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Erschienen in EasyLinux 02/2004   »   Ausgabe bestellen

Faxen mit AVMs Fritz ISDN PCI

Fix gefaxt

von Mirko Dölle


Kein teures Thermopapier, unerwünschte Werbung wird einfach gelöscht -- eine moderne ISDN-Karte macht den Computer zum Faxzentrum für die ganze Familie. Wir zeigen Ihnen, wie es geht.

Ein Papierfax kann Sie teuer zu stehen kommen: Insbesondere unerwünschte Faxwerbung verbraucht das teure Thermopapier oder (bei Normalpapierfaxen) Tinte oder Thermofolie. Im privaten Bereich verursacht die Faxwerbung nicht selten über 90 Prozent der laufenden Kosten.

Abhilfe schafft es, den Computer zum Faxzentrum umzubauen, das eingehende Faxe als E-Mail verschickt. Dazu brauchen Sie eine ISDN-Karte, für die es CAPI-Treiber gibt -- etwa die AVM Fritz-Card ISDN PCI.

Bei der Fritz-Card handelt es sich um eine so genannte passive ISDN-Karte, der einzige Chip auf der Karte ist praktisch nur ein Signalwandler -- die eigentliche Intelligenz steckt im Treiber.

AVM unterstützt Linux seit langer Zeit und bietet vorkompilierte Treiberpakete an, die bei vielen Distributionen bereits enthalten sind. Der Treiber besteht aus zwei Teilen: Das eigentliche Treibermodul wird nur in Binärform geliefert, um der Konkurrenz nicht zu viel über Firmeninterna zu verraten. Dazu kommt ein Open-Source-Wrapper, mit dem sich das Modul für den jeweiligen Rechner neu übersetzen lässt. Der Binärteil bringt aber auch Nachteile mit sich, so funktioniert der Treiber nur auf Intel-kompatiblen Ein-Prozessor-Maschinen, und es lässt sich nur eine Fritz-Card benutzen.

SuSE Linux 8.2 und 9.0

Die Faxeinrichtung ist unter SuSE Linux 8.2 und 9.0 sehr einfach und erfordert nur wenige Mausklicks im YaST. Als erstes muss die ISDN-Karte für den Faxbetrieb vorbereitet werden -- das trifft auch Benutzer, die bereits über die Karte im Internet surfen.

Abb. 1: Ist die ISDN-Karte überhaupt noch nicht eingerichtet, muss sie zunächst konfiguriert werden. Bei bereits eingerichteten Karten muss man die Einstellungen kontrollieren.

Schritt 1

Rufen Sie YaST über das KDE-Menü auf und geben Sie das Root-Passwort ein.

Schritt 2

Im Bereich Netzwerkgeräte wählen Sie den Punkt ISDN aus.

Schritt 3

Nun startet die ISDN-Einrichtung, der Eingangsbildschirm (Abbildung 1) zeigt die bereits eingerichteten und neue ISDN-Karten an, soweit sie die Distribution unterstützt.

Schritt 4

Bei einer neuen ISDN-Karte markieren Sie die Karte im oberen Teil des Fensters und klicken auf Konfigurieren. Wurde die ISDN-Karte bereits zuvor eingerichtet, klicken Sie unten rechts auf Ändern, wählen die betreffende Karte im folgenden Dialog aus und klicken auf Bearbeiten.

Schritt 5

In der Maske ISDN-Low-Level-Konfiguration für contr0 müssen Sie die Treibereinstellungen prüfen: Für den Faxbetrieb muss der CAPI 2.0 driver eingestellt sein. Klicken Sie dann auf Weiter.

Schritt 6

Die ISDN-Service-Auswahl in der folgenden Maske betrifft lediglich die Internet-Konfiguration. Hier können Sie die Karte, wenn gewünscht, gleich für Ihren Internet-Zugang konfigurieren, ansonsten klicken Sie auf Überspringen.

Schritt 7

Sie kehren in die aus Abbildung 1 bekannte Eingangsmaske zurück, Ihre ISDN-Karte taucht nun im unteren Abschnitt bei Bereits konfigurierte Geräte auf. Klicken Sie auf Beenden.

Damit ist die grundlegende ISDN-Konfiguration abgeschlossen, die nächsten Schritte beschäftigen sich mit der Einrichtung als Faxgerät. Dazu klicken Sie im Abschnitt Netzwerkkarte des YaST auf Fax, woraufhin die Konfiguration des Faxgerätes (Abbildung 2) startet:

Abb. 2: Nach der grundlegenden Einrichtung der ISDN-Karte werden die Einstellungen für den Faxbetrieb eingegeben.

Schritt 1

Klicken Sie auf Hinzufügen, das legt eine neue Faxkonfiguration an.

Schritt 2

Es öffnet sich ein Fenster mit den Faxeinstellungen. Die Konfiguration ist an den Benutzer gekoppelt, wählen Sie oben Ihren Benutzernamen aus.

Schritt 3

Im Feld Faxnummern tragen Sie die MSN ein, auf der oder denen das Faxprogramm empfangen soll. Die MSN ist die reine Rufnummer ohne Vorwahl, bei ISDN-Telefonanlagen in Firmen ist es meist die Durchwahl der Nebenstelle. Sollen auf mehreren MSN Faxe empfangen werden, geben Sie die MSN durch Kommas getrennt ein.

Schritt 4

Bei SuSE Linux 9.0 gibt es das Feld Ausgehende MSN. Hier tragen Sie die MSN ein, die bei der Gegenstelle als Anrufer angezeigt wird. Meist genügt es, hier die Faxnummer anzugeben.

Schritt 5

Die StationID wird am Empfangsgerät im Display als Absender angezeigt, hier steht die komplette Rufnummer inklusive internationaler Vorwahl. Sie können die -- doch sehr unübersichtliche -- Nummer auch mit Leerzeichen aufteilen und so besser lesbar machen.

Schritt 6

In der Kopfzeile steht schließlich der Klarname des Absenders, diese Zeile wird am Anfang jeder Faxseite ausgedruckt.

Schritt 7

Die Aktion legt fest, was mit ankommenden Faxen geschehen soll. Bei MailAndSave wird das Fax automatisch als PDF-Datei an den Benutzer per E-Mail verschickt und zusätzlich auf der Festplatte gespeichert. Bei SaveOnly wird das Fax nur gespeichert -- allerdings in einem Format, das kein Standardgrafikprogramm anzeigen kann. Sie sollten also in jedem Fall MailAndSave verwenden.

Schritt 8

Mit OK speichern Sie die Einstellungen und kehren zur Eingangsmaske zurück.

Schritt 9

Zum Abschluss der Einrichtung muss noch die capisuite nachinstalliert werden -- klicken Sie dazu auf Beenden, der folgende Dialog fragt dann die benötigten Datenträger ab.

Damit können Sie über Ihre ISDN-Karte Faxe versenden und auch empfangen. Vor dem ersten Versand sollten Sie in jedem Fall ein oder zwei Minuten verstreichen lassen -- der Kommunikationsserver capisuited, der im Hintergrund läuft, muss erst noch alle nötigen Verzeichnisse anlegen, das dauert einen Moment.

Red Hat Linux 9.0

Die Einrichtung der AVM Fritz PCI als Faxkarte ist unter Red Hat Linux 9.0 erheblich aufwändiger als beim Konkurrenten SuSE. Die nötigen Programme und Treiber gehören bei Red Hat nicht zum Lieferumfang und müssen daher erst einmal von [1] herunter geladen werden. Dieser Web-Server wird privat mit einem dynamischen Hostnamen betrieben, weshalb er hin und wieder nicht erreichbar ist -- in dem Fall probieren Sie es einfach später noch einmal.

Nach Auswahl der Sprache im linken Frame klicken Sie im so genannten "Tagesmenü" auf Red Hat, dort auf Kommunikation: ISDN, CAPI 2.x, dann AVM passiv, und schließlich im rechten Fensterteil auf AVM ISDN Karte FRITZ!Card PCI sowie Was ist nötig zum Betrieb? und Red Hat Linux 9.0.

Damit sind Sie in der Download-Übersicht für die einzelnen Pakete zur AVM Fritz PCI, die direkte Adresse der Seite lautet http://mungo.homelinux.org/linux/comm/avm/de_avm_fcpci_srh9.shtml -- wenn Sie diese Adresse direkt benutzen, fehlt Ihnen jedoch der Navigations-Frame auf der linken Seite.

Sie benötigen die Pakete capi4k-utils, FRITZ!Card PCI, sfftobmp und capisuite, passend zu dem von Ihnen verwendeten Kernel. In der Standard-Installation vom Starter-Kit 1 (Red Hat Linux 8.0) ist das der "i386"-Kernel in Kernel-Version 2.4.20-18.9. Laden Sie die vier Pakete mit Ihrem Browser herunter und speichern Sie sie im Verzeichnis /tmp.

Die Installation ist leider alles andere als komfortabel und muss über die Kommandozeile durchgeführt werden. Am besten melden Sie sich ausnahmsweise als root am grafischen Login an und öffnen dann eine Konsole. Eine Notwendigkeit für die Installation ist, dass die automatische Hardware-Erkennung kudzu gleich beim ersten Schritt deaktiviert wird -- sonst überschreibt Kudzu beim nächsten Neustart die gerade vorgenommenen Einstellungen wieder. Das bedeutet aber auch, dass zukünftig neue Hardware nicht mehr automatisch erkannt wird.

Schritt 1

Der Befehl chkconfig --del kudzu schaltet die automatische Hardware-Erkennung beim Systemstart ab.

Schritt 2

Rufen Sie /etc/rc.d/init.d/isdn stop auf, um das ISDN-System vorübergehend abzuschalten. Während der Installation ist keine Internet-Einwahl möglich, da der Treiber aktualisiert werden muss.

Schritt 3

rpm -e isdn4k-utils xisdnload entfernt die Original-ISDN-Utilities von Red Hat, auch diese müssen durch die Pakete von Mungo ersetzt werden.

Schritt 4

rpm -ihv --nodeps /tmp/capi4k-utils* installiert die CAPI-Utilities von Mungo, sie ersetzen die ISDN-Utilities von Red Hat.

Schritt 5

Es fehlt noch ein symbolischer Link, den Sie von Hand anlegen müssen: ln -s /etc/capi/capi.conf /etc/capi.conf

Schritt 6

Den ISDN-CAPI-Treiber installieren Sie mit rpm -ihv /tmp/kernel-2.4.20-avmfcpci*, er ersetzt den Kernel-Treiber von Red Hat. Die auftretende Fehlermeldung Unresolved symbols ignorieren Sie, der Treiber funktioniert trotzdem.

Schritt 7

Rufen Sie vorsichtshalber rc.capi stop und anschließend rc.capi start auf, damit wird der CAPI-Treiber geladen und die Karte via CAPI angesprochen wird.

Damit ist die Installation des CAPI-Systems abgeschlossen. Wenn Ihre Karte korrekt gefunden und eingerichtet wurde, bringt der Befehl cat /proc/capi/controllers/1 etwa die folgende Ausgabe:

01 linux:~ # cat /proc/capi/controllers/1
02 name             fritz-pci
03 io               0xCC00
04 irq              10
05 type             A1
06 class            14
07 ver_driver       3.10-02
08 ver_cardtype     fritz-pci
09 protocol         DSS1
10 linetype         point to multipoint
11 linux:~ #

Nun wird das Faxsystem aus der capisuite eingerichtet. Bei der CapiSuite [2] handelt es sich eigentlich um eine Entwicklungsbibliothek für CAPI-Anwendungen, die als Beispiele einen Anrufbeantworter und ein Faxsystem enthält. Für den Faxbetrieb benötigen Sie zusätzlich den Grafik-Konverter sfftobmp, um empfangene Faxe in PDF-Dateien zu konvertieren. Die folgenden Schritte führen Sie auf der immer noch geöffneten Konsole als root durch:

Schritt 1

Installieren Sie den Grafik-Konverter sfftobmp mit rpm -ihv /tmp/sfftobmp*

Schritt 2

Die CapiSuite wird mit rpm -ihv /tmp/capisuite* installiert.

Schritt 3

Die Konfigurationsdatei /etc/capisuite/fax.conf öffnen Sie in einem Editor, z. B. in KWrite. Welche Einstellungen Sie ändern müssen, erklärt der nächste Abschnitt.

Schritt 4

Haben Sie die Konfiguration gespeichert, aktivieren Sie die CapiSuite mit dem Befehl rc.capisuite start

Schritt 5

Loggen Sie sich aus und melden Sie sich als normaler Benutzer wieder an.

Allgemeine Faxkonfiguration

Das Faxsystem muss im Wesentlichen für jeden Benutzer individuell konfiguriert werden. Der Konfigurationsdialog von SuSE Linux umfasst nur die wichtigsten Einstellungen, für Feinheiten müssen Sie wie unter Red Hat Linux die Konfigurationsdatei /etc/capisuite/fax.conf -- als Benutzer root -- direkt bearbeiten.

Die einzige globale Einstellung ist gegebenenfalls die Amtsholung bei einer Telefonanlage, damit sie nicht jeder Telefonnummer vorangestellt werden muss. Müssen Sie bei Ihrer Telefonanlage etwa eine Null vorwählen, suchen Sie nach dial_prefix="" in der Konfigurationsdatei und tragen eine Null zwischen den Anführungszeichen ein. Damit haben Sie allerdings auch nicht mehr die Möglichkeit, Faxe an interne Anschlüsse zu versenden.

Alle weiteren Einstellungen fügen Sie einfach ans Ende der Konfigurationsdatei an. Das nachfolgende Beispiel leitet alle eingehenden Faxe für unsere Redaktions-Faxnummer an die Mail-Adresse mdoelle@easylinux.de weiter. Zum Faxen ist jedoch nur der Benutzer mdoelle berechtigt:

[mdoelle]
fax_numbers="99341199"
fax_stationID="+49 89 99341 199"
fax_headline="Linux New Media AG, Redaktion EasyLinux"
fax_email="mdoelle@easylinux.de"
fax_action="MailAndSave"

Der Benutzername steht in eckigen Klammern, der nachfolgende Konfigurationsblock legt dann die Einstellungen beim Faxversand und -empfang fest. Es können mehrere Konfigurationsblöcke hintereinander stehen, so dass jeder Benutzer über seine eigene Faxnummer empfangen und versenden kann.

In der Variablen fax_numbers werden alle MSN eingetragen, auf denen das Faxprogramm empfangen soll, die erste MSN wird zudem für den Versand benutzt. Mehrere MSN müssen durch Kommas getrennt werden.

Die fax_stationID (die Groß-Kleinschreibung des Variablennamens ist wichtig!) enthält die Absendernummer in der international üblichen Notation. fax_headline wird am Anfang jeder Faxseite ausgedruckt und sollte eine Beschreibung des Absenders enthalten. Auch wenn die Länge formal unbegrenzt ist, sollte der Text nicht länger als 40 bis 60 Zeichen sein.

In der Variablen fax_email tragen Sie ein, wohin eingehende Faxe verschickt werden. Fehlt diese Variable, bekommt sie der Benutzer auf dem lokalen System. Schließlich gibt fax_action="MailAndSave" an, dass eingehende Faxe einmal als PDF-Dateien per Mail zugestellt und zusätzlich auf der Festplatte im Verzeichnis /var/spool/capisuite/users/Benutzername gespeichert werden. Mit fax_action="SaveOnly" werden die Faxe nur im genannten Verzeichnis abgelegt. Wir empfehlen in jedem Fall die Einstellung MailAndSave, da die Faxe auf der Festplatte im Grafikformat SFF und nicht als PDF-Dateien abgelegt werden -- und SFF beherrscht kein gängiges Grafikprogramm.

Haben Sie die Faxkonfiguration verändert, müssen Sie die CapiSuite neu starten. Das geschieht mit den Befehlen rc.capisuite stop und anschließend rc.capisuite start.

Fax für alle

Mit ausreichend MSN-Nummern -- bis zu zehn stehen Ihnen für jeden ISDN-Anschluss kostenlos zu -- können Sie für jedes Familienmitglied eine eigene Faxnummer vergeben. Doch die CapiSuite kann noch mehr: Über die Datei /etc/capisuite/answering_machine.conf wird Ihr Computer gleich noch zum Anrufbeantworter, der eingehende Nachrichten auf Wunsch als WAV-Dateien verschickt. Eine kurze Anleitung dazu finden Sie unter [3]. (mdö)

Infos
[1] Red-Hat-Pakete der CapiSuite: http://mungo.homelinux.org
[2] Homepage der CapiSuite: http://www.capisuite.de
[3] Deutsches Handbuch zur CapiSuite: http://www.capisuite.de/capisuite/de-manual

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