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Erschienen in EasyLinux 10/2003

Kniffe, die Sie kennen sollten

Linux-Tipps

von Andrea Müller


Linux ist anders als Windows. Umsteiger stehen oft vor der Frage, wo sich ein bestimmtes Programm befindet und wie manche Dinge im System zusammenhängen. In unseren Linux-Tipps schauen wir hinter die Kulissen.

Tipp: Neue Benutzer für das System

Spätestens wenn man den eigenen Desktop nicht mehr wiedererkennt, weil Sohnemann ihm eine Star-Wars-Optik verpasst hat, wird es Zeit, für die liebe Familie eigene Benutzerkonten anzulegen. Während der Installation gab es für diesen Zweck eine komfortable Eingabemaske, die man im laufenden System erst einmal wiederfinden muss. Am einfachsten ist das bei SuSE Linux, denn dort sind alle Programme zur Systemadministration in YaST2 zusammengefasst.

Schritt 1

Starten Sie YaST über den Punkt System / YaST2 des K-Menüs. YaST fragt Sie vor dem Start nach dem Administrator-Passwort, da nur Root die Systemeinstellungen ändern darf. Geben Sie es ein und klicken Sie auf OK.

Schritt 2

Wählen Sie in YaST Sicherheit & Benutzer / Benutzer bearbeiten und anlegen durch Mausklick aus.

Schritt 3

Im Fenster sehen Sie alle von Ihnen bereits angelegten Benutzer. Klicken Sie auf die Schaltfläche Hinzufügen, öffnet sich ein Formular, in das Sie die Daten Ihres neuen Benutzers eintragen (Abbildung 1).

Schritt 4

Zusätzlich zu Vor- und Nachname müssen Sie hinter Benutzername: die Kennung eintragen, unter der sich der neue Benutzer später anmeldet: den Login-Namen. Meistens verwendet man hier den Vornamen, Sie können sich auch von YaST einen Login-Namen vorschlagen lassen. Das Konfigurations-Tool generiert eine Kombination aus Vor- und Nachname, etwa hansch für Hans Schmidt. Wundern Sie sich nicht, dass Sie bei dem Benutzernamen Umlaute oder Sonderzeichen wie ? nicht eingeben können, weil diese auf der Tastatur gesperrt sind: YaST bewahrt Sie so davor, unzulässige Zeichen zu verwenden. In den beiden letzten Feldern legen Sie das Passwort des neuen Benutzers fest. Unterscheiden sich die beiden Eingaben, weist YaST Sie auf Ihren Vertipper hin und Sie müssen das Passwort nochmal eingeben.

Schritt 5

Hinter den Schaltflächen Details und Passwort-Einstellungen warten zusätzliche Konfigurationsoptionen. Sie können etwa festlegen, in welchen Gruppen der neue Benutzer Mitglied sein soll oder nach welcher Zeit sein Passwort ungültig wird. SuSE Linux verwendet hier sinnvolle Default-Einstellungen, die Sie nicht ohne guten Grund ändern sollten. Haben Sie trotzdem aus Neugier ein Blick darauf geworfen, gelangen Sie über den Button Zurück wieder zur Benutzerkonfiguration.

Schritt 6

Ein Klick auf Anlegen richtet das neue Benutzerkonto ein. Mit Beenden schließen Sie die Benutzerkonfiguration. Anwender von SuSE Linux 8.1 klicken die Bestätigungsdialogbox mit OK weg. Unter SuSE Linux 8.2 erscheint dieser Hinweis nicht, trotzdem erledigt YaST brav die ihm übertragenen Aufgaben. Nun beenden Sie YaST über die Schaltfläche Schließen.

Jetzt kann sich der neue Benutzer Hans Schmidt unter seinem Benutzernamen hansch mit dem Passwort anmelden, das Sie vorher festgelegt haben. Sein Home-Verzeichnis ist /home/hansch.

Abb. 1: Hier tragen Sie die Angaben für den neuen Benutzer-Account ein.

Auch unter Red Hat Linux ist ein neuer Account kein Hexenwerk. Im Gegensatz zu SuSEs Einheitstool YaST gibt es hier viele einzelne Programme, die für die Konfiguration des Systems zuständig sind. Mit dem Programm redhat-config-users richten Sie ein neues Benutzerkonto ein.

Schritt 1

Starten Sie das Tool über den Eintrag Systemeinstellungen / Benutzer Verwaltung im K-Menü. Unter Red Hat Linux 9 heißt der Menüpunkt Systemeinstellungen / Benutzer und Gruppen. Da nur root neue Benutzer anlegen darf, müssen Sie zunächst Ihr Administrator-Passwort eingeben.

Schritt 2

Wenn die Benutzerverwaltung von Red Hat Linux startet, zeigt sie die vorhandenen Benutzerkonten an. Ein Klick auf Benutzer hinzufügen startet Sie eine Eingabemaske, die alle benötigten Informationen aufnimmt (Abbildung 2).

Schritt 3

Im Feld Vollständiger Name dürfen Sie eintragen, was Sie wollen -- nicht jedoch im Feld Benutzername. Mit dem Namen meldet sich der Benutzer später am System an: Er darf keine Umlaute oder Sonderzeichen enthalten. Verwenden Sie ein ungültiges Zeichen, teilt Ihnen Red Hat Linux 8.0 das nicht einmal mit, der Klick auf OK zeigt in diesem Fall jedoch keine Wirkung. Bei Version 9 hat der Distributor nachgebessert: Verwenden Sie dort ein unzulässiges Zeichen im Benutzernamen, weist Sie eine Dialogbox darauf hin, sobald Sie Ihre Angaben mit Klick auf OK bestätigen (Abbildung 3). Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie für den Benutzernamen nur Kleinbuchstaben (jedoch keine Umlaute) verwenden. Tragen Sie nun noch in die Felder Passwort und Passwort bestätigen das Login-Passwort für Ihren neuen Benutzer ein. An den anderen Angaben müssen Sie nichts ändern; dort hat der Distributor vernünftige Standardeinstellungen gewählt. Der Punkt Hauptverzeichnis bezeichnet das Home-Verzeichnis des neuen Benutzers, das ist wegen der etwas unglücklichen Übersetzung nicht sofort ersichtlich.

Schritt 4

Ein Klick auf OK richtet das neue Benutzerkonto ein, das sofort im Hauptfenster der Benutzerverwaltung erscheint.

Schritt 5

Schließen Sie das Programm über den Menüpunkt Datei / Beenden. Sobald Sie dem neu eingerichteten Benutzer sein Passwort und den Login-Namen mitgeteilt haben, kann er sich am System anmelden.

Abb. 2: In dieser Eingabemaske legen Sie unter Red Hat Linux neue Benutzer an.

Abb. 3: Unter Red Hat Linux 9 informiert Sie ein Dialog, dass das Fragezeichen nichts im Benutzernamen verloren hat.

Tipp: Keine Hilfe bei KDE-Spielen unter Red Hat

Wer eine Red-Hat-Standardinstallation gewählt hat, findet zwar KDE-Spiele wie KBounce oder KPoker auf seiner Festplatte, die Desktop-Umgebung selbst wird jedoch in der Voreinstellung nicht installiert. Haben Sie KDE nicht nachinstalliert, funktioniert deswegen die Hilfefunktion der KDE-Spiele nicht: Ein Klick auf Hilfe / Handbuch zu Programmname hat keinen Effekt. Das liegt daran, dass das Basispaket von KDE nicht installiert ist. Es enthält die Programmkomponente, die zum Lesen der Hilfe von KDE-Anwendungen nötig ist.

Als Lösung installieren Sie über Systemeinstellungen / Pakete die KDE Desktopumgebung. Zwar liegen die eigentlichen Hilfe-Dateien schon in den Unterverzeichnissen von /usr/share/doc/HTML/de, jedoch nicht im HTML- sondern im XML-Format. Aus diesen Dateien mit der Endung .docbook erzeugt der KDE-Hifebetrachter eine auch für Menschen lesbare Seite. Die .docbook-Dateien selbst bestehen zwar nur aus Text, sind aber schwer lesbar, da Sie ähnlich wie HTML-Dateien Tags enthalten (Abbildung 3).

Abb. 4: Eine KDE-Hilfedatei im "Rohzustand". Erst der KDE-Hilfebetrachter wandelt sie in eine ordentlich formatierte Anleitung um.

Tipp: Lauter fremde Leute

Sowohl KDE als auch GNOME bringen komfortable grafische Systemmonitore mit. Die Programme gnome-system-monitor und ksysguard zeigen unter anderem alle auf dem System laufenden Programme an. Dort findet man auch Informationen, welchem Benutzer die einzelnen Programme gehören, also unter welchen Benutzerkennung sie laufen. Ein aufmerksamer Blick führt bei Linux-Novizen oft zu einer Schrecksekunde: Während root und der eigene Benutzer wohlbekannt sind, tummeln sich dort noch weitere Benutzer, die man weder kennt noch jemals selbst angelegt hat. Unter SuSE Linux ist da etwa ein Benutzer postfix; unter Red Hat Linux trifft man auf xfs und daemon (Abbildung 5).

Abb. 5: Der GNOME-Systemmonitor zeigt an, unter welcher Benutzerkennung ein Programm läuft.

Trotzdem besteht kein Grund zur Beunruhigung. Es haben sich nicht etwa Fremde auf Ihrem System angemeldet, sondern es handelt sich bei postfix, xfs und daemon um so genannte Systembenutzer. Diese hat Ihr Distributor bei der Installation angelegt, und Sie dienen der Sicherheit Ihres Systems. Unter Linux soll jedes Programm nur die Rechte haben, die es benötigt, um seine Arbeit zu erledigen. So muss der Mail Server postfix z. B. Schreibrechte in einigen Verzeichnissen unterhalb von /var haben, da dort die Warteschlange für Mails liegt. Normalerweise hat nur der Administrator das Recht, dort Dateien anzulegen. Es wäre ein großes Risiko, würde man jedes Programm, das Schreibrechte in Systemverzeichnissen benötigt, mit Root-Rechten starten. Ein Fehler in dem Programm könnte dazu führen, dass installierte Programme oder Benutzerdaten gelöscht werden. Deshalb wird ein Systembenutzer für die fraglichen Programme angelegt, der nur die Rechte hat, die das Programm zwingend benötigt. So darf ein Programm zwar in einige ausgewählte Systemverzeichnisse schreiben, kann aber trotzdem in anderen Systemverzeichnissen wie etwa /usr/bin, wo Ihre installierten Programme liegen, keinen Schaden anrichten. (fan)

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