claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 07/2003   »   Ausgabe bestellen

Scanner im Test

Tux auf Scanner-Suche


Die Auswahl ist riesig, doch welcher Scanner versteht sich mit dem Pinguin daheim? Die Redaktion hat einige aktuelle Scanner auf ihrer Linux-Tauglichkeit untersucht.

von Andrea Müller und Elisabeth Bauer

Die Zeiten, in denen der Computer als überdimensionierte Schreibmaschine genutzt wurde, sind endgültig passe. Inzwischen hat sich der PC in vielen Haushalten zur heimischen Multimedia-Zentrale gemausert. Fotos zu archivieren und nachzubearbeiten ist dank moderner Digitalkameras kein Problem, doch auch der Inhalt der fünf Alben umfassenden Bildersammlung, die im Wohnzimmerschrank vor sich hinstaubt, soll früher oder später dem digitalen Fotoarchiv hinzugefügt werden. Scanner schlagen hier die Brücke zwischen analoger und digitaler Welt. Für Linux-Anwender stellt sich nicht nur die Frage nach der Bildqualität, sondern vor allem die, wie gut Linux das Wunschgerät unterstützt und ob es problemlos einzurichten ist. Wir hatten sieben Scanner im Testlabor, die ihre Fähigkeiten unter den letzten zwei aktuellen Distributionen von SuSE und Red Hat zeigen sollten.

Bei den uns zur Verfügung gestellten Testgeräten handelte es sich durchweg um neuere Modelle der jeweiligen Hersteller, von denen nur drei Geräte problemlos unterstützt wurden. Der Betrieb des einzigen Parallelport-Scanners im Testfeld ist zwar prinzipiell möglich, jedoch sehr kompliziert einzurichten und daher für Linux-Einsteiger nicht zu empfehlen. Ob ein Scanner unter Linux genutzt werden kann, hängt davon ab, ob er von SANE (Scanner Access Now Easy), der Scanner-Software unter Linux unterstützt wird. SANE stellt dabei die Schnittstelle für den Zugriff auf eine große Zahl an Scanner-Modellen bereit, die dann von grafischen Scan-Programmen wie kooka genutzt wird. Die meisten Scanner werden gewöhnlich erst unterstützt, nachdem Sie schon eine gewisse Zeit auf dem Markt sind. Das liegt daran, dass die Hersteller oft nicht bereit sind, gerätespezifische Daten oder gar Testgeräte an die SANE-Entwickler weiter zu geben. Dadurch ist die Entwicklung von Linux-Treibern für neue Modelle sehr aufwendig und geht nur langsam voran. Nicht jeder Hersteller ist so vorbildlich wie Epson, der in die Entwicklung von Linux-Treibern investiert und diese zusammen mit einem grafischen Scan-Programm unter der GPL zur Verfügung stellt.

Achtung beim Scanner-Kauf

Anders als bei Windows und Mac reicht unter Linux beim Scannerkauf der kurze Blick auf die Packung nicht aus. Selbst Hersteller, deren Modelle unter Linux funktionieren, haben den Pinguin als Verkaufsargument noch nicht entdeckt. Hinweise zum Betrieb unter Linux findet man in der Regel weder in der beiliegenden Dokumentation noch auf den Web-Seiten der Hersteller, und auch der Verkäufer im Laden weiß nur selten die Antwort auf die Frage: "Läuft das Gerät auch unter Linux?".

Um auf Nummer Sicher zu gehen, sollte man, wenn ein Scanner-Kauf ansteht, als allererstes einen Blick auf die Liste der von SANE unterstützten Scanner werfen. Sie finden sie unter http://www.mostang.com/sane/sane-mfgs.html. Möglicherweise entdeckt man dort einen Scanner, der zur Zeit als Auslaufmodell preisgünstig angeboten wird. Unter Umständen sollte man auch den Kauf eines Gebrauchtgeräts in Betracht ziehen -- das ist oft nervenschonender als sehnsüchtig auf die Unterstützung eines aktuellen Modells zu warten.

Wo man allerdings auf Aktualität achten sollte, ist die benutzte Distribution respektive die darin enthaltene Version der Scanner-Software SANE: SuSE 8.1 und Red Hat 8 kommen beide mit SANE 1.0.8 daher, Red Hat 9 ist mit 1.0.9 eine Version neuer, und nur SuSE 8.2 bringt die 1.0.10 mit. Eine neuere SANE-Version bedeutet grundsätzlich auch: mehr unterstützte Modelle.

Plug & Scan

Unser wichtigstes Testkriterium war die einfache Einrichtung und Bedienung. Damit fiel der einzige eingesandte Parallelport-Scanner, der Plustek OpticPro p12 leider aus dem Test, da er zwar prinzipiell selbst unter alten Linux-Distributionen funktioniert, die Module zum Betrieb jedoch selbst kompiliert werden müssen. Mehr Informationen zum Betrieb von Parallelport-Scannern findet man auf Georg Jägers Webseite http://www.gjaeger.de/scanner/plustek.html.

Drei der Scanner, der CanoScan 3000F von Canon und die scanjets 2300c und 3500c von Hewlett Packard funktionierten auf keiner einzigen unserer vier Distributionen. Da diese Modelle relativ neu auf dem Markt sind, muss man hier wohl für die Unterstützung auf eine der nächsten SANE-Versionen warten.

Scannereinrichtung unter Linux

Im Bereich Scanner gibt es zwischen den Linux-Distributionen große Unterschiede. Ganz luxuriös läuft die Scanner-Einrichtung unter SuSE Linux: Sowohl SuSE 8.1 als auch 8.2 bringen ein grafisches YaST-Modul zur Scanner-Konfiguration mit, dessen Bedienung in Kasten 1 beschrieben ist.

Red-Hat-Anwender suchen ein solches Programm vergeblich. Die Scanner-Software SANE ist jedoch bei der Standardinstallation dabei. Wenn Sie unter Red Hat Linux einen Scanner anschließen, gibt es in der Regel zwei Möglichkeiten: Er läuft einfach so oder überhaupt nicht. Überprüfen können Sie dies mit einem grafischen Frontend wie kooka oder den beiden Shell-Kommandos sane-find-scanner und scanimage -L. Diese geben Sie nacheinander in einem Terminal-Fenster als Benutzer root ein. Hat sane-find-scanner den Scanner entdeckt, ist das aber noch keine Funktionsgarantie. Nur wenn auch scanimage -L korrekt Scanner-Namen und Gerätedatei, zum Beispiel plustek:/dev/usbscanner, ausgibt, können Sie mit dem Gerät arbeiten.

Canon Scan LiDE 30

Der Canon ScanLiDE 30 ist der flachste Scanner im Test. Er kommt ohne externe Stromversorgung aus und wird nur per USB-Kabel an den Rechner angeschlossen. Mit der Linux-Unterstützung hapert es jedoch: Red Hat Linux 8 und 9 weigerten sich komplett, mit dem Scanner zusammenzuarbeiten, und auch unter SuSE Linux 8.1 hat YaST keinen passenden Treiber im Angebot.

Nur SuSE Linux 8.2 erkennt ihn und bietet in der manuellen Konfiguration neben dem LiDE 20 auch den Canon Scan LiDE 30 zur Auswahl an. Anschließend scannt er über kooka ohne Probleme.

Nach den Informationen des SANE-Projekts ist die Unterstützung für die Flunder noch im Betastadium. Die Scan-Qualität ist daher auch nicht so ganz überzeugend. Die Test-Scans weisen einen leichten Rotstich auf, der sich allerdings in den Farbeinstellungen von kooka ausgleichen lässt. Leider gehen auch feine Übergänge flöten, wie beim Schild im Hintergrund des Testbilds zu sehen ist (siehe Abbildung #).

Epson Perfection 2400 Photo

Der solide verarbeitete, aber nicht gerade zierliche Epson Perfection 2400 Photo sorgte für die größte Überraschung im Test: Er lief sowohl unter SuSE Linux 8.1 und 8.2 als auch unter Red Hat 9. Schließt man ihn unter SuSE 8.2 an, lässt er sich mit YaST manuell konfigurieren. Zwar taucht die exakte Modellangabe nicht in der Liste auf, doch mit der Konfiguration für den Perfection 2400 ließ sich problemlos scannen.

SuSE Linux 8.1 und Red Hat Linux 8 und 9 waren da nicht so wohlwollend. Unter Red Hat ließ sich der Scanner über die Kommandozeile zuerst nicht ansprechen. Doch diesmal hat der Hersteller vorgesorgt: Epson ist der einzige unter den Herstellern unserer Geräte im Test, der sich auch selbst um die Linux-Unterstützung kümmert. Auf der Website von Epson Kowa (http://www.epkowa.co.jp/english/linux_e/lsd_e.html) gibt es das grafische Scan-Programm Iscan! zum Download als RPM-Paket. Dieses lässt sich unter SuSE und Red Hat Linux mit Klick auf das Paket im Konqueror installieren.

Mit diesem Tool laufen nach den Angaben auf der Website viele der Epson-Scanner, und auch unser Testgerät ließ sich unter SuSE 8.1 und Red Hat 9 zum Scannen bewegen (siehe Abbildung #). Nur unter Red Hat 8 verabschiedete sich iscan mit einer Fehlermeldung gleich nach dem Start.

Unsere Beispiel-Scans mit 300 dpi-Auflösung lieferten gute Ergebnisse. Vor allem in puncto Farbtreue ließ der Epson die anderen Testgeräte deutlich hinter sich (siehe Abbildung #). Auch feine Farbunterschiede gab er korrekt wieder.

Abb. #: Mit dem Programm Iscan läuft der Epson Perfection unter beiden SuSE-Versionen und Red Hat 9 perfekt.

Plustek OpticPro ut16

Unter SuSE Linux 8.2 benimmt sich der Plustek OpticPro perfekt. Beim Anschluss meldet die Hardware-Erkennung: Neue Hardware gefunden! Das YaST-Scanner-Modul erkennt ihn zwar als seinen Zwillingsbruder UT12, aber das sollte nicht weiter stören: Völlig ohne manuelle Einrichtung scannt der OpticPro auf Anhieb.

Weniger erfreulich lässt sich der Test unter SuSE 8.1 an. Zwar wird auch hier der Scanner automatisch erkannt und von YaST konfiguriert, doch sowohl das grafische Frontend kooka als auch das Kommandozeilen-Tool scanimage frieren beim Zugriff auf den Scanner kommentarlos und reproduzierbar ein.

Unter Red Hat 8 erhalten wir dasselbe Verhalten -- kein Wunder, verwenden beide Distributionen doch die gleiche SANE-Version. Auch unter Red Hat 9 verweigert der Plustek den Dienst.

Die Scan-Ergebnisse sind durchweg zufriedenstellend, auch wenn sie in der Grundeinstellung von kooka ein wenig zu dunkel sind. Hier muss von Hand nachjustiert werden. Präzise arbeitet der Plustek feine Farbnuancen heraus (siehe Abbildung #).

Abb. #: Canon Scan LiDE 30.

Abb. #: Plustek ut16.

Abb. #: Epson Perfection 2400 Photo.

Technische Daten
Canon Scan LiDE 30Epson Perfection 2400 PhotoPlustek OpticPro ut16
Distributionen
SuSE 8.1-x 2-
SuSE 8.2xxx
Red Hat 8---
Red Hat 9-x 2-
Technische Daten 1
Preis119,-279,-zwischen 95 und 130,-
Optische Auflösung1200x24002400x4800600x1200
Abmessungen256 x 383 x 34 mm276 x 450 x 116 mm423 x 260 x 108 mm
Gewicht1,5 kg3,1 kg2,6 kg
AnschlussUSB 1.1 USB 2USB
Stromverbrauch2,5W (Betrieb)/ 1,25 (Standby)17 W maximal13.2W (Betrieb)/ 6W (Standby)
ZusätzeStandfuß für Senkrechtbetrieb35mm x 6 Dia-Einheit integriert35mm Diaeinheit integriert
ZubehörUSB-Kabel USB- und Netzkabel
1 Alle technischen Daten nach Herstellerangaben.
2 mit Iscan!

Scanner anschließen unter SuSE Linux
  • Wenn Sie einen von Linux unterstützten USB-Scanner an Ihren Rechner anschließen, entdeckt die Hardware-Erkennung in der Regel automatisch das neue Gerät und startet das Scanner-Modul von YaST. Geschieht dies nicht, starten Sie YaST von Hand über den Punkt Administration/YaST Module/Hardware/Scanner im SuSE-Work-Menü.
  • Falls Sie die Scanner-Software SANE noch nicht installiert haben, fragt YaST an, ob er dies für Sie erledigen soll. Klicken Sie auf Ja und legen Sie die angeforderte CD ein. YaST installiert dann die zum Scannen nötige Software.
  • Wenn Sie Glück haben, wird Ihr Scanner nun automatisch erkannt. In unserem Test wurde allerdings nur der Plustek ut16 automatisch erkannt, alle anderen mussten manuell konfiguriert werden. Dazu wählen Sie die Schnittstelle, an der der Scanner angeschlossen ist. Im nächsten Dialog klicken Sie auf den angezeigten Scanner und anschließend auf Weiter.
  • YaST beglückt Sie nun mit einer langen Liste von Herstellern und unterstützten Modellen. Wählen Sie den passenden Scanner-Hersteller und Ihr Modell in der Liste. Auf keinen Fall sollten Sie einfach auf gut Glück ein nicht passendes Modell verwenden, da Sie damit den Scanner beschädigen können. Klicken Sie danach auf Weiter.

Abb. #: Viele Scanner müssen manuell konfiguriert werden.
  • YaST konfiguriert SANE passend für Ihren Scanner. Sobald YaST seine Arbeit beendet hat, schließen Sie das Fenster. Weiter geht es mit dem Artikel "Scannen mit Kooka" auf Seite 34.

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2017 COMPUTEC MEDIA GmbH | Last modified: 2007-01-25 16:19

Nutzungsbasierte Onlinewerbung

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Smart Developer] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Smart Developer] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]