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Erschienen in EasyLinux 11/2003

Kniffe, die Sie kennen sollten

Linux-Tipps

von Andrea Müller


Dank grafischer Konfigurationsprogramme finden sich auch Windows-Umsteiger schnell mit Linux zurecht. Doch sobald man sich eingehend mit dem neuen System beschäftigt, treten neue Fragen auf. Unsere Tipps beantworten einige davon.

Tipp: Platzverschwendung im /proc-Verzeichnis?

Wenn der Drucker druckt und die Internet-Verbindung steht, ist es Zeit, sich auf seinem Linux-System ein wenig umzusehen. Der erste Abstecher in das Verzeichnis /proc hat schon vielen Linux-Neulingen eine Schrecksekunde beschert: Die Datei kcore ist riesengroß und benötigt offenbar über 100 MB Speicherplatz (Abbildung 1). Sorgen wegen Platzmangel müssen Sie sich dennoch nicht machen -- es ist kein Zufall, dass die Größe von /proc/kcore identisch mit der Ihres Arbeitsspeichers ist.

Unter Linux wird alles wie eine Datei behandelt, selbst die an den Computer angeschlossene Hardware. So existiert Ihre Festplatte als hda im Verzeichnis /dev. Ebenso behandelt Linux auch Verwaltungsinformationen, die während der Laufzeit des Systems benötigt werden, als Dateien. Diese Daten stehen unterhalb des proc-Verzeichnisses und benötigen keinen Festplattenplatz. Die Datei kcore ist ein Abbild des Arbeitsspeichers Ihres Rechners. Auch alles andere, was Sie in diesem Verzeichnis finden, verbraucht keinen Speicherplatz, sondern existiert nur, während Linux läuft.

Abb. 1: "kcore" ist scheinbar 128 MB groß.

Tipp: Verwirrung in Rechtsfragen

Die Rechteverwaltung unter Linux ist eigentlich ganz einfach. Es gibt das Lese-, das Schreib- und das Ausführrecht, wobei "ausführen" für Verzeichnisse bedeutet, sie überhaupt betreten zu dürfen. Um so größer ist das Erstaunen, wenn Sie versuchen, eine Datei aus dem /tmp-Verzeichnis zu löschen, die nicht Ihnen (Ihrem Benutzer-Account) gehört: Der Datei-Manager Konqueror teilt Ihnen dann mit, dass Sie dazu nicht die nötigen Rechte haben. Eigentlich unverständlich, denn als normaler Benutzer haben Sie Schreibrechte im /tmp-Verzeichnis, und wer diese für ein Verzeichnis besitzt, darf dort ungestraft Dateien löschen.

In diesem Fall schränkt das so genannte Sticky-Bit (sticky=klebrig) Ihre Rechte ein. Dieses Sticky-Bit, das in der Detailansicht von Konqueror mit dem Buchstaben t angezeigt wird, setzt für ein Verzeichnis Sonderrechte. Wer in diesem Verzeichnis Dateien anlegen kann, darf dort nur das löschen, was ihm auch gehört.

Eine solche Regelung für das /tmp-Verzeichnis ist sinnvoll: Linux ist ein Mehrbenutzersystem, an dem viele Anwender gleichzeitig arbeiten können. Dürften normale Benutzer alles im temporären Verzeichnis löschen, könnten sie die Programme anderer Anwender zum Absturz bringen und damit die Arbeit mehrerer Stunden zunichte machen.

Tipp: Sticky-Bit im Alltag nutzen

Auch bei der täglichen Arbeit lässt sich das Sticky-Bit sinnvoll nutzen. Wer seine MP3-Sammlung mit anderen Familienmitgliedern teilt, freut sich über jedes Musikstück, das hinzukommt. Der Gedanke, dass andere die liebevoll gesammelten Schätze löschen könnten, ist jedoch weniger schön. So erstellen Sie ein Musikverzeichnis für die gemeinsame Nutzung:

Schritt 1

Öffnen Sie mit [Alt-F2] ein Schnellstartfenster und geben Sie dort kdesu konqueror ein, um den KDE-Datei-Manager als Administrator zu starten. Klicken Sie auf OK und geben Sie im Authentifizierungsfenster Ihr root-Passwort ein.

Schritt 2

Wechseln Sie in die oberste Verzeichnisebene, indem Sie in der Adresszeile file:/ eingeben und die [Enter]-Taste drücken. Klicken Sie nun mit der rechten Maustaste auf eine freie Stelle des Fensters und wählen Sie Neu erstellen / Verzeichnis aus dem Kontextmenü.

Schritt 3

Geben Sie in der Dialogbox einen aussagekräftigen Namen für Ihr MP3-Lager ein, z. B. musik.

Schritt 4

Markieren Sie das Verzeichnis und klicken Sie im Kontextmenü auf Eigenschaften. Alternativ öffnen Sie diesen Dialog über den Menüpunkt Bearbeiten / Eigenschaften. Wechseln Sie dort zur Registerkarte Berechtigungen.

Schritt 5

Setzen Sie hinter den Einträgen Benutzer, Gruppe und Sonstige im Feld Zugriffsrechte jeweils ein Häkchen bei den Punkten Einträge anzeigen, Einträge schreiben und Öffnen. Mit einem letzten Klick in das Feld vor Sticky Bit (für Ausführungsrechte) hat Ihr Musikverzeichnis die richtigen Rechte für die gemeinsame Nutzung. Noch eleganter wäre es, wenn Sie extra für dieses Verzeichnis eine eigene Benutzergruppe, etwa musik anlegten und nur den Mitgliedern dieser Gruppe Schreibrechte für das Verzeichnis gäben. Wirklich notwendig ist das jedoch nur, wenn Sie einzelne Benutzer des Systems vom MP3-Sharing ausschließen wollen.

Schritt 6

Klicken Sie auf OK und schließen Sie den Konqueror, um wieder als normaler Benutzer zu arbeiten.

Nun darf jeder, der auf Ihrem System ein Benutzerkonto hat, im Verzeichnis /musik Dateien ablegen und Unterverzeichnisse erzeugen. Gleichzeitig müssen Sie keine Angst haben, dass Ihre Lieblings-Songs von anderen Benutzern gelöscht werden: Das gesetzte Sticky-Bit verhindert, dass andere sich an Ihrem Eigentum vergreifen.

Tipp: Boot-Vorgang beschleunigen

Red Hat und SuSE Linux führen bei jedem Systemstart eine automatische Hardware-Erkennung durch. Das Booten wird dadurch unnötig verlängert, denn kaum jemand bestückt seinen Rechner tagtäglich mit neuen Komponenten. Indem Sie die automatische Hardware-Erkennung abschalten, beschleunigen Sie den Boot-Vorgang -- das ist mit wenigen Mausklicks erledigt. Wenn Sie die Hardware-Erkennung später doch einmal wieder benötigen, schalten Sie sie einfach wieder an. Nutzer von SuSE Linux konfigurieren den Systemstart mit YaST:

Schritt 1

Starten Sie das SuSE-Kontrollzentrum über System / YaST2 aus dem K-Menü und geben Sie Ihr Administrator-Passwort ein. Wechseln Sie in der linken Spalte zum Punkt System und starten Sie den Runlevel-Editor.

Schritt 2

Klicken Sie auf den Button Runlevel-Eigenschaften, um den Konfigurationsdialog für den Systemstart zu öffnen. Hier legen Sie fest, welche Dienste beim Booten gestartet werden. Editieren Sie unter keinen Umständen Einträge, deren Bedeutung Sie nicht kennen -- Sie riskieren damit, dass Ihr Linux-System nicht mehr startet.

Schritt 3

Scrollen Sie durch die Liste bis zum Eintrag hwscan und markieren Sie ihn.

Schritt 4

Klicken Sie auf den mit Anwenden/Zurücksetzen beschrifteten Button und wählen Sie aus dem Ausklappmenü den Punkt Dienst deaktivieren. Hier ist auch die richtige Stelle, um die Hardware-Erkennung bei Bedarf wieder einzuschalten. Hinter dem Dienst verschwinden nun die Zahlen, die für die einzelnen Runlevel stehen, in denen hwscan normalerweise gestartet wird. Der Eintrag sollte nun aussehen wie in Abbildung 2.

Schritt 5

Schließen Sie die Konfiguration über die Schaltfläche Beenden ab und klicken Sie in der Dialogbox, die das Speichern der Änderungen ankündigt, auf Ja. Bestätigen Sie die Vollzugsmeldung mit Klick auf Ok und beenden Sie YaST mit dem Schließen-Button.

Abb. 2: Hier wurde unter SuSE Linux die Hardware-Erkennung beim Booten deaktiviert.

Red Hat Linux verwendet kudzu zur Hardware-Erkennung. Mit dem Programm redhat-config-services deaktivieren Sie den automatischen Start des Programms.

Schritt 1

Starten Sie das Konfigurations-Tool für den Systemstart über den Punkt Servereinstellungen / Dienste des K-Menüs und weisen Sie sich durch Ihr root-Passwort als Administrator aus. Unter Red Hat Linux 9 starten Sie die Anwendung über den Eintrag Systemeinstellungen / Servereinstellungen / Dienste.

Schritt 2

Das Konfigurationsprogramm zeigt Ihnen alle Dienste, die im aktuellen Runlevel laufen. Als Runlevel bezeichnet man unter Linux die Betriebszustände des Systems. Der Mehrbenutzerbetrieb mit Netzwerk und grafischer Oberfläche entspricht Runlevel 5, der Mehrbenutzerbetrieb mit Netzwerk, jedoch ohne grafische Oberfläche ist Runlevel 3. Die Hardware-Erkennung ist für mehrere Runlevel aktiviert, so dass Sie auf jeden Fall läuft, egal ob Sie sich grafisch anmelden oder im Textmodus. Scrollen Sie bis zum Eintrag kudzu und entfernen Sie den Haken in der Checkbox davor.

Schritt 3

Klicken Sie auf das Sichern-Symbol in der Icon-Leiste. Unter Red Hat Linux 9 gibt es die Schaltfläche nicht mehr. Benutzer dieser Distribution sichern Ihre Änderungen über Datei / Änderungen speichern.

Schritt 4

Deaktivieren Sie kudzu nun auch noch für Runlevel 3 und 4. Wählen Sie zunächst Runlevel 3 aus dem Menü Runlevel bearbeiten, entfernen Sie erneut das Häkchen vor kudzu und klicken Sie auf Sichern. Gehen Sie danach auf Runlevel bearbeiten / Runlevel 4 und deaktivieren Sie auch dort die Hardware-Erkennung.

Schritt 5

Nach einem letzten Klick auf Sichern schließen Sie das Konfigurations-Tool über die Schaltfläche Verlassen. Wer Red Hat Linux 9 benutzt, wählt stattdessen Datei / Beenden aus dem Menü. Die Reaktivierung von kudzu ist ebenso einfach. Setzen Sie einfach in jedem Runlevel, der Ihnen unter dem Menüeintrag Runlevel bearbeiten angeboten wird, einen Haken vor kudzu. Beim nächsten Boot-Vorgang verrichtet die Hardware-Erkennung wieder Ihren Dienst.

Für USB-Geräte, die Sie im laufenden Betrieb ein- und ausstecken, wie etwa Kameras oder USB-Massenspeicher, benötigen Sie die Hardware-Erkennung nicht. Diese Geräte werden von Linux beim Einstecken automatisch erkannt -- ein Reaktivieren der Hardware-Erkennung ist z. B. dann nötig, wenn Sie sich einen neuen Drucker zulegen oder eine andere Grafikkarte einbauen. (fan)

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