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von Andrea Müller
Das in Heft 11/2003 vorgestellte Programm WinSCP [1] ist praktisch, solange man an einem Windows-Rechner arbeitet. Will man von Linux aus mit Windows-Systemen Dateien austauschen, nutzt eine SSH-Verbindung nichts, da unter Windows kein entsprechender Server läuft. Linux ist jedoch der Kosmopolit unter den Betriebssystemen und spricht mit Windows-Rechnern auf Wunsch die Sprache, die sie verstehen.
Windows-Netzwerke geben Verzeichnisse über das so genannte Server Message Block-Protokoll (SMB) frei. Andere Windows-Rechner greifen mit dem Explorer auf die im Netzwerk freigegebenen Verzeichnisse zu. Dank des Programms Samba "spricht" auch Linux SMB und gliedert sich so nahtlos ins Windows-Netzwerk ein. Samba kann als (freigebender) Server oder (zugreifender) Client fungieren. In diesem Artikel geht es nur um die Client-Konfiguration, er erklärt also, wie Sie von Linux aus Windows-Freigaben nutzen.
Vor dem Datenaustausch muss auch Samba eingerichtet werden. Voraussetzung ist, dass die beteiligten Rechner über ein Netzwerk verbunden sind. Wie so ein Netzwerk unter Windows als auch unter Linux eingerichtet werden muss, ist unter [1] beschrieben. Haben Sie eine funktionierende Netzwerkverbindung, geben Sie ein erstes Verzeichnis unter Windows frei. Generell sollten Sie darauf verzichten, das Systemlaufwerk c: freizugeben. Es ist sicherer, nur ein extra dafür vorgesehenes Verzeichnis zum Datenaustausch zu nutzen. Wenn Sie unter Windows Verzeichnisse freigeben, sollten Sie sich regelmäßig bei Microsoft schlau machen, ob es neue Sicherheits-Patches für die jeweilige Version gibt. Unter Windows 95, für das Microsoft keine Sicherheitsupdates mehr herausgibt, sollten Sie nur dann Freigaben einrichten, wenn das System keinen Internetzugang hat: Sofern Sie den Benutzern in Ihrem Heimnetzwerk vertrauen können, gehen Sie kein Risiko ein. Ein Verzeichnis ist unter Windows schnell freigegeben.

Bevor Sie Verzeichnisse im Netzwerk freigeben, kontrollieren Sie, ob Windows die Dateifreigabe nicht an die Schnittstelle gebunden hat, mit der Sie sich ins Internet verbinden. Das wäre ein Sicherheitsrisiko, weil Sie dann Ihre Verzeichnisse der ganzen Welt zur Verfügung stellen. Die Schnittstelle für die Internet-Verbindung ist unter Windows der DFÜ-Adapter. Öffnen Sie erneut das Systemsteuerungsmodul zur Netzwerkkonfiguration und klicken Sie im oberen Fenster der Registerkarte Konfiguration auf den Eintrag TCP/IP -> DFÜ-Adapter. Mit der Schaltfläche Eigenschaften gelangen Sie zu einem weiteren Dialogfenster. Wählen Sie die Registerkarte Bindungen. Falls dort ein Häkchen vor Datei- und Druckerfreigabe für Microsoft-Netzwerke steht, entfernen Sie es. Mit dem Ok-Button bestätigen Sie Ihre Änderung. Sobald Sie die Netzwerkkonfiguration mit der Schaltfläche Ok verlassen, verlangt Windows einen weiteren Neustart.
Jetzt müssen Sie nur noch ein Verzeichnis freigeben.

Windows 2000 installiert die Datei- und Druckerfreigabe bei einer Standardinstallation automatisch. Kontrollieren Sie nur, ob sie bei Ihnen eventuell deaktiviert ist. Öffnen Sie dazu die Netzwerkkonfiguration über Start / Einstellungen / Systemsteuerung / Netzwerk. Wählen Sie dort aus dem Kontextmenü Ihrer Netzwerkkarte Eigenschaften und überprüfen Sie, ob ein Häkchen vor Datei- und Druckerfreigabe für Microsoft-Netzwerke gesetzt ist.
Um ein Verzeichnis freizugeben, klicken Sie es im Explorer mit der rechten Maustaste an und öffnen das Menü Eigenschaften. Auf dem Registerreiter Freigaben aktivieren Sie die Option Diesen Ordner freigeben. Geben Sie der neuen Freigabe einen Namen und tragen Sie eventuell noch einen Kommentar ein. Mit Ok schließen Sie die Aktion ab. Wundern Sie sich nicht, kein Passwort für den Zugriff festlegen zu können: Windows 2000 regelt den Zugriff auf Freigaben über die Benutzerverwaltung. Um später von Linux aus darauf zugreifen zu können, müssen Sie sich gesondert mit einem Benutzernamen und -passwort Ihres Windows-2000-Systems anmelden. Ob und wie Sie auf die Freigabe zugreifen können, hängt davon ab, welche Rechte der Windows-2000-Benutzer hat, unter dessen Namen Sie das tun. Feineinstellungen erfolgen über Berechtigungen vor. Der Berechtigungsdialog sieht ähnlich aus wie der, über den Sie die Dateisystem-Rechte konfigurieren (Abbildung 2).
Auch Windows XP hat mit der Standardinstallation die Datei- und Druckerfreigabe automatisch erteilt. Kontrollieren Sie das in der Systemsteuerung unter dem Punkt Netzwerkverbindungen. Wählen Sie aus dem Kontextmenü der LAN-Verbindung die Eigenschaften und überprüfen Sie, ob die Datei- und Druckerfreigabe für Microsoft-Netzwerke angekreuzt ist (Abbildung 3).
Verzeichnisse geben Sie im Explorer frei, den Sie über Start / Programme / Zubehör / Windows Explorer öffnen. Navigieren Sie zu dem Ordner, der freigegeben werden soll und wählen Sie aus dessen Kontextmenü die Freigaben. Setzen Sie dort ein Häkchen vor Diesen Ordner im Netzwerk freigeben und tragen Sie hinter Freigabename eine Bezeichnung ein. Wenn Sie das Feld leer lassen, setzt Windows XP hier automatisch den Ordnernamen ein. Bestimmen Sie, ob Sie das Verzeichnis zum Lesen und Schreiben (Netzwerkbenutzer dürfen Dateien verändern) oder lieber schreibgeschützt freigeben wollen. Schließen Sie danach das Fenster mit einem Klick auf Ok.
Anders als bei Windows 2000 gibt es bei Windows XP standardmäßig keine Möglichkeit, die Berechtigungen feiner zu justieren, Das liegt daran, dass Windows XP alle Zugriffe über das Netzwerk auf das deaktivierte Gast-Konto umleitet. Egal, welchen Benutzernamen Sie angeben, angemeldet wird immer nur der Benutzer Gast. Da der Gast-Account sich lokal nicht einloggen kann, ist mit dieser Einstellung auch kein Zugriff auf die standardmäßig aktivierten administrativen Freigaben des Windows-XP-Systems möglich. Diese neue Regelung dient der Sicherheit des Systems, da der unprivilegierte Gast-Nutzer keinen größeren Schaden anrichten kann. Der einzige Nachteil ist, dass Sie eine "Alles-oder-Nichts"-Entscheidung treffen. Entweder jeder darf schreiben, oder niemand.
Unter Windows XP Professional können Sie das Verhalten von Windows 2000 auf Wunsch wieder aktivieren. Entweder nutzen Sie dafür den Sicherheitsrichtlinieneditor in der Computerverwaltung der Systemsteuerung oder den Windows-Explorer. Wählen Sie den Punkt Ordneroptionen aus dem Menü Extras und wechseln Sie zum Register Ansicht. Entfernen Sie dort das Häkchen vor Einfache Freigabe verwenden (empfohlen). Danach haben Sie dieselben Möglichkeiten, wie im Freigaben-Dialog von Windows 2000.
Bei der Windows XP Home Edition sieht Microsoft keine Umstellung des Standard-Verhaltens vor.
Um auf Freigaben zuzugreifen, müssen Sie zwei Dinge über Ihren Windows-Rechner wissen: Die Arbeitsgruppe und den Rechnernamen. Diese Daten haben Sie entweder bei der Installation selbst festgelegt oder der Hersteller Ihres Rechners hat das erledigt. Unter Windows 95/98/ME erfahren Sie diese Daten aus dem Modul Netzwerk der Systemsteuerung. Rechnername und Arbeitsgruppe stehen auf dem Registerreiter Identifikation (Abbildung 4).
Arbeiten Sie mit Windows 2000 oder XP, finden Sie Rechnername und Arbeitsgruppe über den Kontextmenüpunkt Eigenschaften des Arbeitsplatz-Icons. Dort stehen die Informationen auf dem Registerreiter Computername. Verwechseln Sie den Rechnernamen nicht mit dem Host-Namen, den Sie eventuell in der hosts-Datei eingetragen haben. Um Verwirrung vorzubeugen, ist es zwar wünschenswert, dass Rechner- und Host-Name identisch sind -- zwingend notwendig ist das jedoch nicht. Denn der für den Zugriff auf Freigaben verwendete Rechnername, der sogenannte NetBIOS-Name des Rechners, wird nur zum Datentausch per Samba/SMB benötigt.
Wer SuSE Linux benutzt, greift mit dem Konqueror auf Windows-Freigaben zu. Anwender von SuSE Linux 8.2 müssen zunächst einige Pakete nachinstallieren, damit das funktioniert.
Der Zugriff auf einen freigegebenen Ordner ist jetzt kinderleicht. Unter SuSE Linux 8.2 starten Sie den Konqueror und geben in der Adresszeile smb:/Arbeitsgruppe/Rechnername ein. Wer Version 9.0 der Distribution verwendet, klickt einfach auf das Icon Lokales Netzwerk auf dem Desktop. Schon zeigt Konqueror die freigegebenen Verzeichnisse wie lokale Ordner an (Abbildung 5). Braucht es ein Passwort oder ist es ein Windows-2000-Rechner, blendet der Konqueror ein Dialogfeld für Benutzername und Passwort ein (Abbildung 6). Für den Zugriff auf Windows 95/98/ME können Sie das Feld Benutzername leer lassen. SuSE-8.2-Anwender sollten jedoch zumindest einen Punkt dort eintragen, da deren Konqueror sonst das Passwort als Benutzername überträgt. Das kann dann jeder vom Windows-Rechner aus mit dem Netzwerkmonitor im Klartext lesen (Abbildung 7).

Am schnellsten geht der Datenaustausch, wenn Sie über Dokument / Neues Fenster eine weitere Konqueror-Instanz starten und die Dateien per Drag & Drop hin- und herkopieren.
Anwender von Red Hat Linux können den Konqueror nicht verwenden, da das Programm dort fehlerhaft ist. Es zeigt zwar die freigegebenen Verzeichnisse an, bei dem Versuch hineinzuwechseln hängt es sich jedoch in einer Ladeschleife auf. Benutzen Sie statt dessen Nautilus, der dieses Problem nicht kennt.
Zunächst gilt es, die Pakete samba-common und samba-client nachzuinstallieren. Starten Sie dazu den Paket-Manager über Systemeinstellungen / Pakete (Systemeinstellungen / Hinzufügen/Entfernen von Applikationen bei Red Hat 9.0) und setzen Sie ein Häkchen vor die Anwendungsgruppe Systemtools. Mit dem Button Aktualisierung spielen Sie die Software ein.
Wer GNOME als Desktop verwendet, startet Nautilus über das Icon Persönliches Verzeichnis von benutzername auf dem Desktop. Arbeiten Sie mit KDE, öffnen Sie über [Alt-F2] ein Schnellstartfenster und geben dort nautilus --no-desktop ein. Die Option --no-desktop ist wichtig, da Nautilus sonst einen GNOME-Desktop über Ihre KDE-Arbeitsfläche stülpt.
Sobald Sie smb: in der Nautilus-Adresszeile eingeben, zeigt der Datei-Manager die gefundene Arbeitsgruppe an. Ein Doppelklick darauf zeigt alle vernetzten Windows-Rechner, die Freigaben anbieten (Abbildung 8). Ein weiterer Doppelklick auf einen dieser Rechner blendet alle seine freigegebenen Verzeichnisse ein. Wechseln Sie in ein passwortgeschütztes Verzeichnis, verlangt Nautilus Benutzername und Passwort. Bei Windows 2000 ist die Eingabe eines Benutzernamens Pflicht, unter Windows 95/98/ME und XP kann das Feld leer bleiben. Mit den freigegebenen Ordner arbeiten Sie wie mit lokalen Verzeichnissen: Sie können Dateien löschen, kopieren, verschieben und neue Ordner anlegen. Mit einem zweiten geöffneten Nautilus- Fenster (Datei / Neues Fenster) geht das ebenfalls komfortabel per Drag & Drop.
Mandrake Linux 9.2 kann ebenfalls nicht mit dem Konqueror auf Freigaben zugreifen. Der zeigt zwar die einzelnen Dateien an, scheitert aber, sobald es ans Kopieren geht. Auch Mandrake-Nutzer greifen daher besser zu Nautilus. Der GNOME-Dateimanager gehört nicht zur Standardkonfiguration, muss also nachinstalliert werden.
Starten Sie Nautilus über ein Schnellstartfenster ([Alt-F2]), in das Sie nautilus --no-desktop eingeben (damit auch unter Mandrake nicht der GNOME-Desktop über ihr KDE gestülpt wird). Der Zugriff auf Windows-Freigaben funktioniert wie unter Red Hat Linux. Geben Sie in der Adresszeile smb: ein und Nautilus zeigt die Arbeitsgruppe im lokalen Netz an. Alternativ tippen Sie network: in die Adresszeile. Klicken Sie dort doppelt auf Netzwerkumgebung, damit Nautilus die Arbeitsgruppe einblendet. Mit dem weiteren Doppelklick auf die Arbeitsgruppe erreichen Sie ein Fenster mit allen Rechnern, die über freigegebene Verzeichnisse verfügen. Der Doppelklick auf einen Rechner führt zu seinen Freigaben (Abbildung 9). Öffnen Sie über Datei / Neues Fenster öffnen ein zweites Nautilus-Fenster, um Dateien per Drag & Drop hin- und herzukopieren. In den freigegebenen Ordnern lassen sich Dateien löschen oder neue Unterverzeichnisse anlegen.
Falls eine Identifizierung erfoderlich ist, blendet Nautilus ein Dialogfeld für Benutzername und Passwort ein. Tragen Sie als Benutzername auch dann etwas ein, wenn Sie auf Windows 95/98/ME oder XP zugreifen. Die neue Nautilus-Version akzeptiert kein leeres Feld und blendet den Dialog immer wieder ein, obwohl sie im Nautilus-Fenster darunter schon die Dateien der passwortgeschützten Freigabe anzeigt (Abbildung 10).
Manchmal schleicht sich der Fehlerteufel ein, und wenn ein grafisches Programm nicht richtig funktioniert, steckt man doppelt in der Klemme. Die Fehlermeldungen der grafischen Samba-Frontends sagen nicht viel aus und führen im schlimmsten Fall in die Irre. Dann erkennen Sie nicht, ob die Netzwerkkonfiguration fehlerhaft ist oder nur das verwendete Frontend. U Fehlern auf den Grund zu gehen und einem Support-Mitarbeiter brauchbare Angaben liefern zu können, ist es wichtig einige Kommandozeilenbefehle für den Zugriff auf Windows-Freigaben zu kennen. Kasten 1 erklärt die essenziellen Kommandos. (fan)
| Kasten 1: Kurzreferenz für die Kommandozeile |
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Das Programm, auf dem auch die grafischen Anwendungen aufsetzen, heißt smbclient. Um zu testen, ob der Zugriff auf Freigaben prinzipiell funktioniert müssen Sie nur einige wenige Befehle kennen. Mit smbclient -L rechnername -U benutzername zeigen Sie alle Freigaben (-L für Liste) auf rechnername an. Hinter -U folgt Ihr Benutzername auf dem Windows-Rechner. Greifen Sie auf Windows 95/98/ME oder XP in der Standardkonfiguration zu, lassen Sie das -U benutzername einfach weg. smbclient fragt Sie nach dem Passwort (drücken Sie [Enter], wenn Sie keins benötigen) und stellt eine Freigabenübersicht dar. Ob der Datenaustausch klappt, testen Sie mit dem Kommando smbclient //rechnername/freigabename -U benutzername. Auch hier lassen Sie das -U benutzername weg, wenn das Gegenüber ein Windows 95/98/ME oder ein XP ist. Danach finden Sie sich in einer sambaclient-Kommandozeile im Verzeichnis freigabename auf dem Computer rechnername wieder. Die Befehle dort sind fast genau so, wie bei dem Kommandozeilen-FTP-Programm von Windows. Geben Sie dir ein, um eine Liste aller Dateien in dem freigegebenen Ordner zu sehen. Mit put ~/bild.png legen Sie die Datei bild.png aus Ihrem home-Verzeichnis unter Linux in den Windows-Ordner. Das Herunterladen von Dateien funktioniert mit get. Eine get document.doc kopiert document.doc in das Verzeichnis, aus dem Sie smbclient aufgerufen haben. Die smbclient-Shell verlassen Sie mit dem Befehl exit. (fan) |
| Infos |
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[1] Heike Jurzik: "Richtig verbunden", EasyLinux 11/1003, S. 18
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Last modified: 2007-01-25 16:55
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