claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 11/2003

Lernprogramme/Edutainment

Linux auf der Schulbank

von Heike Jurzik
 [ Titelbild ]


Wenn Eltern der Faszination des Pinguins erliegen, gewöhnen sie sich meist recht schnell an die Eigenheiten des neuen Betriebssystems. Oft stellt sich aber die Frage: Wie zeig' ich's meinem Kinde? Wir stellen Lern- und Edutainment-Programme für Linux vor.

Linux ist nicht nur für Erwachsene da: Seit einigen Jahren entwickeln Projekte wie das KDE Edutainment Project [1], LinuxForKids [2], SEUL/edu [3], Tux4Kids [4] oder das Debian Jr. Project [5] freie Software für große und kleine Kinder. Wir zeigen einige Programme, mit denen auch der Linux-Nachwuchs den Umstieg leichter lernt.

KTouch -- Tippen lernen

Der Schreibtrainer KTouch hilft dabei, im Umgang mit der Tastatur sicherer zu werden. Das Programm bietet unterschiedliche Schwierigkeitsstufen und verschiedene Keyboard-Layouts zur Auswahl. Als Teil des KDE-Edu-Projektes kommt das Programm bei SuSE Linux 8.2 in der Version 1.2 (KDE 3.1.1) mit. Benutzer der SuSE-Version 8.1 müssen das Programm nachträglich einspielen. Auch unter Red Hat Linux 9 (Version 1.2, KDE 3.1) und 8.0 (Version 1.0, KDE 3.0.3) ist das Paket standardmäßig nicht installiert; der Kasten "Nachträgliche Installation von KDE-Edu" beschreibt ausführlich, wie Sie für diese drei Distributionen KDE-Edu nachinstallieren.

Nachträgliche Installation von KDE-Edu unter Red Hat 8.0/9 und SuSE 8.1

Für Red Hat Linux 9 finden Sie das Paket kdeedu-3.1-2.i386.rpm auf CD 3 der Installationsmedien im Verzeichnis RedHat/RPMS. Öffnen Sie ein Konqueror- oder Nautilus-Fenster und doppelklicken Sie auf die Datei. Tippen Sie das Root-Passwort in die Dialogbox, um redhat-install-packages zu starten. Nach Überprüfung der Abhängigkeiten beginnt die Installation.

Alternativ installieren Sie das Paket auf der Kommandozeile:

  1. Öffnen Sie eine Konsole, am schnellsten geht es über [Alt-F2] und Eingabe von konsole.
  2. Werden Sie Administrator durch Eingabe von su und [Return] und geben Sie das Root-Passwort ein.
  3. Installieren Sie das Paket mit
    rpm -i /mnt/cdrom/RedHat/RPMS/kdeedu-3.1-2.i386.rpm
    gefolgt von [Return].
  4. Schließen Sie das Konsolen-Fenster durch zweimalige Eingabe von [Strg-d].

Für Red Hat Linux 8.0 gibt es das Paket KDE-Edu in dieser Form noch nicht, dennoch müssen Sie nicht auf den Tipptrainer verzichten: Sie können KTouch problemlos als einzelne Anwendung nachinstallieren:

  1. Geben Sie die Adresse ftp://rpmfind.net/linux/redhat/updates/8.0/en/os/i386/ktouch-3.0.5a-1.i386.rpm ein und bestätigen Sie durch einen Klick auf Öffnen, dass Sie das Programm mit dem Red-Hat-Installer einspielen möchten.
  2. Nach dem Download werden die Abhängigkeiten geprüft -- ist alles ok, klicken Sie auf Weiter, um die Installation zu starten.
  3. Starten Sie KDE neu.

Benutzer von SuSE Linux 8.1 gehen mit dem Konqueror auf ftp://ftp.suse.com/pub/suse/i386/8.1/suse/i586/kdeedu3-3.0.3-84.i586.rpm und klicken nach dem Download auf Installiere Paket mit YaST. Nach Eingabe des Root-Passworts werden die Paketinformationen eingelesen, das Paket wird installiert und das System aktualisiert. Über das K-Menü finden Sie die neuen Programme nun unter Lernprogramme.

Bei allen Distributionen landet ein Menüeintrag im K-Menü: Unter SuSE Linux 8.2 und 8.1 starten Sie das Programm über Lernprogramme/Schule/KTouch, bei Red Hat Linux 9 finden Sie es unter Sonstige/KTouch und bei Red Hat 8.0 unter Extras/Sonstige/KTouch.

KTouch einrichten

  1. Stellen Sie zunächst die richtige Sprache ein. Über Datei/Öffnen gelangen Sie zu einer Auswahl, in der Sie zur Zeit acht verschiedene Sprachen finden, darunter Englisch, Französisch und natürlich Deutsch. Wählen Sie german.ktouch aus und klicken Sie auf OK.
  2. Als nächstes prüfen Sie, ob das richtige Tastatur-Layout eingestellt ist: Über Optionen/Tastatur... geht es zur Konfiguration. Hier können Sie entscheiden, ob KTouch die Tasten farbig oder nicht präsentieren soll (Checkbox Farbe für Tastatur verwenden) oder ob nur der Nummernblock angezeigt wird. Für deutsches Keyboard-Layout wählen Sie unter Sprache den Eintrag de und klicken auf Fertig.
  3. Unter Optionen/Üben definieren Sie die Anpassung der Schwierigkeitsstufen und ob das Programm sich die aktuelle Lektion "merkt", wenn Sie es verlassen.
  4. In den allgemeinen Optionen lässt sich neben dem Schrift-Layout einstellen, ob ein Signalton ertönen soll, wenn Sie sich vertippen, ob dieser Ton an die Schwierigkeitsstufen angepasst werden soll oder ob sich die Farbe bei einer falschen Eingabe ändert.

Das KTouch-Fenster zeigt jeweils die neuen Zeichen, die Sie in der Lektion lernen, und unterlegt auf dem Keyboard die Taste, die Sie als nächste drücken müssen. Weiterhin sehen Sie die Schwierigkeitsstufe und die Geschwindigkeit. Lektion für Lektion lernen Sie neue Buchstaben und Kombinationen hinzu -- manche Lektionen sind einfach willkürliche Zusammenstellungen bereits gelernter Zeichen, manchmal gibt es aber auch Wörter zu schreiben. Klicken Sie in der Menü-Leiste auf Statistik, behalten Sie den Überblick über Ihre Fortschritte (Abbildung 1).

Abb. 1: KTouch -- wie treffsicher sind Sie?

Malen nach Zahlen

Tux Paint ist ein einfaches Mal- und Zeichenprogramm. Es kommt mit relativ großen und selbst erklärenden Buttons, so dass auch kleinere Kinder (ab drei Jahren) damit arbeiten können. Das Programm ist in SuSE Linux 8.2 standardmäßig enthalten. RPM-Pakete für Red Hat Linux und SuSE Linux 8.1 finden Sie zwar im Internet; allerdings gestaltet sich die Installation schwierig, da die Pakete SDL_ttf und libSDL_ttf-2.0.so.0 benötigt werden. Daher können wir das nachträgliche Einspielen für diese Distributionen nicht empfehlen.

Das Programm starten Sie entweder über das K-Menü (Lernprogramme/Schule/tuxpaint) oder mit [Alt-F2] und Eingabe von tuxpaint. Die Oberfläche ist einfach strukturiert. Ein kleiner Pinguin hilft bei der Bedienung und gibt Tipps in der unteren Statuszeile. Verschiedene Sounds untermalen die einzelnen Aktionen, so dass die Ohren auch nicht zu kurz kommen. Neben verschiedenen Pinseln, Farben, Text-Tools und fertigen Formen gibt es Effekte zu entdecken. Klicken Sie dazu auf den Magie-Knopf. Neben den bekannten Funktionen wie Drehen und Spiegeln gibt es dort eine Art Zauberstab, mit dem man Sternchen auf das Bild zaubern kann (Abbildung 2). Besonders praktisch ist, dass die Speichern- und Öffnen-Dialoge keinen Zugriff auf das restliche Dateisystem ermöglichen -- die Bilder landen im versteckten Verzeichnis .tuxpaint/save im eigenen Home.

Abb. 2: It's a kind of magic -- Tux Paint

Sternengucker -- KStars

Nicht nur wenn der Mars zu Besuch vorbeischaut oder die Perseiden und Leoniden zu beobachten sind, fasziniert der Sternenhimmel große und kleine Hobby-Astronomen. Mit KStars, ebenfalls Teil des KDE-Edu-Paketes, können Sie über 40.000 Sterne bis zur achten Größenordnung am eigenen PC erkunden -- und das für jedes Datum und jeden Ort. Auch dieses Programm müssen Sie unter Red Hat Linux 8.0 nachträglich einspielen. Das entsprechende Paket finden Sie unter ftp://194.199.20.114/linux/KDE/stable/3.0.5/RedHat/8.0/i386/kstars-3.0.5-1.i386.rpm -- gehen Sie bei der Installation wie bei KTouch (Kasten "Nachträgliche Installation von KDE-Edu") vor.

Nach dem Start von KStars (immer über das K-Menü; unter SuSE Linux 8.1/8.2: Lernprogramme/Astronomie/KStars, Red Hat Linux 9: Sonstige/KStars, Red Hat Linux 8.0: Extras/Sonstige/KStars) dauert es eine Weile, bis die Sternendaten und Planetenbilder geladen sind. Für den lokalen Nachthimmel stellen Sie den richtigen Ort über das Menü Einstellungen/Ort einstellen... (alternativ [Strg-g]) ein (Abbildung 3). In der Liste sind über 2000 Städte vordefiniert -- natürlich können Sie jederzeit eigene Daten eintragen. Ein Klick auf Hinzufügen nimmt einen neuen Ort in die Liste auf. Um die Uhrzeit und/oder das Datum anzupassen (Voreinstellung ist Ihre Systemzeit), gehen Sie ins Zeit-Menü. Dort finden Sie Zeit einstellen... (Shortcut [Strg-s]). In einem Kalender wählen Sie Jahr, Tag und Uhrzeit aus. Die aktuelle KStars-Version (SuSE 8.2 und Red Hat 9: 0.9.1, SuSE 8.1 und Red Hat 8.0: 0.9) kann leider nicht weiter als bis zum 1. Oktober 1752 zurückgehen und nicht weiter vor als bis zum Jahr 8000 -- das liegt laut Handbuch an den Zeitbegrenzungen von Qt und lässt sich sicherlich verschmerzen.

Mit der Maus oder mit den Pfeiltasten bewegen Sie sich in der Karte. Bei gedrückter [Umschalt]-Taste verdoppelt sich die Geschwindigkeit sogar. Ein Klick auf die kleinen Lupen mit den Minus- und Pluszeichen verkleinert bzw. vergrößert die Ansicht (alternativ nehmen Sie [-] und [+] auf der Tastatur).

Zur besseren Orientierung ist unten im Fenster ein grüner Horizont eingezeichnet. Nach bekannten Objekten suchen Sie über das Menü Fokus/Objekt suchen... ([Strg-f]). Unter dem aufklappenden Menü Filtern nach: wählen Sie aus, ob Sie alle Objekte, Sternbilder, Planeten, Nebel etc. durchsuchen wollen.

Abb. 3: Ich seh' den Sternenhimmel...

Klicken Sie mit der linken Maustaste auf ein Objekt in der Karte, um den Namen und die Position in der Statusleiste zu sehen. Mehr Infos gibt's mit der rechten Maustaste -- im aufklappenden Kontextmenü können Sie das Objekt zentrieren und verfolgen oder sogar externe Datenbanken abfragen (Abbildung 4).

Abb. 4: Detailliert -- der Polarstern als Teil von Ursa Minor.

Ich habe verstanden!

Das GNOME-Tool GCompris gehört für SuSE Linux 8.2 (in Version 2.3) und 8.1 (Version 1.1.0) zur Standardinstallation und ist über das K-Menü erreichbar (Lernprogramme/Schule/gcompris). Unter Red Hat Linux findet sich das Paket leider nicht auf den Installations-CDs. Über die GCompris-Homepage finden Sie zwar RPM-Pakete, diese benötigen jedoch einige zusätzliche Pakete, wie das Hilfsprogramm redhat-install-packages verrät.

Das Lern- und Verständnisspiel richtet sich an kleine Kinder (drei Jahre und älter). Der Name kommt aus dem Französischen und ist ein Wortspiel des Ausdrucks "j'ai compris", zu Deutsch "ich habe verstanden". Als französisches Projekt gestartet, liegt das Programm mittlerweile auch in deutscher Sprachanpassung vor. Leider sind in der aktuellen Version noch einige Menüeinträge in Englisch, was aber dank der selbsterklärenden Symbole kein großes Problem darstellt. Gesteuert wird mit der Maus -- Mauszeiger und die Buttons sind so groß, dass selbst kleine Kinder treffsicher klicken können.

Nach dem ersten Start präsentiert sich das Lernspiel im Vollbildmodus -- um es auf eine andere Größe zu bringen, klicken Sie auf das Haus und stellen die gewünschte Auflösung ein. Eventuell müssen Sie das Programm neu starten, damit die Änderungen greifen. Dazu klicken Sie auf das ganz linke Symbol mit dem Monitor und dem Mond. Im Hauptmenü geht es auch zu den einzelnen Lern-Boards: Von Spielen mit Buchstaben über "Entdecke den Computer" (Abbildung 5) bis hin zu einem einfachen Malprogramm ist für jeden etwas dabei -- die Sternchen verraten, welche Schwierigkeitsstufe vorliegt. (hge)

Abb. 5: Entdecke den Computer mit GCompris.

Blick über den Tellerrand -- andere Projekte im Netz

Neben der Software des KDE Edutainment Project, die bei neueren KDE-Versionen als Komplettpaket mitkommt, gibt es im WWW noch weitere interessante Projekte zu entdecken, die freie Lern-Software fördern und anbieten. Beachten Sie, dass Programme auf diesen Seiten nicht unbedingt als fertiges Paket vorliegen und meistens selbst kompiliert werden muss, was wir Linux-Ein- und Umsteigern nicht empfehlen können. Dennoch geben diese Web-Seiten einen interessanten Überblick: Was heute noch nicht als fertiges RPM-Paket vorliegt, wird vielleicht schon in die nächsten Versionen der Linux-Distributionen integriert.

Die Web-Seite LinuxForKids [2] ist mehrsprachig -- allerdings sind nicht alle Texte übersetzt, so dass Sie auch bei deutscher Sprachwahl immer wieder über englische Artikel stolpern werden. Das Software-Angebot richtet sich an Kinder unter zehn Jahren. In der linken Navigationsspalte finden Sie Links zu Mathematik-, Sprach- und Spielprogrammen. Im Angebot sind auch kommerzielle Tools für Linux. Leider scheint diese Seite im Moment etwas vernachlässigt zu werden: Die News sind etwas älter, und viele Links zeigen ins Leere.

Das Debian-Jr.-Projekt [5] schreibt sich "Linux für Kinder von 1 bis 99" auf die Fahnen. Dabei geht es darum, Debian kinderfreundlicher zu machen und den Linux-Nachwuchs früh an das System heranzuführen. Die Debian-Distribution, die nach wie vor nicht als anfängertauglich gilt, soll für Eltern und Lehrer leichter zu installieren und administrieren werden. Spezielle Pakete mit vorgefertigten Setups helfen bei der Erstinstallation. Auch die Software-Auswahl richtet sich nach den Bedürfnissen der Kids: Die Programme müssen einfach zu bedienen sein und Spaß machen.

Wer sich für den Einsatz von Linux in Schulen interessiert, kann auf diesen drei Seiten Infos finden:

  • kmLinux für den Schuleinsatz vom Landesbildungsserver Schleswig-Holstein [6]
  • Der Freie Software und Bildung e.V. [7] fördert als gemeinnütziger Verein freie Software im Bereich Informations- und Kommmunikationstechnologie.
  • Die OpenWebSchool [8] bietet online Unterrichtseinheiten an.

Infos

[1] Das KDE Edutainment Projekt: http://edu.kde.org/
[2] LinuxForKids: http://www.linuxforkids.org/
[3] SEUL/edu: http://www.seul.org/edu/
[4] Tux4Kids: http://www.tux4kids.org/tux4kids/
[5] Debian Jr. Projekt: http://www.debian.org/devel/debian-jr/index
[6] kmLinux: http://www.lernnetz-sh.de/kmLinux/
[7] Freie Software und Bildung e.V.: http://fsub.schule.de/
[8] OpenWebSchool: http://www.openwebschool.de/

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2019 COMPUTEC MEDIA GmbH | Last modified: 2007-01-25 16:32

Nutzungsbasierte Onlinewerbung

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Smart Developer] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Smart Developer] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]