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Erschienen in EasyLinux 07/2003   »   Ausgabe bestellen

Kniffe, die Sie kennen sollten

Linux-Tipps

von Andrea Müller


Auch unter Linux und seinen Anwendungen gibt es Optionen, die man nicht auf Anhieb findet. Wir sind für Sie auf die Suche gegangen und haben einige dieser Perlen zu Tage gefördert.

Tipp: Umlaute unter Red Hat

Falls Sie Red Hat benutzen, ist es Ihnen vielleicht schon aufgefallen, dass Sie in einigen Anwendungen statt der erwarteten Umlaute wie ä, ö oder ü nur seltsame Zeichen oder gar eine leere Fläche sehen. Ein prominentes Opfer ist das Tipp-Fenster des Grafikprogramms Gimp (Abbildung 1).

Abb. 1: Gimp ist noch nicht Unicode-fähig. Die Fensterdarstellung ist daher unter Red Hat fehlerhaft.

Der Grund dafür ist, dass Red Hat in der Standardeinstellung UTF-8 als Zeichensatzkodierung nutzt. Eigentlich ist das eine gute Idee, da nichts in der Computerwelt so viel Ärger verursacht wie die verschiedenen Kodierungen. Der kleinste gemeinsame Nenner bei den so genannten Encodings ist 7-Bit-ASCII. Für Amerikaner ist diese Kodierung ausreichend, nicht jedoch für Europäer und Asiaten, da in der ASCII-Tabelle keinerlei Sonderzeichen vorkommen, die das amerikanische Alphabet nicht enthält. Um Texte mit deutschen Umlauten darzustellen, benötigt man ISO-8859-1 als Kodierungsmethode. Will man auch noch das Eurozeichen anzeigen, wählt man ISO-8859-15. Ebenso existieren Zeichensatzkodierungen für andere auf der Welt verwendete Alphabete. Die Unicode-Kodierung UTF-8 räumt mit diesem Chaos auf. Sie umfasst die meisten auf der Welt verwendeten Alphabete, darunter neben den deutschen Umlauten auch chinesische und kyrillische Buchstaben.

Alles in allem ist das eine feine Sache, jedoch nur, wenn die Anwendungen, die Sie nutzen, auch Unicode-fähig sind. Auf alle Programme des Standard-Desktops von Red Hat, also auf alle GNOME 2-Programme, trifft das zu. Ältere Anwendungen und einige Programme für den Textmodus können mit UTF-8 jedoch nichts anfangen und zeigen daher statt Umlauten seltsame Zeichen an. Verwenden Sie nur Anwendungen, die bereits Unicode-fähig sind, brauchen Sie die Voreinstellung von Red Hat nicht zu ändern. Begegnen Sie jedoch öfters Menüs mit zerstückelten Umlauten, ist es kein Problem, die Standardeinstellung anzupassen. So gehen Sie vor:

Schritt 1

Öffnen Sie über den Punkt Systemtools / Terminal des Startmenüs ein Eingabefenster.

Schritt 2

Da Sie eine Systemkonfigurationsdatei bearbeiten müssen, brauchen Sie root-Rechte. Geben Sie also su ein und in der nächsten Zeile Ihr Administrator-Passwort. Das letzte Zeichen der Eingabeaufforderung ist nun eine Raute (#), woran Sie sehen, dass Sie in diesem Eingabefenster als Administrator unterwegs sind.

Schritt 3

Starten Sie durch Eingabe von kwrite /etc/sysconfig/i18n den KDE-Editor. Da Sie dem Aufruf eine Datei mitgegeben haben, wird diese direkt beim Start von kwrite geöffnet. Der Dateiname i18n steht übrigens für internationalization (Internationalisierung). Wollen Sie wissen, woher die 18 kommt, zählen Sie einfach die Buchstaben zwischen dem i und dem n.

Schritt 4

Die Datei enthält im Originalzustand nur drei Zeilen. Anstatt diese zu löschen, kommentieren Sie sie nur aus. Setzen Sie dafür an den Anfang jeder Zeile ein Raute-Zeichen (#). Alle Zeilen, die mit einer Raute beginnen, gelten als Kommentar, und ihr Inhalt wird vom System nicht beachtet.

Schritt 5

Tragen Sie folgende drei Zeilen am Ende der Datei ein:

LANG="de_DE.ISO-8859-1"
SUPPORTED="de_DE.UTF-8:de_
DE:de"
SYSFONT="LatArCyrHeb-16"

Die erste Zeile legt die gewünschte Systemsprache und Zeichensatzkodierung fest. In der zweiten Zeile steht, welche Sprachen Ihr System kennt, und die dritte Zeile definiert die Standard-Schrift für die Konsole, also den Textmodus von Linux. Nach der Bearbeitung sollte die Datei so aussehen wie in Abbildung 2.

Abb. 2: So muss die Datei /etc/sysconfig/i18n nach der Bearbeitung aussehen. Oben die auskommentierten Originalzeilen, unten die neuen Einträge.

Schritt 6

Speichern Sie die Datei über Datei / Speichern und beenden Sie den Editor. Geben Sie danach in dem Eingabefenster, aus dem Sie kwrite gestartet haben, exit ein, um wieder zum normalen Benutzer zu werden.

Die Einstellungen werden bei der nächsten Benutzeranmeldung wirksam -- allerdings ist dann noch nicht die neu eingestellte Systemschriftart geladen. Automatisch erledigt wird das bei dem nächsten Boot-Vorgang. Nun werden Sie in keiner Anwendung mehr auf "zerstückelte" Umlaute treffen. Wollen Sie diese Einstellungen irgendwann einmal rückgängig machen, löschen Sie einfach die drei eingefügten Zeilen und die Kommentarzeichen (#), die Sie den Originaleinträgen vorangestellt haben.

Tipp: Deutsche Umgebung für Root unter SuSE

Erledigt man unter SuSE etwas als Administrator, trifft man immer wieder auf englischsprachige Menüs. Offenbar gelten für Root andere Einstellungen als für normale Benutzer. Das ist schnell geändert, da SuSE einen komfortablen Editor für solche Systemeinstellungen mitliefert.

Schritt 1

Starten Sie YaST über den Punkt Einstellungen / Administration / YaST2 (YaST2 Kontrollzentrum) des K-Menüs. Wer schon SuSE 8.2 verwendet, wählt den Menüpunkt System / YaST2.

Schritt 2

Geben Sie im Authentifizierungsfenster Ihr root-Passwort ein und klicken Sie auf OK.

Schritt 3

Wählen Sie im YaST-Kontrollzentrum links den Punkt System und klicken Sie in der rechten Fensterhälfte auf Editor für /etc/sysconfig.

Schritt 4

Navigieren Sie links in der Baumansicht bis zu dem Punkt Base-Administration / Localisation / root_uses_lang und markieren Sie den Eintrag mit einem Mausklick. SuSE-8.2-Nutzer sind bei dem Eintrag System / Language / root_uses_lang an der richtigen Stelle.

Schritt 5

Im rechten Fenster ist nun ein Eingabefeld für eine Variable. Zur Zeit steht dort ctype. Markieren Sie diesen Eintrag und überschreiben Sie ihn mit yes (Abbildung 3). Dadurch legen Sie fest, dass für Root dieselben Spracheinstellungen gelten, wie für normale Benutzer.

Abb. 3: Der Sysconfig-Editor von SuSE. Unter diesem Punkt legen Sie fest, welche Spracheinstellungen für Root gelten.

Schritt 6

Klicken Sie auf Speichern und im nächsten Fenster auf OK. Danach wird SuSEconfig ausgeführt, um die Systemeinstellungen auf den neuesten Stand zu bringen. Beenden Sie YaST durch Klick auf Schließen.

Tipp: Schnelle Suche in Mozilla

Manche Seiten sind derart unübersichtlich, dass man das Gesuchte nicht auf Anhieb entdeckt, etwa einen Download-Link. Langwieriges Hin- und Herscrollen bei der Suche gehört seit Mozilla 1.3 endlich der Vergangenheit an. Seit dieser Version verfügt der Browser nämlich über ein praktisches neues Feature. Geben Sie mit der Tastatur einen Suchbegriff ein, sucht Mozilla in allen Links der Seite nach diesem Text und markiert die Fundstelle. Wollen Sie nicht nur die Links, sondern den kompletten Text der Seite nach einem bestimmten Begriff durchsuchen, stellen Sie dem Suchbegriff einen Slash (/) voran, also z. B. /Installation, um nach dem Begriff Installation zu suchen. Starten Sie bei dem markierten Suchergebnis eine neue Suche nach demselben Begriff, zeigt Mozilla den nächsten Treffer an, sofern das gesuchte Wort mehrmals im Dokument vorkommt.

Tipp: Nautilus-Beschränkung aufheben

Betreten Sie mit dem GNOME-Dateimanager Nautilus z. B. das Verzeichnis /dev, erleben Sie eine böse Überraschung. Nautilus meldet, in dem Verzeichnis befänden sich zu viele Dateien, und diese könnten nicht alle dargestellt werden. Tatsächlich liegt das Anzeige-Limit von Nautilus bei 4000 Dateien. Dieses Limit können Sie bei Bedarf auch heraufsetzen, jedoch nicht über die Menüs von Nautilus selbst -- dazu benötigen Sie die Anwendung gconf-editor.

Schritt 1

Öffnen Sie mit [Alt-F2] ein Fenster zur Befehlseingabe und geben Sie dort gconf-editor ein. Beim Start informiert Sie das Programm über seinen noch experimentellen Status -- nehmen Sie diesen Hinweis durch einen Klick auf OK zur Kenntnis. Die Anwendung hat ein wenig Ähnlichkeit mit regedit.exe unter Windows. Auf der linken Seite stehen in der Baumansicht die einzelnen Schlüssel. Markieren Sie einen davon, sehen Sie in der rechten Fensterhälfte, welche Werte sich unter diesem Schlüssel befinden. Der gconf-editor ist tatsächlich eine Art regedit für GNOME, und ebenso wie bei dem richtigen regedit sollten Sie hier keine Einstellungen ändern, deren Bedeutung Sie nicht kennen.

Schritt 2

Navigieren Sie in der Baumansicht auf der linken Seite bis zu dem Punkt apps / nautilus / preferences und markieren Sie diesen.

Schritt 3

Wählen Sie im rechten Fenster den Eintrag directory_limit aus und wählen Sie aus seinem Kontextmenü den Punkt Schlüssel bearbeiten.... Ändern Sie die Zahl im Feld Schlüsselwert auf die gewünschte Größe (derzeit noch 4000). Der Eintrag eines negativen Wertes bedeutet, dass kein Limit existiert. Bedenken Sie bei Ihren Anpassungen jedoch, dass Nautilus möglicherweise beim Betreten von Verzeichnissen mit mehreren tausend Dateien abstürzen kann. Auf einem Testsystem konnte Nautilus ein Verzeichnis mit 12000 HTML-Dateien ohne Probleme anzeigen. Die vollständige Darstellung aller Dateien dauerte jedoch trotz abgeschalteter Vorschau mehrere Minuten. (amü)

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