ps
formatiert zunächst die Manpage von mv für die Druckausgabe (man -t) und schreibt das Ergebnis in die Datei mv.ps (> mv.ps). Bei dem > handelt es sich um eine Umleitung der Ausgabe. Die Datei mv.ps, die nun in Ihrem Home-Verzeichnis liegt, können Sie mit Postscript-Betrachtern wie gv, ggv oder dem KDE-Programm kghostview betrachten und ausdrucken. Der Ergebnis ist von dem normalen Anblick einer Manpage nicht zu unterscheiden, was Sie anhand der Abbildung 1 und 2 kontrollieren können.

Die Manpage von mv

Abb. 1: Darstellung der Manpage des Programms mv in einem Konsole-Fenster.

Die mv-Manpage
im Postscript-Format

Abb. 1: Die mittels man -t mv > mv.ps in das Postscript-Format konvertierte Manpage, betrachtet mit gv.

Je nach Konfiguration Ihres Drucksystems können Sie die Manpages auch direkt drucken, ohne sie zuvor in eine Datei umzuleiten. Geben Sie dafür

man -t programmname | lp
ein. Bei dem | handelt es sich um eine so genannte Pipe. Dadurch wird die Ausgabe eines Befehls nicht angezeigt, sondern einem anderen Programm zur Weiterverarbeitung übergeben.

Wenn der Drucker unter Linux nicht funktioniert, nützt die Datei im Postscript-Format wenig -- dabei bräuchte man gerade in diesem Moment dringend die Manpages des verwendeten Drucksystems. Der Ausdruck unter Windows ist kompliziert, wenn man keinen Postscript-Drucker sein Eigen nennt. Dafür gibt es einen Geheimtipp, der sogar schneller arbeitet als die oben genannte Lösung. Geben Sie den Befehl

man mv | col -b > mv.txt
ein. Die so entstandene Datei mv.txt kopieren Sie auf Ihre Windows-Partition und drucken sie dort aus. Da die Datei Unix-Zeilenenden hat, kann sie Notepad unter Windows nicht richtig darstellen, verwenden Sie daher ein anderes Programm zum Öffnen der Datei, z. B. WordPad.

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