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Erschienen in EasyLinux 08/2003

Kniffe, die Sie kennen sollten

Linux-Tipps

von Andrea Müller


Je länger man mit einem Betriebssystem arbeitet, desto mehr Geheimnisse gibt es zu entdecken. Oft findet man bestimmte Zusammenhänge oder praktische Tricks nur durch Zufall heraus. Wer darauf nicht warten will, ist bei unseren Linux-Tipps genau richtig.

Tipp: Speichernutzung unter Linux

Linux hat bei der Installation schon einige grafische Systemmonitore auf Ihre Festplatte kopiert und der Aufruf eines solchen, wie etwa des gnome-system-monitor führt bei neuen Linux-Benutzern zu einer Schrecksekunde. Auf der zweiten Registerkarte der Anwendung sieht man als zweiten Punkt eine Statistik zum Speicherverbrauch des Systems (Abbildung 1).

Abb. 1: Im mittleren Bereich informiert der GNOME-System-Monitor den Anwender über den Speicherverbrauch. Scheinbar sind nur noch 19 MB frei.

Angeblich soll Linux so viel ressourcenschonender als Windows sein, aber trotzdem ist scheinbar der ganze Arbeitsspeicher belegt. Das sogar dann, wenn man nur wenige Anwendungen gestartet hat. Dass muss Sie nicht beunruhigen. Sie müssen sich keinen neuen RAM-Riegel kaufen und auch wenn Sie bei einer solchen Speichersituation weitere Programme starten, ist Linux nicht gezwungen die Auslagerungspartition auf der Festplatte zu benutzen. Linux verwaltet den Speicher anders als Windows, und der GNOME-System-Monitor präsentiert Ihnen nur eine verkürzte Form des Speicherstatuses Ihres Systems. Das, was Sie dort als belegten Speicher angezeigt bekommen, wird nicht alles von den laufenden Anwendungen benutzt. Der Systemmonitor zeigt Ihnen auch jene Teile als belegt an, die Linux als Cache verwendet. Dort hinterlegt Ihr System Teile von Programmen, die Sie während der Sitzung schon einmal gestartet haben. Das hat den Vorteil, dass die Anwendung bei einem erneuten Aufruf viel schneller startet, was sich vor allem bei großen Programmen, wie Mozilla oder Komponenten von OpenOffice bemerkbar macht. Würde Linux diesen Speicher sofort leerräumen, wenn eine Anwendung beendet wird, dauerte der nächste Start ebenso lang wie der erste, da dann das Programm komplett neu von der Festplatte geladen werden müsste. Der Zugriff auf den Arbeitsspeicher erfolgt jedoch viel schneller, als der auf die Festplatte. Daher ist Linux so klug, den vorhandenen RAM (Random Access Memory) auch auszunutzen. Starten Sie nun eine Anwendung zum ersten Mal, kann Linux sofort Teile des Speichers, die für den Cache genutzt werden, freigeben. Wie es wirklich um den Arbeitsspeicher Ihres Systems bestellt ist, zeigt Ihnen das Programm free -m, das Sie von der Komandozeile aufrufen. Die zweite Zeile der Ausgabe subtrahiert den als Cache genutzten Speicher von dem insgesamt belegten und zeigt Ihnen so an, wieviel Arbeitsspeicher in Wirklichkeit von laufenden Anwendungen und dem System belegt wird (Abbildung 2).

Abb. 2: Die Ausgabe von free -m zeigt, dass 161 MB als Cache verwendet werden. Diese werden bei Bedarf sofort geräumt. Eigentlich sind also 171 MB Arbeitsspeicher frei.

Tipp: KDE-Desktop im GNOME-Gewand

KDE-Anwender, die auch GNOME installiert haben und den Datei-Manager Nautilus aus dem K-Menü starten, erleben eine böse Überraschung. Nicht nur Nautilus startet, gleichzeitig sieht man sich nun auf einem GNOME-Desktop arbeiten (Abbildung 3).

Abb. 3: Der Start von Nautilus stülpt KDE das Aussehen des GNOME-Desktops über.

Das Schlimmste, was Sie nun machen können, ist das KDE-Kontrollzentrum zu öffnen und dort alle möglichen Einstellungen zu verändern. Das ändert an der momentanen Optik des Desktops gar nichts und zu einem späteren Zeitpunkt, wenn alles wieder funktioniert, erkennen Sie Ihre eigene Arbeitsoberfläche nicht wieder, da KDE alle Änderungen, die Sie in diesem Moment vornehmen registriert und speichert. Um sich richtig zu verhalten, muss man wissen, was hier eigentlich passiert ist. Unter GNOME zeichnet der Datei-Manager Nautilus den Desktop mit den Icons. Starten Sie nun Nautilus unter KDE, ändert dieser nichts an Ihren Desktop-Einstellungen, sondern zieht den GNOME-Desktop wie eine Maske über Ihre normale Arbeitsoberfläche. Auch das Beenden von Nautilus schafft keine Abhilfe, da Nautilus im Hintergrund weiterläuft. So gehen Sie vor, um Ihren KDE-Desktop wiederzubekommen:

Schritt 1

Starten Sie durch Druck auf [Alt-F2] ein Schnellstartfenster und geben Sie dort ksysguard ein.

Schritt 2

Im nun gestarteten KDE-Systemmonitor wechseln Sie auf die zweite Registerkarte (Prozesstabelle), wo Sie alle zur Zeit laufenden Anwendungen sehen.

Schritt 3

Wählen Sie im Dropdown-Feld den Punkt Benutzerprozesse, um nur die von Ihnen selbst gestarteten Programme angezeigt zu bekommen. Klicken Sie danach auf die Spaltenüberschrift Name um die Anwendungen entsprechend zu sortieren.

Schritt 4

Scrollen Sie bis zu dem ersten auftauchenden nautilus-Eintrag. Es laufen mehrere Instanzen des Datei-Managers. Markieren Sie alle nacheinander durch einen Mausklick und drücken Sie danach die Schaltfläche Beenden (kill).

Schritt 5

Die Sicherheitsabfrage des Systemmonitors beantworten Sie mit einem Klick auf Ja. Danach verschwinden zwar die GNOME-Icons, Ihren KDE-Desktop haben Sie jedoch immer noch nicht wieder. Dafür müssen Sie sich abmelden und die Sitzung speichern.

Schritt 6

Nutzer von SuSE Linux oder Red Hat 8.0 wählen dafür den Punkt Abmelden aus dem K-Menü. Dort setzen Sie ein Häkchen vor den Punkt Sitzung speichern und melden sich dann ab. Anwender, die schon Red Hat 9.0 nutzen, speichern Ihre Sitzung vor dem Abmelden im KDE-Kontrollzentrum. Starten Sie die KDE-Kommandozentrale, indem Sie in einem Schnellstartfenster, das Sie über [Alt-F2] öffnen, kcontrol eingeben. Markieren Sie in der Baumansicht den Punkt KDE-Komponenten / Sitzungsverwaltung und stellen Sie sicher, dass dort der Punkt Vorige Sitzung wiederherstellen aktiviert ist und speichern Sie diese Einstellung durch Klick auf Anwenden, falls zuvor ein anderer Eintrag aktiv war. Melden Sie sich danach ab und loggen Sie sich erneut ein. Nun erstrahlt Ihr KDE-Desktop wieder im gewohnten Glanz.

Tipp: Nautilus zähmen

Wer KDE benutzt und trotzdem gerne mit Nautilus arbeiten möchte, will sicher nicht nach jedem Start des Datei-Managers die Desktop-Bereinigung aus dem vorigen Tipp anwenden. In diesem Fall startet man Nautilus entweder über ein Schnellstartfenster mit der Eingabe von nautilus --no-desktop oder aber man verbietet ihm ein für alle Mal, sich um die Arbeitsoberfläche zu kümmern:

Schritt 1

Öffnen Sie ein Schnellstartfenster und geben Sie dort gconf-editor ein.

Schritt 2

Der nun gestartete Konfigurationseditor ist eine Art regedit.exe für den GNOME-Desktop. Quittieren Sie die Warnmeldung, die Sie darüber informiert, dass man Einstellungen mit diesem Werkzeug nur äußerst vorsichtig tätigen soll, mit einem Klick auf OK.

Schritt 3

Markieren Sie in der Baumansicht den Punkt apps / nautilus / preferences.

Schritt 4

Im rechten Fenster sehen Sie viele Einträge, die Ihre momentanen Nautilus-Einstellungen wiederspiegeln. Verändern Sie dort nichts, wenn Sie sich nicht absolut sicher über die Bedeutung der einzelnen Optionen sind. Verantwortlich für das Zeichnen des Desktops ist der Punkt show_desktop. Klicken Sie auf die Checkbox dahinter, um die Option zu deaktivieren (Abbildung 4). In Zukunft können Sie Nautilus auch aus dem Menü heraus starten, ohne dass er den Desktop zeichnet.

Abb. 4: Der GNOME-Konfigurations-Editor. Entfernen Sie das Häkchen aus der Checkbox show_desktop, verhält Nautilus sich wie ein normaler Datei-Manager.

Setzen Sie diesen Tipp nur dann um, wenn Sie niemals GNOME als Arbeitsoberfläche verwenden, da ansonsten Ihr GNOME-Desktop ohne Icons startet. Wollen Sie doch einmal diese Desktop-Umgebung ausprobieren, machen Sie zuvor die Einstellung an derselben Stelle im gconf-editor rückgängig.

Tipp: Screenshots unter GNOME

GNOME macht es Betriebssystem-Umsteigern besonders leicht: Die Tastenkombinationen zum Erstellen eines Screenshots sind identisch zu denen unter Windows. Anders als dort werden die Bilder jedoch nicht in der Zwischenablage gespeichert, sondern das GNOME-Bildschirmphoto-Programm startet und fragt nach einem Speicherort (Abbildung 5) für das Bild.

Abb. 5: Das GNOME-Bildschirmphoto-Programm.

Um den ganzen Bildschirm aufzunehmen drücken Sie die Taste [Druck] (eventuell ist Sie bei Ihnen auch mit Print beschriftet). Einen Screenshot des aktiven Fensters erhalten Sie durch die Tastenkombination [Alt-Druck]. (amü/eba)

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