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von Andrea Müller
Die Diskette ist tot -- es lebe die CD! Doch der Jubel weicht schnell der Ernüchterung. Um eine 5-MB-Datei zu transportieren, will man nicht erst einen wiederbeschreibbaren Rohling rauskramen, den Brenner anwerfen und die fertig gebrannte CD anschließend in Rucksack, Aktenkoffer oder Handtasche zum Empfänger tragen. Vor allem nicht, seit es USB-Sticks gibt: Einstecken, Mounten, Dateien kopieren, Abziehen -- fertig. Liegen einem die kopierten Daten besonders am Herzen, kann man die kleinen Speicherriegel sogar an einer Kordel um den Hals tragen.
Den Linux-Nutzer, bei Hardware von jeher das Schlimmste befürchtend, bewegt natürlich vor allem die eine Frage: Welcher Stick funktioniert unter Linux? Unsere Redaktion erreichten neun Testgeräte, die ihre Linux-Kompatibilität unter Beweis stellen mussten.
Im Artikel auf Seite ## erklären wir, wie Sie die Speicherwunder unter Linux ansprechen und nutzen. Ungeduldige Leser verschaffen sich in Tabelle 1 einen Überblick über die technischen Werte der getesteten Geräte und ihre Lauffähigkeit unter Linux.
Wer schon mal ein USB-Speichermodul unter Windows Me, 2000 oder XP benutzt hat, kennt das Funktionsprinzip. Nach dem Einstecken erscheint der Speicherriegel als Wechseldatenträger im Windows-Explorer und ist über einen neuen Laufwerksbuchstaben ansprechbar. Auch Linux behandelt USB-Sticks wie Festplatten. Allerdings nicht als IDE-Geräte, wie sie in den meisten Computern eingebaut sind, sondern als SCSI-Festplatten. Festplatten erhalten unter Linux keine Laufwerksbuchstaben, sondern werden mit dem mount-Befehl in ein Verzeichnis des Dateisystems eingebunden. Ebenso wie neuere Windows-Versionen bringt Linux den dafür benötigten Treiber schon mit -- damit entfällt die Installation zusätzlicher Software, wie unter Windows 98.
Eigentlich sollten also alle USB-Speichermodule unter Linux funktionieren, doch leider gibt es auch in diesem Bereich Hersteller, die sich nicht an die Standards halten. Eines der Testgeräte ließ sich überhaupt nicht zur Zusammenarbeit bewegen, ein anderes nur unter SuSE Linux nach einigen Vorarbeiten. Auch bei USB-Sticks ist beim Kauf also Vorsicht angesagt. Glücklicherweise werben mittlerweile einige Hersteller schon auf der Verpackung mit der Linux-Kompatibilität ihrer Geräte.
Das Speichermodul des taiwanesischen Herstellers Twinmos (Abbildung 1) kommt mit einer Speicherkapazität von 64 MB daher und ist damit das günstigste Gerät im Testfeld. Die Verarbeitung wirkt eher schlampig und offenbart schon bei der ersten Nutzung ihre Schwächen. Die Schutzkappe sitzt schlecht auf dem Stecker für den USB-Anschluss und lässt sich nur mit sanfter Gewalt abziehen. Der seitlich liegende Schreibschutzschalter ist nicht beschriftet, erst ein Blick in die Betriebsanleitung klärt die Frage, ob der Schreibschutz an- oder ausgeschaltet ist.
Ihre Stärken zeigt die Mobile Disk III im Zusammenspiel mit Linux. Wie auf der Verpackung versprochen, funktioniert das Gerät unter allen von EasyLinux unterstützten Distributionen einwandfrei. Die Anleitung enthält sogar einen Abschnitt zur Nutzung des Geräts unter Linux, leider jedoch nur für Red Hat Linux. Für SuSE Linux ist die Anleitung unbrauchbar, da SuSE die Datei /etc/sysconfig/hwconf nicht kennt. Hier hätte man sich eine allgemeingültige und nicht distributionsspezifische Beschreibung gewünscht.
Mit dem Memory Bee aus Würselen erwirbt man neben 128 MB Linux-kompatiblem Datenspeicher auch gleich einen formschönen MP3-Player (Abbildung 2). Die Kopfhörer für den ungetrübten Musikgenuss sind in die Trageschlaufe integriert, so dass man sich nicht auf die Suche nach einem passenden Adapter machen muss. Die Stecker handelsüblicher Kopfhörer sind nämlich zu groß für die Buchse des Memory Bee. Steckt man den Kopfhörer ein, werden alle MP3-Dateien auf dem Stick abgespielt. Liegen die Dateien nicht im Stammverzeichnis, sondern in Unterverzeichnissen, verhält sich die Biene jedoch etwas eigenwillig: Wie wir beim nächsten Anschluss an den Computer feststellen durften, hatte die Memory Bee unser Verzeichnis musik eigenmächtig in mp3 umbenannt.
Mit einem Navigationsrad am oberen Rand der fleißigen Speicherbiene springt man zum nächsten oder vorherigen Titel, ein Druck aufs Rad schaltet den Player auf Pause. Der eingebaute Lithium-Ionen-Akku soll bis zu sechs Stunden durchhalten und wird über den USB-Anschluss neu aufgeladen. Da man für den Memory Bee nicht so leicht einen Ersatz-Akku erhält wie für Handys, wird das Gerät bei kaputtem Akku zum Garantiefall. Wer dieses Risiko umschiffen will, sollte sich ein batteriebetriebenes USB-Speichermodul mit MP3-Abspielfunktion zulegen.
Satte 256 MB, die mit USB-2.0-Geschwindigkeit gefüllt werden dürfen, bietet das CnMemory Drive (Abbildung 3). Da die USB-Standards untereinander kompatibel sind, ist auch der Betrieb an einer älteren USB-Schnittstelle, wenn auch in gemächlicherem Tempo, möglich. Im Zusammenspiel mit Linux verhält sich das mit Halteclip ausgelieferte Speichermodul unkompliziert: Die Kommunikation mit allen vier getesteten Distributionen klappte auf Anhieb. Das ist auch dem Hersteller bekannt, der auf der Verpackung mit der Linux-Kompatibilität seines Produkts wirbt.
Ein weiterer netter Zug ist das mitgelieferte USB-Verlängerungskabel. Wer noch nicht über passende Anschlüsse an der Tastatur oder der Frontseite seines Rechners verfügt, erspart sich damit das Abtauchen in die oftmals staubigen Gefilde unter dem Schreibtisch.
Die Kombination von mobilem Datenträger, MP3-Player und Diktiergerät aus dem Hause Typhoon (Abbildung 4) war der einzige Totalausfall in unserem Testfeld. Unter keiner der vier von EasyLinux unterstützten Distributionen war ein Zugriff auf die 128 MB Speicherkapazität des Geräts möglich. Auch nachdem wir probeweise die Firmware erneuert und den Datenträger unter Windows neu formatiert hatten, änderte sich daran nichts. Die ausführliche Betriebsanleitung des Geräts warnt für Windows Me, 2000 und XP davor, den Stick vor Installation der beiliegenden Software anzuschließen. Dass der Stick unter Windows herstellereigene Treiber braucht, lässt für den Betrieb unter Linux auch in Zukunft wenig Gutes erwarten.
Auch das zweite Testgerät dieses Herstellers (Abbildung 5) erwies sich als Sorgenkind. Unter Red Hat Linux kann man nicht auf die volle Speicherkapazität zugreifen, unter SuSE Linux nur nach einigen Vorarbeiten, die der Kasten auf Seite ## beschreibt.
Schuld daran ist ein nur unter Windows nutzbares Sicherheits-Feature. Beim Anstecken meldet sich das Speichermodul als zwei SCSI-Festplatten, gewöhnlich als /dev/sda und /dev/sdb. Die erste Platte ist dabei nur 2 MB groß und enthält die Anwendung DriveKey.exe, die unter Windows Speicherbereiche auf der zweiten "Platte" verschlüsseln kann. Da jedoch die Partitionstabelle ungültig war und der Mount-Vorgang fehlschlug, konnten wir auf diesen Platz unter SuSE Linux erst nach einer Neupartitionierung des Speichermoduls zugreifen.
Bei Red Hat Linux ist ein Zugriff auf den Memory-Adapter überhaupt nicht möglich, da Red Hat die Option Probe all LUNs in seinem Kernel deaktiviert hat. LUN ist die Akürzung für Logical Unit Number und steht für ein logisches Gerät. Ein SCSI-Gerät kann aus mehreren solchen Untergeräten bestehen, die dann als einzelne Teile angesprochen werden. Red Hat Linux hört mit der Suche auf, sobald es das erste logische Gerät gefunden hat -- Sie können daher nur auf die 2 MB Speicher des ersten SCSI-Geräts zugreifen. Den Fehler muss man zwar dem Distributor Red Hat zurechnen -- da das Typhoon-Gerät jedoch auch unter SuSE nicht out of the box funktioniert, sollte man, wenn eine Neuanschaffung ansteht, ein Linux-freundlicheres Modell wählen.
Wer schon immer einen Hang zum Besonderen hatte, ist mit diesem USB-Knubbel gut bedient: Bei der I-Disk Tiny (Abbildung 6) handelt es sich laut Hersteller Pretec um das kleinste USB-Speichermodul der Welt. In einer eleganten Metallhülle wird der knapp über 3 cm lange Datenträger geliefert. Vom Speicherplatz her ist die I-Disk durchaus nicht die kleinste, sondern liegt im Mittelfeld: Immerhin 128 MB fasst der Mini.
Wie auch vom Hersteller zugesichert, verrichtet die I-Disk ihre Arbeit unter Linux zuverlässig. Ein nettes Gimmick ist die in futuristischem Blau blinkende Datenübertragungsleuchte an der Oberseite des Sticks. Statt mit dem obligatorischen Trageband kommt die I-Disk Tiny mit einer zur Transporthülle passenden Metallkette.
Gerade mal 15 Gramm bringt das in mitternachtsblauer Glitzeroptik gestaltete Speichermodul (Abbildung 7) auf die Waage. Obwohl der Hersteller scheinbar nichts von der Linux-Kompatibilität seines Leichtgewichts weiß, bietet dieses auch Pinguin-Dompteuren 128 MB Speicherplatz. Das mitgelieferte USB-Verlängerungskabel sorgt für eine komfortable Verbindung. Im Betrieb unter Linux traten keinerlei Probleme auf. Die Trageschlaufe zu befestigen, erwies sich hingegen als Geduldsspiel, das eine ruhige Hand und externe Werkzeuge erfordert -- hier leistete eine Sicherheitsnadel gute Dienste als Einfädelhilfe.
Bei diesem 256 MB Daten fassenden USB-Stick (Abbildung 8) ist der Herstellername Programm. Vom Anstecken bis zur ersten Datenübertragung vergehen keine zwei Minuten. Die Installationsanleitung erwähnt die Linux-Kompatibilität, ohne jedoch Hinweise zur Einrichtung des Geräts zu geben.
Eine unter Windows vorhandene Funktion zur Verschlüsselung des Speichermoduls lässt sich unter Linux nicht nutzen, beeinträchtigt jedoch den Betrieb nicht wie beim Typhoon-Gerät. Die mobile Festplatte kommt mit Halte-Clip und einer leicht zu befestigenden Trageschlaufe. Ein USB-Verlängerungskabel gehört zum Lieferumfang, und auf der beiliegenden CD befinden sich nicht nur Treiber für Windows 98, sondern auch ein ausführliches Handbuch.
Bisher eher als Hersteller von Grafikkarten und Mainboards bekannt, betritt MSI mit dem Mega Stick 1 (Abbildung 9) multimediales Neuland. Dabei lässt sich der Hersteller nicht lumpen, sondern stellte das funktionsreichste Gerät unseres Testfeldes. Neben 128 MB unter Linux nutzbarem Speicher fungiert das Gerät als MP3- und WMA-Player, als Diktiergerät und Mini-Radio mit Aufnahmemodus. Bis zu zehn Sendeplätze lassen sich programmieren. Diese multimedialen Funktionen machen so viel Spaß, dass für die zu transportierenden Dateien kaum noch Platz bleibt.
Die klar angeordneteten Bedienelemente und eine bebilderte Schnellanleitung ermöglichen leichten Zugang zu den einzelnen Funktionen. Per Druck auf das Navigationsrad wechseln Sie zwischen den einzelnen Modi und können sich Sprach- und Radioaufzeichnungen sofort anhören. Gespeichert werden Sie im Ordner /voice des Mega Stick im .wav-Format. Einer Weiterbearbeitung am Rechner steht damit nichts im Wege. Missglückte Aufnahmen löscht man gleich über des Menü des USB-Sticks. Die Klangqualität aufgenommener Sprache ist sehr gut, Radioaufnahmen klingen jedoch verwaschen und von einem Störrauschen begleitet.
Einen größeren Hörgenuss bietet die MP3-Funktion. Sobald ein Titel abgespielt wird, liest das Speichermodul die ID3-Tags aus und blendet den Titel gut lesbar auf dem Display ein. Für die Stromversorgung ist eine Batterie zuständig, die laut Hersteller bis zu zwölf Stunden hält -- bei unseren Tests kamen wir auf fast elf Stunden.
Steckt man den eingeschalteten Mega Stick an den USB-Anschluss, arbeitet er unproblematisch mit Linux zusammen und lässt sich mit neuem Ohrenfutter oder auch wichtigen Dokumenten bestücken. Eine Trageschlaufe mit integrierten Kopfhörern und ein USB-Verlängerungskabel komplettieren das audiophile Speicherpaket. (eba)
| Tabelle 1: Getestete USB-Speichermodule | |||||||||
| Twinmos Mobile Disk III | Mediax Memory Bee | CnMemory Drive | Neo3 Digital Audio Player | Typhoon USB 2.0 Memory Adapter | I-Disk-Tiny | USB Flash Disk | EasyDisk Removeable USB Electronic Harddisk | MSI Mega Stick 1 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Red Hat 8.0 | x | x | x | - | - | x | x | x | x |
| Red Hat 9.0 | x | x | x | - | - | x | x | x | x |
| SuSE 8.1 | x | x | x | - | x (2) | x | x | x | x |
| SuSE 8.2 | x | x | x | - | x (2) | x | x | x | x |
| Gewicht (in Gramm) | 15 | 50 | 25 | 30 (ohne Batterie) | 20 | 5 | 15 | 15 | 29 (ohne Batterie) |
| Abmessungen | 80x17x9 | 91,2x30,4x26,3 | 80x27x12 | 86x30x13,8 | 76x28x12 | 33x13x4 | 90x27x9 | 84x23x9 | 95,7x31x18,9 |
| Schnittstelle | USB 1.1 | USB 1.1 | USB 2.0 | USB 1.1 | USB 2.0 | USB 1.1 | USB 1.1 | USB 1.1 | USB 1.1 |
| Speicherkapazität (in MB)(1) | 64 | 128 | 256 | 128 | 128 | 128 | 128 | 256 | 128 |
| mitgeliefertes Zubehör | Trageschlaufe, Kurzanleitung, Treiber-Mini-CD für Windows 98 | Trageschlaufe mit integriertem Kopfhörer, USB-Verlängerungskabel, Software-CD für Windows | USB-Verlängerungskabel, Treiberdiskette für Windows 98 | Bedienungsanleitung, Software- und Treiber-CD für Windows, Batterie, USB-Kabel, Schutztasche, Kopfhörer, Trageschlaufe | Trageschlaufe, Treiber-CD für Windows 98 | Metallhülle, Tragekette, Kurzanleitung, Software- und Treiber-Mini-CD für Windows | Trageschlaufe, USB-Verlängerungskabel, CD mit Handbuch, sowie Treibern und Software für Windows | Kurzanleitung, Trageschlaufe, USB-Verlängerungskabel, Treiber-CD für Windows 98 | Trageschlaufe mit integriertem Kopfhörer, USB-Verlängerungskabel, Batterie, Kuzanleitung, CD mit Treibern für Windows 98 und Handbuch |
| Zusatzfunktionen | / | MP3-Player | / | MP3-Player, Diktiergerät | / | / | / | / | MP3- und WMA-Player, Radio, Sprach- und Radio-Aufnahme |
| Preis | 19,95 | 119,- | 119,- | 90,- | 59,90 | 59,- | 49,- | 84,99 | 117,- |
| (1) andere Größen optional erhältlich (2) nach einigen Vorarbeiten nutzbar | |||||||||
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Last modified: 2007-01-25 16:31
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