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Erschienen in EasyLinux 12/2003

Der Verzeichnisbaum von Linux

Durch den Verzeichnisdschungel

von Andrea Müller und Elisabeth Bauer


Linux-Einsteigern erscheint die Verzeichnisstruktur von Linux meist rätselhaft. EasyLinux bringt Licht ins Dunkel und erklärt Sinn und Zweck der wichtigsten Verzeichnisse.

Wer mitten in der Nacht allein auf dem Bahnhof einer fremden Großstadt sitzt und nicht mal einen Stadtplan hat, verspürt wenig Lust, auf Entdeckungsreise zu gehen. Linux-Einsteigern geht es mit den Verzeichnissen ihres Systems oft ähnlich. Bei der Installation hat Linux mehr als 1000 Stück angelegt,die zum größten Teil kryptische Namen tragen. Wie soll man hier etwas finden, wenn man nicht weiß, wofür die einzelnen Ordner gut sind? Mit unserem Verzeichnisführer und einem Datei-Manager bewaffnet, starten Sie eine Expedition in den Verzeichnisdschungel. Der Home-Button im Konqueror bringt Sie sicher zurück zum Startpunkt der Reise. Angst, etwas kaputt zu machen, müssen Sie als normaler Benutzer nicht haben: Schlimmstenfalls wird Ihnen der Zutritt zu einigen wenigen Ordnern verwehrt.

Ordnung muss sein

Die Verzeichnisse eines Linux-Systems folgen bis auf wenige Ausnahmen den Regeln, die der so genannte Filesystem Hierarchy Standard [1] festlegt -- ein Standard, auf den sich die einzelnen Linux-Distributoren geeinigt haben. Das hat enorme Vorteile: Kennen Sie erstmal ein Linux-System, werden Sie sich auch auf anderen Systemen im Nullkommanichts zuhause fühlen. Es ist also nicht so, als ob Sie -- bei Freunden zu Gast -- erst fragen müssen, wo sich Teller, Besteck und Gläser verstecken, wenn Sie beim Tischdecken helfen wollen. Der Linux-Kenner greift auch auf einem fremden System auf Anhieb in die richtige Schublade. Und da sich diese Linux-Verzeichnishierarchie aus Unix entwickelt hat, trifft das in begrenztem Umfang sogar auf Unix-Systeme wie AIX, Solaris oder BSD zu.

An der Wurzel: das Root-Verzeichnis /

Wenn Sie im Datei-Manager Konqueror oft genug auf den Pfeil nach Oben klicken, landen Sie, egal wo Sie gerade sind, auf jeden Fall in /, dem Wurzelverzeichnis, unter dem auf Linux alles andere einsortiert ist. Bei einer Standardinstallation von SuSE oder Red Hat Linux befinden sich normalerweise alle Unterverzeichnisse auf derselben Partition wie das Wurzelverzeichnis -- ausgenommen natürlich CD- und Disketten-Laufwerk, die dynamisch eingebunden ("gemountet") werden. Das muss aber nicht so sein. Genauso, wie Sie CDs nach /mnt/cdrom oder /media/cdrom mounten und darauf wie ein normales Verzeichnis zugreifen, dürfen Sie auch manche Unterverzeichnisse von / auf andere Partitionen oder gar Netzlaufwerke auslagern und anschließend mounten. Nur die Verzeichnisse und Dateien, die zum Betrieb von Linux notwendig sind, müssen tatsächlich direkt auf der Root-Partition liegen.

Wo sind meine Programme -- die /bin-Verzeichnisse

Spätestens, wenn ein gerade installiertes Programm nicht im K-Menü erscheint, taucht die Frage auf: Wo stecken eigentlich die Programme unter Linux? Programmverzeichnisse unter Linux heißen bin und sbin -- und es gibt, übers Dateisystem verstreut, gleich einen ganzen Packen davon. Zunächst zwei direkt unterhalb des Wurzelverzeichnisses: Darin liegen die Programme, die für Linux unverzichtbar sind, in /bin die, die auch ein normaler Benutzer verwenden darf, in /sbin die, die üblicherweise nur der Systemverwalter braucht. Für den Anwender sind hingegen die weiteren bin-Verzeichnisse deutlich interessanter: In /usr/bin finden Sie eine Menge nützlicher Shell-Kommandos, aber auch manches grafische Tool, /usr/X11R6/bin/ enthält die grafischen Programme des X-Window-Systems. Die Programme einiger großer Pakete wie OpenOffice, KDE und GNOME findet man unter SuSE in eigenen Verzeichnissen wie /opt/kde/bin und /opt/gnome/bin (siehe Kasten). Wer wissen will, wo auf seinem System überall Programmverzeichnisse versteckt sind, tippt im Terminal echo $PATH. Dieser Befehl gibt die Pfad-Variable aus, in der -- wenn sie richtig gesetzt ist -- alle Verzeichnisse mit ausführbaren Programmen stehen.

In Startposition: /boot

In /boot residiert das Herzstück Ihres Linux-Systems: Der Kernel. Dieser besteht aus einer einzigen Datei namens vmlinuz, bzw. vmlinuz-versionsnummer bei Red Hat Linux. Der Kernel verwaltet CPU- und Arbeitsspeicherressourcen auf Ihrem System und lädt die passenden Treiber für an den Rechner angeschlossene Hardware. Ebenfalls wichtig ist die so genannte Initial Ramdisk, die initrd (initrd-versionsnummer.img bei Red Hat Linux). Sie enthält ein minimales Dateisystem, das beim Booten in eine Ramdisk (eine virtuelle Festplatte im Arbeitsspeicher) entpackt wird. Dort liegen alle Treiber, die der Kernel zum Systemstart braucht. Unter SuSE Linux zählt dazu beispielsweise der Dateisystemtreiber für Reiserfs, ohne den der Kernel die Root-Partition nicht einhängen kann.

Im Unterverzeichnis grub lagern die Dateien Ihres Bootmanagers Grub. In der menu.lst, die auch normale Benutzer lesen dürfen (Abbildung 1), wird konfiguriert, welche Betriebssysteme grub zum Booten anbietet.

Abb. 1: In /boot/grub liegt die menu.lst, die das Auswahlmenü des Bootmanagers enthält.

Der Geräteschuppen: /dev

Da jeder Dateimanager bei den mehreren Tausend Gerätedateien in /dev ins Schwitzen kommt (Abbildung 2), starten Sie für den Abstecher nach /dev am besten ein Terminal. Geben Sie dazu in einem Schnellstartfenster ([Alt-F2]) konsole ein.

Abb. 2: In der Default-Konfiguration zeigt Nautilus nicht alle Dateien in /dev an.

Tippen Sie dort ls -l /dev | less. Jede Datei, die Sie in der langen Liste sehen, ist ein Gerät (Device), das auf Ihrem System vorhanden sein kann, aber nicht muss. /dev/hda ist z. B. das erste Laufwerk am ersten IDE-Controller Ihres Systems -- meist Ihre Festplatte. Für eine zweite Festplatte an diesem Controller benutzt das System dann hdb -- und da niemand ahnen kann, wieviele Festplatten Sie noch anschließen wollen, hat es in weiser Voraussicht gleich hdc bis hdt mitangelegt.

Dass Hardware als Datei angesprochen wird, ist für Windows-Umsteiger gewöhnungsbedürftig. Unter unixoiden Systemen gilt die Maxime "Alles ist eine Datei" und das schließt auch Geräte wie Festplatten und die serielle Schnittstellen mit ein. Im Unterschied zu normalen Dateien, mit denen Sie täglich arbeiten, handelt es sich bei denen unterhalb von /dev um so genannte special files. Die Sonderstellung erkennen Sie in der Ausgabe von ls -l /dev. Wo bei Dateien des täglichen Gebrauchs ein Minus-Zeichen vor den Berechtigungen steht, kennzeichnet in /dev ein Buchstabe (c oder b) die Art des Geräts. Das b ziert alle Geräte, die wie Festplatten und das Diskettenlaufwerk blockweise beschrieben werden. Steht vor einem Gerät ein c, wird es zeichenweise (char=Zeichen) beschrieben. Ein Beispiel dafür ist die parallele Schnittstelle, an der normalerweise der Drucker hängt, oder die serielle Schnittstelle mit Ihrem Modem.

Hinter einigen der Einträge finden Sie einen Pfeil und einen weiteren Eintrag. Das zeigt, dass es sich bei dieser Datei nicht um ein Gerät, sondern um eine Verknüpfung handelt. Die Verknüfung /dev/cdrom zeigt auf das CD-Laufwerk und /dev/modem ist ein Link auf die serielle Schnittstelle, an die Ihr Modem angeschlossen ist. Bauen Sie irgendwann ein neues Laufwerk ein, müssen Sie nur die Verknüpfung ändern und nicht jedes Programm einzeln auf die Hardware-Änderung aufmerksam machen.

Die meisten Dateien in /dev gehören root, aber bei einigen finden Sie in der Benutzer- oder Gruppenspalte auch andere Einträge wie z. B. audio. Das ist nötig, wenn auch normale Benutzer Schreibrechte auf ein Gerät benötigt. Ein schönes Beispiel ist /dev/dsp, das meistens eine Verknüpfung auf /dev/dsp0 ist. Das ist Ihre Soundkarte, die Sie nicht nur mit Musikprogrammen zum Klingen bringen, sondern auch, indem Sie direkt auf /dev/dsp schreiben. Suchen Sie sich eine Datei im wav-Format und geben Sie cat musik.wav > /dev/dsp ein. Sie können sogar andere Dateien, wie etwa Word-Dokumente an Ihre Soundkarte schicken, sollten sich bei einem cat riesiges_dokument.doc > /dev/dsp aber vorsorglich die Ohren zuhalten. Mit [Strg-C] bereiten Sie den grausigen Geräuschen ein vorzeitiges Ende. Sehen Sie sich hier nur als normaler Benutzer um: Root hat das Recht, auch Gerätedateien zu löschen. Entfernen Sie beispielsweise /dev/fd0 haben Sie keinen Zugriff mehr auf Ihr Diskettenlaufwerk. Sie bekommen es unter Linux dann nur mit dem Befehl mknod oder dem MAKEDEV-Skript oder Programm Ihrer Distribution wieder.

/etc -- Globale Konfiguration

Ist der Kernel das Herz des ganzen Systems, bildet das Verzeichnis /etc das Gehirn: In ihm liegen die Rechnerspezifischen Konfigurationsdateien. Aus der Datei fstab (File System Table) liest Linux, welche Partitionen und Geräte es unter welchem Mountpoint ins Dateisystem einbinden soll, in resolv.conf steht die Adresse des Nameservers, der IP-Adressen in Domain-Namen auflöst. profile ist ein Skript, das bei jedem Login ausgeführt wird und Einstellungen wie den Dateisuchpfad $PATH setzt. Aus passwd und group bezieht Linux die Informationen, welche Benutzer und Gruppen es gibt. Früher enthielt passwd auch die Passwörter der Benutzer, aus Sicherheitsgründen liegen diese mittlerweile verschlüsselt in der Datei shadow, die nur der Administrator lesen darf.

Wer erfahren will, was Linux beim Booten alles startet, schaut in die rc-Verzeichnisse, die nach den einzelnen Runleveln (verschiedenen Betriebsstadien des Systems) von Null bis Sechs durchnummeriert sind. Die Dateien dort, die jeweils mit K (für "Kill") und S (für "Start") beginnen, sind eigentlich nur Links auf die Startskripte der Systemdienste, die auch in /etc liegen: im Verzeichnis /etc/init.d. Von dort lassen sich die Dienste mit Aufrufen wie /etc/init.d/sshd restart (oder stop oder start) auch manuell neustarten oder beenden. Unser Beispiel startet, als root ausgeführt, den SSH-Dienst neu.

Sie werden sich jetzt vielleicht fragen: Das machen doch alles YaST oder die Red-Hat-Konfigurationsprogramme für mich? Wenn Sie in SuSE oder Red Hat Linux etwas über die grafische Oberfläche einstellen, speichern SuSE und Red Hat dies ebenfalls in /etc im Verzeichnis sysconfig und übertragen die Änderungen anschließend für Sie in die richtigen Linux-Konfigurationsdateien, so dass Sie dort nicht selbst Hand anlegen müssen.

My home is my castle: /home und /root

Unterhalb von /home liegen die privaten Verzeichnisse der Benutzer. Diese entsprechen den Eigenen Dateien-Ordnern unter Windows. Hier haut Ihnen niemand mit einem schroffen "keine Berechtigung" auf die Finger und ob in Ihrem privaten Reich pedantische Ordnung oder heilloses Chaos herrscht, bestimmen allein Sie.

Außerdem speichern dort alle Programme, die Sie schon einmal benutzt haben, ihre Konfiguration in versteckten Dateien oder Verzeichnissen. Um die mit einem Punkt beginnenden Einstellungen anzuzeigen, aktivieren Sie im Konqueror den Menüpunkt Ansicht / Versteckte Dateien anzeigen. Wollen Sie, dass ein Programm wieder in seiner Grundkonfiguration startet, reicht es, die zugehörige, oft gleichnamige Einstellungsdatei zu löschen oder vorübergehend umzubenennen.

Das Heimatverzeichnis von root trägt wie die Benutzerverzeichnisse den Namen seines Besitzers, liegt aber nicht unter /home, sondern direkt unterhalb des Wurzelverzeichnisses. Das hat seinen Grund darin, dass der Administrator selbst dann an seine Dateien kommen soll, wenn /home, das auch auf einem Netzlaufwerk liegen darf, nicht gemounted ist. In /root liegen meistens nur die Konfigurationseinstellungen der wichtigsten Programme. Red-Hat-Nutzer finden dort außerdem die Datei install.log, die alle Pakete auflistet, die bei der Installation des Systems eingespielt wurden. Stapeln sich in Ihrem /root-Verzeichnis Grafik- und Musikdateien, sind Sie wahrscheinlich zu oft als Administrator unterwegs.

Die Bibliothek: /lib und /usr/lib

In den Verzeichnissen /lib und /usr/lib liegen die so genannten Libraries (Programmbibliotheken), vergleichbar mit den dll-Dateien unter Windows. Braucht ein Programm eine bestimmte Funktion (will es zum Beispiel einen Text verschlüsseln), benutzt es dafür die entsprechende Bibliothek. Damit sparen sich die Programmierer Arbeit und Sie Platz, denn ist eine Bibliothek einmal in den Arbeitsspeicher geladen, kann sie von allen Programmen verwendet werden.

In /lib liegen die Bibliotheken, die von den Programmen in /bin und /sbin gebraucht werden, /usr/lib berherbergt die Libraries, auf die die Programme in /usr/bin und /usr/sbin zugreifen.

Neben den Programmbibliotheken finden Sie im Verzeichnis modules in /lib die so genannten Kernel-Module. Dabei handelt es sich um Hardware- und Dateisystemtreiber, die die Kernkomponente Ihres Linux-Systems mitbringt. Gewöhnlich kümmern sich der Kernel und Ihre Distribution darum, bei Bedarf das passende Modul zu laden.

Gut eingehängt: /media, /mnt und Kosorten

Bei den Mount-Punkten, über die Sie auf Ihre Windows-Partition oder auf CDs zugreifen, geht jeder Distributor einen anderen Weg. Red Hat Linux richtet alle Einhängepunkte in /mnt ein. Typischerweise finden Sie dort cdrom, floppy und windows. SuSE Linux dagegen bindet die Windows-Partition im Ordner /windows ein. Die Dateisysteme aller externen Geräte landen in den Unterverzeichnissen von /media, auf unserem Testsystem legte SuSE Linux cdrom, dvd und floppy bei der Installation an. Im Gegensatz zu den Laufwerksbuchstaben unter Windows sind die Mount-Punkte kein ehernes Gesetz. Wo Sie auf die Daten einer anderen Partition oder einer CD zugreifen, entscheidet unter Linux allein der Administrator (also wahrscheinlich Sie selbst) und die in der Datei /etc/fstab eingetragenen Regeln. (eba)

Das virtuelle /proc-Verzeichnis

Das proc-Verzeichnis ist ein echter Exot: Sein Inhalt existiert in Wirklichkeit gar nicht auf der Festplatte. Alles, was Sie dort sehen, legt Linux zur Laufzeit an. Jedes Programm, das Sie starten, erhält einen eigenen Ordner in proc mit dem Namen der Prozess-ID (Abbildung 3). In die "Dateien" dort können Sie mit dem Shell-Befehl cat hineinschauen: cat /proc/cpuinfo verrät Ihnen, welcher Prozessor im Rechner steckt, cat /proc/meminfo wieviel RAM er besitzt. Da Sie in proc nicht nur Informationen anschauen, sondern sogar im laufenden Betrieb ändern können, sollten Sie dort im Normalfall nicht unter Root-Rechten unterwegs sein.

Abb. 3: proc verrät Details zu laufenden Programmen. Der Browser Firebird wurde von der Benutzer-ID 500 gestartet und schläft gerade.

Nur temporär: /tmp

Immer wieder kommt es vor, dass ein Programm Daten für kurze Zeit irgendwo ablegen muss. Wenn Sie zum Beispiel im Browser ein PDF-Dokument zum Betrachten angeklickt haben, lädt der Browser das herunter, startet einen integrierten Acrobat Reader und übergibt ihm die Datei. Dabei müllt er Ihnen mit dem PDF netterweise nicht Ihr Home-Verzeichnis voll, sondern nutzt dazu den Platz für temporäre Dateien -- das /tmp-Verzeichnis. Dieses hat die nette Spezialeigenschaft, dass jeder Benutzer dort Daten ablegen darf -- aber nur derselbe Benutzer darf sie auch wieder löschen. Es kann Ihnen also niemand in die Suppe spucken. Daten in /tmp können Sie getrost beim Systemstart löschen lassen -- es geht dabei nichts wichtiges verloren.

/var

Ähnlich wie /tmp enthält auch var Dateien, die sich dauernd ändern -- allerdings deutlich interessanter für den Benutzer. spool ist eine Art Zwischenablage für viele Programme. Der Drucker-Dienst Cups speichert dort Druckaufträge für den Versand an den Drucker, das Verzeichnis /var/spool/mail benutzt auf manchen Linux-Systemen der Mail-Server für die Zwischenlagerung der Post, bevor er sie den einzelnen Benutzern zustellt.

Ein Verzeichnis, das jeder Linux-Anwender kennen sollte, ist log: Dort liegen die Log-Dateien des Systems und vieler wichtiger Programme. Während Sie auf der grafischen Oberfläche oft nur merken, dass etwas nicht funktioniert, erfahren Sie in den Log-Dateien, warum es nicht geht. Wenn der gerade angeschlossene USB-Stick oder die Digicam nicht auf der Oberfläche erscheinen, der Brenner nicht brennt oder anderes schiefgeht, ist das ein Anlass, die Log-Datei des Systems zu konsultieren. Mit less /var/log/messages blättern Sie im Terminal durch, mit tail -f /var/log/messages verfolgen Sie live, was Linux intern unternimmt, wenn Sie beispielsweise ein neues USB-Gerät anschließen.

Für den täglichen Gebrauch: /usr

Den meisten Festplattenplatz nach einer Linux-Installation okkupiert das Verzeichnis /usr. In seinen Unterverzeichnissen tummeln sich all die Dateien, die dem Benutzer (user) das Leben unter Linux angenehm machen. Sie finden dort nicht nur die meisten Anwendungen (siehe auch "Wo sind meine Programme"), sondern auch unzählige Programmbibliotheken (siehe auch Die Bibliothek: /lib und /usr/lib), Dokumentation und vieles andere. Keine Datei in diesem Verzeichnis wird für den Systemstart benötigt, so dass Sie /usr auch auf einer anderen Partition Ihrer Festplatte ansiedeln dürfen, die erst nach dem Booten in den Verzeichnisbaum eingehängt wird. Es ist sogar möglich, dass mehrere Rechner sich ein /usr-Verzeichnis über ein Netzwerk teilen.

Die größte Fundgrube ist /usr/share, wo die von Ihren Programmen genutzten Dateien liegen. Die meisten Ordner heißen so wie ein auf Ihrem System installiertes Programm: So finden Sie im Verzeichnis /usr/share/gimp alle Dateien, die das Grafikprogramm mitbringt. Das Sortiment reicht von Palettendefinitionen bis hin zu verschiedenen Pinselformen.

Daneben gibt es auch programmübergreifende Verzeichnisse: So installiert fast jede Anwendung eine so genannte Manpage (Manual Page=Handbuch). Statt diese Handbuchseiten über alle möglichen Ordner zu verteilen, landen Sie ordentlich, nach Kategorien sortiert, in /usr/share/man. In den Unterverzeichnissen von /usr/share/locale installieren die Programme Ihre Lokalisierungsdateien, also auch die deutschen Übersetzungen. Unter /usr/share/sounds und /usr/share/wallpapers finden Sie Musikdateien und die Hintergrundbilder. Für Red-Hat-Linux-Anwender ist die Ausbeute reicher als unter SuSE, da Red Hat Linux den KDE- und GNOME-Desktop nach /usr installiert. SuSE Linux geht bei der Installation großer Programmpakete nach /opt einen Sonderweg (siehe Kasten 1), so dass die Nutzer dieser Distribution ihre KDE-Sounds nicht in /usr/share/sounds, sondern unterhalb von /opt/kde3 finden. Leseratten sollten einen Abstecher nach /usr/share/doc (/usr/share/doc/packages bei SuSE Linux) unternehmen. Dort speichern viele Programme zusätzliche Dokumentation im Text- oder HTML-Format.

/usr/X11R6 beherbergt die Dateien des X Window Systems, das Ihnen den für die grafische Oberfläche unentbehrlichen X-Server zur Verfügung stellt. Sie stoßen dort auf eine Ordnerhierarchie, wie Sie sie auch unter /usr selbst antreffen. Es gibt bin für die Programmdateien, lib, wo die Bibliotheken liegen und auch share fehlt nicht. Diese Hierarchie wiederholt sich unterhalb von /usr/local, nur dass dort in allen Verzeichnissen gähnende Leere herrscht. /usr/local ist für vom Benutzer selbst installierte Software vorgesehen, die nicht als RPM-Paket daherkommt. Hier könnte z. B. der Browser Firebird landen, dessen Installation der Artikel ### auf Seite ### beschreibt. Auch selbst kompilierte Anwendungen gehören in die /usr/local-Verzeichnisstruktur.

Die für Anwender uninteressantesten Verzeichnisse sind src und include. Bei einer Standardinstallation sind die beiden ziemlich leer. include nimmt die Header-Dateien von Programmen auf, in denen u. a. Funktionen definiert sind. Sie brauchen include-Dateien mit der Endung .h immer dann, wenn Sie eine Software aus dem Quellcode übersetzen möchten. Da das für Anfänger nicht trivial ist, werden diese nicht standardmäßig installiert -- für den Betrieb der installierten Software brauchen Sie sie nicht. RPM-Pakete mit solchen include-Dateien erkennen Sie an dem Namenszusatz -devel oder auch -dev. Nach src wandert der Programm-Code des Linux-Kernels. Per Default wird auch dieses Paket nicht installiert, die Personal-Version von SuSE Linux liefert es nicht einmal auf CD mit.

Im Verzeichnis /usr/games liegen die Programmdateien einiger Spiele. Ob ein Distributor diese Dateien nach /usr/bin oder /usr/games installiert, ist eine Ermessensfrage und unterscheidet sich von System zu System.

Nürnberger Extrawürste: /opt und /srv

Große, optionale Software-Pakete landen bei SuSE Linux in eigenen Ordnern unter /opt. Nach einer Standardinstallation finden Sie dort die Verzeichnisse kde3, gnome, gnome2 und OpenOffice.org. Auch der SuSE-eigene Mozilla schlägt dort sein Lager auf. Kaum eine Distribution außer den Nürnbergern nutzt das /opt-Verzeichnis, obwohl es genau für diesen Zweck geschaffen wurde. Besonders sinnvoll ist es bei Anwendungen wie Open Office, die sich nicht an die unter Linux übliche Verzeichnisstruktur halten. Im OpenOffice-Ordner treffen Sie nicht auf bekannte Verzeichnisse (Abbildung 5), sondern es sieht aus wie im Verzeichnis einer Windows-Anwendung unterhalb von Programme. Die Desktop-Umgebungen KDE und GNOME halten sich dagegen an die Linux-Verzeichnisregeln. Schauen Sie in deren Ordner in opt, treffen Sie auf Unterverzeichnisse, die unter gleichem Namen auch in /usr liegen. Ob man diese Anwendungen nach /opt oder wie Red Hat Linux unterhalb von /usr installiert, ist Geschmackssache. In diesen Verzeichnissen gelten die selben Regeln, wie in /usr: SuSE-Linux-Anwender finden Ihre KDE-Hintergrundbilder etwa im Ordner /opt/kde3/share/wallpaper (Abbildung 6).

Seit der Version 8.1 legt SuSE Linux bei der Installation das Verzeichnis /srv mit Beispielumgebungen für einen Web- und FTP-Server an. Im Verzeichnis httpd treffen Sie nach einer Standardinstallation auf einige Dateien des htdig-Pakets. Das ist eine auch für den lokalen Einsatz geeignete Suchmaschine, die die Suchfunktion in der SuSE-Hilfe (das Symbol mit dem Rettungsring in der KDE-Kontrolleiste) bereitstellt.

Abb. 5: Open Office bringt eine eigene Verzeichnisstruktur mit.

Abb. 6: In /opt/kde3/share/wallpapers liegen unter SuSE-Linux die Desktop-Hintergründe.
Das Fundbüro -- /lost+found

Red-Hat-Benutzer finden auf der obersten Ebene des Dateisystems noch ein weiteres Verzeichnis namens lost+found vor, das zudem rätselhafterweise immer leer ist. Dieses Verzeichnis wird angelegt, wenn man sich bei der Partitionierung der Festplatte für das Dateisystem ext3 entschieden hat. lost+found dient als virtuelles Fundbüro. Wenn etwa wegen eines Stromausfalls oder eines Totalabsturzes Linux nicht ordnungsgemäß heruntergefahren wurde, wird beim nächsten Start automatisch das Programm fsck ausgeführt, das das Dateisystem überprüft. Findet es dabei Fragmente, die es nicht mehr einer Datei zuordnen kann, gibt es sie in lost+found ab. Wenn also bei einem Crash Ihre Diplomarbeit zerstört wurde und Sie sie in Plain-Text oder einem anderen lesbaren Format verfasst haben, finden Sie mit Glück dort noch einzelne Bruchstücke wieder.

Infos
[1] Filesystem Hierarchy Standard: http://www.pathname.com/fhs/

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