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Erschienen in EasyLinux 07/2003   »   Ausgabe bestellen

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HTML-Editoren


HTML ist gar nicht so schwer -- wenn man den richtigen Editor benutzt. Wir stellen vier HTML-Editoren für Linux vor.

von Elisabeth Bauer

Es ist eine Frage, die immer wieder von Umsteigern gestellt wird: Womit bastele ich die HTML-Seiten für meine Homepage unter Linux? Antworten erfahrener Linux-Anwender fallen für den Neuling hingegen zumeist eher unbefriedigend aus. Empfehlungen wie "Nimm doch Emacs!" oder "Ich mach das mit vi" -- die zwei als schwierig geltenden Standard-Texteditoren unter Linux -- schrecken ab. Dabei gibt es jenseits von vi und Emacs auch unter Linux genug Programme, die dem Anwender beim Erstellen seiner Homepage hilfreich zur Seite stehen. Wir stellen hier verschiedene Möglichkeiten vor.

HTML-Editoren teilen sich in zwei Kategorien: die so genannten WYSIWYG-Editoren ("What you see is what you get" -- Was man sieht, ist das, was man bekommt), bei denen der Anwender die Seiten wie in einer Textverarbeitung formatieren kann, und die Quelltext-Editoren, bei denen man die HTML-Anweisungen direkt eingibt und erst im Browser sieht, wie die Seiten wirklich dargestellt werden. Anhänger der reinen Lehre wenden ein, dass WYSISWYG-Editoren den Benutzer in einer trügerischen Sicherheit wiegen: Gerade komplexe Seiten sehen selten unter allen Browsern gleich aus. Was in FrontPage und Internet Explorer unter Windows wunderschön aussieht, kann unter Mozilla oder selbst im Internet Explorer für Mac ein völlig kaputtes Layout ergeben. Oft ist der von WYSISWYG-Editoren produzierte HTML-Code auch unnötig kompliziert und quält so Modem-Benutzer später mit langen Ladezeiten der Seiten.

Während man unter Windows mit Editoren wie DreamWeaver oder Allaire Home Site auch qualitativ hochwertigen HTML-Code fabrizieren kann, ohne selbst HTML schreiben zu müssen, sieht es in der WYSIWYG-Klasse unter Linux düster aus. Die wenigsten Programmierer der Open-Source-Gemeinde interessieren sich dafür, diese Art Programme zu entwickeln. Ein paar gibt es natürlich trotzdem, und diese stellen wir hier vor: Mozilla Composer und Amaya, den Referenz-Editor und Browser des W3-Konsortiums, das die Standards des WWW festlegt. Außerdem bietet auch OpenOffice eine Funktion, per WYSIWYG Web-Seiten zu gestalten.

Erfreulicheres können wir im Bereich der Quelltext-Editoren vermelden: Die Programme Quanta Plus und Bluefish unterstützen den Homepage-Bastler mit vielen nützlichen Features beim HTML-Schreiben. Das reicht vom sogenannten Syntax-Highlighting, bei dem HTML-Tags und Attribute zur besseren Lesbarkeit farbig markiert werden, bis zum automatischen Einfügen von Tags per Menü, Quickbar oder Tastaturkurzbefehl.

Mozilla Composer

Wer schnell ohne HTML-Kenntnisse eine Website bauen will und dabei nicht allzu hohe Ansprüche an die grafische Gestaltung stellt, ist mit Mozilla Composer, der dem Web-Browser Mozilla beiliegt, gut bedient. Zudem ist er in den meisten Fällen ohnehin schon vorinstalliert -- SuSE-Anwender, die noch ohne Mozilla sind, installieren ihn über YaST/Software installieren einfach nach. Mozilla bietet mehrere in Tabs geordnete Ansichtsmodi, eine Editier-, Tag-Ansicht, Quelltext und Vorschau, zwischen denen man schnell hin- und herschalten kann (siehe Abbildung 1). In jedem Modus erlaubt Mozilla die Bearbeitung der Seite. Für die Vorschau und den Editier-Modus nutzt Mozilla die Rendering-Engine seiner Browser-Komponente, was zumindest in einem Browser später unliebsame Überraschungen verhindert.

Über Einfügen/Inhaltsverzeichnis ist ein Inhaltsverzeichnis schnell automatisch erstellt, sofern man sich vorher die Mühe gemacht hat, alle Überschriften korrekt als solche auszuzeichnen. Mozillas Upload-Funktion kann man jedoch nur als rudimentär bezeichnen: Als Upload-Protokoll beherrscht Mozilla lediglich FTP und HTTP. Wer etwa seine Seiten komfortabel über WebDAV aufspielen will oder per FTP neue Verzeichnisse erzeugen will, schaut in die Röhre. Verwalten Sie eine große Web-Site mit vielen Einzelseiten, werden Sie daran keine Freude haben.

Abb. 1: Im Tag-Modus stellt Mozilla die HTML-Anweisungen als gelbe Schildchen dar. In der Statuszeile unten wird angezeigt, welche Tags sich auf das markierte Element beziehen.

Amaya

Amaya (siehe Abbildung 2) ist zunächst einmal eines: gewöhnungsbedürftig. Die Oberfläche ist alles andere als intuitiv gestaltet, und vor allem die Tatsache, dass Amaya im Gegensatz zu allen anderen Browsern einen Link nur auf Doppelklick verfolgt, ist für den Neuling höchst verwirrend. Betrachtet man das Programm genauer, fallen hingegen mehrere Spezialitäten auf, in denen Amaya glänzt. Zunächst einmal ist da die Tatsache, dass Amaya SVG beherrscht. SVG ist ein Vektorgrafikformat für Web-Seiten, das derzeit noch längst nicht alle Browser unterstützen. Ein weiteres Feature, das es gerade für denjenigen praktisch macht, der viele HTML-Texte, z. B. Dokumentation, auf seiner Festplatte gespeichert hat, sind Anmerkungen: Über das Annotations-Menü kann man bestimmten Textstellen oder auch ganzen HTML-Seiten kleine Notizen hinzufügen, die durch ein Bleistiftsymbol im Browser-Modus angezeigt werden und sich mit Rechtsklick in einem neuen Fenster öffnen lassen.

Abb. 2: Amaya bietet Menü-Einträge und Tastatur-Shortcuts für alle wichtigen Tags.

Bei der Seitenbearbeitung hält sich Amaya knallhart an die Standards -- kaum verwunderlich, wenn man seine Herkunft bedenkt. So weigert es sich beispielsweise, einen Bild-Link einzufügen, wenn man nicht zusätzlich eine Beschreibung im Alt-Attribut-Feld eingibt. Die hässlich graue Oberfläche kann man über Special/Preferences/Colors schöner gestalten.

Gut versteckt haben die Amaya-Programmierer die Spracheinstellungen. Wenn Sie im Dialog Special/Preferences/General im Feld Dialogue Language statt en ein de (siehe Abbildung 3) eintragen, begrüßt Sie Amaya nach einem Neustart mit deutschen Menüs -- dies allerdings mit teilweise so haarsträubenden Übersetzungen, dass manch einer reumütig zur englischen Fassung zurückkehrt. Schlimmer noch sind die häufigen Abstürze, die die Arbeit mit Amaya zum Abenteuer machen.

Abb. 3: Um Amaya auf Deutsch umzustellen, muss man als Dialogue Language de eintragen.

Anwendern, die Red Hat Linux 8 besitzen, bietet Amaya auf seiner Homepage unter http://www.w3.org/Amaya/User/BinDist.html passende RPM-Pakete der aktuellen Version, die sich einfach per Doppelklick installieren lassen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr System OpenGL unterstützt, laden Sie die GTK-Version herunter.

Nutzer von SuSE Linux 8.1 finden unter ftp://ftp.suse.com/pub/suse/i386/8.1/suse/i586/amaya-6.2-35.i586.rpm, SuSE-8.2-Anwender unter ftp://ftp.w3.org/pub/amaya/amaya_gtk-8.0-1.i386.rpm ein für ihre Distribution passendes RPM-Paket. Öffnen Sie das Verzeichnis, in das Sie das Paket heruntergeladen haben, im Datei-Manager Konqueror. Markieren Sie das Paket, bietet Konqueror an, das Paket mit YaST zu installieren. Klicken Sie auf Installiere Paket mit YaST und geben Sie wie gewohnt Ihr Root-Passwort ein. Das YaST-Software-Modul installiert und entfernt danach das heruntergeladene RPM-Paket. Anschließend finden Sie im K-Menü unter Internet/WWW den Amaya-Browser.

Quanta Plus

Für den Quelltexteditor Quanta spricht so einiges, vor allem die Tatsache, dass er sowohl bei Red Hat als auch SuSE Linux auf CD mitgeliefert wird. Die Installation gestaltet sich dementsprechend einfach: Unter SuSE wählen Sie im Work-Menü den Punkt Administration/Software nachinstallieren/Internet/WWW/Quanta Plus, geben Ihr Root-Passwort ein, legen die geforderte CD 2 ein und bestätigen die Meldungen mit OK -- fertig. Nach der Installation starten Sie Quanta übers K-Menü unter Internet/WWW.

Red-Hat-Anwender installieren Quanta über K-Menü/Systemeinstellungen/Pakete oder in Version 9 K-Menü/Systemeinstellungen/Hinzufügen und Entfernen von Applikationen. Dort klicken Sie beim Punkt Grafisches Internet auf Details und setzen ein Häkchen bei Quanta. Schließen Sie das Fenster, klicken auf Aktualisierung und bestätigen alles weitere mit OK. Anschließend findet sich Quanta ganz intuitiv unter Programmieren/Weitere Programmiertools/Quanta Plus

Haben Sie Größeres im Sinn als nur eine Seite zu ändern, sollten Sie ein Neues Projekt erstellen. Quanta übernimmt dann auch gleich den Datei-Upload für Sie. Im ersten Dialog stellt man den Speicherort der Homepage auf dem Server ein und bestimmt Server und Protokoll. Quanta besticht hier durch die Vielzahl der Protokolle, die es beherrscht (siehe Abbildung 4).

Abb. 4: Quanta übernimmt auch den Upload der fertigen Seiten auf den Server.

Warum allerdings in einer unserer Testversionen Quanta bei der Auswahl des Dokumenttyps voreingestellt die WAP-Markup-Sprache WML statt HTML vorschlägt, bleibt uns schleierhaft. Quanta verfügt über einen internen Vorschaumodus, alternativ kann man sein Werk auch übers Menü an Konqueror, Netscape oder Lynx schicken und dort bewundern (siehe Abbildung 5). Wenn Sie nicht mindestens eine Stunde Zeit übrig haben, sollten Sie sich von Quantas Menü Einstellungen fernhalten. Dort können Sie das Benehmen von Quanta bis zum kleinsten Tastaturkürzel konfigurieren.

Abb. 5: Quantas Vorschaumodus vermittelt einen Eindruck, wie die Seite später aussehen wird. Im linken Fenster zeigt Quanta die Dokumentstruktur an.

Bluefish

Bluefish wirbt damit, dass er 3500 Dokumente auf einen Rutsch öffnen kann. Auch wenn wir dies mangels einer entsprechenden Anzahl Dateien nicht nachvollziehen konnten, will man es gerne glauben. Von den vorgestellten Editoren ist Bluefish mit Abstand der schnellste -- und zwar sowohl von seiner Arbeitsgeschwindigkeit als auch der exzellenten Benutzerführung her. Wo in anderen Editoren umständliches Herumhantieren in Menüs gefordert ist, sitzt in Bluefish jedes Element an dem Platz, wo man es gerade braucht (siehe Abbildung 6). Über den Button Quickstart in der Standard bar sind rasch die elementaren Dokumentangaben eingefügt, der Knopf Style fördert einen intuitiven CSS-Assistenten zu Tage, mit dem ein Stylesheet schneller zusammen geklickt ist als der beste HTML-Guru tippen kann. Seine Seiten kann man in vielen voreingestellten Browsern bewundern, u. a. Mozilla, Opera und Netscape. Auch Sonderwünsche lassen sich verwirklichen: Über Bluefishs Präferenzen kann man selbst definierte Kommandos dem Menü External hinzufügen. Seiten-Management beherrscht Bluefish hingegen noch nicht. Wer seinem HTML-Editor auch den Server-Upload anvertrauen will, muss zu Quanta greifen oder externe Programme verwenden.

Abb. 6: Das Editor-Fenster von Bluefish mit farbig markierten HTML-Tags. Sogar chinesische und kyrillische Zeichen kann man eingeben.

Passende RPM-Pakete für SuSE finden Sie auf dem SuSE-FTP-Server für Version 8.1 unter ftp://ftp.suse.com/pub/suse/i386/8.1/suse/i586/bluefish-0.7-270.i586.rpm. Nach der Installation lässt sich Bluefish über Internet/WWW/Bluefish im K-Menü starten.

Red-Hat-Nutzer können die offiziellen Pakete der Bluefish-Website (http://bluefish.openoffice.nl/download.html) nutzen, z. B. über einen Mirror-Server in Regensburg: ftp://ftp.ratisbona.com/pub/bluefish/downloads/bluefish-0.9-1redhat.i386.rpm. Nach dem Download starten Sie mit einem Doppelklick auf die Datei den grafischen Installer. Alternativ können Sie das Paket auch auf der Kommandozeile installieren: Mit su wechseln Sie zum Root-User, ein rpm -ivh bluefish*.rpm im Verzeichnis, in dem die Datei liegt, übernimmt die eigentliche Installation, mit [Strg-D] loggen Sie sich wieder aus. Im Menü unter Programmieren findet sich anschließend der Blaufisch.

Fazit

WYSIWYG ist keine Spezialität von Linux. Weder Mozilla Composer noch Amaya können ihren Gegenspielern unter Windows das Wasser reichen. Doch mit all ihren nützlichen Hilfsfunktionen zeigen Quanta und Bluefish, dass es keine mühsame Arbeit sein muss, HTML-Seiten selbst zu schreiben. (eba)

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