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Erschienen in EasyLinux 11/2003

Sicherheitskopien erstellen

Auf der sicheren Seite

von Martin Loschwitz


Wenn die Festplatte kreischt, kreischt der Benutzer mit -- Nach dem Datenverlust hilft nur eins: das letzte Backup.

Auf dem Massenmarkt der immer billigeren IDE-Platten versuchen die Hersteller, die Qualität nicht zu weit absinken zu lassen -- manchmal ohne Erfolg: Dann stirbt wieder eine Festplatte den kreischenden Tod. Aber es soll auch schon Linux-Gurus und Einfaltspinsel gegeben haben, die einmal zu oft als Root unterwegs waren. Ob wegen eines Hardwaredefekts oder aus Unachtsamkeit: Wenn die Daten unwiderruflich vom System verschwunden sind, ist das ein Problem. Oder keins -- wenn es ein Backup gibt.

Obwohl Marketingstrategen nicht müde werden, selbst für Linux teure Profi-Lösungen anzupreisen, lässt sich schon mit dem, was eine Standard-Distribution mitbringt, alles Wichtige leicht sichern -- auch ohne teure Bandlaufwerke. Billig und einfach ist das Backup auf einem USB-Stick oder mit einem einem CD/DVD-Brenner.

Prioritäten setzen

Nicht alle Daten Ihres Linux-Systems müssen Sie mit einem Backup sichern: Beinahe alles, was nicht im /home-Verzeichnis liegt, kommt mit der Distribution und ist deshalb schon als Backup vorhanden -- es ist ja bereits auf der Installations-CD oder -DVD als .rpm-Paket enthalten.

Für ein gutes Backup nehmen Sie das eigene Benutzerverzeichnis im konqueror genau unter die Lupe. Dort sammelt sich mit der Zeit viel an, das zu sichern sich nicht wirklich lohnt: Programme, die man vor Urzeiten zum Testen heruntergeladen hat oder Dateien, die irgendwann den Weg auf die Festplatte fanden, dann aber in Vergessenheit geraten sind. Der erste sinnvolle Schritt eines Backups ist, diesen Ballast zu löschen.

Backup per USB-Stick

USB-Sticks mit riesiger Speicherkapazität sind in Mode und bezahlbar: Beim Hardwarehändler Ihres Vertrauens bekommen Sie Sticks mit bis zu einem GByte Platz, Modelle mit 4 GByte sind schon in der Mache. Auf Sticks mit einem GByte lassen sich ganze Linux-Distributionen speichern; Platz genug für ein Backup der wichtigsten Daten bieten sie allemal.

Einzige Voaussetzung ist ein USB-Anschluss am Rechner, der Stick muss lediglich dort hinein. Dann ist nur noch wenig Arbeit nötig, um den USB-Stick ins Dateisystem einzubinden, damit Linux direkt darauf zugreifen kann.

Schritt 1

Erstellen Sie zuerst den Mount-Point, also den Punkt im Dateisystem, über den Sie später auf den Speicherriegel zugreifen wollen. Dazu legen Sie als root mit dem Dateimanager im Verzeichnis /mnt ein neues Unterverzeichnis an. Wie Sie es nennen, steht Ihnen frei -- in unserem Beispiel nennen wir es usbstick.

Schritt 2

Nun muss der USB-Stick gemountet, also an der oben festgelegten Stelle ins Dateisystem "eingehängt" werden. Für den entsprechenden Befehl müssen Sie den Namen der Gerätedatei kennen. Oder ausprobieren. Eigentlich ist das Verfahren ganz leicht, es kommt zunächst darauf an, ob Sie in Ihrem Rechner IDE-Laufwerke (auch: ATA) oder SCSI-Laufwerke benutzen. Die meisten Rechner tragen IDE-Festplatten; hier sollte der Befehl

<p>mount -t auto /dev/sda /mnt/usbstick<p>

funktionieren.

Benutzen Sie eine SCSI-Festplatte, kann der Name der Gerätedatei abweichen: Sie heisst dann /dev/sda, /dev/sdb, /dev/sdc... Je nachdem, wie viele SCSI-Geräte ihr System hat, verändert sich der letzte Buchstabe. Wie der Buchstabencode funktioniert, zeigt der Kasten "Garätedateien".

Vielleicht müssen Sie auch /dev/hda1, /dev/sda1, /dev/sdb1 oder dergleichen angeben, denn die Hersteller bauen den einen Stick so, dass er als ganzes Laufwerk angesprochen werden muss (/dev/hda), den anderen so, dass er als einzelne Partition anzusprechen ist (/dev/hda1)

Fahren Sie nun fort, indem Sie das Paket ark installieren. Es ist in den EasyLinux-Starterkits und neueren Distributionen von SuSE und Red Hat enthalten.

ark ist ein Programm, mit dem Sie Datei-Archive ähnlich wie mit WinZip omit WinRar erzeugen können. Es setzt vereinfachend auf das Shell-Programm tar, erkennt und benutzt anhand des Dateinamens automatisch das richtige Kompressionsverfahren und -programm (Abbildung 1).

Abb. 1: Mit dem grafisches Komprimierungstool Ark bereiten Sie Ihr Backup vor.

Wenn das eigene Benutzerverzeichnis zu groß für Ihren USB-Stick ist, müssen Sie zunächst die Dateien, die gesichert werden sollen, an einer Stelle bündeln. Erstellen Sie dazu auf der Kommandozeile einen Unterordner in Ihrem Heimatverzeichnis:

<p>cd<p>

wechselt -- weil ohne Argument -- in ihr Benutzerverzeichnis;

<p>mkdir backup<p>

erstellt dann dort das Unterverzeichnis backup.

Ein Backup dient dazu, die gewohnte Umgebung nach einem Datenverlust so schnell wie möglich zu rekonstruieren. Dazu gehört im Wesentlichen die Einstellungen des Desktops, der Programme sowie persönliche Einstellungen wie E-Mail-Konten. All diese Informationen sind in versteckten Ordnern und Dateien gespeichert, die im Heimatverzeichnis liegen und deren Name mit einem Punkt (.) beginnt.Versteckt deswegen, weil ein manuelles Editieren schnell zu ungewünschten Effekten führen kann.

Um diese Dateien zu sehen, wählen Sie im Konqueror auf Ansicht / Versteckte Dateien anzeigen. Auf der Kommandozeile entspricht dem das Kommando ls -a.

Wählen Sie die zu kopierenden (versteckten) Dateien und Verzeichnisse aus (Mehrfachauswahl mit gedrückter [Strg]-Taste und Mausklick), und kopieren Sie sie nach backup; dieser Inhalt wird später auf den USB-Stick kopiert.

Ergänzen Sie die Auswahl mit allen Dateien und Verzeichnissen, die Sie zusätzlich sichern wollen. Überschreiten Sie dabei nicht die Kapazität des Memory-Sticks.

Es empfiehlt sich, jede einzelne Datei und jeden Ordner durchzugehen und ständig zu prüfen, ob einzelne Dateien oder Ordner zwingend gesichert werden müssen. Das stellt sicher, dass wichtige Daten einbezogen und weniger wichtige ausgesondert werden (Abbildung 2).

Abb. 2: Eine sorgfältige Auswahl stellt sicher, dass wirklich nur die wertvollsten Dateien gesichert werden.

Selbstverständlich muss sich Ihre Auswahl nicht auf Dateien auf Linux-Partitionen beschränken -- Haben Sie Windows-Partitionen eingebunden (die Distributionen tun dies automatisch), können Sie auch deren Daten sichern.

Befindet sich alles, was auf dem USB-Speicherriegel gesichert werden soll, im backup-Verzeichnis, ist der Rest Formsache:

Schritt 1

Starten Sie das Programm ark, entweder über das Menü von KDE oder durch Aufruf auf der Konsole.

Schritt 2

Klicken Sie auf das Icon mit dem weißen Blatt, es öffnet sich der Dialog Neues Archiv erstellen

Schritt 3

Geben Sie im Feld neben Adresse den Namen ein, den das tar-Archiv bekommen soll. In unserem Beispiel ist das backup.tar.bz2. Wichtig ist die Dateiendung, anhand derer ark feststellt, welches Programm es zum Komprimieren benutzen soll.

Schritt 4

Klicken Sie auf das vierte Icon von links, Verzeichnis hinzufügen. Wählen Sie im anschließenden Dialog den Ordner backup aus. Der Vorgang kann einige Sekunden, bei einer großen Menge Daten sogar einige Minuten dauern.

Schritt 5

Sie finden danach im eigenen Heimatverzeichnis das mit ark erstellte Archiv, hier backup.tar.bz2. Kopieren Sie diese Datei nun dorthin, wo der USB-Stick in das Dateisystem eingebunden ist (in diesem Beispiel: /mnt/usbstick/).

Das Archiv ist damit auf dem USB-Stick gespeichert. Wollen Sie es später -- auch auf einem anderen Linux-Computer -- wieder entpacken, ist das kein Problem: Stecken Sie den USB-Stick in einen USB-Anschluss, vergewissern Sie sich, dass er in das Dateisystem eingehängt ist und öffnen Sie das Archiv mit ark. Klicken Sie in der Symbolleiste des Programms auf das vierte Icon von rechts und geben Sie im Feld Entpacken nach das Zielverzeichnis an, in das das Archiv entpackt werden soll (z.B. /home/Benutzername/backup/). Ein Klick auf OK entpackt das Archiv an die gewünschte Stelle.

Backup auf CD

Das Backup auf einer CD unterscheidet sich vom Backup auf einem USB-Stick nur dadurch, dass die Daten anders vorbereitet und anders auf das Medium geschrieben wrden. Das Prinzip ist das selbe: Weil eine einzelne CD nur selten groß genug sein wird, um ein komplettes Heimatverzeichnis aufzunehmen, müssen auch hier die Dateien sorgfältig ausgewählt und anschließend mit ark gepackt werden.

Sie brauchen ein Image der Daten, also ein Abbild in einer einzigen Datei. Dieses Abbild brennen Sie auf eine CD. Beides erledigen Sie komfortabel mit K3b. Falls noch nicht geschehen, installieren Sie das Programm nach. Benutzer von RedHat Linux finden ein RPM-Paket unter [1] (RedHat 8) oder [2] (RedHat 9). Leider ist k3b nicht vollständig übersetzt, so dass die Sprache der Menüs wechselt -- sie funktionieren aber.

In der Voreinstellung kann nur Root CDs mit K3b brennen -- Loggen Sie sich deswegen zunächst aus und als root wieder ein. Starten Sie k3b und quittieren Sie die Frage nach dem "K3BSetup" mit einem Klick auf "Nein".

K3b ist nicht kompliziert, zumal das Programm optisch stark an Windows' Nero erinnert (Abbildung X). Um ein Image zu erstellen und auf CD zu brennen, gehen Sie wie folgt vor:

Schritt 1

Klicken Sie auf das weiße Blatt in der Icon-Liste und wählen Sie im Menü den Eintrag Neues Datenprojekt aus. Im K3b-Fenster erscheint unten links ein neuer Rahmen mit dem Registereiter Daten, in dem Sie die Dateien festlegen, die auf CD gebrannt werden sollen.

Weil Sie K3b als Systemadministrator ausführen, zeigt das Programm Ihnen zunächst nur den Inhalt von Roots Benutzerverzeichnis an. Ihr Archiv mit den zu sichernden Dateien liegt wohl unterhalb Ihres eigenen /home -- wählen Sie es im oberen linken Auswahlfenster an:

Schritt 2

Klicken Sie auf den Eintrag Wurzelverzeichnis, der ein rotes Verzeichnis links neben dem Namen trägt.

Schritt 3

Klicken Sie dann auf den Eintrag home und dort auf den Eintrag, der mit Ihrem Benutzernamen übereinstimmt. Im rechten Rahmen wird dann der gesamte Inhalt des Verzeichnisses angezeigt (Abbildung 3).

Schritt 4

Suchen Sie dort den Namen der angelegten Backup-Datei und klicken Sie doppelt darauf. Die Datei erscheint im unteren linken Rahmen; das zeigt, dass sie zum Brennen auf CD ausgewählt ist.

Schritt 5

Starten Sie den Brennvorgang: Klicken Sie auf die hellgoldene CD in der Iconleiste (das vierte Icon von links). Im Brenn-Dialong können Sie alle Standard-Einstellungen übernehmen, lediglich die Brenngeschwindigkeit muss ggf. an Ihr Laufwerk angepasst werden. Ein abschließender Klick auf "Schreiben" erstellt die CD.

Das Zurückspielen der Daten von CD-ROM ist noch einfacher als vom USB-Stick: Legen Sie die CD ins Laufwerk, starten die Distributionen automatisch den Dateimanager, aus dem Sie das Archiv mit ark öffnen und direkt in ihr Benutzerverzeichnis entpacken können. (fan)

Abb. 3: K3b zeigt Ihr Benutzerverzeichnis -- darin liegt das Archiv bereit fürs Brennen.
Infos
[1] k3b 0.7.5 für Red Hat Linux 8.0: http://prdownloads.sourceforge.net/k3b/k3b-0.7.5-0.1-RH80.rpm?download
[2] k3b 0.9 für Red Hat Linux 9: http://fenrir.infoiasi.ro/%7Excyborg/k3b/k3b-0.9-3.xcyb.rh9.i386.rpm
[3] k3b 0.8.1 für Red Hat Linux 8.0: http://www.easylinux.de/Download

Gerätedateien

Linux behandelt auch Hardware wie eine Datei. Alle Arten von Laufwerken, seien es nun Festplatten, CD-Rom-Laufwerke oder -- wie hier -- USB-Sticks, folgen in ihrer Benennung einem bestimmten, hierarchischen System. Die so genannten Gerätedateien (device files) befinden sich üblicherweise im Verzeichnis /dev. Man unterscheidet zwischen block- und zeichenorientierten Gerätedateien. Diese Gerätedateien werden normalerweise vom Distributor angelegt, so dass der normale Benutzter sich nicht darum kümmern muss. Da unter Linux alles eine Datei ist, kann man auch diese Gerätedateien wie normale Dateien löschen. Passiert einem so etwas versehentlich, können Sie mit dem Befehl mknod neu angelegt werden. Da man für jedes der Geräte spezielle Kennummern angeben muss (diese Nummern stehen in der Datei devices.txt der Kenelquellen), liefern die Distributoren ein Skript oder Programm mit, dass alle benötigten Gerätedateien (oft sogar wesentlich mehr) automatisch anlegt.

  • Als blockorientierte Gerätedateien gelten alle, die blockweise beschrieben werden, also z. B. IDE- und SCSI-Festplatten. Ein ls -l /dev/hda zeigt als Ausgabe brw-rw---- 1 root disk 3, 0 Feb 2 02:04 /dev/hda. Das zu Anfang stehende b beinhaltet die Information, dass es sich bei der ersten IDE-Festplatte um ein so genanntes block device handelt.
  • Zeichenorientierte Gerätedateien hingegen werden zeichenweise beschrieben. Ein Beispiel dafür ist die parallele Schnittstelle Ihres Rechners (/dev/lp0), an der normalerweise der Drucker hängt. Der erste Buchstabe der Ausgabe von ls -l /dev/lp0 ist daher in diesem Fall kein b, sondern ein c (für character device).

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