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Erschienen in EasyLinux 08/2003

Komplettsystem Vobis Basic Linux 1 XI einrichten

Schlüsselfertig

von Mirko Dölle


Keine Treiber für Grafikkarte oder Sound, ein nicht funktionstüchtiges Modem und eine randvolle Windows-Festplatte -- so oder so ähnlich sieht der Alptraum jedes Linux-Einsteigers aus. Abhilfe schafft der fertig installierte Linux-PC von Vobis für knapp 400 Euro.

Beim Umstieg auf Linux rächt sich so manches Computer-Schnäppchen: Nur in Ausnahmefällen gibt es von den Herstellern Linux-Treibern, und gerade bei besonders neuer oder ausgefallener Hardware hat auch die Linux-Community keine Alternativen zu bieten.

Das Hauptproblem der Treiber-Misere ist, dass viele Hersteller den Aufwand für eine Linux-Treiberentwicklung scheuen und nur den Massen (Windows) Markt bedienen. Dementsprechend stammen die weitaus meisten Treiber aus der Linux-Community -- meist deshalb, weil ein versierter Entwickler zufällig das Gerät gekauft und dann einen Treiber selbst geschrieben hat. Unterstützung von den Herstellern, etwa in Form von Protokollen oder Programmieranleitungen, gibt es faktisch nicht -- nicht selten werden die Windows-Treiber bei ihrer Arbeit belauscht, oder der Programmierer muss durch Herumprobieren die richtigen Befehle herausfinden.

So kommt es, dass Linux mit etwas älterer Hardware (etwa ein bis zwei Jahre alt) oft besser zurecht kommt als mit brandneuen Geräten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Linux-Treiber gibt, steigt mit der Verbreitung der Geräte unter den Entwicklern.

Entsprechend aufmerksam muss man beim Hardware-Kauf sein: Schon die kleinste Abweichung bei der Modellbezeichnung oder ein Firmware-Update können bedeuten, dass ein Gerät nicht mehr mit den bisherigen Linux-Treibern funktioniert.

Linux-Komplettsysteme

Ein Komplettsystem mit vorinstalliertem Linux bietet sich daher für alle an, die den Linux-Hardware-Dschungel noch nicht überblicken. Mit 400 Euro ist der Vobis Basic Linux 1 XI ein echter Preishit, auch wenn er mit 1,3 GHz getaktete AMD Duron, 256 MB RAM, eine 40-GB-Festplatte und DVD-ROM heute eher zum Durchschnitt zählen. In unserem Testgerät war, anders als in der Serienfertigung, noch ein Diskettenlaufwerk eingebaut.

Die internen Laufwerke, RAM und Prozessor sind für Linux unkritisch, dafür braucht man keine speziellen Treiber. Mainboard-Chipsätze sind hingegen sehr problematisch: Gerade aktuelle Chipsätze können den Rechner unter Linux etwa durch fehlende DMA-Unterstützung ausbremsen, die im Chipsatz integrierte Soundkarte funktioniert einfach nicht oder USB 2.0 macht Probleme. Letzteres gilt auch für das Mainboard Biostar M7VIQ mit Via-KM-266-Chipsatz des Vobis-PCs, mit einem anderen Kernel funktionierte USB 2.0 anstandslos. Doch dazu später mehr.

Grafikkarten bringen zwar meist ein Bild auf den Schirm, 3D-Unterstützung für Spiele funktioniert aber nicht bei allen Modellen -- besonders gute Chancen hat man allgemein bei Karten von ATI und nVidia. Die rein passiv gekühlte ATI Radeon 7000 mit 32 MB RAM des Vobis-PCs machte im Test überhaupt keine Probleme und wird von SuSE Linux 8.1 voll unterstützt. Sogar 3D-Spiele wie Tux-Racer oder Tux-Kart liefen auf Anhieb.

Der Linux-PC von Vobis wird mit vorinstalliertem SuSE Linux 8.1 Personal OEM und drei CDs ausgeliefert -- OEM bedeutet in diesem Fall, dass man nicht in den Genuss des sonst üblichen SuSE-Supports kommt und dass die Handbücher fehlen. Auf unserem Testsystem hatte Vobis die Standard-Installation von SuSE übernommen, jedoch bei der Partitionierung eingegriffen: Knapp drei Viertel der 40 GB großen Festplatte wurde als separates Laufwerk partitioniert und unter /data1 fest eingebunden -- somit kann nur root auf diesen Teil der Festplatte schreiben. Das Linux-System befand sich auf einer 10 GB großen Partition, zudem gab es noch eine gut 500 MB große Auslagerungspartition.

Neue Maus einrichten

Vobis liefert eine mechanische Zwei-Tasten-Maus mit dem Rechner aus. Wer lieber eine Radmaus benutzen möchte, schließt sie einfach bei ausgeschaltetem Rechner an und startet Linux neu. Die Hardware-Erkennung bemerkt die Veränderung, und YaST fordert während des Startvorgangs in einem Text-Dialog (Abbildung 1) auf, den neuen Maustyp anzugeben. Der ist für nahezu alle Radmäuse Intelli-/Wheel-Maus (mit Rad, Aux-Schnittstelle) -- zusätzliche Maustasten wie bei verschiedenen "Web-Mäusen" werden jedoch nicht unterstützt. Nach Übernahme der Auswahl mit [Alt-B] ändert YaST alle betroffenen Programmeinstellungen, und Linux startet wie gewohnt bis zur grafischen Oberfläche.

Bei manchen (billigen) USB-Mäusen und sehr seltenen PS/2-Mäusen mit besonderen Tasten oder Funktionen kann es vorkommen, dass die Maus später nicht funktioniert. Ein Indiz dafür ist ein springender Mauszeiger oder das Auftauchen verschiedener Menüs, ohne dass Sie eine der Maustasten gedrückt haben. In dem Fall müssen Sie eine andere Einstellung verwenden. Die folgende Anleitung zeigt, wie Sie im Notfall über die Textkonsole einen neuen Maustyp einrichten:

  1. Wenn Sie bereits angemeldet sind, schließen Sie mit [Alt-F4] möglichst alle Programme und melden Sie sich notfalls mit [Strg-Alt-Entf] ab. Wählen Sie Als anderer Benutzer anmelden und bestätigen Sie mit [Enter]. Anschließend wird der grafische Anmelde-Bildschirm angezeigt.
  2. Wechseln Sie mit [Strg-Alt-F1] auf die erste Textkonsole, es erscheint der Login-Dialog.
  3. Hinter linux login: geben Sie root ein und drücken [Enter].
  4. Nun wird mit Password: das von Vobis vergebene root-Passwort verlangt. Die Passworteingabe erfolgt blind, auf dem Bildschirm werden weder Sternchen oder sonstige Zeichen angezeigt noch bewegt sich der Cursor nach rechts -- dies soll verhindern, dass ein Zuschauer die Länge des Passworts erkennen kann. Schließen Sie die Passwort-Eingabe wiederum mit [Enter] ab.
  5. Es erscheint das Kommando-Prompt linux:~ #. Geben Sie nun den Befehl yast2 mouse reconfig ein, und es erscheint wieder der Dialog aus Abbildung 1.
  6. Wählen Sie mit den Cursortasten einen anderen Maustyp mit dem gleichen Anschluss. In jedem Fall sollte PS/2-Maus (Aux-Schnittstelle) bei einer PS/2-Maus und USB-Maus bei einer USB-Maus funktionieren, allerdings ohne Unterstützung von Mausrad oder weiteren Maustasten.
  7. Übernehmen Sie die Auswahl mit [Alt-B]. YaST aktualisiert die Konfiguration und es erscheint wieder das Kommando-Prompt.
  8. Melden Sie sich mit [Strg-D] ab es erscheint der Login-Dialog.
  9. Wechseln Sie mit [Alt-F7] auf die grafische Oberfläche.
  10. Drücken Sie [Strg-Alt-Rücktaste] (nicht zu verwechseln mit [Strg-Alt-Entf]), daraufhin wird der Bildschirm kurz dunkel, und es erscheint der grafische Anmelde-Bildschirm.
  11. Jetzt sind die geänderten Einstellungen geladen. Bewegen Sie die Maus und schauen Sie, ob der Mauszeiger wie gewünscht reagiert. Wenn nicht, beginnen Sie wieder bei Schritt 2 und probieren einen anderen Maustyp aus.


Abb. 1: Falls die Maus nach der automatischen Hardware-Erkennung nicht mehr funktioniert, können Sie per Textkonsole einen anderen Maustyp auswählen.

Passwörter ändern

Vobis verwendet sowohl für den Systemverwalter root als auch für den Standard-Benutzer linux stets die gleichen Passwörter -- die Sie unbedingt ändern müssen, damit Sie nicht etwa aus dem Internet ungebetenen Besuch erhalten:

  1. Melden Sie sich wie üblich als normaler Benutzer an.
  2. Rufen Sie System / YaST2 im K-Menü auf.
  3. Geben Sie das von Vobis eingestellte root-Passwort ein.
  4. Klicken Sie Benutzer bearbeiten und anlegen in der Rubrik Sicherheit & Benutzer an.

  5. Die Benutzerverwaltung wird gestartet, eingangs wird nur der Benutzer linux angezeigt. Aktivieren Sie Auch Systembenutzer anzeigen unten in der Mitte. Darauf hin werden alle Benutzer aufgelistet.

  6. Klicken Sie auf den Benutzer root (der Name in der linken Spalte ist ausschlaggebend) und dann auf Bearbeiten.
  7. Es erscheint die Eingabemaske Bestehenden Benutzereintrag bearbeiten.

  8. Klicken Sie in das Feld Passwort eingeben: und löschen Sie die angezeigten Sternchen mit der Rücktaste. Geben Sie nun das neue root-Passwort ein.
  9. Klicken Sie nun in das Feld Passwort zur Überprüfung wiederholen:, entfernen Sie wiederum die angezeigten Sternchen und geben Sie das neue root-Passwort noch einmal ein. Bitte merken Sie sich das neue root-Passwort unbedingt, Sie können sonst ihr System nicht mehr administrieren, neue Software installieren oder Hardware einrichten -- das "Knacken" des Systems ist sehr umständlich und fehlerträchtig und sollte dem lokalen Linux-Experten überlassen werden.
  10. Klicken Sie auf Weiter. Waren die beiden Passwort-Eingaben nicht identisch, weist Sie YaST darauf hin und verlangt noch einmal Passwort und Bestätigung.
  11. Nun wird wieder die Benutzerverwaltung angezeigt. Sie sollten bei der Gelegenheit nach gleichem Schema das Passwort des Benutzers linux anpassen.
  12. Verlassen Sie die Benutzerverwaltung mit einem Klick auf Beenden. YaST speichert alle Änderungen und ab dem Moment gelten für alle Anmeldungen die neuen Passwörter.
  13. Schließen Sie das YaST-Kontrollzentrum.

Neuer Kernel

SuSE Linux 8.1 reicht für die von Vobis gelieferte Hardware fast aus -- fast deshalb, weil die USB-2.0-Unterstützung fehlerhaft ist und ein neuer Kernel installiert werden müsste. Dies sollten Sie aber nur dann tun, wenn Sie auch wirklich USB-2.0-Geräte betreiben wollen -- USB-1.1-Geräte arbeiten im Auslieferungszustand tadellos, und der Austausch des Kernels kann im schlimmsten Fall mit der Neuinstallation der Distribution enden.

Als Ersatz für den Kernel von SuSE Linux 8.1 verwenden wir kurzerhand den Kernel von SuSE Linux 8.2. Das RPM-Paket k_athlon-2.4.20-38.i586.rpm bekommen Sie zum Beispiel bei [1] und [2]. Die Installation ist, wie oben angemerkt, nicht ganz unkritisch: Der Kernel ist das Herz von Linux, und sollten unverhofft Fehler beim Update auftreten, können Sie im schlimmsten Fall nicht mehr starten. Ein solches Problem kann meist nur ein Linux-Experte lösen, oder Sie installieren die Distribution kurzerhand neu.

Die nachfolgenden Schritte zeigen das Kernel-Update:

  1. Laden Sie das RPM-Paket mittels Browser von einem der beiden angegebenen Server herunter und speichern Sie es in Ihrem Home-Verzeichnis /home/linux. Dazu können Sie zum Beispiel den Konqueror verwenden.
  2. Öffnen Sie eine Konsole, und geben Sie den Befehl

    su -
    

    ein. Anschließend wird das root-Passwort abgefragt.
  3. Installieren Sie das RPM-Paket mit dem Befehl

    rpm -Uhv ~linux/k_athlon-2.4.20-62.i586.rpm
    

    Abbildung 2 zeigt, welche Ausgaben der Befehl erzeugen muss.


Abb. 2: Das Kernel-Update geschieht durch manuellen Aufruf des Paket-Managers.

Fehlerbeseitigung

Im Normalfall sollte die Installation ohne Fehler ablaufen, einzig Meldungen der Art cannot remove /lib/modules/2.4.19-4GB - directory not empty sind unkritisch. Bei allen anderen Fehlermeldungen dürfen Sie Ihren Computer keinesfalls herunterfahren, neu starten oder ausschalten! Sie müssen dann unbedingt den Ausgangszustand wieder herstellen:

  1. Löschen Sie etwaige Überreste des neuen Kernels mit dem Befehl

    rpm -e k_athlon-2.4.20-62
    

    Die eventuell auftretende Fehlermeldung error: package k_athlon-2.4.20-62 is not installed ignorieren Sie.
  2. Legen Sie die erste SuSE-Linux-CD ein und geben Sie den Befehl yast -i k_athlon ein. Anschließend installiert YaST automatisch den Original-Kernel und richtet ihn komplett ein. Am Ende weist YaST noch auf die Notwendigkeit eines Neustarts hin (Abbildung 3), den Sie jedoch erst nach dem folgenden Schritt durchführen dürfen.
  3. Geben Sie den Befehl mk_initrd ein. Die Ausgaben des Befehls sehen Sie in Abbildung 4.
  4. Nun können Sie das System neu starten.


Abb. 3: Der Hinweis von Yast, nach der Kernel-Installation neu zu starten, darf an dieser Stelle noch nicht befolgt werden.


Abb. 4: Wenn beim Kernel-Update Fehler auftreten, muss unbedingt der Original-Kernel von der ersten CD wieder installiert werden -- sonst startet Linux nicht mehr.

Fazit

Der Linux-PC von Vobis verdient trotz der USB-2.0-Probleme die Empfehlung der Redaktion. Die Linux-Installation ist gelungen, und SuSE Linux 8.1 Personal OEM ist aktuell genug für den privaten Einsatz.

Die Rechner-Ausstattung ist nicht brandneu, aber für den Hausgebrauch völlig ausreichend. Einzig beim Neu-Kodieren von Videofilmen und leistungshungrigen Spielen wird man an die Grenzen der Hardware stoßen, für Spiele wie Tux-Racer oder Tux-Kart reicht die Maschine aber allemal. (mdö)

Infos

[1] Kernel-Paket bei der GWDG: ftp://ftp.gwdg.de/pub/linux/suse/ftp.suse.com/suse/i386/8.2/suse/i586/k_athlon-2.4.20-62.i586.rpm
[2] Kernel-Paket bei SuSE: ftp://ftp.suse.com/pub/suse/i386/8.2/suse/i586/k_athlon-2.4.20-62.i586.rpm


Vobis Basic Linux 1 XI
Hersteller: Vobis Microcomputer AG (http://www.vobis.de)
Prozessor: AMD Duron, 1,3 GHz
Mainboard: Biostar M7VIQ
Chipsatz: Via KM-266
Speicher: 256 MB DDR-RAM
Grafikkarte: ATI Radeon 7000, passiv gekühlt
Festplatte: 40 GB, Maxtor
Laufwerke: DVD-ROM
Anschlüsse: 2 x PS/2, 2 x VGA, 2 x USB 2.0, Ethernet, seriell, parallel, Joystick, Sound
Preis: 399 Euro

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