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von Fred Andresen und Andrea Müller
Er hat etwa das Format einer Zigarettenschachtel, einer mit den langen "Damenzigaretten" -- vielleicht etwas flacher, dafür schwerer: genau 162 Gramm ohne MP3-Files. Wenn auch das Format dem Apple iPod ähnelt, das Design tut es nicht. Wo der eine strahlend weiß mit dem Plastik-Charme eines New Beetle daherkommt, wirkt der andere eher konservativ gediegen, mit einer grau-braunen Zweifarb-Metalliclackierung und vielen polierten Chromflächen: Typ britischer Roadster, Top im Tweedsakko, doch stets mit Fingerabdrücken.
Die Bedienelemente sind die üblichen Kleinknöpfe an den Schmalseiten und ein hervorstehender größerer Knopf mitten auf der Vorderseite mit Joystick-Funktion. Der gestattet bequeme Ein-Hand-Bedienung, steht aber immer heraus und im Weg. Doch das ist kein Problem, denn dafür gibt es den Hold-Schieber, der alle Bedienelemente abschaltet. Die Fernbedienung hat übrigens einen eigenen; das heißt, auch wenn der iRiver selbst "unempfindlich" geschaltet ist, bleibt er remote zu steuern -- mit allen Funktionen.
Die Fernbedienung ähnelt denn auch eher einem Enterprise-Tricorder: eine Befestigungsklemme auf der Rückseite, ein Chromlogo unten und sonst nur Knöpfe, Tasten und ein Display, ebenso blau hintergrundbeleuchtet wie das des Players und mit den gleichen Infos. Die Fernbedienung wird zwischen iRiver und Kopfhörer angeschlossen, kann aber auch weggelassen werden; dann steckt der Kopfhörer direkt im Player.
Der hat einen eingebauten Lithium-Polymer-Akku, modernste Bauart mit 1300 mAh, gut für sechzehn Stunden Musik -- das sagt der Hersteller, der auch angibt, dass das Gerät MP3s, ASF-, WMA- und WAV-Dateien abspielen kann -- und eben auch OGG. Dafür hat iRiver den Player mit einer neuen Firmware ausgestattet, die es auf seiner Homepage [1] auch für das Vorgängermodell (10 GB) zum Download gibt. Die Firmware der iRiver-iHP-Modelle lässt sich updaten. Das Gerät ist eigentlich das ideale Mobilspielzeug für jeden Computer-Nutzer, eine mobile Festplatte mit eingebautem Mediaplayer. Es gibt Line- und optische Ein- und Ausgänge und eine USB-2-Buchse für den Datentransfer. Ach ja: Ein Radio ist auch noch eingebaut.
In der Box, die uns LinuxLand [2] geliefert hat, finden sich außer Player und Fernbedienung ein Netzgerät, eine Gürteltasche, ein Paar Ohrhörer und jede Menge Kabel: Adapterkabel, um Kopfhörer ans Gerät und dieses an ein paar Lautsprecher anschließen zu können sowie ein USB-Verbindungskabel, damit iRiver und PC zusammenfinden.
Schnell ist das Ding eingesteckt, und während das iRiver-display frohgemut "connected USB 1.1/2.0 Connection" anzeigt, informiert das zu diesem Testzweck auf dem PC mitlaufende /var/log/messages darüber, dass soeben eine Festplatte von Toshiba, Typ MK2004GAL, in der SCSI-Emulation angeschlossen wurde, auf die man nunmehr über /dev/sda zugreifen kann. Das USB-Mass-Storage Modul wurde entsprechend der Erkennung nachgeladen. Das heißt, für Linux ist der iRiver eine ganz normale Festplatte, die das Betriebssystem und damit der Benutzer nach Belieben lesen und beschreiben kann.
Wer 500 Euro ausgibt, will nicht nur einen -- zugegeben beeindruckenden -- Musik-Player, schon gar nicht, wenn eine 20-GB-Platte drin ist. Selbstverständlich soll das Ding auch als mobiler Datentank herhalten. Laut Handbuch ist das kein Problem, aber die Anleitung verläuft sich zwischen Laufwerksbuchstaben wie C:\, den mitgelieferten Programmen, die merkwürdigerweise stets auf .exe enden, und diesem "Windows", das immer wieder auftaucht. Zum Glück hört das oberste Verzeichnis des Players, wie das Display offenbart, auf ROOT, und man fühlt sich schon mal heimisch.
Zuoberst liegen ein Verzeichnis record und ein Musterlied, "iRiver, Catch the digital flow!.mp3". Wie schön, ein Lied! Später. Zuerst sehen, was in record los ist: Aha, zwei weitere Verzeichnisse, audio und voice. Beide sind leer. Klar, es ist ja ein Neugerät.
Unter SuSE Linux (8.2 und 9.0) erscheint auch gleich ein neues Festplattensymbol auf dem Desktop, wenn der (angeschaltete) Player an den USB-Port angeschlossen wird. Die "Festplatte" kann durch Klick von jedem Benutzer gemountet werden und steht dann wie jede andere Partition zur Verfügung. Da der Filemanager Konqueror gleich mit aufgeht, sind auch alle beiden Soundfiles zu sehen, gleich mit den passenden Audio-Symbolen versehen. Ein Klick reicht, schon tönt es aus den Lautsprechern, MP3-Dateien werden mit xmms abgespielt, OGGs mit dem KMplayer. Dateien und Verzeichnisse lassen sich per Drag & Drop verschieben oder kopieren
Unter Red Hat Linux 8.0 tut sich erst mal gar nichts, wenn man den iRiver ansteckt. Zumindest wird, wie /var/log/messages zeigt, das passende Kernel-Modul geladen, so dass man die Platte ansprechen und "von Hand" mounten kann. Die einzelnen Schritte sind für alle USB-Speichergeräte im Grunde dieselben (siehe Kasten "Handarbeit gefragt -- iRiver und Red Hat").
Also zuerst mal den xmms angeschmissen und ins MP3 reingehört. Klingt schrecklich, aber gut: Guter Sound, nur das Lied ist so was wie Scooter für Arme. (Wer nicht weiß, wer Scooter ist, dem wird der Song erst recht nicht gefallen.) Aber das Stück zeigt, was der Player kann. Dann wollen wir mal sehen, was der Player an Klängen produziert.
Solange das Gerät an den PC angeschlossen ist, geht mit den Bedienelementen am Player nichts -- weder am Gerät, noch an der Fernbedienung. Erst disconnected ist der iRiver entsperrt. Der mitgelieferte "Digital-Flow"-Song kommt in augezeichneter Qualität, jedenfalls für die enthaltenen Ohrstöpsel. Das Lied ist aber auch mit einer 320K-Bitrate kodiert, also eher besser als der Durchschnitt. Der gute Eindruck bleibt auch, nachdem die Kopfhörer gegen ein paar Aktivboxen der 50-Euro-Klasse ausgetauscht werden. Freilich wird ein audiophiler Hörgeräteakustiker doch noch ein Haar in der Suppe finden, aber wer den totalen Hörgenuss sucht, fühlt sich außerhalb eines Orchestergrabens ohnehin deplatziert.
Wie inzwischen üblich, lässt sich -- auch per Fernbedienung -- zwischen verschiedenen Wiedergabemodi wechseln. Classic, Rock, Jazz oder TruBass sind nur einige Beispiele. Also gut, das Ding ist ein hervorragender MP3-Player, der alles kann, was man von einem Gerät dieser -- schwindelerregenden -- Preisklasse erwarten kann, aber hier geht es natürlich um mehr. Zunächst einmal geht es um das -- bisherige -- Alleinstellungsmerkmal: Schon im Lieferzustand kann dieser Player Musikdateien im freien OGG-Vorbis-Format, kurz OGG-Dateien, abspielen. Wer schon beim Betriebssystem die freie Version schätzt und keine Monopolisten mag, dem geht auch beim Sound-Format die Freiheit über alles. Ob die Angst berechtigt ist, dass das Fraunhofer-Institut wirklich eines Tages MP3-Songs verhindert, einschränkt oder teuer macht, sei dahingestellt. Zumindest kann das OGG-Hörern dann egal sein, denn dieses Format gilt als patentfrei.
Auf der Notebook-Platte liegt noch ein OGG-Lied, das eine Freundin überlassen hat, also flugs die Jukebox mounten und rauf damit. Gerät unmounted und abgestöpselt und die Play-Taste gedrückt. Los gehts schon wieder mit Scooter, nein, halt, nicht das! Ein Tastendruck an der Fernbedienung, mehr intuitiv als wissend, und schon erscheint auf dem Display -- auch auf dem der Fernbedienung -- der Titel der OGG-Datei: "Tell-her-about-it.ogg" Schon eher was für uns, die wir uns noch an den letzten Papst erinnern können. Eine Frage im Kopf, zehntelsekundenlang: Wird es klappen? Hört man was? Dann Erleichterung, breites Grinsen, Wiegen zur Musik. Zwei unterschiedliche Formate in einem Verzeichnis, dem Player egal, er spielt beide. Hin und her. Freiheit. Klasse.
Das Gerät hat eine USB-2.0-Schnittstelle, damit sich die 20 GB auch in akzeptabler Zeit beschicken lassen. Zur Probe mal 1,2 GB MP3s mit dem alten USB (1.1) überspielen hat eine geschlagene halbe Stunde gedauert; wenn man das auf die ganze Festplatte hochrechnet, kann man schon mal einen Ruhetag einplanen. Mit USB 2 dauert das Gleiche weniger als drei Minuten. Perfekt wäre nur noch eine zusätzliche Firewire-Schnittstelle, aber man kanns ja nie allen recht machen. (fan/hge)
| Handarbeit gefragt -- iRiver und Red Hat |
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Unter Red Hat Linux müssen Sie den Zugriff auf USB-Speichergeräte manuell konfigurieren, damit alle Nutzer Ihres Systems auf den neuen Datenträger zugreifen können.
Neben Ihrer Festplatte wird dort auch der iRiver als SCSI-Platte aufgelistet (Abbildung 1). In unserem Beispiel wird das Gerät als /dev/sda1 angesprochen, die 1 steht dabei für die erste (und einzige) Partition der 20-GB-Platte. Falls Sie schon ein anderes SCSI-Gerät eingebaut haben, wird Linux den Player als sdb1 ansprechen. Sind Sie nicht sicher, welches Gerät die Jukebox ist, hilft ein Blick in die Spalte Size (MB) (Größe (MB) unter Red Hat Linux 9), die die Speicherkapazität Ihrer Datenträger anzeigt. Merken Sie sich den Gerätenamen und schließen Sie den Hardware Browser.
Damit nun alle Benutzer Ihres Systems auf das Gerät zugreifen dürfen, fehlt nur noch ein Eintrag in der Datei /etc/fstab.
/dev/sda1 /mnt/usb1 auto users,umask=0,noauto 0 0
Auch ein Desktop-Icon für KDE ist schnell angelegt. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine freie Stelle des Desktops und wählen Sie Neu erstellen / Festplatte. Geben Sie auf der Registerkarte Allgemein als Name usb1 ein und auf dem Reiter Gerät wählen Sie /dev/sda1 aus dem Dropdown-Menü. Legen Sie dort auch ein anderes Symbol für nicht eingebundene Laufwerke fest, damit Sie nicht versehentlich vergessen, den USB-Stick vor dem Trennen vom Rechner aus dem Dateisystem auszuhängen. In Zukunft mounten Sie das Gerät mit einem Doppelklick und öffnen den Konqueror im passenden Verzeichnis. Mit dem Punkt Laufwerkseinbindung lösen des Kontextmenüs entkoppeln Sie den Stick aus Ihrem Dateisystem. Abb. 1: Der Hardware Browser zeigt das USB-Speichermodul als Festplatte /dev/sda an. |
| Infos |
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[1] iRiver-Homepage: http://www.iriveramerica.com/support/iHP-100_support.asp
[2] LinuxLand International: http://www.linuxland.de/katalog/18_hardware/iriverihp120/framify |
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Last modified: 2007-01-25 16:52
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