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Erschienen in EasyLinux 12/2003

Der Mozilla-Nachfolger Firebird

Browsen mit dem Feuervogel

von Elisabeth Bauer


Der Feuervogel hebt ab. An Nutzerfreundlichkeit und Geschwindigkeit ist der Browser Firebird, der einmal die Nachfolge von Mozilla antreten soll, seinem Ahnherrn mittlerweile eine Schnabellänge vorraus.

Lange wurde er als Geheimtipp gehandelt: Der Browser Firebird erreicht zwar gerade mal die Versionsnummer 0.7, aber wer einmal mit ihm durchs Netz geflogen ist, will ihn nicht mehr missen. Der Mozilla-Nachfolger besticht durch entschlackte Menüs und Nutzerfreundlichkeit. Das beginnt schon bei der Installation: Archiv downloaden, auspacken und starten.

Man findet zwar auch RPM-Pakete für einzelne Distributionen (siehe [1] und [2]), doch das distributionsübergreifende tar.gz-Archiv ist deutlich aktueller -- und vor allem in Deutsch.

Installation

Laden Sie die Firebird-Version von http://firebird.stw.uni-duisburg.de/linux.php (direkter Download-Link unter [2]) herunter und speichern Sie sie in Ihrem Home-Verzeichnis.

Starten Sie den Datei-Manager Konqueror, navigieren Sie ins Verzeichnis mit dem heruntergeladenen Firebird und klicken mit der rechten Maustaste auf die Datei. Im Kontextmenü wählen Sie den Punkt Hier entpacken. Konqueror startet nun den Entpacker Ark, der Sie wählen lässt, wo er das neue Firebird-Verzeichnis anlegen soll. Geben Sie einen Ordner in Ihrem Home-Verzeichnis an, zum Beispiel /home/benutzer/programme/ oder lassen Sie es bei der Voreinstellung.

Damit ist das meiste schon getan: Um Firebird zu starten, öffnen Sie mit [Alt-F2] den Schnellstartdialog und rufen Sie das Programm mit dem vollen Pfad auf: /home/benutzer/MozillaFirebird/MozillaFirebird.

Um den Browser ins Startmenü aufzunehmen, öffnen Sie mit einem Klick der rechten Maustaste auf das K-Menü den Menü-Editor. Markieren Sie die gewünschte Kategorie, unter Red Hat Linux zum Beispiel Internet.

Nun klicken Sie auf Neues Element und verpassen dem Eintrag den Namen Firebird. Im Feld Befehl tragen Sie den Aufruf aus dem Schnellstartdialog ein. Klicken Sie auf das Icon-Symbol und im folgenden Icon-Auswahldialog auf Sonstige Symbole / Durchsuchen. Im Firebird-Verzeichnis finden Sie auf oberster Ebene den Ordner icons, markieren Sie darin das Icon mozicon50.xpm. Mit OK schließen Sie den Dialog, ein letzter Klick auf Anwenden, danach beenden Sie den Menü-Editor. SuSE Linux verwendet eine eigene K-Menü-Hierarchie -- damit der Firebird-Eintrag auch wirklich erscheint, sortieren Sie ihn am besten unterhalb des SuSE-Menüs ein.

Einfach vertraut

Wie schnell der Feuervogel ist, fällt nicht nur beim Start, sondern auch beim Aufbau der Seiten angenehm auf. Die Einstellungen, die Sie im Menü Tools finden, haben die Firebird-Entwickler im Vergleich zu Mozilla deutlich vereinfacht und aufs Wesentliche reduziert. Unter Allgemein können Sie die aktuelle Seite als Startseite setzen -- oder, sofern Sie in diesem Moment mehrere Reiter geöffnet haben, auch gleich eine ganze Gruppe.

Die bei Mozilla auf vielen Reitern verstreuten Sicherheits-Features fasst Firebird auf der Schaltfläche Datenschutz zusammen: Hier genügt jeweils ein Klick auf den Löschen-Knopf, um alle personenbezogenen Daten, wie den Verlauf einer Surf-Session oder gespeicherte Formulareingaben und Passwörter, ins Nirvana zu schicken (siehe Abbildung 1). Ein Klick auf das kleine Plus neben den Punkten öffnet weiter Einstellmöglichkeiten, nebst einer kurzen Beschreibung, wo sich die Entwickler auch ein bißchen Spaß erlaubt haben: So erfährt man, dass es sich bei Cookies um gar köstliche Leckerbissen handelt.

Abb. 1: Mit einem einzigen Klick löschen Sie in Firebird alle persönlichen Infos,wie Surfverlauf, gespeicherte Formulardaten und Cookies.

Unter Web-Features schalten Sie Java und Javascript, den Bildfilter sowie Firebirds eingebauten Pop-up-Blocker an und aus. Der Popup-Blocker ist standardmässig aktiviert und zeigt beim Surfen in der Statuszeile unten an, wenn er eines der nervigen Fensterl erwischt hat (siehe Abbildung 2). Manch eine Website setzt Pop-Ups auch sinnvoll ein: In diesem Fall schalten Sie den Schutz für diese Adresse mit einem Klick auf das Icon aus.

Abb. 2: Mit einem blauen Icon in der Statuszeile zeigt Firebird an, dass er gerade ein Popup blockiert hat.

Bei Themes und Erweiterungen führt Sie jeweils ein Link zur Website http://texturizer.net, auf der Sie per Mausklick Ihren Feuervogel tunen: etwa mit einem Werbe-Blocker, Mausgesten oder einen Popup-Counter.

Die Navigationsleiste birgt eine Überraschung. Über Ansicht / Symbolleisten / Anpassen oder mit einem Klick der rechten Maustaste auf die Navigationsleits fördern Sie einen sehr an MacOS X erinnernden Dialog zu Tage (siehe Abbildung 3). Dort konfigurieren Sie per Drag & Drop Navigations- und Bookmark-Leiste ganz nach Ihren Vorstellungen, fügen Aktionen hinzu oder reduzieren sie auf das, was Sie wirklich brauchen.

Abb. 3: Die Symbolleisten konfigurieren Sie in Firebird per Drag & Drop.

Wer häufiger Texte in Webformulare eingibt, kann sich über ein weiteres pfiffiges Feature freuen. Firebird merkt sich die letzten Texte, die der Nutzer in beliebige Input-Felder eingegeben hat. Beim nächsten Formular genügt ein Anfangsbuchstabe und der Browser bietet die gefundenen Vervollständigungsmöglichkeiten in einem Dropdown-Menü an, per Pfeil- und Eingabetaste oder per Mausklick wählt man die passende aus.

Glücklich Surfen

Viele Browser vervollständigen in der Adresszeile eingegebene URLs automatisch. Firebird beherrscht neben dieser Funktion aber noch mehr. Gibt man nur einen Suchbegriff ein und schickt diesen mit [Eingabe] ab, startet er im Hintergrund eine Google-Suche und präsentiert den Treffer Nummer Eins -- gerade so, als hätten Sie bei Google den "I'm feeling lucky"-Button gedrückt. Mit Firebird deutsch landen Sie beispielsweise direkt auf der deutschen Website des Browsers, Zoo München führt korrekt zur Website des Tierparks Hellabrunn. Die Tipperei von kryptischen URLs gehört damit der Vergangenheit an, die richtigen Stichwörter einzugeben reicht völlig.

Wer dann doch eine Suchmaschine konsultieren will, nutzt das in die Werkzeugleiste integrierte Eingabefeld. Mit der Tastenkombination [Strg-K] hüpft der Cursor ins Suchfeld, das eine Suche nach dem eingegebenen Text auf der aktuelle Seite, im Open Directory Project dmoz.org oder Google anbietet.

Wem diese drei Suchmöglichkeiten zu spärlich sind, der findet beim Mycroft-Projekt [4] über 400 Suchplugins, vom Wörterbuch bis zu den Nasdaq Stock Quotes, die sich alle mit einem einzigen Klick installieren lassen (siehe Abbildung 4). (eba)

Abb. 4: Für Firebirds Suchbox gibt es über 400 Plugins.
Bookmarks gemeinsam nutzen.

Wer auf Firebird umsteigt, will auf seine in Mozilla gesammelten Bookmarks natürlich nicht verzichten. Der Bookmark-Transfer zwischen den nah verwandten Browsern gestaltet sich völlig unkompliziert. Öffnen Sie in Mozilla über Bookmarks / Manage Bookmarks den Verwaltungsdialog für die Lesezeichen. Im Menü Tools finden Sie dort den Punkt Export, der einen Speicherndialog öffnet. Sichern Sie die Bookmark-Datei in Ihrem Home-Verzeichnis. In Firebird öffnen Sie ebenfalls den Verwaltungsdialog über Lesezeichen / Lesezeichen-Manager. Unter Datei verbirgt sich Importieren: Suchen Sie die exportierten Mozilla-Bookmark-Datei und klicken Sie auf Öffnen -- und schon füllt sich die Liste mit den neuimportierten Lesezeichen.

Umgekehrt importiert auch Mozilla die Firebird-Bookmarks. Viel praktischer ist es jedoch, gerade wenn man beide Browser verwendet, die Lesezeichen gemeinsam zu nutzen.

Aktivieren Sie dazu im Datei-Manager Konqueror unter Ansicht den Punkt Versteckte Dateien anzeigen und wechseln Sie in das Konfigurationsverzeichnis von Firebird, das noch nach dem früheren Namen mit .phoenix benannt ist. Dort gehen Sie noch zwei Verzeichnisse tiefer, in default und danach in einen mit einer Zufallsfolge benannten Ordner. Hier wählen Sie den Punkt Neu erstellen / Textdatei aus dem Kontextmenü und nennen die neue Datei user.js (Näheres zu dieser Datei in den Mozilla-Tipps auf Seite ##). Öffnen Sie diese nun mit dem Text-Editor Kwrite.

Nun gilt es den Pfad zu Mozillas Lesezeichen herauszufinden: Wechseln Sie mit Konqueror zurück in Ihr Home-Verzeichnis und von dort in den Ordner .mozilla. Die Aufteilung ist hier ganz ähnlich -- ein Verzeichnis default, darunter eins mit einer seltsamen Zeichenfolge. Wechseln Sie in diese Verzeichnisse. Klicken Sie auf bookmarks.html.

In KWrite fügen Sie nun folgende Zeile in Ihre Firebird-user.js ein und ersetzen dabei den Dateipfad (ab /home/eli) durch die dementsprechenden Angaben in der Adresszeile von Konqueror. Tipp: Am schnellsten geht das, indem Sie den Text in der Adresszeile markieren und in KWrite an der Stelle, an der Sie in einfügen wollen, einmal mit der mittleren Maustaste klicken.

user_pref("browser.bookmarks.file",
"/home/eli/.mozilla/default/1jz1eem0.slt/bookmarks.html");

Speichern Sie die user.js, schließen Sie KWrite und starten Sie Firebird neu. Jetzt verwenden Mozilla und Firebird dieselbe Bookmark-Datei: Egal in welchem Browser Sie ein Lesezeichen anlegen -- es erscheint in beiden.

Mozilla und Firebird gleichzeitig betreiben

Versucht man, während Firebird läuft, Mozilla zu starten oder umgekehrt, öffnet sich lediglich ein neues Fenster im schon laufenden Browser. Dies liegt daran, dass beide Browser sich gegenüber dem Skript, das sie startet, als Mozilla ausgeben -- und wenn das Startskript einen laufenden Browser bemerkt, leitet es, um die Ressourcen des Rechners zu schonen, die Anfrage einfach an diesen weiter. Eigentlich ist das auch sinnvoll. Wer trotzdem Mozilla und Firebird gleichzeitig betreiben will, überlistet das Startskript mit einem kleinen Trick. Legen Sie in Mozilla ein eigenes Profil an und starten Sie Mozilla mit mozilla -P profilname.

Infos
[1] Pakete für SuSE-8.2 auf http://www.sjaensch.org/projekte/firebird
[2] Red-Hat-Pakete auf http://dag.wieers.com/packages/mozilla-firebird
[3] http://firebird.stw.uni-duisburg.de/downloads/0.6.1/MozillaFirebird-0.6.1-i686-pc-linux-gnu-deDE.tar.gz
[4] http://mycroft.mozdev.org/download.html

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