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Erschienen in EasyLinux 09/2003

Firewire-Controller im Test

Anschlussfreudig

von Mirko Dölle


Fällt die Entscheidung für neue Hardware unter Windows leicht -- einen Treiber wird der Hersteller schon mitliefern --, funktioniert unter Linux nicht jedes beliebige Gerät. Wir haben sechs Firewire-Controller für Sie getestet.

Die Hardware-Unterstützung unter Linux ist oftmals besser als ihr Ruf, durch die große Entwickler-Gemeinde gibt es auch für exotische Geräte durchaus Treiber. Während man unter Windows erwartet, dass der Gerätehersteller die passenden Windows-Treiber in den verschiedensten Versionen mitliefert oder wenigstens zum Download anbietet, legt man an das freie Betriebssystem einen anderen Maßstab an: Die Linux-Gemeinde hat gefälligst für die Treiber zu sorgen.

Leider stellen sich im Linux-Bereich nur sehr wenige Hersteller ihrer Treiberverantwortung, meist, weil man Linux noch nicht ernst nimmt. So sind es immer wieder Freizeit-Entwickler, die Treiber für eine neue Grafikkarte, einen Drucker oder Scanner schreiben. Oft sind die Linux-Programmierer schon froh, wenn sie vom Hersteller wenigstens eine detaillierte Beschreibung der Ansteuerung des Geräts bekommen, doch bei den meisten Firmen zählt das Wissen, wie man etwa einen Druckkopf hin und her bewegt, zum streng gehüteten Betriebsgeheimnis.

Die Folge der Ignoranz der Hersteller ist, dass brandneue Hardware in aller Regel nicht unter Linux funktioniert. Die Entwickler müssen manchmal die Windows-Treiber belauschen um herauszufinden, wie die Ansteuerung funktioniert -- das setzt einmal viel Freizeit voraus, und zum anderen muss sich der Programmierer das Gerät kaufen. Die Initiative etwa von Elito-Epox, den Entwicklern Hardware kostenlos zur Verfügung zu stellen, ist daher eine echte Hilfe für die Linux-Community.

Firewire-Controller

Die Treibersituation bei Firewire-Controllern ist relativ entspannt: Es gibt nur etwa zwei Dutzend verschiedene Chips von fünf Herstellern, deren Ansteuerung weitestgehend bekannt ist und die sich unter den Chips des gleichen Herstellers auch nur minimal unterscheidet.

Die Linux-Treiber befinden sich (mit wenigen Ausnahmen) im Kernel. Funktioniert ein Gerät nicht, hilft es meist, den neuesten Kernel zu verwenden, denn dort sind auch die neuesten Treiber enthalten. Die Distributoren, allen voran Red Hat und SuSE, nehmen jedoch sehr weitgehende Anpassungen an den Distributions-Kerneln vor -- wenn also ein Gerät unter SuSE-Kernel 2.4.18 funktioniert, bedeutet das noch lange nicht, dass es auch mit dem Red-Hat-Kernel 2.4.18 oder gar dem Original-Kernel 2.4.18 läuft. Dies trifft auch auf die Firewire-Controller zu, in der Übersichtstabelle haben wir daher vermerkt, mit welcher Distribution die Karte funktionierte und mit welcher nicht.

Dawicontrol DC-1394 PCI

Die Dawicontrol DC-1394 PCI ist eine reine Firewire-Karte mit drei externen Anschlüssen. Zudem gibt es einen internen Firewire-Port für Gehäuse, die noch eine Firewire-Buchse auf der Front haben -- der interne Port ist allerdings parallel zum obersten externen belegt, man kann also entweder ein internes oder ein externes Gerät anschließen, nicht beides.

Der Controller arbeitet mit den Distributionen SuSE Linux 8.1, 8.2 und Red Hat Linux 8.0 und 9.A einwandfrei zusammen, die angesteckten Geräte werden wie auf Seite 66 beschrieben erkannt. Mit rund 50 Euro ist der Adapter allerdings doppelt so teuer wie der von Digitus.

Digitus Connect IEEE 1394 PCI

Der Firewire-Controller Digitus Connect IEEE 1394 PCI hat zwei externe Firewire-Anschlüsse und einen internen -- einen weniger als beim Dawicontrol DC-1394, dafür gibt es aber keine doppelt belegten Buchsen. Der Via VT6306 wird seit einiger Zeit von Linux unterstützt, es gab mit keiner der getesteten Distributionen Probleme. Mit knapp 30 Euro ist der Controller halb so teuer wie der von Dawicontrol, bietet aber die gleiche Ausstattung -- ein echtes Schnäppchen. Wenn es nur um die Nachrüstung von Firewire geht, empfehlen wir diese Karte.

Adaptec Duo Connect

Firewire-Controller von Adaptec galten lange Zeit als nicht unterstützt, weil Adaptec einen eigenen Chipsatz verwendete. Damit ist es fast vorbei, einzig mit Red Hat Linux 8.0 konnte Firewire nicht benutzt werden. Die USB-2.0-Anschlüsse funktionierten unter allen getesteten Distributionen, auch hier verwendet Adaptec inzwischen Standard-Chipsätze.

Der Controller hat als einziger keine internen Anschlüsse für die Verlängerung zur Gehäusefront, mit drei mal USB 2.0 und zwei mal Firewire gibt es aber an Anschlussmöglichkeiten keinen Mangel.

Dawicontrol Duo Media

Dawicontrols Kombi-Controller mit USB 2.0 und Firewire hat je drei Anschlüsse für USB und Firewire, jeweils einen internen und zwei externe. Eine Doppelbelegung wie beim DC-1394 aus gleichem Hause gibt es nicht, es lassen sich also alle sechs Anschlüsse nutzen.

Der Controller bereitete unter keiner Distribution Probleme, was an der Verwendung der Standard-Chipsätze von Texas Instruments und NEC liegt. Mit 80 Euro ist er zudem der billigste Kombi-Controller im Testfeld und verdient damit uneingeschränkt die Empfehlung der Redaktion.

Hama USB 2.0 + IEEE 1394 Firewire Combo

Die Hama-Karte kommt mit schick vergoldetem Kartenhalter sowie vergoldeten Anschlüssen -- mit 140 Euro ist sie aber fast doppelt so teuer wie die silberfarbene Konkurrenz. Noch dazu harpert es mit der Linux-Unterstützung: Unter Red Hat Linux 8.0 und 9.A ließ sich Firewire gar nicht benutzen, unter SuSE Linux gab es hingegen keine Probleme -- offenbar hat SuSE hier den Kernel aufgebohrt.

Insgesamt müssen wir vom Kauf der Hama-Karte abraten -- wo Dawicontrol für 80 Euro sowohl ein USB- als auch ein Firewire-Kabel beilegt, gibt es bei Hama gar keine Kabel und auch kein nennenswertes Handbuch.

Sitecom Combo Card

Die Sitecom Combo Card verwendet den gleichen Chipsatz wie die Hama-Karte -- mit dem Unterschied, dass Firewire unter Red Hat Linux 9.A bei der Sitecom funktioniert. Unter Red Hat Linux 8.0 ist Firewire wie bei der Hama-Karte nicht zu benutzen, mit SuSE Linux gab es keinerlei Probleme.

Wie schon die Dawicontrol Duo Media fällt die Sitecom Combo Card angenehm durch die beiliegenden Firewire- und USB-Kabel auf. Ungewöhnlich ist die Zahl und Verteilung der Anschlüsse: Es gibt nur zwei externe Firewire-Buchsen, aber gleich vier USB-Ports, davon einer intern.

Fazit

Firewire unter Linux ist offenbar nur bei Red Hat Linux kritisch, trotz der unterschiedlichsten Chipsätze funktionieren alle Karten unter SuSE Linux einwandfrei. USB 2.0 ist unproblematisch, alle Hersteller verwenden hier den gleichen Chipsatz.

Vor dem Kauf einer Karte sollten Sie unbedingt in Erfahrung bringen, welcher Chipsatz aufgelötet ist -- notfalls, indem Sie die Karte im Laden auspacken und auf den großen meist quadratischen Chips nach der Typenbezeichnung suchen. Als Richtschnur können Sie die Chipsatz-Angaben aus der Übersichtstabelle verwenden, oder Sie schauen auf der Linux-Firewire-Seite (http://www.linux1394.org) nach. (mdö)

Alle Controller im Überblick
dc1394.jpg digitus.jpg adaptec.jpg duomedia.jpg hama.jpg sitecom.jpg
Modell: DC-1394 PCI IEEE 1394 PCI Duo Connect Duo Media USB 2.0 + IEEE 1394 Firewire Combo Combo Card
Hersteller: Dawicontrol Digitus Connect Adaptec Dawicontrol Hama Sitecom
Internet: http://www.dawicontrol.de http://www.digitus.info http://www.adaptec.de http://www.dawicontrol.de http://www.hama.de http://www.sitecom.com
Bezugsquelle: Alternate Media Markt Media Markt Alternate Media Markt Media Markt
Firewire
  Chipsatz: Texas Instruments TSB12LV26 Via VT6306 Texas Instruments TSB43AB23 Via VT6306 NEC D72873 NEC D72873
  Anschlüsse: 3 x extern oder 2 x extern / 1 x intern 2 x extern / 1 x intern 2 x extern 2 x extern / 1 x intern 2 x extern / 1 x intern 2 x extern
  SuSE 8.1 / 8.2: ja / ja ja / ja ja / ja ja / ja ja / ja ja / ja
  Red Hat 8.0 / 9.A: ja / ja ja / ja nein / ja ja / ja nein / nein nein / ja
USB 2.0
  Chipsatz: nicht vorhanden nicht vorhanden NEC D720100 NEC D720100 NEC D720100 NEC D720101
  Anschlüsse: -- -- 3 x extern 2 x extern / 1 x intern 2 x extern / 1 x intern 3 x extern / 1 x intern
  SuSE 8.1 / 8.2: -- -- ja / ja ja / ja ja / ja ja / ja
  Red Hat 8.0 / 9.A: -- -- ja / ja ja / ja ja / ja ja / ja
Lieferumfang: Firewire-Kabel, Handbuch, Windows-Software Firewire-Kabel, Kurzanleitung, Windows-Software Firewire-Kabel, Handbuch USB- und Firewire-Kabel, Handbuch, Windows-Software Kurzanleitung, Windows-Software USB- und Firewire-Kabel, Handbuch, Windows-Software
Preis: 60 Euro 30 Euro 90 Euro 80 Euro 140 Euro 80 Euro

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