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von Hans-Georg Eßer
Mit dem Begriff des Cross-Updates fängt es schon an: Er ist verwirrend, weil der Wechsel auf eine andere Distribution gar kein Update ist.
Anders als beim Aktualisieren einer Linux-Distribution auf die neueste Version des gleichen Herstellers, ist beim Umstieg keine Möglichkeit vorgesehen, die Einstellungen und die Paketauswahl der alten Distribution zu übernehmen: Wenn Sie von der Installations-CD/-DVD booten, wird das fremde Linux-System nicht als update-fähig erkannt.
Die Unmöglichkeit eines Cross-Updates hat auch einen guten Grund: Viele Details sind bei den verschiedenen Distributionen einfach zu unterschiedlich gehandhabt, als dass ein einfacher Wechsel möglich wäre -- Konfigurationsdateien liegen in anderen Verzeichnissen oder haben andere Namen, komplette Programmpakete (wie beispielsweise KDE) verwenden andere Verzeichnishierarchien, Benutzer- und Gruppenverwaltung folgen anderen Konzepten bei der Vergabe der Benutzer-IDs oder Standardgruppen, und Programme befinden sich in unterschiedlich benannten Programmpaketen, die auch noch teilweise verschieden auf mehrere Teilpakete aufgeteilt sind.
Es bleibt also beim Umstieg nur der umständliche Weg, zunächst die privaten Daten zu sichern und dann die neue Linux-Distribution zu installieren.
Die wichtigsten Daten befinden sich typischerweise im Home-Verzeichnis; wenn auf Ihrem alten Linux-System nur ein einziger Account angelegt wurde, ist das /home/benutzername/, anderenfalls das ganze Verzeichnis /home/.
Eine Menge Arbeit können Sie sich sparen, wenn sich /home/ auf einer eigenen Partition befindet -- das finden Sie folgendermaßen heraus:
$ df -h /home Filesystem Größe Benut Verf Ben% Eingehängt auf /dev/hda2 68G 60G 8,0G 89% /homeEntscheidend ist hier die letzte Spalte. Wenn unter "Eingehängt auf" der Verzeichnisname /home steht (wie im Beispiel), hat Ihr Home-Verzeichnis eine eigene Partition; anderenfalls steht dort nur /, also das Wurzelverzeichnis.
Unabhängig davon, ob /home nun eine eigene Partition hat oder nicht, sollten Sie in jedem Fall mit einer Datensicherung starten. Die Gefahr, dass bei einer Betriebssystem-Installation etwas schief geht (und sei es, weil ausgerechnet beim Schreiben einer neuen Partitionstabelle der Strom ausfällt) ist einfach zu hoch. Wenn Sie auf dem Rechner auch ein Windows-System verwenden, sollten Sie zusätzlich die privaten Dateien unter Windows sichern, dort liegen Benutzerdaten in der Regel unter C:\Dokumente und Einstellungen\, bei älteren Windows-Versionen unter C:\Eigene Dateien\.
Neben dem Home-Verzeichnis noch andere Daten zu sichern, ist in den meisten Fällen überflüssig. Wenn Sie selbst Programme aus dem Quellcode übersetzt haben, liegen die Quellen eventuell noch unter /usr/local/src/, wollen Sie diese auf der nächsten Distribution erneut übersetzen, können Sie auch dieses Verzeichnis sichern.
Wie Sie unter Linux ein Backup durchführen können, haben wir z. B. in EasyLinux 11/2003 (S. 49) und etwas kürzer in Ausgabe 12/2003 (S. 20, http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2003/12/020-update/) beschrieben. Beachten Sie, dass Sie die Datensicherung mit Administratorrechten durchführen müssen, falls Sie das gesamte Verzeichnis /home mit mehr als einem Benutzerverzeichnis sichern wollen -- für alle fremden Home-Verzeichnisse fehlen Ihnen als normaler Benutzer die Leserechte.
Sind die Daten gesichert, können Sie sich gefahrlos an die Installation der neuen Distribution machen. Beim Partitionieren können Sie die alte Linux-Partition verwenden (und formatieren) oder den von einigen Installationsprogrammen gemachten Vorschlag Alle Linux-Partitionen löschen und deren Platz nutzen verwenden. Nur wenn sich das Home-Verzeichnis auf einer eigenen Partition befindet und erhalten bleiben soll, müssen Sie manuell partitionieren, dabei für die Home-Partition den Mount-Punkt (/home) festlegen und die Partition als nicht zu formatieren kennzeichnen.
Wenn Sie bisher keine separate /home-Partition hatten, sollten Sie jetzt eine anlegen: Das erleichtert in Zukunft den Wechsel zu einer anderen Distribution.
Läuft das neue Linux-System, können Sie Ihre persönlichen Daten rücksichern. Auch dazu melden Sie sich als Administrator an, binden dann die CD oder DVD mit der Sicherung ein und kopieren im Konqueror die Unterverzeichnisse zurück nach /home.
Dieser Schritt entfällt natürlich, wenn das Home-Verzeichnis eine eigene Partition hatte, die jetzt bereits korrekt eingebunden ist.
Nach dem Umstieg auf eine andere Linux-Distribution werden Ihnen viele Dinge gleich vertraut vorkommen, manches wird aber auch verwirrend anders sein.
Was sich nicht ändert:
Was sich ändert:
Der Umstieg auf eine andere Linux-Distribution ist leider ein wenig zeitaufwendig. Wenn Sie mit Ihrem laufenden System zufrieden sind und es vielleicht mit viel Mühe an Ihre Bedürfnisse angepasst haben, sollten Sie den Wechsel überdenken.
Andererseits ist das Sichern und Rücksichern der privaten Daten recht unproblematisch, wenn Sie einen CD-/DVD-Brenner besitzen -- die eigentliche Installation läuft dann wie jede Erstinstallation ab. (hge)
| Profitipp: Mit Knoppix und QtParted Platz schaffen |
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Um vor der Installation einer neuen Linux-Distribution die Windows-Partition zu verkleinern und eine zusätzliche Linux-Partition zu schaffen, die Ihre Home-Verzeichnisse aufnimmt, benötigen Sie eine aktuelle Knoppix-CD -- die enthält nämlich das Partitionierungswerkzeug QtParted (http://qtparted.sourceforge.net/download.en.html). Einige aktuelle Linux-Distributionen liefern auch eine QtParted-Version mit, es ist aber keine gute Idee, im laufenden System Änderungen an den Partitionen vorzunehmen, denn beim Einsatz des normalen Linux-Systems einige Partitionen gemountet. Die Knoppix-Variante ist sicherer. Partitionstabelle neu mischenVor dem eigentlichen Eingriff sollten Sie Windows booten und die NTFS-Partition defragmentieren -- fragmentierte Datenträger können nicht im vollen Umfang oder eventuell gar nicht verkleinert werden: Letzteres ist dann der Fall, wenn ganz am Ende der Windows-Partition Daten gespeichert sind. Haben Sie von der Knoppix-CD gebootet, kann es los gehen. Starten Sie eine Konsole, werden Sie zu darin mit su zum Administrator und starten Sie das Programm qtparted. Wählen Sie dann die Festplatte aus, an der Sie Veränderungen vornehmen wollen. QtParted liest die Partitionstabelle ein und zeigt nach kurzer Pause die Partitionsübersicht an (Abbildung 1). Abb. 2: Nach Start und Auswahl einer Festplatte wird die Partitionstabelle angezeigt.Wählen Sie nun die Windows-Partition (NTFS oder FAT) aus, die Sie verkleinern wollen. Per Rechtsklick auf die Partition rufen Sie ein Kontextmenü auf, aus dem Sie den Eintrag Größe ändern (Resize) wählen. Es erscheint dann der in Abbildung 3 dargestellte Dialog, in dem Sie die neue Größe festlegen. Sie können dazu wahlweise die neue Größe in MB eingeben oder mit dem Schieberegler an der rechten Seite die Größe ändern -- NTFS-Partitionen lassen sich nur "von hinten" verkleinern, nicht "von vorne". Bestätigen Sie die neue Größe per Klick auf OK. Unter QtParted 0.4 müssen Sie jetzt noch Datei/Durchführen (File/Commit) wählen; bei Version 0.3.x erscheint stattdessen ein Warnhinweis, der mit OK zu bestätigen ist.
Abb. 3: Die neue Größe der Windows-Partition können Sie auf verschiedene Arten angeben.Nach dem erfolgreichen Verkleinern gibt es unpartitionierten Plattenplatz. QtParted zeigt diesen an seiner Position auf der Platte an und vergibt einen Pseude-Gerätenamen /dev/hda-1 mit einem Minuszeichen. Diesen Freiraum klicken Sie wieder mit der rechten Maustaste ank und wählen aus dem Kontextmenü Erstellen (Create). Es öffnet sich dann ein neues Dialogfenster: Hier wählen Sie das Dateisystem aus -- angeboten werden zahlreiche Formate, darunter Ext3 und ReiserFS; wählen Sie das gleiche Dateisystem, das auch Ihre bereits vorhandene Linux-Partition verwendet. Als Vorgabe wird der gesamte freie Bereich mit der neuen Partition gefüllt. Wie beim Verkleinern gilt auch beim Anlegen: QtParted 0.4 übernimmt die Vorgabe zunächst in die Partitionsansicht und erwartet ein Datei/Durchführen (File/Commit), um die Änderungen zu schreiben; Version 0.3.x fragt kurz nach und erzeugt dann direkt die neue Partition. Im Ergebnis ist die Windows-Partition geschrumpft, und den freien Platz füllt nun eine neue Linux-Partition. Nun können Sie Knoppix herunter fahren und Ihr altes Linux-System neu booten. Home-Verzeichnis zieht umMelden Sie sich nach dem Start als root an der grafischen Oberfläche an. Binden Sie dann mit dem Partitionsverwaltungs-Tool Ihrer Linux-Distribution (SuSE Linux: YaST, dann System/Partitionieren; Red Hat Linux: nur manuell möglich; Mandrake Linux: Einstellungen / Hardware / HardDrake, dann hda auswählen und auf Konfigurationswerkzeug starten klicken) die neue Partition in das Verzeichnis /home-neu ein. Als letzten Schritt öffnen Sie zwei Konqueror-Fenster und kopieren den gesamten Inhalt von /home nach /home-neu: Nun enthält die neue Partition eine 1:1-Kopie all Ihrer privaten Daten. Dann können Sie Linux herunterfahren und mit der Installation der neuen Distribution beginnen -- beachten Sie dabei, dass Sie manuell partitionieren; die alte, große Linux-Partition wird als Root-Partition (/) verwendet und formatiert, die neue Partition, die nur die Home-Verzeichnisse enthält, darf nicht formatiert werden, sie wird nach /home gemountet. Dadurch sollte nach Abschluss der Installation Ihr altes Home-Verzeichnis bereits auf Sie warten. |
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Last modified: 2007-01-25 16:57
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