![]() |
|
||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||
SuSE 9.0, Mandrake 9.2 und Red Hat 10Neu gepacktvon Heike Jurzik und Hans-Georg Eßer |
Wir haben SuSE Linux 9.0 Professional, Mandrake Linux 9.2 und die Beta-Version der nächsten Red-Hat-Generation unter die Lupe genommen. Zunächst zum deutschen Marktführer, SuSE Linux.
Die Installation läuft im Großen und Ganzen wie gewohnt ab -- wie schon bei früheren SuSE-Linux-Versionen führt ein grafischer Installer mit entsprechender Dokumentation durchs Programm. Sie haben nach dem Booten die Wahl zwischen Neuinstallation, Update des bestehenden Systems und Reparatur des installierten Systems. Auch bei SuSE Linux 9.0 gibt es eine "Schnellinstallation" und eine "benutzerdefinierte Installation".
Minimalanforderungen an das System sind 180 MB (für ein System ohne grafische Oberfläche) und 500 MB für ein Minimalsystem mit grafischer Oberfläche. Wollen Sie eine vollständige Installation mit den Desktop-Oberflächen KDE und/oder GNOME, größere Anwendungen wie Mozilla/OpenOffice und multimediale Software, brauchen Sie 1 bis 4 GB freien Platz auf der Festplatte.
Neu bei SuSE Linux 9.0 ist die NTFS-Unterstützung (siehe Abschnitt über neue YaST-Module). YaST hilft jetzt auch bei der Installation dabei, Windows-NTFS-Partitionen zu löschen oder zu verkleinern -- ältere SuSE-Versionen konnten dies nur mit den FAT-Partitionen von Windows 95/98/Me, NTFS wird von Windows NT/XP verwendet. Vorhandene Windows-Installationen werden erkannt und auf Wunsch "zurechtgestutzt", damit SuSE Linux genügend Platz findet.
Gleich geblieben ist auch die Auswahl der Installationsmodi für Software-Pakete: Minimal, Minimales grafisches System oder Standardsystem (mit KDE und Office-Paket) stehen zur Wahl. SuSEs Vorauswahl kann natürlich an eigene Wünsche angepasst werden.
Nach Abschluss der Installation erscheinen die Release-Notes, die über die wichtigsten Änderungen informieren. Auch nachträglich lassen sich diese Informationen abrufen -- im Verzeichnis /usr/share/doc/release-notes/ finden Sie Dateien in mehreren Sprachen als HTML- oder RTF-Dokumente.
Die wohl wichtigsten Neuerungen finden sich beim Systemassistenten YaST (Yet another Setup Tool). Seit 1994 ist das Programm Bestandteil von SuSE Linux und hilft nicht nur bei der (Software-) Installation, sondern erkennt auch (neue) Hardware und richtet sie ein, konfiguriert den Internet-Zugang und lokale Netzwerke, verwaltet Benutzer-Accounts und hilft bei System-Updates. Im Hintergrund arbeiten dabei einzelne YaST-Module, welche die jeweiligen Aufgaben übernehmen.
Bei SuSE Linux 9.0 kommt YaST im neuen Outfit: Die Icons sind an KDEs Keramik-Optik angepasst. Wichtiger jedoch als der Look sind die neuen Features. Es gibt einige neue Module, z. B.:
Das NT File System (NTFS) kommt bei Windows NT, 2000 und XP zum Einsatz. YaST kann bei SuSE Linux 9.0 jetzt während der Installation Windows-2000- und XP-Partitionen verkleinern, um so Platz für Linux zu schaffen.
Das neue Restore-Modul hilft dabei, Backups einzuspielen. Vorausgesetzt, dass Sie Ihre Daten regelmäßig gesichert haben (z. B. mit YaSTs Backup-Modul), können Sie über YaST auf diese Datenarchive zugreifen. Dabei ist es egal, ob das Backup auf Wechselmedien, auf der lokalen Platte oder einem anderen Rechner im lokalen Netzwerk liegt -- über verschiedene Dialoge erreichen Sie die Archive (Abbildung 1) und können entscheiden, welche Teile des Systems Sie wiederherstellen möchten.
Ebenfalls neu im Programm ist das Samba-Modul, das beim Einrichten des Servers und des Clients hilft, damit Sie Daten zwischen Linux- und Windows-Rechnern austauschen können. Ein Samba-Server kann verschiedene Aufgaben übernehmen und als Datei- und Druckserver dienen. Ein Samba-Client greift dabei auf die Ressourcen des Servers zu. Mit YaSTs neuem Modul wird die Konfiguration beider Komponenten wesentlich vereinfacht (Abbildung 2), so ist nun auch der Zugriff auf Freigaben von Windows-Rechnern im lokalen Netz leichter.
NTP steht für Network Time Protocol und dient zum Synchronisieren der Uhrzeit von Rechnern über ein Netzwerk. Mit dem YaST-Modul konfigurieren Sie diesen Zeitabgleich für Ihren Rechner; dann brauchen Sie sich nicht mehr über eine vor- oder nachgehende Systemuhr zu ärgern.
Auch im Bereich der grafischen Oberflächen hat sich Einiges getan. Neben neuen Versionen von KDE (3.1.4) und GNOME (2.2.2) überzeugt vor allem die vfolder-Technik der Menüs: Programme lassen sich jetzt leichter über nur zwei Ebenen finden. Ein kompliziertes Durchhangeln durch den üblichen Menüdschungel fällt damit weg (Abbildung 3). Neu installierte Software wird direkt aufgenommen -- ohne lästiges Neustarten des Window-Managers wird das Menü aktualisiert.
Zahlreiche Programme liegen in aktuellen Versionen vor. Dazu gehört nicht nur OpenOffice 1.1, welches gerade erst erschienen ist, sondern auch eine neue Gimp-Version (1.3.20). Der Nachfolger von Gimp 1.2 (das ebenfalls noch als stabile Variante mitgeliefert wird) ist die derzeitige Entwicklerversion vom kommenden Gimp 2.0, d. h. es wird generell noch an der Funktionalität gearbeitet. Auch wenn einige Dinge bei Gimp 1.3 noch nicht stabil laufen und manche Menüeinträge nur in englischer Ausführung vorhanden sind, bekommen Sie hier bereits einen Vorgeschmack auf die Features des neuen Gimp.
Sämtliche Module wurden überarbeitet und werden nun mit einer neuen Plugin-Technik eingeblendet. Ein tolles neues Feature ist, dass Gimp sich jetzt "merkt", welche Dialoge beim letzten Mal geöffnet waren, und diese bei einem Neustart gleich richtig positioniert. Ebenfalls neu ist eine Menüzeile für die Bildfenster (Abbildung 4). Die Unterstützung für CMYK (Abkürzung für Cyan, Magenta, Yellow, BlacK, Farbschema für den Vierfarbendruck) ist zwar noch nicht im GUI zu finden, der Programm-Code steht aber schon. So dürfen sich Anwender, die Gimp im professionellen Umfeld einsetzen wollen, freuen.
Auch Scribus ist in Version 1.0 mit an Bord. Das Desktop-Publishing-Programm hilft beim Layouten Ihrer Dokumente, setzt Texte und Grafiken zusammen und bereitet sie für den Druck vor. Dabei arbeitet Scribus, wie die meisten DTP-Programme, punktgenau und übertrifft die meisten Textverarbeitungen in seiner Funktionalität.
Wichtig für Anwender mit DVD-Brenner: Die bei SuSE Linux 9.0 mitgelieferte Version des KDE-Brenn-Tools k3b unterstützt nun auch DVD-Medien. Damit sind Ausflüge auf die Kommandozeile, um ein Backup auf DVD zu schreiben, nicht länger nötig -- sofern der verwendete Brenner unterstützt wird.
SuSE Linux 9.0 ist wie gehabt als Personal- und Professional-Version erhältlich. Die teurere Professional-Variante enthält gegenüber der Personal-Version zusätzlich eine Installations-DVD (doppelseitig) und bietet eine vollständige Entwicklungsumgebung (neben dem Compiler auch alle benötigten Programmbibliotheken) sowie diverse Server-Dienste, z. B. Samba, Apache, DNS, DHCP). Neben den 480-seitigen Benutzerhandbuch enthält nur die Professional-Version zusätzlich ein 640 Seiten starkes Administrationshandbuch. Die Preise liegen bei 49,95 Euro (Personal) und 79,95 Euro (Professional); Studenten können die Pro-Variante zum Preis der Personal-Version kaufen, für das gleiche Geld gibt es auch ein Professional-Update von der vorherigen Version.
Auf dem Testsystem ließ sich SuSE Linux 9.0 problemlos installieren und starten. Die neuen Programmversionen überzeugen, und die veränderten Menüs sind wirklich übersichtlich. YaSTs neue Module helfen Anfängern und fortgeschrittenen Benutzern beim Konfigurieren der jeweiligen Dienste. Abgesehen von einem kleinen Fehler mit der Kodierung von Umlauten, den KDEs Konqueror auf dem Testrechner zeigte, gab es auch unter Höchstlast nichts auszusetzen -- SuSE Linux 9.0 zeigte sich allen Anforderungen gewachsen.
Ganz frisch ist die neue Version 9.2 des französischen Linux-Distributors MandrakeSoft. Als erste Reaktion auf die vielen Nachfragen nach mehr Berichterstattung zu Mandrake Linux (in Leserbriefen und in unserer Leserumfrage) haben wir die neue Mandrake-Version in diesen Test aufgenommen.
Das Installationsprogramm von Mandrake Linux ist übersichtlich und auch von Linux-Einsteigern leicht zu bedienen. Dazu trägt auch die Möglichkeit bei, Windows-XP-Partitionen im NTFS-Format verlustfrei zu verkleinern. Während dieses Feature bei SuSE Linux 9.0 eine Neuheit ist, bietet Mandrake dies schon seit mehreren Versionen an.
Die Installation auf dem Testrechner verläuft problemlos. Mandrake kennt keine Installationsklassen, sondern bietet mit 20 an- und abwählbaren Kategorien eine übersichtliche Schnellauswahl der zu installierenden Pakete. Wer es detaillierter mag, kann in der individuellen Paketauswahl Programme einzeln hinzufügen oder entfernen.
Die abschließende Übersicht der konfigurierten Geräte hat einen Bug: Die Anzeige erscheint in einem so kleinen Fenster, dass kaum zu erkennen ist, welche Parameter hier noch beeinflusst werden können -- die meisten Anwender werden an dieser Stelle wohl einfach auf Weiter klicken.
Beim ersten Start des neuen Systems erscheint der Mandrake-Einrichtungsassistent, mit dem Sie den Desktop (KDE oder GNOME) und das Mail-Programm auswählen, daneben wird hier um eine (kostenpflichtige) Mitgliedschaft im Mandrake Club gebeten, der dem Distributor helfen soll, die Arbeit zu finanzieren. Es erscheint auch ein Fragebogen, indem "nicht senden" angekreuzt werden muss, um die Übertragung von Daten auf den Mandrake-Server zu verhindern.
Mit OpenOffice 1.1, Mozilla 1.4, KDE 3.1.3 und GNOME 2.4 bietet Mandrake Linux 9.2 aktuelle Versionen der beliebtesten Programmpakete. Bei KDE ist SuSE zwar mit Version 3.1.4 einen winzigen Schritt weiter, dafür punktet Mandrake mit GNOME 2.4 (SuSE: 2.2). Scribus ist ebenfalls enthalten, hier in der Version 1.0.1.
Das Mandrake-Kontrollzentrum fasst -- ähnlich wie SuSEs YaST -- alle wichtigen System- und Hardware-Konfigurationen in einem Tool zusammen. Auch unter Mandrake Linux können dank einer aktuellen k3b-Version nicht nur CDs, sondern DVDs gebrannt werden. Mit dem Gateway-/Router-Konfigurationsprogramm DrakGW lässt sich ein Mandrake-Rechner mit Internet-Anschluss einfach zum Gateway für das lokale Netz einrichten: So surfen auch die Windows-Anwender sicher über den Linux-PC.
Auch Mandrake Linux wird in unterschiedlich ausgestatteten Boxen ausgeliefert: Die Disovery-Version für 39,- Euro ist die günstigste Variante, sie enthält drei CDs und zwei Handbücher. Das PowerPack für 69,- Euro bietet sieben CDs und die gleichen Handbücher. Eher an Unternehmen als an Privatanwender richtet sich die ProSuite für 199,- Euro -- sie bietet acht CDs, eine DVD, einen Satz Handbücher und erweiterten Support. Für 54,90 Euro ist bei LinuxLand zudem eine 1-DVD-Version erhältlich. Alternativ können aus dem Internet auch ISO-Images zum Selberbrennen herunter geladen werden. Diese werden aber erst kurze Zeit nach dem Verkaufsstart verfügbar gemacht.
Mandrake Linux ist runderneuert und ist ein würdiger SuSE-Rivale im Kampf um die einsteigerfreundlichste Distribution. Dazu tragen die einfache Installation mit NTFS-Partitionsverkleinerung und das aufgeräumte Kontrollzentrum sowie die umfangreiche und aktuelle Software-Ausstattung bei.
Eine neue Red-Hat-Version, bisher mit der Versionsnummer 10 erwartet, wird es unter diesem Namen nicht geben. Red Hat will den bekannten Markennamen in Zukunft nur noch für die Enterprise-Linie verwenden, also für Server und Desktops, die für den Einsatz im Unternehmen konzipiert (und hochpreisig) sind. Das "normale" Red Hat Linux bleibt unter dem Namen "Fedora Project" aber erhalten: Derzeit befindet sich der so genannte Fedora Core, der Red Hat Linux 9 ablösen wird, in der Betaphase -- Fedora Core 1 (Codename "Cambridge") ist für den den 03.11.2003 angekündigt. Eine Fedora ist übrigens ein Hut -- der im Red-Hat-Logo verwendete Hut ist von diesem Typ.
Ein Test der Beta-Version zeigt wenig Neues gegenüber dem Vorgänger Red Hat Linux 9: Der Installer ist optisch unverändert, gegenüber vorhandenen Windows-FAT- oder NTFS-Versionen verhält sich das System bekannt ignorant: Es kann sie löschen, aber nicht in der Größe verändern. Während SuSE mit seiner aktuellen Version 9.0 den Bedarf erkannt hat und Mandrake Linux das verlustfreie Verkleinern von NTFS-Partitionen (Windows XP) schon lange anbietet, muss der Red-Hat-Anwender also weiterhin auf andere Tools zurückgreifen, z. B. auf eine aktuelle Installations-CD von SuSE oder Mandrake oder auch auf die Live-Linux-Distribution Knoppix, die mit QtParted ebenfalls einen Partitions-Editor enthält.
Ein Vergleich der Versionsnummern ist wegen des Beta-Status von Red Hat/Fedora nicht sinnvoll -- man kann wohl davon ausgehen, dass bis zur endgültigen Release die wichtigsten Pakete noch auf den aktuellen Stand gebracht werden. In der Beta-Version sind beispielsweise noch die veralteten Versionen OpenOffice 1.0.2, KDE 3.1.2 und GNOME 2.2 enthalten.
Beim Kernel setzt Red Hat auf eine gepatchte Version mit der mehr als obskuren Versionsnummer 2.4.21-20.1.2024.2.1.ntpl. Dieser Kernel verwendet die so genannte Native POSIX Thread Library, die das System performanter machen soll. Ob sie in der endgültigen Release enthalten sein wird, lässt sich jetzt nicht sagen -- Red Hat hat schon öfter in Beta-Versionen mit experimentellen Features gearbeitet und diese dann wieder zurückgezogen.
GNOME ist wie gehabt der Standard-Desktop -- bei der Neuinstallation sollte also KDE ausgewählt werden. Wird ein älteres Red-Hat-System (mit installiertem KDE) auf die neue Version aktualisiert, ersetzt der Installer aber auch die KDE-Pakete durch die aktuellen. (Mehr zum Update finden Sie auch im folgenden Artikel über Distributions-Updates.)
Um Sicherheits- und sonstige Aktualisierungen einzuspielen, verwendet die neue Red-Hat-Version das bekannte Tool up2date, das erst nach Registrierung beim Red Hat Network benutzbar ist. Schnell neue Pakete zu ziehen, ohne die Registrierungsprozedur zu überstehen, ist also mit diesem Tool weiterhin nicht möglich; stattdessen müssen Red-Hat-Anwender auf den manuellen Download vom FTP-Server ausweichen.
In den Release Notes der Red Hat Beta findet sich ein interessanter Hinweis für Laptop-Benutzer: Danach lässt sich das System so einstellen, dass Plattenzugriffe in einem speziellen Laptop-Mode verzögert werden, um der Platte den Übergang in den Ruhezustand zu erlauben, was den Akku schont.
Die nächste Red-Hat- bzw. Fedora-Version bietet keine Überraschungen. Installation und Handhabung sind gewohnt problemlos und bieten dem Red-Hat-Anwender die seit Version 8.0 gewohnten Features. Schmerzlich vermisst man beim Installer einen leistungsfähigen Partitionierer, der Windows-XP-Datenträger ohne Datenverlust verkleinern könnte -- vielleicht geben sich die Entwickler bis zur endgültigen Version ja noch einen Ruck. (hge)
Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.
Druckerfreundliche Version |
Feedback zu dieser Seite |
Datenschutz |
© 2012 Linux New Media AG |
Last modified: 2007-01-25 16:33
[Linux-Magazin]
[LinuxUser]
[Linux-Community]
[Admin-Magazin]
[Ubuntu User]
[Smart Developer]
[Linux Events]
[Linux Magazine]
[Ubuntu User]
[Admin Magazine]
[Smart Developer]
[Linux Magazine Poland]
[Linux Community Poland]
[Linux Magazine Brasil]
[Linux Magazine Spain]
[Linux Technical Review]