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Erschienen in EasyLinux 01/2004   »   Ausgabe bestellen

Fersehen mit Linux und Xawtv

Fernseh-Programm

von Christian Baun


Radioberieselung während der Arbeit ist angenehm. Noch besser ist es, wenn auf dem Desktop das Fersehprogramm mitläuft. TV-Karten kosten weniger als hundert Euro und laufen spitze unter Linux. Die gute Karte

Für den Fernsehempfang unter Linux brauchen Sie die richtige TV-Karte. Eine ganze Reihe Hersteller bietet verschiedene Karten mit unterschiedlichen Funktionen an. Das entscheidende ist der Chipsatz auf der Karte. Hersteller oder Produktbezeichnung sind keine Garantie dafür, dass das gleiche Modell der TV-Karte auch denselben Chipsatz hat, denn die Hersteller wechseln ihn in unregelmäßigen Abständen, ohne das vorher anzukündigen oder zumindest auf der Packung kenntlich zu machen. Deren bevorzugte Kundschaft ist (noch) ausschließlich die Windows-Klientel, und die bemerkt nichts, weil ja der passende Windows-Treiber immer mitgeliefert wird.

Die TV-Karten aus diesem Artikel sind reine Analog-TV-Karten, die wie ein Fersehgerät an eine gewöhnliche Antennenbuchse, den Videorecorder oder an eine analoge Satellitenempfangsanlage angeschlossen werden. Die Frage, wie Sie mit Spezialkarten ein Bild aus Ihrer digitalen Satellitenanlage erhalten, den sogenannten DVB-Karten, wird hier nicht behandelt. Digital-TV ist aber regelmäßiges Thema in der Schwesterzeitschrift Linux User [1].

Wer seine Karte unter Linux benutzen will, muss daher auf den Chipsatz achten, weil die Freiwilligen Helfer der Community nicht für jeden Typ Treiber geschrieben haben [3, 4, 5]. Nur noch wenige Hersteller bauen TV-Karten, deswegen gibt es glücklicherweise nicht mehr viele verschiedene Chipsätze.

Die meistverkauften Karten haben einen Chip des Typs BT848/BT848A/BT849/BT878/BT878A/BT879 von Conexant. Sie werden auch am besten von Linux unterstützt und es ist kein Problem, damit ein Fernsehbild auf den Desktop zu bekommen. Unter anderem folgende Karten haben einen dieser Chips:

Auf den neuen Versionen der Hauppauge-Karten WinTV-Go und WinTV-PCI steckt seit Produktionsdatum März 2003 ein Conexant-881-Chip, der unter Linux noch nicht läuft. Wer schon eine solche Karte hat, kann auf der Homepage von Gerd Knorr [6] nachsehen, wie weit es mit der Unterstützung aktuell ist -- der Entwickler sitzt nämlich schon dran. Wer noch keine Karte hat, sollte von Modellen mit diesem Chipsatz zumindest vorläufig die Finger lassen, und sich eine andere aussuchen.

Abb. 1: Die Pinnacle PC TV Pro mit BT878-Chipsatz kostet weniger als hundert Euro.

Seltener sind Karten mit den Philips-Chips SAA7130/34. Auch die laufen mit relativ geringem Aufwand [4, 5]. Beispiele sind die Karten:

Haben Sie eine unterstützte Karte, ist das schon die halbe Miete, denn das passende Programm ist bei Ihrem Linux dabei. Den TV-Player Xawtv gibt es auf SuSE 8.2 und 9.0, auf Red Hat 8.0 und 9.0. Einrichten der Karte

Die Hardware-Erkennung unter SuSE Linux funktioniert zuverlässig: Haben Sie die (unterstützte) Karte in einen freien PCI-Steckplatz gesetzt und den Rechner neu gestartet, meldet sich der Hardware-Konfigurationsassistenz, der die Karte, sofern bekannt, sogleich konfiguriert. YaST fragt an, ob der TV-Player in einem Aufwasch mit konfiguriert werden soll. Haben Sie Karte und TV-Buchse bereits verkabelt, können Sie fortfahren, sonst können Sie die Konfiguration jederzeit nachholen.

Die Hardware-Erkennung von RedHat funktioniert bekanntermaßen ebenfalls gut: Das in der Standardkonfiguration enthaltene Paket Video4Linux erkennt nach einem Neustart die frisch eingebaute (unterstützte) TV-Karte, und lädt den passenden Treiber.

Abb. 2: Die PCI-Steckkarte wird einfach in einen freien Slot eingesteckt.

Wird die Karte nicht automatisch erkannt, starten Sie das YaST-Control Centerunter SuSE Linux 9.0 mit K-Menü / System / Yast und klicken unter Hardware auf die TV-Karte (Abbildung neu_1). Wird Ihre TV-Karte nicht erkannt, können Sie versuchen, sie per Hand aus einer Liste auszuwählen, nachdem Sie bei den Verfügbaren auf den Button Konfigurieren... geklickt haben.

Verbinden Sie den Antenneneingang der TV-Karte und die TV-Buchse mit einem gewöhnlichen Koaxialkabel, mit dem Sie auch ein Fersehgerät an die Buchse anschließen würden.

Abb. 3: Die Anschlüsse von links nach rechts: Radio-Eingang, TV-Eingang, Sound-Ausgang, Buchsen für Composite- und S-Video.

Weil das Durchschleifen des Audiosignals von der TV-Karte zur Soundkarte des PC intern nicht funktioniert, verbinden Sie den Audio-Ausgang der TV-Karte mit dem Line-In-Eingang der Soundkarte. Den handelsüblichen TV-Karten liegt dafür ein kurzes Verbindungskabel bei. Hat Ihr PC keine Soundkarte, können Sie die Lautsprecher natürlich auch direkt an die TV-Karte anschließen.

Abb. 4: Ein mitgeliefertes Verbindungskabel schleift den Sound von der TV-Karte auf den Eingang der Soundkarte durch.

Xawtv ist das Urgestein der Linux-TV-Programme und dennoch -- oder gerade deswegen -- leistungsfähig, schlank und stabil. Eigentlich ist es ein ganze Kiste voll nützlicher Werkzeuge. Das Hauptprogramm und der Namensgeber ist der TV-Player [2].

Sollte das Paket auf Ihrem System nicht bereits mit der Standard-Installation eingerichtet sein, spielen Sie es von den Original-Datenträgern ein. Installieren unter Red Hat:

Starten Sie redhat-config-packages über K-Menü / Systemeinstellungen / Hinzufügen/Entfernen von Applikationen (Red Hat 8.0: K-Menü / Systemeinstellungen / Paketeund geben Sie das Administrator-Passwort an. Im Fenster Paket-Management unter der Sparte Sound und Video die Pakete kdemultimedia und xawtv aus. Installieren unter SuSE:

Starten Sie das Konfigurationsprogramm über K-Menü / System / Yast und dort im Control Center in der Rubrik Software das Symbol für Software installieren oder löschen.

Abb. 5: Dank Yast ist die Installation unter SuSE ganz einfach.

In der Paketauswahl suchen Sie nach dem Paket xawtv, markieren es zur Installation und achten darauf, dass die Checkbox für das automatische Auflösen der Paketabhängigkeiten ganz unten akiviert ist. Konfigurieren

Beim ersten Start von Xawtv, aus dem Menü heraus oder über den Kommandozeilenbefehl

xawtv

begrüßt Sie die Standard-Startmeldung (Abbildung 6). Hier erfahren Sie, dass Sie mit einem Klick mit der rechten Maustaste auf das Xawtv-Fenster das Optionen-Menü (Abbildung 9) erreichen können und dass Sie mit den Cursortasten [Pfeil-nach-oben] und [Pfeil-nach-unten] die Kanäle wechseln können. Die Pfeiltasten Links und Rechts dienen deren Feintuning.

Abb. 6: Der Willkommensbildschirm von Xawtv.

Im Hintergrund läuft schon das Fernsehbild im Hauptfenster, allerdings noch als bekanntes Bildrauschen, denn die Kanäle sind noch nicht eingestellt.

Abb. 7: Xawtv startet zunächst als kleines Fenster im Hintergrund.

Abb. 8: Das Hauptfenster von Xawtv mit empfangenem Bild.

Öffnen Sie das Optionen-Menü, erfahren Sie am rechten Rand, mit welchen Shortcuts Sie das Programm bedienen können: Mit der Taste F schalten Sie beispielsweise in den Vollbild-Modus und mit E erreichen Sie den Kanal-Editor.

Sollten die entsprechenden Voreinstellungen für TV Norm und Video Source noch nicht passend eingestellt sein, klicken Sie auf die entsprechende Zeile, und wählen Sie aus den aufklappenden Menüs die richtigen Einträge aus:PAL und Television. Der audio mode sollte bei einer entsprehchenden Karte auf stereo lauten, die Frequency table ist europe-west und der capture-Modus overlay.

Die Programme, also die Liste der fest zugeordneten Kanäle erreichen Sie über einen Klick ins Hauptfenster. Da Xawtv leider (noch) über keinen automatischen Sendersuchlauf verfügt, müssen Sie ihre Kanal-Liste selbst zusammenstellen.

Im Kanal-Editor können Sie den Aktuellen ihrer Liste hinzufügen und benennen. Haben Sie erst einmal ein paar Einträge, können Sie bequem mit der linken Maustaste "durchzappen".

Abb. 9: Das Optionen-Menü von Xawtv.

Sie können mit Xawtv auch Bilder aus dem Fernsehprogramms in den Formaten JPEG oder PPM "schießen". Der Shortcut dafür ist J (JPEG) bzw.G (PPM). Filme im AVI-Format schneiden Sie mit R mit -- sozusagen ein eingebauter Videorekorder.

Im Menü Video source können Sie die Videoquelle auswählen, die angezeigt werden soll. Hier können Sie zum Beispiel das Video-Signal einer angeschlossenen WebCam oder einer Videokamera in das Xawtv-Fenster leiten. In der Voreinstellung ist die TV-Karte ausgewählt.

Ist Ihnen der "Bildschirm" zu klein, ziehen Sie ihn wie jedes andere Fenster auf, indem Sie es an einer Ecke mit der Maus "anfassen". Das Fernsehbild wächst mit, ohne dass die Übertragung abbricht. Natürlich sinkt die Bildqualität mit der Größe, aber das ist reine Abwägung. Und wenn das Fernsehfenster klein bleibt, stört es auch weniger bei der Arbeit. Unbeeindruckt von der Bildschirmgröße zeigt sich allerdings die GEZ, die Gebühreneinzugszentrale für Rundfunkgebühren: Weil die TV-Karte aus dem PC ein Empfangsgerät macht, will sie dafür Geld haben. Jedenfalls, wenn es sich nicht um ein privates Zweitgerät handelt. Naja, Fernsehen bei der Arbeit lenkt eh zu sehr ab. (fan)

Infos
[1] zuletzt: LinuxUser 08/2003: http://www.linux-user.de/ausgabe/2003/08/
[2] Xawtv-Homepage: http://bytesex.org/xawtv/index.html
[3] Treiber für Bt848/849 und Bt878/879:http://bytesex.org/bttv/
[4] Treiber für SAA7134: http://bytesex.org/saa7134/
[5] Treiber für SAA7146: http://www.gdv.uni-hannover.de/~hunold1/linux/
[6] Der Treiber für TV-Karten mit CX2388x: http://bytesex.org/cx88/

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