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Erschienen in EasyLinux 08/2003

Microsoft Office für Linux

CrossOver Office 2.0.1

von Hans-Georg Eßer


Auch wenn mit OpenOffice ein mächtiges Office-Paket für Linux zur Verfügung steht, wünschen sich viele Anwender die Nutzung ihrer Microsoft-Office-Programme. CrossOver Office erlaubt die Installation von Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Internet Explorer unter Linux.

Für die Windows-Kompatibilität von Linux gibt es zahlreiche Lösungen. Mit einem PC-Emulator wie VMware (http://www.vmware.com) lässt sich eine komplette Windows-Version unter Linux installieren, und unter diesem emulierten Windows laufen dann fast alle Windows-Anwendungen. Der Ansatz hat aber den Nachteil, dass man wegen der Emulation mit Geschwindigkeitseinbußen leben muss; zudem wird eine Windows-Lizenz benötigt.

CrossOver Office geht einen anderen Weg: Das Programm basiert auf dem freien Windows-Emulator WINE, der Ausführen von Windows-Anwendungen unter Linux ohne ein installiertes Windows-System erlaubt. WINE selbst ist allerdings noch in der Entwicklung, und viele Programme laufen mit WINE nicht oder nur unstabil.

Wenn es also ausschließlich um die von CrossOver Office unterstützten Programme,

geht, lohnt sich ein Blick auf dieses Produkt, da sich so die Kosten für eine Windows-Lizenz einsparen lassen und gleichzeitig die Programme schneller als in einem vollständigen PC-Emulator laufen.

Unseren Test haben wir auf zwei Rechnern durchgeführt: Als "leistungsstarker" Rechner diente ein Pentium 4 (2 GHz) mit 512 MB RAM, in der Kategorie "durchschnittlich" war es ein Athlon XP 1800+ (1,5 GHz) mit 256 MB RAM. Als Office-Produkte kamen Microsoft Office 2000 Small Business Edition und Office XP Standard zum Einsatz, die einen großen Verbreitungsgrad in der Windows-Welt haben.

Die Installation von CrossOver Office ist auch für Einsteiger unproblematisch: Unser Installations-Workshop im folgenden Artikel beschreibt die nötigen Schritte im Detail. Nach der Einrichtung von CrossOver Office folgt die Installation des eigentlichen Office-Pakets. Abgesehen davon, dass sie nicht wie unter Windows gewohnt automatisch oder per Klick auf ein setup.exe-Icon im Dateimanager, sondern über das Einrichtungsprogramm von CrossOver gestartet wird, verläuft sie genau, wie unter Windows gewohnt. Das im Installationsprogramm verwendete Windows-Laufwerk C: ist dabei ein Unterverzeichnis des Benutzer-Home-Verzeichnisses (.cxoffice/dotwine/fake_windows/); im Home-Verzeichnis muss also genug Platz sein, um die Programmdateien aufzunehmen. Office XP belegt zusammen mit zusätzlich installierten Dateien nach der Installation 295 MB Plattenspeicher.

Geschwindigkeitsrausch

Interessant war für unseren Test die Geschwindigkeit, mit der die Applikationen starten und laufen. Wer regelmäßig mit OpenOffice arbeitet, weiß, dass dieses Office-Paket mit seiner sehr langen Startzeit, die selbst auf aktuellsten Rechnern gerne über 15 Sekunden betragen kann, gelegentlich die Geduld des Anwenders auf die Probe stellt, wenn nur kurz eine per E-Mail empfangene Office-Datei angezeigt werden soll.

Erfreulicherweise starten die Microsoft-Programme unter CrossOver Office sehr schnell: Word XP und Excel XP benötigten auf dem schnelleren Testrechner für den Start jeweils nur fünf Sekunden.

Mit WINE emulierte Programme hatten in der Vergangenheit oft Probleme mit der Größenänderung eines Fensters und zeigten bei dieser merkwürdige Artefakte. Solche Probleme traten mit unter CrossOver Office laufenden Programmen nicht auf.

Im normalen Einsatz laufen die Office-Programme flüssig, so dass nicht der Eindruck entsteht, in einer Emulation zu arbeiten -- Letzteres ist auch technisch gesehen nicht der Fall: Das von CrossOver Office verwendete WINE emuliert keinen Windows-Rechner, sondern stellt Windows-kompatible Standard-Bibliotheken zur Verfügung, die die gleichen Aufgaben übernehmen, die unter Windows entsprechende DLL-Dateien haben.

Kompatibilität

Die Grundfunktionen der Office-Programme laufen völlig fehlerfrei. Alle unter Windows typischen Standard-Fonts werden vom CrossOver-Installer gleich mit eingerichtet; sollte ein spezieller Font fehlen, lässt er sich jederzeit in das Verzeichnis ~/.cxoffice/dotwine/fake_windows/Windows/Fonts/ kopieren -- nach einem "Neustart" der Windows-Umgebung über CrossOver/Reset CrossOver Office steht er dann in allen Anwendungen zur Verfügung.

Copy & Paste ist zwischen Windows- und Linux-Applikationen in vielen Fällen problemlos möglich. Bei einem Test zwischen OpenOffice Writer und Word wurden sogar Zeichenattribute wie fett und kursiv übernommen -- in beiden Richtungen.

Sind Absätze in OpenOffice mit einer besonderen Absatzformatvorlage (etwa Überschrift 1) ausgezeichnet, erscheinen bei der Übernahme in Word nur Sonderzeichen. In der anderen Richtung ist das Übernehmen der Absatzvorlagen möglich. In vielen Fällen werden auch die Schriftart und -größe bei diesen Schritten übernommen; im Test tauchten jedoch nach einem nicht erkennbaren Muster immer wieder Probleme auf: So ließen sich beispielsweise einzelne Zeilen mit verschiedenen Fonts und Größen fehlerfrei kopieren, während dies für den ganzen Absatz nicht möglich war.

Abb. 1: Copy & Paste zwischen OpenOffice Writer und Microsoft Word.

Generell unproblematisch ist das Copy & Paste von nicht ausgezeichnetem Text, beispielsweise aus einer Linux-Konsole. Wer etwa mit Word eine Anleitung für Shell-Befehle unter Linux schreiben will, kann die Zeilen aus der Shell so problemlos übernehmen. In Windows-Programmen funktioniert das Linux-typische Einfügen per mittlerem Mausklick nicht -- das ist unter Windows nicht üblich, und ein mittlerer Mausklick aktiviert in Word beispielsweise den Scroll-Modus. Eingefügt wird hier mit [Strg-V]. Auch für das Kopieren in die Zwischenablage muss die Windows-Tastenkombination [Strg-C] verwendet werden, während unter Linux-Programmen das Markieren eines Textblocks ausreicht.

Abb. 2: Auch Microsoft Outlook läuft problemlos.

Outlook und Internet Explorer

Während Word und Excel oft aus Bequemlichkeit der Vorzug vor der Alternative OpenOffice gegeben wird, wird Outlook in einigen Firmennetzwerken dringend benötigt, um alle Dienste des Microsoft-Mail- und Gruppen-Servers Exchange nutzen zu können. Zwar gibt es auch hier mittlerweile Alternativen (z. B. Ximian Connector, http://www.ximian.com/products/connector/), doch darf man annehmen, dass das "Original" am besten mit dem Microsoft'schen Server zusammen arbeitet.

Im Test haben wir Outlook nur via IMAP Kontakt zu einem regulären Mail-Server aufnehmen lassen: Das war problemlos. Beim Einsatz von Outlook sollte man allerdings an die mit diesem Programm verbundenen Sicherheitsprobleme denken.

Auch der Internet Explorer läuft mit CrossOver Office. Im Test ließen sich auch Plugins nachinstallieren, so dass IE sich zum Betrachten ungewöhnlicherer Web-Seiten einsetzen lässt, die den Internet Explorer und spezielle Plugins voraussetzen.

Sicherheit

Mit Windows-Anwendungen halten auch alle Windows-spezifischen Sicherheitsprobleme Einzug auf den Linux-Desktop. Wer etwa die Sicherheitsfunktionen in Outlook abschaltet, darf sich auch unter Linux an Outlook-spezifischen Würmern, Viren etc. erfreuen. Über das virtuelle Windows-Laufwerk Z: ist der Zugriff auf alle Dateien im Linux-Dateibaum möglich. Aus diesem Grund sollten Windows-Programme niemals mit Root-Rechten ausgeführt werden. Windows-Viren und andere Schadensroutinen können ihr Werk dann nur gegen Dateien verrichten, für das der Benutzer Schreibrechte hat. Davon können aber sämtliche Benutzerdateien betroffen sein -- auch solche, die nicht im virtuellen Windows-Laufwerk C: liegen.

Fazit

CrossOver Office 2.0.1 ist ein stabiles Hilfsmittel, mit dem sich einige der beliebteren Windows-Anwendungen auf den Linux-Desktop bringen lassen. Gegenüber der älteren Version 1.x ist CrossOver Office jetzt ausgereifter: Abstürze traten im Test der neuen Version nicht mehr auf.

Wer sich vor allem für die von CrossOver Office unterstützten Programme interessiert, findet in diesem Programm eine kostengünstige und leistungsfähige Alternative zum Einsatz einer Vollemulation, für welche auch eine Windows-Lizenz benötigt würde. (hge)

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